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Cannabis: Eine Debatte mit Pros und Contras

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Die Cannabis-Debatte

Wer sich mit dem Thema Drogen und Politik beschäftigt, stößt immer wieder auf Unvereinbarkeiten. Die zentrale Frage, an der sich viele Widersprüche zeigen, lautet: Warum ist Alkohol legal und Cannabis nicht? Die Diskussion über eine Legalisierung von Cannabis macht deutlich, wie komplex und vielschichtig Drogenpolitik ist.

 

Pro Legalisierung Contra Legalisierung
Legalisierung bei gleichzeitiger Aufklärung hilft, den Drogenkonsum einzudämmen. Gerade das Tabu zieht viele User an. Menschen haben die Freiheit zu entscheiden, ob und welche Drogen sie einnehmen. Durch eine Legalisierung wird möglicherweise ein Drogenboom ausgelöst. Viel mehr Menschen werden Cannabis konsumieren, deshalb wird es auch viel mehr Schäden geben.
Die Hemmschwelle würde bei gleichzeitiger Aufklärung steigen, da alle Gefahren der Droge bekannt sind. Außerdem ist sie schon so weit unten. Die Hemmschwelle zum Drogenkonsum sinkt, weil Cannabis überall verfügbar ist und niemand sich mehr mit den Risiken beschäftigt.
Dass fast alle Heroinabhängigen Tabak, Alkohol und Cannabis konsumiert haben, heißt nicht, dass alle Alkohol- und Cannabiskonsumenten irgendwann heroinabhängig werden. Cannabis ist eine Einstiegsdroge, die zum Konsum anderer Drogen(ver-)führt.
Drogenkonsum ist erstens eine private Angelegenheit und zweitens nicht unmoralisch. Die Verbreitung einer Substanz, die von der Bevölkerungsmehrheit als unmoralisch angesehen wird, darf nicht toleriert werden.
Risikoentscheidungen sind nicht Sache des Staates, er ist nicht der Vormund des Bürgers. Vieles schädigt die Gesundheit und ist trotzdem legal, wie z. B. Boxkämpfe. Der Gebrauch von Drogen ist gesundheitsschädlich und darf nicht vom Staat gefördert werden. Er muss die Gesundheit der Bürger schützen.
Viele Verhaltensweisen können abhängig machen. Keine Droge macht automatisch willenlos. Es ist möglich, Drogenkonsum zu kontrollieren. Drogen machen abhängig. Ein Konsument ist in seiner Willensfreiheit eingeschränkt und unfähig, vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Das Verbot minimiert den Konsum nicht: 1979 hatten 17 Prozent aller Deutschen Cannabis-Erfahrungen, heute über 30 Prozent. Wir haben mit Alkohol und Nikotin schon genug Probleme. Eine weitere legale Droge würde noch mehr Schaden anrichten.
Alkoholeinfluss führt im Vergleich deutlich häufiger und zu aggressiveren Straftaten. Alkohol ist zudem ein ungleich größeres Problem im Straßenverkehr. Unter Cannabiseinfluss würden mehr Straftaten verübt werden, weil die Droge unkontrollierbare Effekte hat. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle würde zunehmen.
Viele Menschen mit schädlichem Konsum würden sich unter legalen Bedingungen früher Hilfe suchen. Die Gesundheitskosten würden bei einer Legalisierung explodieren. Das Rauchen von Cannabis schädigt die Lungen bekanntlich genauso wie Tabakrauchen.
Cannabis hat viele positive und nützliche Effekte. Es kann auch medizinisch eingesetzt werden. Niemand braucht Cannabis. Es wird nur zum Spaß konsumiert.
Wenn Cannabis legal wäre, wäre eine effektive Aufklärung über Risiken und Schäden einfacher. Alkoholaufklärung gibt es seit 100 Jahren; trotzdem sterben jedes Jahr ca. 72 000 Deutsche an den Folgen des Konsums.
Eine Legalisierung würde den Schwarzmarkt eindämmen, die Qualität von legalen Drogen könnte überwacht werden. Es würde viel weniger verunreinigte Substanzen und Vergiftungen geben. Der Jugendschutz wäre besser zu gewährleisten. Gerade junge Leute konsumieren Drogen und gehen viel leichtsinniger Risiken ein. Man muss sie schützen, weil sie noch nicht reif genug sind. Eine Legalisierung macht das unmöglich.
Cannabis wird in Europa seit mehr als 3000 Jahren angebaut und konsumiert. Cannabis gehört nicht zu unserer Kultur.
Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung ist besonders psychosegefährdet. Cannabis ist in aller Regel nur der Auslöser von Psychosen bei dafür veranlagten Menschen. Cannabis kann Psychosen auslösen.
Eine Legalisierung (Regulierung) bedeutet einschneidende Verluste für die Drogenmafia und wäre ein wirksames Mittel im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Der Staat darf nicht vor dem Schwarzmarkt und der Drogenmafia kapitulieren. Durch eine Legalisierung würde der Schwarzmarkt nicht verschwinden, es gäbe immer jemanden, der Drogen an Kinder verkauft.
Der Konsum von Cannabis hat in den 80er Jahren trotz Verboten in ganz Europa zugenommen. Diese Politik ist gescheitert. Die liberale niederländische Drogenpolitik ist gescheitert. Der Konsum von Cannabis hat dort in den 80er Jahren zugenommen.
Cannabis wird über alle Schichten der Gesellschaft hinweg konsumiert, es ist nicht mehr die Droge einer bestimmten Randschicht. Eine Legalisierung erhöht die Chancenungleichheit; Jugendliche aus bildungsfernen Schichten würden am meisten Schaden erleiden, da sie über weniger Kompetenzen im Umgang mit Risiko und weniger Mittel bei der Behandlung von Schäden verfügen.
Die heutige Form der Prohibition bindet Ressourcen in Polizei und Gerichten, die wir anderswo dringend benötigen. Im Gesundheitssystem müssten zusätzlich Gelder ausgegeben werden.

Quelle: eigene Recherche

Diese Liste von Pro- und Contra-Argumenten verdeutlicht einige der Schwierigkeiten und Vorurteile in der Drogenpolitik. Dabei geht es immer auch um ein unterschiedliches Menschenbild: Sind Menschen in der Lage, im Umgang mit Gefahren oder anderen Verführungen eigenständige, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen? Dürfen sie das überhaupt? Genügen einige Psychosefälle als Argument für ein Verbot trotz der möglichen positiven Effekte für die Gesundheit anderer herangezogen werden? Wie würde der Kinder- und Jugendschutz nach einer Legalisierung von Cannabis und/​oder aller anderen Substanzen aussehen? Wie verhindert man, dass skrupellose Geschäftemacher Gras an Achtjährige verkaufen? Kann man das überhaupt verhindern?

Wie auch immer man zu diesen Fragen steht: Die aktuellen Gesetze gelten für alle. Deshalb sollte man sie kennen. Wer ein Gesetz übertritt, sollte wissen, welche Konsequenzen drohen. Die wichtigsten Fragen zum Thema Alkohol und andere Drogen regeln das Betäubungsmittelrecht, das Arzneimittelrecht sowie das Jugendschutzgesetz und die Straßenverkehrsordnung. Für jüngere User kann auch das jeweilige Landesschulgesetz eine Rolle spielen.

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REBOUND bei SWR Odysso – Rausch ohne Reue

In der Sendung Odysso vom 07.04.2016 berichtet der SWR differenziert über das Thema psychoaktive Substanzen und geht unter anderem auf folgende Themen ein:

  • Medizin – Deutschland auf Droge
  • Suchtverhalten – Gute Drogen, böse Drogen
  • Comic – Wie wirken Drogen?
  • Sucht – So gefährlich ist Cannabis wirklich
  • Drogennachweis – Haaranalyse auf dem Prüfstand
  • Drogenrituale – Mit Struktur und Wissen gegen den Horrortrip
  • Psychopharmakologie – LSD-Therapie

Prof. Dr. med. Dipl-Psych. Rolf Verres berichtet darin über die Rolle von Ritualen und Aufklärung als Mittel zur Reduktion der Risiken, die mit dem Gebrauch von psychoaktiven Substanzen einhergehen können. Auch REBOUND wird als ein Instrument guter Risikopädagogik erwähnt.

Wir freuen uns über die Anerkennung des wissenschaftlich evaluierten Programmes und die differenzierte Berichterstattung.

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Green listed … REBOUND in “Grüne Liste Prävention” aufgenommen

The Life Skills Programme REBOUND has been newly listed in this important German prevention register:

http://www.gruene-liste-praevention.de/nano.cms/datenbank/programm/88


Das REBOUND Life Skills Programm für junge Menschen und ihre Begleiter ist jetzt auch in die Grüne Liste aufgenommen worden. Wir freuen uns über diese Anerkennung. Derzeit bemühen wir uns genug Pädagogen weiterzubilden um 2016 oder 2017 eine zweite Evaluationsstudie durchführen zu können.


Weiterbildungskurse für Pädagogen, LehrerInnen, Jugend-, Sozial- und Suchthilfe können Sie hier über die FINDER Akademie buchen.

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Streitgespräch zwischen der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler und dem FINDER Vorsitzenden Henrik Jungaberle

Today ZEIT Online published parts of a dialogue between Marlene Mortler, Federal Commissioner for Drug Policy of the German Government and Dr. Henrik Jungaberle, prevention researcher.

http://www.zeit.de/…/drogensucht-marlene-mortler-henrik-jun…

Henrik Jungaberle:

„Aus meiner Sicht ein gelungenes, respektvolles Streitgespräch mit klar unterschiedlichen Positionen zum Umgang mit Drogen wie Alkohol und Cannabis, zu Sucht und Menschenrechten sowie der Offenheit für positive Rauscherfahrungen.
Gerade das letzte Thema ist für Politiker, die damit aufgewachsen sind, Alkohol ODER Drogen zu sagen immer noch fremd. Diese Trennung in den Köpfen der Menschen und politischen Repräsentanten aufrechtzuerhalten ist die Geschichte der Alkoholindustrie – sie profitiert massiv davon.“

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