Methoden-Toolbox: Explorative Filmarbeit (Teil B: STOP!)

Der Film läuft … FREEZE! Und schon steht alles still. STOP-Methoden in der Explorativen Filmarbeit

Gelegentlich schaue ich mit Studierenden der Medizin Filme über Arzt-Patient-Gespräche. Ziel ist es, deren eigene Fähigkeiten im Umgang mit ihren zukünftigen Patienten zu verbessern. Manchmal sind diese Filme auch Videos von deren selbst erspielten Interaktionen in Arzt-Patient-Rollenspielen.

Eine einfache Art und Weise, die Aufmerksamkeit der Lerngruppe zu lenken ist es, den Film an wichtigen Stellen, den „Schlüsselmomenten“ unterbrechen zu lassen. Man gibt eine Beobachtungsaufgabe (in unserem Medizinerbeispiel beispielsweise „intensiver Blickkontakt“, „überflüssige Fremdworte“ usw.), fordert die Studierenden auf, die Hand zu heben und „Stop“ zu rufen, sobald der ausgewählte Schlüsselreiz im Film auftaucht. Man friert den Film dann ein. Im „Freeze“ kann man auf unterschiedlichste Art und Weise weiterarbeiten: man kann die gefunden Merkmale beschreiben lassen, Bestätigung oder Kritik durch die Mitlernenden anregen. Oder man kann die Hintergründe eines gezeigten Verhaltens an dessen realer Ausführung (im Film) erörtern.

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Die Methode der „Explorativen Filmarbeit“ ist in allen Kontexten einsetzbar, bei denen eine vertiefte Auseinandersetzung mit Filmen angestrebt ist. Vertiefung bedeutet, die Zuschauenden zu einer intensiven emotionalen und kognitiven Beschäftigung mit den Filmcharakteren und der Handeln hinzuführen. Vertiefung bedeutet meistens auch die Hintergründe einer „sozialen Szene“ zu erarbeiten (warum, wozu, unter welchen Bedingungen usw.). Wir kreieren damit also Awareness (Bewusstheit) für soziale Situationen.

Die STOP-Methode ist das einfachste Werkzeug der Explorativen Filmarbeit. Sie funktioniert hervorragend, wenn die Lerngruppe sorgfältig vorbereitet wurde und geführt wird. Diese muss das Ziel der Methode kennen und den Beobachtungsauftrag verstehen. Außerdem fordert die STOP-Methode vom Kursleiter Übung beim Umschiffen der Probleme, die die Methode aufwirft. Wie funktioniert sie? Wir haben die Methode im Rahmen des Life Skills-Programm REBOUND entwickelt und geben über diese LINKS

einen Ausschnitt aus dem Kursleitermanual wieder, der die Methode beschreibt.

 

Hj erläutert Explorative Filmarbeit

Was kann man tun, damit die Methode wirksam wird (und wie könnte man sie in den Sand setzen)?

+++ Positive Bedingungen

  • Beobachtungsauftrag geklärt (Ziel, Sinn der Methode) und schriftlich fixiert (Whiteboard etc.)
  • Beobachtungsmerkmale konkret (man kann sie im Film sehen, muss sie nicht indirekt erschließen)
  • Wenn Beobachtungsmerkmale abstrakt (z.B. Motive oder Vorerfahrungen von Filmcharakteren), dann zuvor Beispiele für Schlüsselmerkmale besprechen, die man tatsächlich im Film sehen kann
  • Kursleiter kann mit Störungen umgehen
  • Antworten schriftlich notieren und ordnen
  • Zusammenfassung der Erkenntnisse geben oder geben lassen
  • Kursleiter kennt Film gut
  • Eingespielte Terminologie verwenden (z.B. „Schlüsselmomente“, „Filmcharakter“, „sichtbare oder unsichtbare Merkmale“)

— Negative Bedingungen

  • Film zu lang (geeignet: Ausschnitte oder Kurzfilme bis ca. 5 min)
  • Filmausschnitt zu komplex (dann: vorher einmal ohne STOP durchschauen)
  • Zu viele Wortmeldungen/STOPS zulassen (begrenzen)
  • Antworten der Teilnehmenden zu lang (begrenzen)
  • Antworten zu unspezifisch (auf beobachtbare Merkmale hinleiten)
  • Kursleiter verliert Ziel (konzentrieren)
  • Kursleiter mit schlechtem Zeitmanagement (Uhr stellen oder Kursteilnehmer dafür engagieren)

Die STOP-Methode kann starke und eben unerwartete Ergebnisse hervorbringen. Insbesondere, wenn man die Teilnehmenden dazu führt, Dinge zu entdecken, die nicht trivial, nicht auf den ersten, dann aber auf den zweiten Blick sichtbar und evident sind. Sie ist ein hervorragender Einstieg in einen aktivierenden Umgang mit bewegten Bildern. Explorativ eben.

Lesen Sie mehr zu den Hintergründen von Explorativer Filmarbeit in meinem Blogpost method #2 (Teil A)

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