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Wie rede Ich über Drogen? Teil 2 für Erwachsene und Eltern

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Dieser Blogeintrag ist der zweite Teil, welcher sich mit dem Thema Umgangsregeln befasst. Er richtet sich spezifisch an Erwachsene und Eltern, die nicht wissen, wie sie mit ihren Kindern über Alkohol und andere Drogen reden können. Der erste Teil richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht wissen, wie sie mit ihren Eltern über Alkohol und andere Drogen sprechen können.

Nicht über das Thema Alkohol und andere Drogen zu reden ist keine Lösung und hilft niemandem. Wie kann also ein angemessener Umgang mit dem Thema Drogen und Rausch aussehen? Einer, der nicht gedankenlos und verharmlosend ist, aber ebenfalls nicht von Bevormundung, Entmündigung und Kontrollexzessen geprägt ist?

Eltern möchten, dass es ihren Kindern gut geht. Das gilt in aller Regel auch für Eltern, die selbst suchtkrank sind. Kinder und Jugendliche dagegen möchten etwas erleben, eigene Erfahrungen machen, oft eben auch intensive oder extreme, sie möchten Spaß haben und sich ausprobieren, in die Welt hineinwachsen. Eltern sorgen sich. Jugendliche sind risikobereit. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. In beiden Fällen hat unsere Kultur leider einen chronisch verkrampften Umgang mit Rausch und Rauschmitteln.

Unsere Empfehlung lautet wenig überraschend: Redet miteinander! Hört zu, äußert eure Ängste und Bedürfnisse und erkennt die des anderen an. Stellt gemeinsam Regeln auf. Haltet sie ein. Und seid euch bewusst, dass es immer Konflikte geben wird, wenn die Bedürfnisse und Sorgen des anderen – oder auch die Gesetze – nicht ernst genommen und ignoriert werden.

 

Vertrauen – die unverzichtbare Grundlage

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter zu früh oder zu viel Alkohol trinkt oder andere Drogen nimmt oder sogar ein Suchtproblem hat, sollten Sie mit ihm oder ihr reden. Wichtig ist dabei, schon vorher eine vertrauensvolle Basis für ein Gespräch zu schaffen. Verdächtigungen sind ebenso kontraproduktiv wie moralische Vorwürfe oder entwertende Kritik. Gespräche sind nur auf Augenhöhe zielführend. Zeigen Sie, dass Sie Vertrauen in Ihren Sohn oder Ihre Tochter haben (oder dieses Vertrauen wiedergewinnen möchten) und dass Ihr Kind Ihnen vertrauen kann. Hören Sie zu, nehmen Sie die Argumente Ihres Kindes ernst und versuchen Sie, dessen Gründe für den Substanzkonsum zu begreifen. Vorschnelle Verdächtigungen oder Kritik transportieren oft auch Botschaften wie »Du bist nicht okay« oder »Dir kann ich nicht vertrauen« oder »Du hast keine Ahnung, ich weiß besser, was gut für dich ist«. Auch heimliches Durchsuchen des Zimmers drückt vor allem Misstrauen aus. Das schafft keine gute Basis für vertrauensvolle Gespräche, egal ob sich Ihre Sorgen als unbegründet herausstellen sollten oder nicht. Und – möglichst keine Aussprache in emotional aufgeladenen Konfliktsituationen suchen, sondern versuchen, eine besonnene, gute Atmosphäre zu schaffen, bevor Sie in die Auseinandersetzung einsteigen.

Informiert über Drogen sprechen

Gerade zum Thema Alkohol und Drogen gibt es sehr viel Un- oder Halbwissen. Macht Cannabis abhängig? Ist man sofort süchtig, wenn man einmal Kokain oder Crystal probiert? Ist es wirklich gesund, täglich ein Glas Wein zu trinken? Ist Alkohol harmloser als Cannabis? Um mit Jugendlichen auf Augenhöhe über deren Konsum und Drogen allgemein reden zu können, ist es wichtig, selbst informiert zu sein. Jugendliche merken schnell, wenn ihr Gegenüber weniger weiß als sie selbst. Natürlich können Sie kaum über alle Drogen informiert sein; es gibt niemanden, der das ist. Müssen Sie aber auch nicht. Suchen Sie, vielleicht sogar gemeinsam mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, nach brauchbaren Informationen. Jemanden zu kennen, der Alkoholiker ist oder eine Heroinabhängigkeit hinter sich hat, ist für erfolgreiche Gespräche über den Drogenkonsum Ihrer Kinder nicht zwangsläufig nützlich. Denn die Erfahrungen aus Ihrem Bekanntenkreis lassen sich nicht zwingend auf das Erleben Ihrer Kinder übertragen.

Folgende Grundaussagen des britischen Drogenexperten David Nutt, ursprünglich als Hinweise an junge Menschen gedacht, sind ein guter Ausgangspunkt für Gespräche zwischen Eltern und ihren Kindern:

  • Alkohol und Tabak sind Drogen, es gibt keinen sicheren Konsum.
  • Alle Drogen haben angenehme Effekte. Deshalb unterschätzt man oft die Risiken.
  • Fang niemals an, Drogen zu spritzen, denn das ist die gefährlichste Art des Konsums überhaupt.
  • Halte dich auch von Lösungsmitteln fern. Inhalieren tötet jede Woche einen Menschen.
  • Trink niemals Alkohol, wenn du andere Drogen konsumierst. Dabei können neue Substanzen im Körper entstehen, die noch viel schädlicher sind.
  • Selbst wenn wir mit der Kriminalisierung von Drogen nicht einverstanden sind: Ein Eintrag im Strafregister kann dein Leben ruinieren.
  • Finde zuverlässige Quellen für Informationen.
  • Wer Drogen verteufelt, lügt – genauso wie jeder lügt, der Drogen glorifiziert oder verharmlost.
  • Wann immer du Drogen nimmst, sei dir im Klaren darüber, warum. Das gilt auch für Alkohol und Zigaretten.
  • Wenn du Probleme mit Drogen bekommst, hol dir so schnell wie möglich Hilfe. Auch bei uns Eltern. Wir bestrafen dich nicht, sondern sind für dich da.
  • Wenn du mit Drogen experimentierst: Sorge dafür, dass deine Abenteuer keine Folgen für die Schule haben. Nimm niemals Drogen mit dorthin und konsumiere auch keine auf dem Schulgelände. Deine Experimente sollten auch nicht verhindern, dass du deine Hausaufgaben machst oder nüchtern am Unterricht teilnimmst.

Interesse am anderen zeigen!

Jugendliche streben nach Unabhängigkeit von den Eltern. Das ist grundsätzlich gut und wichtig. Häufig wirken sie dabei verschlossen und blocken neugierige Fragen der Eltern ab. Aber auch wenn sie nicht den Eindruck erwecken, ist es dennoch wichtig für sie, dass man Interesse an ihrem Leben zeigt: Mit wem trifft er oder sie sich? Wie verbringen sie ihre Zeit? Wenn Grenzen überschritten werden, ist es wichtig, nicht darüber hinwegzusehen. Auch mit der vielleicht unangenehmen und unerwünschten Konfrontation bei Fehlverhalten signalisieren Sie: »Ich interessiere mich für dich!« oder auch »Ich mache mir Sorgen um dich«. Vorwürfe und Vorhaltungen allerdings treiben den anderen eher in die Defensive und tragen meist nicht zu einer Lösung bei. Jugendliche haben jedes Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden.

Provokationen

Beim Streben nach Unabhängigkeit gehört es für junge Erwachsene häufig dazu, Autoritäten (und ganz besonders die Eltern) herauszufordern und zu provozieren. Das hat einerseits die Funktion, Grenzen auszutesten, andererseits ist es auch ein Zeichen von Identitätssuche durch Abgrenzung von den Erwartungen und Überzeugungen der Eltern. Letztlich erleichtern Jugendliche ihren Eltern so auch das Loslassen: Wenn Sie gelegentlich vor Ihren unzugänglichen und schwierigen Kindern kapitulieren, kann das manchmal durchaus etwas Gutes haben. Mitunter wird so der in dieser Altersphase anstehende Ablöseprozess erleichtert. Mit Desinteresse sollte das allerdings nicht verwechselt werden: Auch, wenn pubertierende Jugendliche häufig verschlossen wirken, so brauchen sie dennoch die Gewissheit, dass sie jederzeit um Hilfe bitten können.

Vorbild sein

Wie Jugendliche mit Alkohol und anderen Drogen umgehen, hängt auch davon ab, wie im Elternhaus damit umgegangen wird. Nicht nur, aber auch. Und dazu gehört auch der Umgang mit Medikamenten und Drogen, angefangen bei der Kopfschmerztablette über Beruhigungsmittel bis hin zu Alkohol und Zigaretten. Wer sich selbst nicht erlaubt, krank, erschöpft oder überfordert zu sein und jede Störung mit Medikamenten bekämpft, um möglichst belastbar und funktionstüchtig im Beruf und Alltag zu sein, sollte darüber nachdenken, welches Beispiel für den Umgang mit eigenen Schwächen, aber eben auch mit Substanzen er abgibt.

Das bedeutet nicht, dass Jugendliche das Verhalten der Eltern grundsätzlich imitieren. Das ist nur ein mögliches Muster. Auch das Gegenteil ist möglich: Wenn Sie selbst gar keinen Alkohol trinken oder verantwortlich damit umgehen, kann es zur jugendtypischen Ablösung vom Elternhaus gehören, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Sie vorleben. Dennoch bleiben Sie als Erwachsene mit Ihrem eigenen Verhalten immer auch zu einem großen Teil Vorbild für Jugendliche. Deshalb ist es wichtig, auch seinen eigenen Umgang mit Substanzen zu überprüfen – wenn Sie selbst starker Raucher sind, ohne zwei Feierabendbier nicht ins Bett finden oder sich bei jedem Fest betrinken, sollten Sie das zumindest offen ansprechen, wenn Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn über deren Cannabis- oder Ecstasy-Konsum reden wollen.

Das gilt natürlich in besonderem Maße, wenn Sie selbst ein Suchtproblem haben. Dann sind Ihre Kinder tatsächlich gefährdeter als andere. Reden Sie mit Ihren Kindern darüber. Zeigen Sie Ihre Schwächen, dann fällt es den Jugendlichen leichter, Sie zu verstehen. Und verschanzen Sie sich nicht im Käfig Ihrer Kleinfamilie. Ziehen Sie andere Erwachsene oder professionelle Berater dazu, wenn es nicht so läuft, wie Sie es sich wünschen. Oder wenn Ihre Kinder offenkundig unter Ihrer Sucht leiden.

 

Erwischt

Geduld, Klarheit und Vertrauen sind wichtig. Wir alle lernen manchmal, indem wir wiederholt gegen Mauern rennen. Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter Grenzen überschritten oder Regeln nicht eingehalten hat, zum Beispiel in der Schule oder zu Hause kifft, obwohl Sie es anders vereinbart haben, seien Sie konsequent, aber nicht drakonisch. Ihr Gegenüber sollte spüren, wenn Sie enttäuscht sind oder sich nicht ernst genommen fühlen. Zum Beispiel ist einigen Jugendlichen tatsächlich geholfen, wenn sie die Schule wechseln können – ein Schulverweis dagegen nützt ihnen in aller Regel nicht. Sagen Sie Ihren Kindern, wenn Sie das Vertrauen verlieren oder verloren haben. Holen Sie sich Unterstützung, auch professionelle. Sie müssen und sollten solche Probleme nicht verheimlichen – Substanzkonsum in der Familie ist keine Schande, kein Resultat elterlichen Versagens und verbreiteter, als Sie denken. Setzen Sie auf Offenheit und aktive Problemlösung. Schweigen ist keine Lösung.

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Sex, Drugs and Rock’n’Roll in einer Berliner Schule: Erfahrungen als Kursassistentin bei der Durchführung von REBOUND Teil 3/3

Dieser Erfahrungsbericht wird in zwei Teilen auf dem FINDER Blog publiziert. Man gelangt über die Links des Inhaltsverzeichnisses zu den entsprechenden Unterkapiteln.

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Vor der Durchführung des Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage
  2. Schülerverhalten
  3. Entwicklungen der Stimmung im Kursverlauf
  4. Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge
  5. Schlüsselsituationen: Was hat den Kursverlauf positiv beeinflusst?
  6. Meine Rolle als Praktikantin und Kursleiterin bei REBOUND

6.  Meine Rolle als Praktikantin und Kursassistentin bei REBOUND

Im Ramen meines Praxissemesters habe ich für drei Monate in der FINDER Akademie für Prävention und erfahrungsbasiertes Lernen mein Praktikum absolviert und in diesem Zusammenhang an einer Weiterbildung zur REBOUND Kursleiterin teilgenommen. Bis zum Abschluss meines Studiums kann ich nun als Kursassistentin REBOUND gemeinsam mit anderen ausgebildeten REBOUNDERN leiten, nachdem ich meinen Studienabschluss habe, dann auch selbstständig. Ich studiere in Freiburg Gesundheitspädagogik und interessiere mich für Präventionsforschung und Präventionsarbeit. Das Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm REBOUND stellt für mich, mit vielen gesundheitspädagogischen Hintergründen, eine Schnittstelle zwischen meinem, im Studium erworbenen Wissen, und der praktischen Präventionsarbeit dar.

Ich stehe hinter REBOUND, da ich den Ansatz, nichts zu verbieten, sondern Lebens-sowie Risikokompetenzen zu stärken, unterstütze. Um in Situationen klug zu handeln, in denen Alkohol und andere Drogen eine Rolle spielen, braucht es mehr, als den Hinweis auf Gefahren. Um bewusst Entscheidungen zu treffen, sind verschiedene Voraussetzungen, wie zum Beispiel das Bewusstsein über die eigenen Stärken nötig. Risikobewusstes Verhalten beinhaltet im Zusammenhang mit Alkohol und anderen Drogen nicht totale Abstinenz.  Reflexion, Information, Kontrolle und Orientierung sind hingegen Aspekte, die erworben und gestärkt werden sollten.

Risikobewusstes Verhalten ist in allen Lebenssituationen, eingeschlossen derer, in denen Alkohol und andere Drogen eine Rolle spielen, eine Grundlage, die eigene Gesundheit zu schützen und zu bewahren. Aus diesem Grund, war es mir ein Anliegen, nicht nur einen theoretischen Überblick über REBOUND zu bekommen, sondern die Möglichkeit zu nutzen, einen Kurs zu unterstützen.

Ich habe die REBOUND-Implementationswoche als sehr lehrreich empfunden und einiges für mich mitnehmen können. Positiv war für mich, dass ich aufgrund meiner Arbeit während des Praktikums schon mehr Kontakt mit dem REBOUND Curriculum hatte, als die Kursleiter/innen, die sich für die geplante Woche neu vorbereiten und einlesen mussten. So hatte ich einen Überblick über Methoden, Ziele und Zusammenhänge, was vor allem beim spontanen Umplanen der Stunden hilfreich war. Sich auf die REBOUND Durchführung vorzubereiten, kann sehr zeitintensiv sein, ist allerdings mit dem sehr gut ausgearbeiteten Curriculum gut möglich. Die detaillierten Beschreibungen von Stundenaufbau, Methoden und Hintergrundinformationen, waren für mich und die anderen Kursleiter/innen immer hilfreich.

Bei der Umsetzung von REBOUND kam mir ebenfalls zugute, dass ich im Verlauf meines Studiums schon häufig präsentieren und vor Gruppen sprechen musste. Diese Kompetenz hat es mir auf jeden Fall erleichtert, diesen Kurs mit anzuleiten. Auch wenn ich von Anfang an keine Probleme hatte, vor der Klasse zu sprechen oder zu präsentieren, habe ich bemerkt, wie ich im Verlauf der Woche noch sicherer wurde. Am Anfang, war ich immer sehr gut vorbereitet und wusste, was ich wozu sagen wollte. Im Verlauf des Kurses wurde ich hier spontaner und war weniger an mein Konzept gebunden. Trotzdem ist mir eine gute Vorbereitung sehr wichtig, da diese für mich die Grundlage bildet, etwas authentisch vermitteln zu können. Wenn ich das Gefühl habe, Ahnung vom Thema zu haben und nicht nur Halbwissen zu erzählen, kann ich umso spontaner auf Situationen eingehen.

Als ausbaufähig habe ich meine Autorität der Klasse gegenüber empfunden. Ich könnte das darauf schieben, dass ich mit 22 Jahren nicht so viel älter als die Schüler war, allerdings ist das, meiner Meinung nach, etwas Grundlegenderes. Wie man in unruhigen Situationen die Aufmerksamkeit der Schüler zurückbekommt, sich durchsetzt und Nebengespräche unterbindet, empfinde ich als Kompetenz, die ich noch verbessern möchte.

Mein Fazit aus dieser Woche ist, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, sich dieser Herausforderung zu stellen. Ich habe nicht nur Einblicke in die Umsetzung, des mir bisher nur theoretisch bekannten REBOUND Programms bekommen, sondern auch viele komplexe Zusammenspiele zwischen Schülern, sowie KursleiterInnen und Schülern beobachten können. Es war spannend, Einflüsse von Erwartungshaltungen an das Setting Schule und an Präventionsprogramme der Schüler zu beobachten. Wie die Stimmung, aber auch das Verhalten der Schüler sich im Kursverlauf änderten und was neben inhaltlichen Thematiken, den Verlauf des Kursgeschehens beeinflussen kann.

Ich bin froh darüber, die Möglichkeit bekommen zu haben, diesen Kurs zu unterstützen, und dass ich mit so netten und teamfähigen KursleiterIinnen zusammenarbeiten durfte. Das mir gegenübergebrachte Vertrauen, hat mir sehr geholfen, diese Erfahrung positiv für mich nutzen zu können.

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Sex, Drugs and Rock’n’Roll in einer Berliner Schule: Erfahrungen als Kursassistentin bei der Durchführung von REBOUND Teil 2/3

Dieser Erfahrungsbericht wird in drei Teilen auf dem FINDER Blog publiziert. Man gelangt über die Links des Inhaltsverzeichnisses zu den entsprechenden Unterkapiteln.

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Vor der Durchführung des Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage
  2. Schülerverhalten
  3. Entwicklungen der Stimmung im Kursverlauf
  4. Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge
  5. Schlüsselsituationen: Was hat den Kursverlauf positiv beeinflusst?
  6. Meine Rolle als Praktikantin und Kursleiterin bei REBOUND

4.  Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge

 

Im Laufe der Woche sind uns Kursleitenden einige Schwierigkeiten begegnet, manche haben wir erst spät bemerkt, wir mussten auf ungeplante Situationen reagieren oder spontan umplanen. Diese Situationen möchte ich im Folgenden beschreiben und mit Überlegungen ergänzen, wie wir diese hätten besser lösen oder schon vorbeugen können.

 

Personelle und organisatorische Schwierigkeiten

Wie bereits zu Beginn beschrieben, war der ursprüngliche Plan, REBOUND mit insgesamt sechs Kursleitern/innen durchzuführen. Noch vor Beginn des Kurses war klar, dass mindestens ein Lehrer weniger dabei sein würde, da dieser stundenplanerisch andersweit in der Schule gebraucht werden würde. Der Einsatz einer weiteren Lehrerin war krankheitsbedingt ebenfalls noch unklar.

Daher haben wir die Planung der Stunden für vier Kursleiter/innen vorgenommen und die verschiedenen Aufgaben und Methoden im Team verteilt. Am ersten Tag waren zunächst dann doch fünf Kursleiter/Innen anwesend, was im Nachhinein betrachtet fast zu viel war. Wenn wir den Kurs mit fünf verschiedenen Kursleitern/innen durchgeführt hätten, wären zwar nie alle gleichzeitig anwesend gewesen, allerdings hätte der ständige Wechsel das Gruppengefühl und das Vertrauen der Teilnehmer gegenüber uns Kursleitern vermutlich gemindert.

Am zweiten Tag ist dann ein weiterer Kursleiter krankheitsbedingt für den Rest der Woche ausgefallen. Aufgrund anderweitiger Termine waren auch die anderen Kursleiter/innen im Kursverlauf immer wieder einmal verhindert, was unsere vorherige Planung und Strukturierung der Tage hinfällig werden ließ.

Aufgrund der anfangs zahlreichen Kursleiter, die REBOUND umsetzen wollten, hatte uns ein klarer Sinn für Zuständigkeit gefehlt, sowie bei den meisten Kursleiter/Innen der Überblick über das gesamte REBOND Programm. Ins Gedächtnis zu rufen ist hier, dass dies die erste Umsetzung von REBOUND nach der Kursleiterweiterbildung war. Die Programmmacher gehen stets davon aus, dass Kursleiter mindestens drei Durchläufe absolvieren müssen, bevor sie wirklichen Überblick, persönliche Entspanntheit und Flexibilität im Einsatz des Materials gewinnen.

Im Großen und Ganzen hat sich unser Personal-Chaos nicht negativ auf den Kurs ausgewirkt. Es hat lediglich bei uns Kursleitern zu mehr Stress, spontanem Umplanen und durchgearbeiteten Pausen geführt. Das war an sich kein Problem, da wir spontan auf die Gegebenheiten reagieren konnten, lösungsorientiert vorgegangen sind und uns als Team immer schnell einigen konnten. Hilfreich war vor allem, dass sehr detailliert ausgearbeitete REBOUND Curriculum, an das wir uns in solchen Fällen gehalten haben.

Mein Fazit aus diesen Schwierigkeiten ist, dass es vermutlich sinnvoller ist, einen REBOUND-Kurs mit zwei bis drei festen Kursleitern zu planen, wenn denn überhaupt die Möglichkeit besteht, im Team zu unterrichten. Wenn eine klare Verantwortlichkeit besteht, erleichtert dies die Planung und Zuständigkeit. Zudem ist eine Entwicklung in Stimmung oder Verhalten der Teilnehmer besser zu beobachten, wenn die gleichen Kursleiter/innen die Klasse die gesamte Woche begleiten.

 

Inhaltliche Herausforderungen 

Eine weitere Herausforderung, die uns bei der Umsetzung aufgefallen ist, war das Vermitteln der MAGIC 7. Ich bin mir nicht sicher, ob die Schüler den Zusammenhang der MAGIC 7 und unseren anderen Themen verstanden haben.

Diesen sieben Aspekten, hätten wir mehr Zeit zukommen lassen müssen, um den Kursteilnehmern die Bedeutung bewusst zu machen. Wir haben zwar alle Methoden, die das Curriculum zur MAGIC 7 vorschlägt, durchgeführt, allerdings nicht oft genug bei anderen Methoden und Themen darauf verwiesen, dass es hier gerade indirekt um einen der MAGIC 7 Aspekte geht. Eventuell hätte es für unsere Klasse Sinn gemacht, die Schüler die MAGIC 7 selbst präsentieren zu lassen, da sie sich so konzentrierter mit dem Thema hätten beschäftigen müssen.Zusätzlich wäre es für uns Kursleiter/innen wichtig gewesen, diese Aspekte öfter bewusst im Kopf zu haben, um diese in passenden Situationen zu erwähnen und auf Zusammenhänge zu verweisen.

Mein Tipp an zukünftige Kursleiter ist, sich mit den MAGIC 7 Aspekten wirklich vertraut zu machen, so dass klar ist, worauf die einzelnen Methoden des Curriculums abzielen und wie eine Verbindung von MAGIC 7 Aspekten und anderen Themen hergestellt werden kann. Dies hängt natürlich mit dem oben erwähnten Überblick zusammen, der vermutlich erst mit der Lehrerfahrung in REBOUND wächst.

 

Herausforderungen aufgrund von Heterogenität der Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Schwierigkeiten, die aufgrund der Heterogenität der Klasse und verschiedenen Schüler-Typen entstanden, habe ich zum Teil schon im Abschnitt Schülerverhalten beschrieben.

Dies waren zum einen Schwierigkeiten, vor die uns die „desillusionierten Schülerinnen“ stellten, welche sich zunächst nicht auf die Inhalte des Kurses einlassen konnten. Diese drei Schülerinnen verweigerten sich am ersten Tag komplett. Sie arbeiteten bei keiner Gruppenarbeit mit, präsentierten keine Ergebnisse und gaben oft auch keine Antwort.Nachdem wir am ersten Tag versucht hatten, durch Argumentationen und positiven Zuspruch Zugang zu den Schülerinnen zu bekommen, wurden sie am zweiten Tag explizit zu mehr Kooperationsbereitschaft aufgefordert, auseinandergesetzt und in verschiedene Gruppen verteilt. Dies hatte den Effekt, dass sie von anderen, mehr motivierten Gruppenmitgliedern animiert wurden, bei Gruppenarbeiten mitzuarbeiten. Im Stundenverlauf fielen sie nicht mehr negativ auf, öffneten sich zwar nicht, aber der befürchtete negative Einfluss auf die anderen Kursteilnehmer blieb aus. Wir Kursleiter/innen bestärkten sie die kommenden Tage, gaben am Ende der Stunden in Einzelgesprächen positive Rückmeldung, und erklärten, dass wir sie als deutlich kooperationsbereiter wahrgenommen hatten.

Bei der Besprechung von Ideen für das REBOUND-Kursprojekt fielen uns zwei weitere Schülerinnen auf, die sich nicht mit den Kursthemen identifizieren konnten und die Themen ablehnten. Da sie sich im Verlauf der Woche als unauffällig und angepasst gezeigt hatten, war uns nicht aufgefallen, dass sie keinen Zugang zum Programm gefunden hatten.

Sie hatten keine Ideen für die Umsetzung eines Kursprojekts und wollten auch nicht verstehen, wieso sie überhaupt an einem Projekt arbeiten sollten. Unsere Unterstützung wollten sie nicht annehmen und lehnten alle Vorschläge ohne weitere Begründung ab. Bei der Projektpräsentation war eine der beiden nicht anwesend, sodass auch kein Ergebnis präsentiert wurde.Wir hätten früher bemerken müssen, dass diese zwei Schülerinnen nicht wirklich dabei waren und versuchen müssen diese mehr ins Kursgeschehen zu involvieren, um sie aus ihrer passiven Rolle zu locken.

Des Weiteren war eine der beiden weniger autonom und sehr auf die Meinung der Freundin fokussiert. Dies hat sie zusätzlich gehemmt, sich auf den Kurs einzulassen. Wir hätten zumindest diese Schülerin unterstützen können, indem wir sie einer anderen Gruppe zuteilen hätten können und so Einfluss der Freundin mindern. Zudem hätten wir die beiden nicht nur zu zweit ein Kursprojekt erarbeiten lassen dürfen, sondern sie auch für diesen Teil in zwei verschiedene größere Gruppen einteilen.

Ein Schüler, der während des Kurses oft störend aufgefallen ist, da er sich lieber mit Mitschülern unterhalten hat, als am Kurs teilzunehmen, stellte uns insoweit vor eine Schwierigkeit, dass wir ihn oft ermahnen oder zur Ruhe auffordern mussten. Da ihm der REBOUND Kurs schon bekannt war, hätten wir ihn viel öfter einbinden können, ihn direkt über Themen berichten lassen können, anstatt ihn aufzufordern nicht zu stören.

 

Schwierigkeit bei der Umsetzung der Projektarbeit  

Eine Schwierigkeit, die sich aufgrund der personellen Umplanungen ergab war, dass wir die Schüler am Tag der Projektentwicklung selbstständig arbeiten ließen und diese nicht in die Schule kommen mussten. Wir hatten die Projektarbeit an den Tagen zuvor gemeinsam vorbereitet und wollten die fertigen Projekte am letzten Tag gemeinsam anschauen und bewerten. Das Curriculum sieht eigentlich vor, dass die Kursleiter/innen die Projektentwicklung am Projekttag begleiten und für Rückfragen zur Verfügung stehen. Das Projekt soll von den Schülern noch am Projekttag fertiggestellt und abgegeben werden. Nach Absprache mit den Schülern und Eltern, haben wir beschlossen, dass die Schüler frei arbeiten dürften und das Projekt erst am kommenden Tag mitbringen müssten. Dies hat in den meisten Fällen auch geklappt, die Projekte wurden vorgestellt und von der Klasse und uns bewertet. Zwei Gruppen, unter diesen auch die zwei bereits erwähnten Mädchen, welche sich nicht auf die Projektarbeit einlassen wollten, konnten uns am letzten Tag kein Ergebnis vorstellen. In dieser, sowie in einer anderen Gruppe, war eine Person nicht anwesend, welche laut den Schülern den USB-Stick bzw. das Plakat mit der Projektarbeit in Besitz habe. In beiden Fällen forderten wir die Schüler auf, die Projektarbeit in der nächsten Woche bei den Klassenlehrern nachzureichen.

Dies hätten wir vermutlich verhindern können, wenn wir uns am Tag der Projektarbeit in der Schule zum Start und Abschluss der Entwicklung getroffen hätten. Abgesehen davon, hätten die Schüler weder unsere technische noch inhaltliche Unterstützung gebraucht, da sehr gute und sehenswerte Projekte entstanden sind.

Kritik der Schüler 

Kritik, die von den Schülern am Programm geäußert worden war, bezog sich hauptsächlich auf die Impulsspiele, welche wir häufig zu Beginn der Stunden als Wachmacher eingesetzt hatten. Die meisten Schüler fühlten sich während dieser Spiele nicht wirklich wohl oder empfanden die Situation als unangenehm. Ich kann diese Kritik gut nachvollziehen, allerdings würde ich auf Impulsspiele nicht verzichten. Nach längeren Pausen oder Abschnitten, in denen die Schüler eher eine passive Rolle einnehmen, wirken diese Spiele Kreislauf aktivierend und konzentrationsfördernd. Es kann Sinn machen, sich andere Spiele zu überlegen, die auflockern, den Schülern aber nicht als unnatürlich oder lächerlich vorkommen.

Wir hätten der Klasse teilweise mehr Verantwortung zukommen lassen und die Schüler Themen selbst erarbeiten und präsentieren lassen können. Das wäre bei einer so aktiven und interessierten Klasse durchaus möglich gewesen und hätte zu mehr selbstständigen Denken angeregt. Für den ersten REBOUND Durchlauf war es für uns einfacher, den Kurs so durchzuführen, wie das Curriculum es vorschlägt. Für zukünftige Durchläufe kann man das im Kopf behalten und Methoden teilweise mehr auf die Klasse zuschneiden.

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir zwar einige Schwierigkeiten hatten, diese aber nicht gravierend waren oder den Kurs wesentlich negativ beeinflusst haben. Dafür, dass es für uns alle das erste Mal war, das wir REBOUND durchführten, sind wir sehr zufrieden mit der Woche und dem Ergebnis. Diese Erfahrungen können wir für die nächste Durchführung nutzen und vielleicht dann das ein oder andere besser machen.

 

 

5.  Schlüsselsituationen: Was hat den REBOUND-Kursverlauf positiv beeinflusst?

 

Im Kursverlauf waren einige Schlüsselsituationen zu erkennen, die den Kursverlauf, die Grundstimmung der Klasse und so die Grundlage für Lernbereitschaft beeinflusst haben.

Als sehr positiv, habe ich die Filmarbeit wahrgenommen. Die Schüler waren interessiert bei der Sache, haben sich auf die Methoden eingelassen und wurden zum Nachdenken angeregt. Eine Schlüsselsituation habe ich nach dem Film „Testspiel“ wahrgenommen. Im Film geht es darum, dass ein paar Jungen auf einem Festival mit älteren Studierenden viel Alkohol trinken, zu Trinkspielen animiert werden und sichtbar über ihre Grenzen gehen. Ein Junge kollabiert, die Freunde drehen ihn auf den Rücken, nehmen ihm noch fürsorglich die Brille ab und fahren darauf hin zum Festivalgelände. Als sie zurückkommen, ist der Junge an seinem Erbrochenen erstickt. Diese Geschichte beruht, wie alle anderen REBOUND Filme, auf einer wahren Begebenheit.

Die Schüler waren nach dem Film sehr ruhig und haben Mitgefühl gezeigt. Sie empfanden diesen Film als „traurig und erschreckend“, weil ihnen bewusst wurde, dass so etwas jedem von ihnen passieren hätte können, wenn den Freunden nicht bewusst ist, wie in solch einer Situation gehandelt werden müsse. Nach der Filmbesprechung haben wir mit den Schülern die „Stabile Seitenlage“ geübt. Bei dieser Übung waren alle Schüler aktiv dabei. Auch diejenigen, die im bisherigen Kursverlauf nicht besonders motiviert wirkten oder Gruppenarbeiten verweigert hatten, haben bei dieser Übung mitgemacht. Alle Schüler haben sich in die verschiedenen Rollen, der Helfenden und der zu Rettenden, begeben und sich nach dieser Stunde sicherer gefühlt, jemandem in einer Notsituation helfen zu können, als zuvor.

 

Eine weitere Schlüsselsituation war in der „Lebenswegstunde I“ zu erkennen, in welcher normalerweise Mentoren-Gespräche in Kleingruppen stattfinden. Die Schüler können hier für gewöhnlich in Austausch mit Personen treten, die bereits bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigt haben und als positive Modelle aus ihrer Lebensgeschichte erzählen. Die Aufgabe der Schüler ist es anschließend Stärken der Mentoren zu erkennen, welche diesen in schwierigen Situationen geholfen haben und wie sich die Mentoren verschiedenen Herausforderungen gestellt haben. Da wir für diesen Tag keine Mentoren gewinnen konnten, haben wir mit biographischen Texten aus dem Aufklärungsbuch „High Sein“ (von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle) gearbeitet. Die Schüler waren von den Geschichten der Personen sehr beeindruckt und konnten nach dem Lesen jener Textauszüge, die schwierige Situationen und dramatische Lebensgeschichten erzählten, klar Stellung beziehen, dass sie nie in solche Situationen kommen wollen würden.

Anschließend wurden die Schüler dazu angeregt ihr persönliches Mentoren-Netzwerk zu erstellen. Hierbei sollen wichtige Personen im eigenen Leben erarbeitet werden, deren Stärken und was man von diesen Personen lernen könnte. In der anschließenden Besprechung öffneten sich einige Schüler der Klasse, erklärten, was ihnen wichtig sei und welche Personen in ihrem Leben eine bedeutsame Rolle spielten. Ein Mädchen zeigte sich äußerst mutig und erzählte vom Tod einer Freundin, welcher sie sehr belaste. Der Großteil der Klasse hatte bis zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Ereignis gewusst und nahm diese Information betroffen auf. Trotz, oder gerade auf Grund dieser schwierigen Themen, war an diesem Tag eine andere Verbundenheit und ein tieferes Vertrauen in der Klasse zu spüren.

Als ebenfalls positive Situationen, habe ich die sehr interaktiven Tabak- und Cannabis-Präsentationen wahrgenommen. Die Schüler waren interessiert, haben Fragen gestellt und die Präsentationen durch eigene Erfahrungen ergänzt. Da auch einige von uns Kursleitern von persönlichen Erfahrungen berichtet haben, hat sich die vertrauensvolle Grundstimmung noch verstärkt und deutlich vom normalen Unterrichtsgeschehen unterschieden. Die persönliche Offenbarung war an dieser Stelle passend und hat den Schülern gezeigt, dass nicht nur sie sich öffnen, sondern auch wir ihnen vertrauen. In REBOUND wird Selbstoffenbarung der Kursleiter nach klaren Regeln und immer reflektiert eingesetzt.

Einige Schüler haben sehr offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Alkohol und Cannabis gesprochen, was den Austausch zu diesem Thema erleichtert hat. Eine wichtige Situation entstand in der Cannabisstunde, durch die Stellungnahme eines beliebten Schülers. Dieser hat den leichtsinnigen Umgang mit Cannabis kritisiert, dabei niemanden schlecht dargestellt, aber den Mitschülern eindrücklich „ins Gewissen geredet“. Er hat von einem ehemaligen Mitschüler berichtet, der allen Mitschülern bekannt war und der inzwischen große Probleme auf Grund seines Drogenkonsums bekommen habe. Zum einen benannte der berichtende Schüler den sozialen Abstieg seines Freundes. Dieser bekomme nichts mehr wirklich auf die Reihe und er habe sich vom Freundeskreis distanziert. Aber auch eine Veränderung seines Wesens sei zu beobachten gewesen. Dieser Junge habe anfangs auch nur ab und zu Cannabis konsumiert, bis dies immer regelmäßiger wurde und er, durch den Umgang mit Menschen aus seinem neuen konsumoffenen Freundeskreis, zu weiteren psychoaktiven Substanzen überging. Inzwischen sei dieser Junge abhängig, wisse selbst, dass er etwas ändern müsse, aber schaffe es momentan nicht aus eigener Kraft.

Der Schüler wendete sich nicht an uns KursleiterInnen sondern direkt an die Klasse. Er formulierte seinen Bericht nicht als reine Erzählung, sondern wollte mit seiner Botschaft die anderen zum Nachdenken animieren. Er forderte dazu auf, den Konsum nicht zu verharmlosen und sich bewusst zu machen, dass man sich durch verschiedene Risiken des Cannabiskonsums seine Zukunft verbauen kann.

Diese „Ansage“ war sehr deutlich und wurde daraufhin auch nicht weiter kommentiert oder von anderen entkräftet. Es war sehr wichtig, dass diese Risikoverdeutlichung aus Reihen der Schüler kam und mit einem Beispiel untermauert war, das allen Mitschülern bekannt war. So erschien die Botschaft nicht abstrakt sondern sehr realitätsnah.

Insgesamt würde ich die Mischung aus Lebenskompetenz-Training und Informationen über Alkohol und anderen Drogen als Grundlage werten, die einen so persönlichen Austausch ermöglicht hat. Da sich die Schüler in den ersten Stunden mit sich selbst, den eigenen Stärken und Einstellungen auseinandergesetzt haben, war ein stärkerer Selbstbezug beim Thema Alkohol und andere Drogen möglich.

Eine wichtige Voraussetzung war zudem, dass die Schüler sich gegenseitig vertraut haben und so ermutigt waren offen zu sprechen. Diese Offenheit wäre, meiner Meinung nach, nur schwer möglich gewesen, wenn die drei Schülerinnen, die zu Beginn durch sehr destruktives Verhalten auffielen, sich nicht doch auf den Kurs eingelassen hätten. Die anderen Schüler hätten vermutlich kaum sehr Persönliches preisgegeben, wenn sie das Gefühl gehabt hätten, das Erzählte würde in einer Kleingruppe kommentiert und lächerlich gemacht. Der methodisch klare Umgang mit solchen Schülern scheint mir eine Voraussetzung für das Gelingen des gesamten Kurses. Ebenfalls war wichtig, dass sich die Schüler vor Beginn des REBOUND-Kurses kannten und nicht für den Kurs neu zusammenkamen. Dadurch war bereits ein gewisses Vertrauen vorhanden, welches in dieser Woche noch deutlich ausgebaut wurde.

Hilfreich war zudem, die am ersten Tag erstellte Respekt-Vereinbarung, welche jeder Schüler unterschrieben hat. Zu den von uns vorgestellten Punkten:

  1. Jeder im Kurs ist eingeladen Erfahrungen mitzuteilen
  2. Niemand muss mitteilen was er oder sie nicht will
  3. Was im Kurs erzählt wird, soll nicht nach außen getragen werden

wurde in der ersten Stunde auf Wunsch der Schüler die Regel „Gesagtes bleibt unkommentiert und wird nicht bewertet“ hinzugefügt. Dies war eine sehr wertvolle Regel, auf die wir uns mehrfach berufen konnten und die von den Schülern so umgesetzt wurde.

Sehr positiv ist die eigene Projektarbeit bei den Schülern angekommen. Wenn die Zeit es zulässt, würde ich die Projektarbeit immer durchführen, da die Schüler hier Gelerntes in einem gemeinsamen Projekt vertiefen können. Sie können selbst kreativ werden und in einer Kleingruppe einen Film drehen, einen Cartoon erstellen, ein Plakat entwerfen oder ähnliches. Der Schwerpunkt soll hier auf dem Thema Alkohol und andere Drogen oder Stärken liegen.

Die Kursprojekte unserer Schüler waren thematisch sehr vielfältig und einfallsreich. Wir hatten sowohl Projekte zum Thema Stärken als auch zum Thema Alkohol und andere Drogen. Im Feedback der Schüler wurde deutlich, dass ihnen die Projektarbeit großen Spaß bereitet hat und fast alle Teilnehmer motiviert ein Projekt entworfen haben.

Insgesamt wurde REBOUND von der Klasse sehr positiv aufgenommen und als unterstützend bewertet. Alle Schüler sagten, etwas aus dem Kurs mitgenommen zu haben und die Woche über Spaß gehabt zu haben. Die Aussage eines Schülers „Das war die erste Projektwoche, bei der ich nicht nach einem Tag krank war“ ist wohl als deutlich positives Feedback zu verstehen.

 

Lesen Sie weiter in Teil 3/3

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Sex, Drugs and Rock’n’Roll in einer Berliner Schule: Erfahrungen als Kursassistentin bei der Durchführung von REBOUND Teil 1/3

Dieser Erfahrungsbericht wird in drei Teilen auf dem FINDER Blog publiziert. Man gelangt über die Links des Inhaltsverzeichnisses zu den entsprechenden Unterkapiteln.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vor der Durchführung des Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage
  2. Schülerverhalten
  3. Entwicklungen der Stimmung im Kursverlauf
  4. Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge
  5. Schlüsselsituationen: Was hat den Kursverlauf positiv beeinflusst?
  6. Meine Rolle als Praktikantin und Kursassistentin bei REBOUND

 

1.  Vor der Durchführung des REBOUND-Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage

 

Vom 11.07.2017 bis 14.07.2017 habe ich an einer Berliner Schule die Umsetzung des Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm REBOUND als Kursassistentin begleitet. Tatsächlich war ich so in das lokale REBOUND-Team eingebettet, dass ich teilweise die Rolle einer Kursleiterin übernehmen konnte – im Team mit den REBOUND-Lehrern der Schule.

Derzeit wirke ich, im Rahmen meines Praxissemesters, bei der FINDER Akademie für Prävention und erfahrungsbasiertes Lernen, in verschiedene Bereiche der Drogen- und Präventionsforschung mit. In diesem Rahmen habe ich an der REBOUND Kursleiter-Weiterbildung teilgenommen, habe dort einen Einblick in das Programm bekommen, die Grundhaltung und Intention, sowie den Aufbau von REBOUND kennengelernt.

Da mich der lösungsorientierte und positive Ansatz von REBOUND überzeugt hat, wollte ich das, in der Weiterbildung Gelernte, auch gerne in der Praxis ausprobieren und anwenden. Ich habe die Chance bekommen, an einer Schule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf an der Umsetzung von REBOUND mitzuwirken und konnte viele spannende Erfahrungen sammeln.

Gemeinsam mit fünf weiteren Kursleitern wollte ich mich an das Projekt wagen, den REBOUND Kurs an dieser Schule das erste Mal durchzuführen. Unter den an der Schule arbeitenden Kursleitern sind zwei Sozialpädagogen und drei Lehrer/Innen. Alle wurden im Laufe der letzten zwölf Monate vor Start dieses Kurses in einer viertägigen Weiterbildung der FINDER Akademie geschult. Geplant war, REBOUND in fünf Blockveranstaltungen innerhalb einer Woche durchzuführen. Unsere Zielgruppe war eine der 9ten Klassen dieser Schule, mit 26 Schülerinnen und Schülern. Thematisch orientierten wir uns an dem REBOUND 1.0 Curriculum und planten, die Woche so zu gestalten, wie es dieses vorsieht.

In der Woche der Umsetzung, sind wir als Kursleiter erwartungsgemäß an manche Grenzen gestoßen und mussten ungeplanten Situationen gerecht werden. Im Kursverlauf sind wichtige Schlüsselsituationen entstandenen, sowie eindeutige Entwicklungen im Kursgeschehen und dem Verhalten der Teilnehmer zu beobachten gewesen. Diese Erfahrungen möchte ich gerne mit allen teilen, die sich für das REBOUND Programm interessieren: dafür wie ein Kurs ablaufen kann, wie dieser von unseren Schülern angenommen wurde und was wir im Team der REBOUNDer bei der nächsten Durchführung anders machen würden.

 

2.  Schülerverhalten im REBOUND-Kurs

Die Schüler der Klasse, in der wir REBOUND durchgeführt haben, waren zwischen 15 und 16 Jahre alt. Zu Beginn waren viele noch zurückhaltend und abwartend, nur Einzelne haben bereits am ersten Tag Persönliches von sich preisgegeben. Ich habe den Großteil der Klasse als sozial und aufmerksam wahrgenommen. Wie fast jede große Gruppe, war auch diese sehr heterogen. Diversitäten bezüglich Interessen, Charaktere, Geschlecht aber auch des Entwicklungsstands stellten uns Kursleiter vor verschiedene Herausforderungen. In meinem bereits veröffentlichten Blogeintrag Eine Botschaft- Acht Empfänger kann man etwas über die Eigenarten, das Verhalten und Kommunikationsweisen verschiedener Schüler-Typen nachlesen. Auch in diesem Kurs konnte ich verschiedene Charaktere und Schüler-Typen beobachten, sowie deren Reaktion auf das Kursangebot.

Größtenteils wurde REBOUND von der Klasse gut angenommen. Die meisten Teilnehmer waren neugierig und interessiert, sie waren bereit, Experimente einzugehen, sind unvoreingenommen und offen an neue Situationen herangegangen.

Drei Schülerinnen stellten uns anfangs vor Probleme, da sie sich dem Kurs und uns als Kursleiter/innen komplett verweigerten, sich weder auf Methoden noch auf Gespräche einließen. Sie fielen deutlich provokant auf. Wir hatten also die Befürchtung, dass sie die Grundstimmung im Kurs negativ beeinflussen würden.

Eine weitere – über die Woche unauffällige – Schülerin konnte sich ebenfalls nicht auf die verschiedenen Inhalte einlassen und keinen Selbstbezug herstellen. Vor allem bei der Ideenentwicklung der REBOUND-Projektarbeit fiel auf, dass sie sich den Kursinhalten nicht öffnete. Im Rahmen des 16-stündigen Kurses haben die SchülerInnen in Gruppen Gelegenheit, ein eigenes künstlerisches Projekt zu gestalten. Meist wählen die Schüler Themen aus ihrer eigenen Lebenswelt, mit denen Sie sich beschäftigen. Sie jedoch konnte keinen Bezugspunkt zu ihrem Leben feststellen und wollte mit allem nichts zu tun haben.

Dieser vier Schülerinnen kann ich dem Schüler-Typus der „Desillusionierten“ zuordnen. Diese „lehnen Methoden und Inhalt des sozialen Lernens ab, weil sie keinen positiven Bezug zu Kursthemen, Kursleiter oder Schule als Ganzes entwickeln“ (LINK).

Eine weitere sehr unauffällige Schülerin ließ sich durch das Verhalten der „desillusionierten“ Freundin beeinflussen. Sie fiel in den Gesprächen im Kursverlauf nicht negativ auf, war zurückhaltend und äußerte kaum eine eigene Meinung. Bei der Ideenentwicklung für die Projektarbeit war zu bemerken, dass sie sich an die Meinung und das Verhalten der bereits beschriebenen „desillusionierten“ Schülerin anpasste. Wenn man sie direkt ansprach und nach ihrer Meinung fragte, antwortete sie zum Teil gar nicht, ließ die Freundin für sich sprechen oder gab uns Antworten wie: „So halt“ oder „keine Ahnung“. Diese Schülerin zeichnete sich im Gegensatz zu der Freundin als weniger autonom ab und ist in unserer Schüler-Typologie eher dem Typus der „Mitläufer“ zuzuordnen.

Ein weiterer Schüler, kannte REBOUND bereits aus seiner vorherigen Schule. Er war dementsprechend nicht immer aufmerksam bei der Sache. Oft verwickelte er Mitschüler in Gespräche und brachte so Unruhe in die Stunden. Diesen Schüler kann ich dem Schüler-Typus des „Rebellen“ zuordnen. Für ihn stand das Thema Autonomie über dem des Kursinhalts. Er fiel unter die Beschreibung der „unaufmerksamen Störenfriede“ und hat immer wieder die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler auf sich gezogen.

Die „Meinungsführer“ der Klasse waren sehr am Kursgeschehen interessiert und haben den Kurs durch wertvolle Beiträge vorangebracht. Bei den Jungen war ein Meinungsführer deutlich zu identifizieren. Er war meistens aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt und forderte die Klasse des Öfteren zur Ruhe und Aufmerksamkeit auf. Oft stand er in Interaktion mit uns Kursleiter/innen und zeichnete sich durch wertvolle Selbstoffenbarungen aus. Auf Seiten der Mädchen hat sich niemand als deutliche Meinungsführerin abgehoben, jedoch waren zwei bis drei Mädchen oft involviert, haben ihre Meinungen unabhängig von jener der anderen geäußert und standen in positiver Interaktion mit Mitschülern und Kursleiter/innen.

Ein Schüler, der die Woche über sonst eher unauffällig war, hat eine sehr wichtige Schlüsselsituation kreiert. Er kann dem Schüler-Typus der „Authentischen“ zugeordnet werden. Dies sind „Schüler, denen es gelingt ihre Erfahrungen im Umgang mit den Kursthemen persönlich und affektnah anzusprechen (Selbstbezug auszudrücken). Sie haben die Chance, auch für andere bedeutsame Momente zu kreieren.“ (LINK)

Dieser Schüler zeichnete sich durch eine höhere Autonomie aus, als die meisten anderen der Klasse. Er war bei den Mitschülern beliebt, hat aber nicht so gewirkt, als suche er nach der Anerkennung der Mitschüler oder Kursteilnehmer. Seine Stellungnahme beim Thema Cannabis war, mit einer den Kursinhalt unterstützenden Botschaft, ein sehr wertvoller Beitrag.

Im Verlauf der Woche, konnten wir eine deutlich positive Entwicklung der Verhaltensweisen der Schüler aber auch der Grundstimmung erkennen. Wir konnten manche Schwierigkeiten lösen, die im Zusammenhang mit den hier beschriebenen Schüler-Typologien standen und hätten im Rückblick bei manchen Interaktionsproblemen früher aktiv eingreifen müssen.

Hier sind acht verschiedene Schüler-Typen bildlich dargestellt, von denen ich einige auch unter den Teilnehmern des REBOUND Kurses identifizieren konnte. Diese sind in meinem Blog Eine Botschaft – Acht Empfänger genauer beschrieben.

3.  Entwicklung der Stimmung im REBOUND-Kursverlauf

 

Am ersten Tag waren viele Schüler noch passiv, abwartend aber interessiert. Im Verlauf der Kurstage, konnten immer mehr Schüler den im Programm so entscheidenden Selbstbezug herstellen und von persönlichen Erlebnissen und Geschichten berichten. Dies hat den Kursverlauf äußerst positiv beeinflusst, da sich eine vertrauensvolle Umgebung entwickelt hat. Diese Umgebung hat Raum für weitere persönlich Erzählungen geschaffen, bei denen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer großen Mut bewiesen haben, sich der ganzen Klasse zu öffnen.

Dies war sehr wichtig, da die Schüler sich gegenseitig zum Nachdenken anregten, Erlebnisse erzählt werden konnten, die sonst nicht vor der Klasse preisgegeben worden wären und bei den Schülern dadurch eine größere Bereitschaft entstanden ist, sich auf Kursinhalte einzulassen und diese auf das eigene Leben zu beziehen.

Es war zu spüren, dass der REBOUND Kurs im Verlauf des zweiten Tags von der Klasse angenommen worden war und bei fast allen, die noch anfänglich zu spürende Skepsis, Offenheit und Neugierde gewichen war.

Ich würde diese positive Entwicklung den sehr interaktiv ausgelegten REBOUND Methoden zuschreiben. Die Schüler wurden durch diese angeregt, miteinander in Austausch zu kommen. Die Themen der Filmarbeit sind realitätsnah, daher fiel den Schülern der Bezug zum eigenen Leben nicht schwer und lieferten die Grundlage, Persönliches zu berichten. Die Methoden im Themenblock „Stärken“ haben dazu geführt, dass die Schüler positives Feedback bekommen und sich angenommen gefühlt habe.

Die Grundlage, für die positive Entwicklung des Kurses war so geschaffen und wurde durch den hohen Selbstbezug unterstützt. Welche Situationen hierbei eine wichtige Rolle spielten, wird im Abschnitt Schlüsselsituationen: Was hat den Kurs positiv beeinflusst? genauer beschrieben.

 

Lesen Sie weiter in Teil 2/3

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„Follow me!“ – Gefahren und Chancen des sozialen Einfluss in der Präventionsarbeit

Im Vergleich zu ausschließlich informationsbasierten Präventionspogrammen haben die, die auf Grundlage von sozialem Einfluss arbeiten, eine größere Wirksamkeit gezeigt (Foxrcroft, 2011; Cuijper, 2002a; Tobler et al., 2000). Theorien, die auf sozialem Einfluss beruhen besagen, dass verschiedene Faktoren die individuelle Entscheidungsfindung stark beeinflussen. Zu diesen Faktoren gehören:

(1) sozialen Einstellungen, Normen und Gruppendenken (Fearnow-Kenny et al., 2001)

(2) persönliche / Lebenskompetenzen (Botvin and Griffin, 2002)

(3) eindrucksvolle andere Menschen, die beobachtet und als Modelle gesehen werden  (Bandura, 1977)

(4) Emotionen und nicht nur Kognitionen  (Loewenstein et al., 2001)

Eine Gefahr bei Programmen, die sozialen Einfluss nehmen ist, dass sie von Jugendlichen als soziale Kontrolle wahrgenommen werden können. Dies spielt vor allem in der Altersgruppe, welche das FINDER Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm REBOUND anspricht (14-25 Jahre), eine Rolle. REBOUNDs Empowerment-Ansatz versucht dieser Gefahr durch kooperative Entwicklung von Normen entgegenzuwirken. Explorative Filmarbeit ist ein Weg, um die Fähigkeiten, Stärken und Defizite der analysierten Filmfiguren und der aktuellen Kursteilnehmer hervorzuheben. Diese Methode soll zu Reflexion der eigenen Normen, sowie die der anderen, anregen. REBOUND nimmt sozialen Einfluss, will aber keine Kontrolle ausüben. Die Substanz-bezogenen Ziele lassen sich mit „no use, low use, seek appropriate support“ zusammenfassen. Junge Menschen, die nicht konsumieren, sollen darin bestärkt werde, konsumierende Jugendliche sollen die Risiken kennen lernen, um kurz- oder langfristig die Motivation zur Minimierung von Schäden oder zum Ausstieg zu bilden. Wer bereits ernsthafte Probleme durch den Konsum erlebt, sollte rasch Unterstützung im Gesundheitssystem suchen.

Dieser Text ist ein überarbeiteter Auszug aus folgendem Artikel:

Kröninger-Jungaberle, Henrik, Ede Nagy, Maximilian von Heyden, Fletcher DuBois and the REBOUND Participative Development Group. (2014). REBOUND: A media-based life skills and risk education programme. Health Education Journal, 1–15

Referenzen:
Bandura A (1977) Self-efficacy. Towards a unifying theory of behavior change. Psychological Review 84: 191–215.

Botvin GJ and Griffin KW (2002) Life skills training as a primary prevention approach for adolescent drug abuse and other problem behaviors. International Journal of Emergency Mental Health 4(1): 41–48.

Cuijpers P (2002a) Effective ingredients of school-based drug prevention programs: A systematic review. Addictive Behaviors 27(6): 1009–1023.

Fearnow-Kenny MD, Wyrick DL, Hansen WB, et al. (2001) Normative beliefs, expectancies, and alcoholrelated problems among college students: Implications for theory and practice. Journal of Alcohol and Drug Education 47: 31–44.

Foxcroft D and Tsertsvadze A (2011) Universal school-based prevention programs for alcohol misuse in young people. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 9. Art. No.: CD009308. DOI: 10.1002/14651858.CD009308

Loewenstein GF, Weber EU, Hsee CK, et al. (2001) Risk as feelings. Psychological Bulletin 127(2): 267–286. Maruska K and Hanewinkel R (2010) The impact of smoking in movies on children and adolescents: A systematic review. Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 53(2): 186–195.

Tobler N (2000) Lessons learned. Journal of Primary Prevention 20(4): 261–274.

 

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REBOUND Kursleiter-Weiterbildung in Berlin: Letzte Ausbildungsgruppe im Jahr 2016 abgeschlossen

In der letzten Kursleiter-Weiterbildung des Jahres wurden 11 Personen aus vier Schulen weitergebildet. Im Rahmen der Kursleiter-Weiterbildung lernten Lehrerinnen und Lehrer sowie Sozialpädagogen aus der schulbezogenen Sozialarbeit, den evidenzbasierten Kurs zukünftig …

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REBOUND – Neues Informationsmaterial: Die Infobroschüre

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Gemeinschaftsschule Eppelborn berichtet über ihre positiven Erfahrungen mit REBOUND

Die Gemeinschaftsschule Eppelborn (Saarland) hat auf ihrer Homepage einen sehr schönen Bericht mit tollen Bildern über die Durchführung ihres ersten REBOUND-Kurses veröffentlicht.

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Das Heidelberger Mittelstufenprojekt: Individualisierung von Unterricht als Werkzeug der Schulentwicklung

Die Individualisierung als Königsdisziplin der Differenzierung ist an vielen Schulen ein riesengroßes Thema. Keine Schule, die ich in den letzten Jahren besuchen konnte, hat sich nicht auf die Fahnen geschrieben, die Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern. Als ein wichtiger Grund dafür kann eine zunehmende Demokratisierung der Gesellschaft und damit zusammenhängend ein größeres Bedürfnis und weitreichende Forderung der Eltern und der Schülerinnen und Schüler nach einer individuellen Betrachtung und Förderung der Leistung und der Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angeführt werden. Ein anderer ist die von den Schulen so wahrgenommene größere Heterogenität der Schülerschaft, die für viele Lehrerinnen und Lehrer das konventionelle Arbeiten erschwert bis unmöglich macht.

Ich möchte nicht verheimlichen, dass ich glaube, dass Individualisierung unglaublich herausfordernd ist, dass es mehr als homöopathischer Eingriffe in den Ablauf der Einzelschule bedarf, um dem Thema adäquat zu begegnen. Einige mögliche und aus meiner Sicht notwendige Impulse zur Realisierung von Individualisierung möchte ich kurz erläutern. Ein Grundgedanke dabei ist, dass aus meiner Sicht Individualisierung nur durch die Zusammenarbeit in multiprofessionellen und multikompetenten Teams zu leisten ist:

 

  1. Organisationsstrukturelle Impulse

    Organisationsstrukturelle Veränderung der Einzelschule: Reduzierung der Anzahl der Schüler/Lehrer und Lehrer/Schüler z. B. durch Jahrgangsteams, Jahrgangsmischung, Unterrichtsbänder zum selbstgesteuerten/individuellen Lernen, Ermöglichung kollegialer Zusammenarbeit usw.

  2. Materielle Impulse

    Bereitstellung und Erarbeitung von individuell zugeschnittenem Materialien

  3. Methodisch/Didaktische Impulse

    Offene Unterrichtsphasen, Kompetenzorientierung, ausgewiesene Inputphasen

  4. Personelle/Personale Impulse

    Entwicklungsangebote an die Lehrerinnen und Lehrer zur Entwicklung einer professionellen pädagogischen Haltung zum Umsetzen individualisierten Unterrichts, Qualifizierung von Teamleitungen

  5. Räumliche Impulse

    Schaffung räumlicher Möglichkeiten zum selbstgesteuerten, aktiven, individualisierten Lernen, Arbeitsräume für die Lehrerteams

Im Rahmen des an der Elisabeth-von-Thadden-Schule in den Jahren 2012-2015 umgesetzten Mittelstufenprojektes wurden solche Impulse Schritt für Schritt implementiert. Besonders hinsichtlich der Impulse 1-4 muss auch über die für die Umsetzung notwendige professionelle pädagogische Haltung nachgedacht werden. Sowohl zu diesem Thema als auch zum Mittelstufenprojekt bieten wir Workshops im Rahmen der Finder-Akademie an.

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Schulen, die mit Schülern lernen – statt zu strafen: Melbourne school uses neuroscience to boost grades and improve wellbeing of students

Melbourne: Teacher Deb Hosking said the school looked at „behaviour as a learning experience“.

„So if you have that ethos and that understanding, then the way that you respond to kids is not going to be to punish,“ Ms Hosking said.

Die Individualisierung von Unterricht und ein profunder Wandel, in der Art wie Pädagogen „Strafen“ anwenden, kann dazu beitragen, eine ganze Schule zu verändern. Was eine australische Schule von Neurowissenschaftlern gelernt haben, ist kein neuer Hut in der Pädagogik, aber einer, der in den meisten Schulen nie aufgesetzt wird. Wenn SchülerInnen als Einzelpersonen betrachtet und mit eigenen Zielen ernstgenommen werden, wenn Schule die soziale Herkunft nicht als Makel, sondern als Ausgangspunkt begreift, verändert sich das Zusammenspiel zwischen Lehrern und Schülern – und deren Testergebnisse. Was von diesem Programm lässt sich auf Schulen im deutschsprachigen Raum übertragen? Fast alles. systematisches Soziales Lernen hilft dabei die Bildungschancen von Kindern zu verbessern.

Lesen Sie mehr auf: ABC (Australia).

Lessons and programmes informed by neuroscience are helping a school in Australia meet benchmarks for students‘ academic and social emotional performance. Students begin each day with breakfast and a visit to the emotion wall, where they indicate how they are feeling. ABC (Australia)