Gute-KiTa- und Präventionsgesetz: Werkzeuge für mehr soziale Gerechtigkeit?

Ein Beitrag von Sophia Alt im Blog der FINDER Akademie für Prävention und erfahrungsbasiertes Lernen.

Gute-KiTa- und Präventionsgesetz: Werkzeuge für mehr soziale Gerechtigkeit?

Ein Beitrag von Sophia Alt im Blog der FINDER Akademie für Prävention und erfahrungsbasiertes Lernen.

Zusammenfassung: Institutionen wie Kindertagesstätten, Schulen und Einrichtungen der Sozialen Arbeit haben eine besondere Verantwortung: Sie sind Orte des Aufwachsens, Lernens und Lebens und tragen maßgeblich zur Sozialisation junger Menschen bei. Das kann zu mehr Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft führen – insbesondere wenn durch Gesetze bereit gestelltes Geld zur Entwicklung dieser Lebenswelten wirksam eingesetzt wird.

Gesundheit, Bildungserfolg und damit soziale Gerechtigkeit hängen unmittelbar miteinander zusammen. Wer gesund ist, der fühlt sich dem Leben gewachsen; stark genug, Heraus-forderungen anzunehmen und Schicksalsschlägen zu trotzen. Er oder sie steht in einer achtsamen Beziehung mit sich selbst und übernimmt Verantwortung für sich und andere. Dies erfordert Fähigkeiten und Ressourcen. Manche von ihnen sind ungleich in den Wiegen des Lebens verteilt worden. Andere dagegen sind erlernbar – vor allem in einer Umgebung, die dazu ermutigt, sich auszuprobieren, neues, gesundes Verhalten zu erlernen und die eigenen Stärken zu entdecken und zu entfalten.

Verhalten & Verhältnisse

Auf der individuellen Verhaltensebene können Kindern, Jugendlichen und den für sie verantwortlichen Menschen Fähigkeiten an die Hand gegeben werden, die sie dazu befähigen, sich gesund zu verhalten: Das Zubereiten einer gesunden Mahlzeit beispielsweise kann man lernen, genau wie das Wahrnehmen und Artikulieren der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen.

Doch wichtiger noch, das zeigt die Forschung rund um Gesundheitsförderung und Prävention, ist die bewusste Gestaltung von Lebenswelten: Wo es in KiTas zuckerfreie Vormittage und kostenlosen Zugang zu gesunden Lebensmitteln und in Schulen ein striktes Rauchverbot und keinen Zigarettenautomaten in Laufweite gibt, dort wird gesünder gegessen und weniger geraucht. Eine solche Modifikation von Lebenswelten erfordert ein Konzept, klare Entscheidungen und ihre konsequente Umsetzung. Oft auch auf politischer Ebene.

Wirksame Gesundheitsförderung und Prävention

5,5 Milliarden Euro stellt der Bund für das Gute-KiTa-Gesetz bereit und fördert damit sowohl Maßnahmen, die Kinder, Jugendliche und ihre Begleiter auf individueller Ebene unterstützen als auch die Ausgestaltung von Räumen, die zu Kreativität und Bewegung einladen und Rückzugsorte bieten. Mit Berlin wurden im Rahmen des Gesetzes neben der Förderung von Quereinstieg und Fachberatung unter anderem auch eine Brennpunktzulage vereinbart. Fach- und Führungskräfte, die in schwierigen Verhältnissen arbeiten, bekommen dadurch mehr Geld. Das ist wichtig, um die oftmals nervenzehrende Arbeit anzuerkennen. Aber ist es auch nachhaltig?

An dieser Stelle ist es wichtig, neben der Gesundheitsförderung auch die Prävention in den Fokus zu nehmen. Präventiv zu arbeiten bedeutet, herauszufinden, warum es wo brennt und dann Maßnahmen zu ergreifen und Strukturen zu schaffen, die Feuer nicht nur löschen, sondern ihren Ausbruch verhindern. Das 2016 in Kraft getretene Präventionsgesetz stellt daher eine wichtige Ergänzung zum Gute-Kita-Gesetz dar. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden settingorientierte Maßnahmen gefördert, die in ihrer Konzeption auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und sich durch Evaluation als wirksam erwiesen haben. Diese Kriterien sind wichtig – nicht nur in der Verwendung öffentlicher Gelder. Denn obwohl die Forschung in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche innovative Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention entwickelt hat, finden diese noch viel zu selten flächendeckenden Einzug in die Praxis.

Blühende Brennpunkte

Wenn allgemeine Gesundheit eine notwendige Bedingung für soziale Gerechtigkeit ist, so muss ihre Erhaltung gefördert und Krankheit vorgebeugt werden. Es handelt sich hierbei um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die vom Bund und den gesetzlich Krankenversicherten zwar finanziell unterstützt wird, darüber hinaus aber ein Denken in komplexen Zusammenhängen und eine Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen bedarf. Die FINDER Akademie ist eine europäische gemeinnützige Organisation, die sich der Professionalisierung und Verbreitung von wissenschaftsbasierter Prävention und Gesundheitsförderung widmet. Sie unterstützt KiTas, Schulen und Einrichtung der Sozialen Arbeit bei der Auswahl wirksamer Maßnahmen und begleitet deren Umsetzung langfristig. Damit Brennpunkte zu Orten werden, an denen Menschen blühen können.

Serviceportal der FINDER Akademie zum Präventionsgesetz: Leitfaden Prävention

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