Struktur und Kultur
- Arbeitsplatzrichtlinien zum Umgang mit Substanzen.
- Suchtpräventive Schulungen für Führungskräfte und Beschäftigte.
- Stärkung sozialer Unterstützung im Kollegium.
Ein weiteres wichtiges Setting auf der Mikroebene ist die Schule. Wir beginnen mit einem Blick auf die Merkmale schulbasierter Präventionsmaßnahmen und deren Ziele, aber auch auf die Anwendung von Theorien in der Praxis. Bei der schulischen Prävention betonen wir die Wichtigkeit von Schülerbefragungen bei der Ausarbeitung eines Konzeptes. Als Beispiele für evidenzbasierte Programme im Kontext Schule stellen wir Ihnen Unplugged, Klasse 2000 und Lions-Quest vor.
Leider gibt es in Europa nicht viele bestehende Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz, und noch weniger sind evidenzbasiert. Wir hoffen, dass dieses Kapitel eine Inspiration sein kann, sich näher mit dem Thema Prävention am Arbeitsplatz zu beschäftigen. Dazu skizzieren wir die Merkmale arbeitsplatzbezogener Präventionsarbeit und diskutieren die Hindernisse, die auftreten können.
Für Kinder und Jugendliche sind die beiden wichtigsten Orte der Prävention die Familie und die Schule. Tatsächlich verbringen viele Kinder wahrscheinlich mehr Zeit in der Schule als mit einem oder beiden Elternteilen. Ein Vorteil des schulischen Kontextes ist, dass präventive Botschaften an alle Kinder (universelle Prävention) vermittelt werden können und nicht nur an diejenigen, die einer Hochrisikogruppe (selektive Prävention) oder einer vulnerablen Gruppe (indizierte Prävention) zugehören. Alle Kinder können von universellen Präventionsmaßnahmen in der Schule profitieren, insbesondere dann, wenn diese nicht nur risikospezifische, sondern auch entwicklungsfördernde Elemente beinhalten. Universelle Maßnahmen bergen zudem ein geringeres Stigmatisierungsrisiko, da Risikogruppen nicht erkennbar von der Klasse getrennt werden. Evaluationen haben darüber hinaus gezeigt, dass es sogar zu einer Verstärkung von Problemverhalten führen kann, wenn Jugendliche mit Risikoverhalten in einer separaten Gruppe zusammengeführt werden (z. B. Poulin, 2001) .
Schulen gibt es in verschiedensten Formen, Größen und Prägungen, aber in fast jedem Land haben Schulen die Aufgabe, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, voll integrierte Mitglieder ihrer Gesellschaft zu werden. Schulen und Bildung leisten jedoch viel mehr als das. In einem Bericht der Weltbank von 2007 (Hanushek & Wößmann, 2007) wurde durch Analysen von Bildungsdaten und Volkswirtschaften folgendes festgestellt: „Es gibt eindeutige Belege dafür, dass die kognitiven Fähigkeiten der Bevölkerung – und nicht nur der Schulerfolg – stark mit dem individuellen Einkommen, der Einkommensverteilung und dem Wirtschaftswachstum zusammenhängen”.
Kognitive Fähigkeiten sind in diesem Kontext wie folgt definiert:
Die Schule ist, wie die Familie, eine Umgebung auf der Mikroebene, die eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung wichtiger personaler und sozialer Kompetenzen sowie prosozialen Verhaltens spielt. Es gibt viele komplexe Interaktionen zwischen biologischen, persönlichen, sozialen und Umweltfaktoren, die das menschliche Verhalten formen und beeinflussen. Diese Interaktionen prägen die Werte, Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen und sind besonders wichtig für die körperliche, emotionale und soziale Entwicklung von der Kindheit bis zur Adoleszenz und von der Adoleszenz bis zum Erwachsenenalter. Die Schule kann beeinflussen, ob Kinder und Jugendliche positive oder negative Verhaltensweisen als akzeptabel oder inakzeptabel wahrnehmen. Daher können schulische Präventionsmaßnahmen das Risiko für bestimmte Problemverhaltensweisen und insbesondere den Substanzgebrauch beeinflussen.
Ein übergreifend bedeutsames Ziel schulischer Prävention ist es, ein positives Schulklima zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Grundsätzlich wird zwischen verhaltenspräventiven und verhältnispräventiven Maßnahmen unterschieden, wobei verhaltenspräventive Maßnahmen stets einen Verhältnisbezug aufweisen sollten.
Die Präventionsforschung zeigt, etwa für gewalt- oder suchtpräventive Programme, dass diese auch einen positiven Einfluss auf die schulische Leistung und den Absentismus haben (Gasper, 2011) . Sich für schulische Prävention zu engagieren, bedeutet also bis zu einem gewissen Grad, sich von der Fixierung auf einzelne Präventionsziele zu verabschieden und stattdessen schullaufbahnumfassend, kompetenzorientiert und themenübergreifend zu planen.
| Intervention | Zielebene | Wirksamkeitsindikator |
|---|---|---|
| Lebenskompetenzförderung und sozialer Einfluss | Universell und selektiv Allgemeinbevölkerung und Risikogruppen |
gut belegt |
| Schulpolitik und Kultur | Universell Allgemeinbevölkerung |
ausreichend belegt |
| Auseinandersetzung mit individueller psychologischer Vulnerabilität | Indiziert Gefährdete Einzelpersonen |
ausreichend belegt |
Lesehilfe: drei Punkte = gut belegt, zwei Punkte = ausreichend belegt. Quelle: EUPC-Manual, Tabelle 12.
Die Annahme, dass Schulen bereitwillig dem Vorschlag zur Einführung eines umfassenden Präventionsprogramms zustimmen, ist naiv. Es ist daher wichtig, vorab zu klären, inwieweit die Schule bereits ein Präventionskonzept hat und ob die Organisation die Voraussetzungen erfüllt, um sich erfolgreich „auf den Weg zu machen” (Greenberg, 2005) . Einige Schlüsselfragen, die es hier zu beachten gilt, lauten:
Es ist wichtig, dass ein entscheidungskompetentes Projektteam sowie eine Steuerungsgruppe (z.B. bestehend aus Schulleitung und Gesamtlehrerkonferenz) existieren, damit die Nachhaltigkeit sichergestellt werden kann (Sloboda, 2014; Wandersman, 2008) . Die Einführung von Maßnahmen der Prävention, Gesundheits- und Entwicklungsförderung ist stets ein Schulentwicklungsprozess und aktualisiert deshalb wichtige Fragen, die die Organisation als Ganzes betreffen.
Welche Vision hat die Schule? Wie ist ihr Selbstverständnis in Bezug auf ihren Bildungsauftrag?
Eine wertvolle Strukturhilfe für die verschiedenen Schritte von der Bedarfserhebung hin zur Auswahl von Maßnahmen, deren Implementation und Evaluation kann der für die Schule angepasste Prozess von Communities That Care oder auch der Projektzyklus der EDPQS sein.
So wie in allen anderen Settings ist auch in der Schule entscheidend, dass Präventionsmaßnahmen auf einem genauen Verständnis vom Entwicklungsstand der Zielgruppe gründen (Ginsburg, 1982; UNODC International Standards, 2013) .
Die Kultusministerkonferenz (2012) empfiehlt, dass schulische Gesundheitsförderung und Prävention:
Generell soll darauf geachtet werden, dass schulische Gesundheitsförderung und Prävention:
Daten über das Ausmaß problematischer Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen sowie die zugrunde liegenden Risiko- und Schutzfaktoren sind hilfreich, um den Bedarf einzuschätzen und darauf basierend Priorisierungsentscheidungen zu treffen.
Art und Umfang der notwendigen Präventionsmaßnahmen lassen sich anhand von Daten belastbar begründen und gegenüber beteiligten Akteuren vertreten. Das Präventionsgesetz knüpft zudem die finanzielle Förderung von Maßnahmen an einen systematischen Bedarfserhebungsprozess, weshalb die bisher eher wenig verbreitete Praxis zukünftig an Bedeutung gewinnen wird.
Wertvolle Einsichten liefern sowohl große Kinder- und Jugendstudien (z. B. die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, KiGGS, des RKI oder die HBSC-Studie der WHO) als auch Studien, die spezifische Phänomene fokussieren, etwa Substanzkonsum, Mediennutzung oder Gewalterfahrung (z. B. ESPAD, JIM-Studie).
Genauere Aussagen lassen sich nur treffen, wenn die Schülerschaft und die Lehrkräfte direkt befragt werden. Sowohl die Gesetzlichen Krankenversicherungen als auch Communities That Care stellen hierfür standardisierte Erhebungsinstrumente bereit. Der Aufwand für Vor- und Nachbereitung ist hierbei jedoch erhöht.
Nicht in jedem Fall ist eine aktive Bedarfserhebung notwendig. Die Kultusministerkonferenz und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen definieren neben der problemunspezifischen Förderung von Lebenskompetenzen mehrere Handlungsfelder schulischer Prävention, die Orientierung bieten:
The 2015 ESPAD Report
Results from the European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs
Der Bericht stellt die Ergebnisse des sechsten Erhebungswellen-Zyklus des europäischen ESPAD-Projekts und der Datenerhebung 2015 zum 20. Jahrestag des Projekts vor.
Erfasst wurden Informationen von rund 96.000 Schülerinnen und Schülern aus 35 europäischen Ländern; rund 600.000 Lernende bildeten die Ausgangskohorte.
Eckdaten der Erhebung
Quelle: http://www.espad.org/ – sinngemäße Übertragung der Strukturangaben des ESPAD-Berichts 2015.
Kognitions- und Lerntheorien sowie die Theorie des geplanten Verhaltens lassen sich auf schulbasierte Präventionsmaßnahmen anwenden. Als Lebenswelt, in der sowohl die Schülerschaft als auch die Lehrkräfte die meiste Zeit ihres Tages verbringen, geht es in der Schule nicht nur um das Lernen. Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen spielen als Multiplikatoren von Präventionsmaßnahmen und als Vorbilder für positives Verhalten eine entscheidende Rolle. Die zwei Hauptelemente wirksamer Prävention im Setting Schule sind verhaltenspräventive Programme und Schulentwicklung (u. a. Verhältnisprävention, Regeln, Schulklima). In diesem Kapitel befassen wir uns vorwiegend mit schulischen Präventionsprogrammen. Schulentwicklung und Schulklima werden als Aspekte von Verhältnisprävention in Kapitel 7 näher beleuchtet.
Präventionsprogramme basieren in der Regel auf einem schriftlichen Manual, das durchzuführende Übungen und Inhalte spezifiziert, die von fortgebildeten Multiplikatoren innerhalb der Schule als Teil des Lehrplans umgesetzt werden. Mit Regeln sind schriftliche Vereinbarungen gemeint, die den Umgang mit Problemverhaltensweisen an der Schule festlegen (z. B. schulische Suchtmittelvereinbarung). Schulklima ist als der subjektive Eindruck definiert, der aus der Wahrnehmung der Qualität der sozialen Beziehungen in der Schule, der Teilhabe- und Mitbestimmungsmöglichkeiten, des Zustands des Gebäudes usw. entsteht. Es spiegelt folglich Normen, Ziele, Werte, Lehr- und Lernmethoden sowie Organisationsstrukturen wider.
In Tabelle 8 haben wir für Sie die durch Evaluationsstudien identifizierten allgemeinen Merkmale wirksamer und unwirksamer schulischer Präventionsprogramme zusammengefasst, die in Abhängigkeit vom Endpunkt (z. B. Substanzkonsum, Gewalt) weiter konkretisiert werden können.
Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt vieler schulischer Präventionsprogramme ist die Aussagekraft hinsichtlich der Beständigkeit der erzielten Wirkung. Viele Präventionsmaßnahmen konnten unmittelbar nach ihrem Abschluss positive Wirkungen nachweisen. Die Effekte waren zumeist geringer, wenn die Evaluation erst ein Jahr nach Abschluss der Intervention durchgeführt wurde. Für die Auswahl von Programmen bedeutet dies, dass solche bevorzugt werden sollten, die in ihrer Evaluation langfristige Effekte nachweisen konnten (z. B. durch Messwiederholung einige Jahre nach Interventionsende). Unabhängig davon gibt es dennoch gute Argumente für den Einsatz von Programmen, die nur kurzfristige Programmwirkungen nachweisen konnten. In manchen Bereichen (z. B. Substanzkonsum) kann die Verzögerung des Konsumbeginns in einer kritischen Lebensphase entscheidend sein. Auch wurde bisher noch wenig beforscht, wie sich schulische Rahmenkonzepte auswirken, die mehrere Programme über die Schullaufbahn hinweg vorsehen. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Einsatz mehrerer aufeinander abgestimmter Programme mit kurzfristigem Wirksamkeitsnachweis eine nachhaltigere Wirkung entfaltet als die einmalige Durchführung einer Maßnahme mit langfristiger Evaluationsstudie.
Nicht nur im Setting Schule gilt deshalb, dass statt einzelner Maßnahmen stets langfristige und umfassende Konzepte angestrebt werden sollten, die Verhaltens- und Verhältnisbezug aufweisen (vgl. EDPQS Kapitel 3).
| Wirksam | Unwirksam |
|---|---|
| Umsetzung und Struktur | |
| ✓ Interaktive Methoden Stark strukturierte Unterrichtsstunden und Gruppenarbeit, einem Lehrplan folgend |
✗ Didaktische Methoden wie Vorträge Unstrukturierte, spontane Diskussionen; Vertrauen auf Urteilsvermögen und Intuition von Lehrkräften |
| ✓ Durchführung durch geschulte Kursleiterinnen und Kursleiter | ✗ Schwache Evidenz für „Peers" (z.B. Gleichaltrige) und nicht von Erwachsenen durchgeführte Präventionsprogramme |
| ✓ Hohe Intensität 10 bis 15 wöchentliche Einheiten |
✗ Jegliche Formen von Einzelveranstaltungen |
| ✓ Programme mit mehreren Komponenten | ✗ Schwache Evidenz für „Booster"-Sitzungen in den Jahren nach einer Intervention |
| ✗ Poster und Broschüren | |
| Inhalt | |
| ✓ Entscheidungs-, Kommunikations- und Problemlösungskompetenz | ✗ Reine Vermittlung von Faktenwissen |
| ✓ Peer-Beziehungen sowie Förderung personaler und sozialer Kompetenzen | ✗ Vorträge von Betroffenen |
| ✓ Selbstwirksamkeit und Durchsetzungsvermögen | ✗ Ausschließliche Steigerung des Selbstwertgefühls |
| ✓ Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen den Substanzmissbrauch | ✗ Stichprobenartige Drogentests |
| ✓ Verstärkung substanzkritischer Normen und Haltungen; bildungsbezogene Unterstützungsangebote | ✗ Abschreckungstaktiken, die die Gefahren des Substanzgebrauchs übertreiben oder falsch darstellen und oft im Widerspruch zu den Erfahrungen der Schülerschaft stehen |
Quelle: EUPC-Manual, Tabelle 13.
Die folgenden Präventionsprogramme entstammen der Grünen Liste Prävention. Wir stellen diese lediglich als Anregung für Ihre eigene Suche nach einer geeigneten Intervention in Ihrem Kontext vor.
„Unplugged” ist ein schulbasiertes Programm, das Komponenten umfasst, die auf kritisches Denken, Entscheidungsfindung, Problemlösung, kreatives Denken, wirksame Kommunikation, zwischenmenschliche Beziehungen, Selbstbewusstsein, Empathie, den Umgang mit Emotionen und Stress, normative Überzeugungen sowie Wissen über gesundheitsschädigende Auswirkungen psychoaktiver Substanzen fokussieren. Der Lehrplan besteht aus zwölf einstündigen Einheiten, die einmal pro Woche von den Klassenlehrkräften unterrichtet werden, die zuvor einen 2,5-tägigen Lehrgang besucht haben.
Klasse2000 fördert mit erlebnis- und handlungsorientierten Methoden sowie sozialem Lernen die positive Einstellung der Kinder zur Gesundheit und vermittelt Wissen über den Körper. Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung sind ebenso wichtige Bausteine wie soziale Kompetenzen, der Umgang mit Gefühlen und Stress, Strategien zur Problem- und Konfliktlösung und der kritische Umgang mit Tabak und Alkohol. Themen sind Atmung, Entspannung und Bewegung, gesunde Ernährung, der Umgang mit Problemen und negativen Gefühlen, die gewaltfreie Lösung von Konflikten, die Gefahren von Tabak und Alkohol sowie Rollenspiele, etwa zum Neinsagen bei Gruppendruck. Das Unterrichtskonzept wird laufend aktualisiert und verbessert (z. B. Anpassung für Förderschulen). Pro Schuljahr halten die externen Klasse2000-Gesundheitsförderinnen und -förderer zwei bis drei weitere Unterrichtseinheiten, in denen sie wichtige Impulse setzen und neue Themen einführen. An diese Unterrichtseinheiten schließen sich jeweils mehrere von den Lehrkräften gestaltete Unterrichtsstunden an, um das Thema zu vertiefen und zu festigen. Klasse2000 legt großen Wert auf die Einbindung und Information der Eltern1.
„Erwachsen werden” umfasst in sieben Kapiteln ein Curriculum „Soziales Lernen”, das Kindern und Jugendlichen für ihr Selbstverständnis, ihr Verhalten und ihre Werteorientierung nachhaltige Hilfen anbietet. Jedes Kapitel ist einem Schwerpunktthema gewidmet und zielt auf die Vermittlung und das Training grundlegender Lebenskompetenzen:
Meine Klasse: Fragen zur eigenen Person: Wer bin ich? Wer sind die anderen? Wie gehen wir miteinander um? Welche Bedeutung hat die Gruppe und wie beeinflusst sie mich? (Grundlage für eine offene, vertrauensvolle und konstruktive Lernatmosphäre und die Arbeit mit den weiteren Programmkapiteln)
Stärkung des Selbstvertrauens: Was ist Selbstvertrauen? Worauf gründet es sich? Wie kann ich mein eigenes oder auch das anderer stärken? Sich der eigenen Fähigkeiten und Stärken bewusst werden, diese einsetzen, so Verantwortung übernehmen und dafür Anerkennung bekommen, fördert das Selbstvertrauen.
Mit Gefühlen umgehen: Eigene Gefühle wahr- und ernstnehmen, sie akzeptieren, ausdrücken und als etwas begreifen, das bei der Entwicklung der Persönlichkeit hilft, dazu auch Umgang mit belastenden Situationen.
Die Beziehungen zu Freundinnen und Freunden: Wie kann man echte Freundschaften aufbauen, weiterentwickeln und aufrechterhalten? Welchen Einfluss hat die Clique? Wie hält man Gruppendruck stand? Wie lassen sich Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte in einer Freundschaft konstruktiv lösen? Wie geht man gut mit Enttäuschungen und mit einem Verlust um?
Mein Zuhause: Welche Erwartungen und Wünsche haben Jugendliche an ihr Zuhause, was empfinden sie als enttäuschend, konfliktträchtig? Beziehungen innerhalb der eigenen und in anderen Familien reflektieren und Schritte zur Verbesserung der Beziehungen oder zur Lösung von Konflikten probieren.
Ich entscheide für mich selbst: Verantwortung für eigene Entscheidungen u. a. bei den Themen Lebensstil, Umgang mit dem eigenen Körper und berufliche Zukunft. Werbung und Medien werden kritisch hinterfragt. Zusätzlich werden die im Anhang des Lehrkräftehandbuchs enthaltenen Informationen über Sucht, Suchtmittel und Suchtverhalten aufgegriffen.
Ich weiß, was ich will: Kinder und Jugendliche haben Träume und Hoffnungen, was sie in ihrem Leben erreichen möchten. Sie müssen lernen, sich Ziele zu setzen und sich auf den Weg dorthin zu machen2.
Der „Arbeitsplatz” oder die Arbeitsumgebung ist der physische Ort, an dem Menschen arbeiten. In vielen Industrienationen ist der Arbeitsplatz eine der Schlüsselinstitutionen innerhalb einer Gesellschaft, da ein bedeutender Anteil der Erwachsenen erwerbstätig ist und sich in einem Arbeitssetting aufhält. Darüber hinaus treiben Arbeit und Arbeitsbedingungen die Wirtschaft an und fördern das Wirtschaftswachstum. Substanzgebrauchsstörungen sind besonders in Branchen von großer Bedeutung, in denen es um Sicherheitsfragen geht oder in denen individuelle Leistungsmängel erhebliche Auswirkungen haben können. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Bau, Landwirtschaft, Verkehr, Energie, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Finanzdienstleistungen (EBDD, 2017b, S. 143) .
Die Arbeitswelt als Setting bietet den Arbeitnehmern zudem die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung und ist ein Ort für neue Erfahrungen sowie das erlernen von neuen Normen und Verhaltensweisen.
Da Erwachsene in der Regel einen erheblichen Teil ihres Tages am Arbeitsplatz verbringen, kann es enorme Auswirkungen auf deren Gesundheit und Wohlbefinden haben sowie auf die Anfälligkeit für Suchtprobleme, ob sie ihre Arbeit als lohnend und zufriedenstellend oder als zu stressig und demotiverend empfinden.
Frone (2013) unterscheidet auch zwischen Substanzgebrauch und -beeinträchtigung am Arbeitsplatz und in der Belegschaft.
Arbeitsplatzfaktoren können ein Klima fördern, das den Substanzgebrauch am Arbeitsplatz begünstigt. Dazu gehören drei Hauptfaktoren:
Der letzte Faktor bezieht sich auch auf die Arbeitsumgebungen, die den Gebrauch von Substanzen zur Leistungssteigerung, zur Bewältigung hoher Arbeitsbelastungen und strenger Zeitpläne fördern oder wenn Substanzen als integraler Bestandteil des Beziehungsaufbaus mit Kollegen und (potenziellen) Kunden betrachten werden.
Neben allgemeinen Risikofaktoren können arbeitsbezogene Stressfaktoren, wie ein hohes Maß an Arbeitsanforderungen, mangelnde Arbeitsplatzkontrolle und Arbeitsplatzunsicherheit, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Mitarbeiter Substanzen als Spannungs- und Stressabbautechniken eingesetzt, um die Arbeitssituation zu bewältigen. Es wird angenommen, dass eine häufigere Exposition gegenüber Arbeitsstressoren zu einem häufigeren und stärkeren Konsum von Substanzen führt, oft kurz vor, während oder unmittelbar nach einem Arbeitstag. Die meisten substanzbezogenen Probleme hängen jedoch mit dem Mitarbeiter als Privatperson zusammen, was bedeutet, dass der größte Teil des Substanzgebrauchs zwar außerhalb der Arbeit liegt, jedoch trotzdem negative Auswirkungen auf die Arbeitsleistung haben. Diese können sich in Fehlzeiten, Verspätungen, Arbeitsplatzverluste, Krankheiten und höheren medizinische Kosten äußern. Auch kann der Gebrauch von Substanzen am Arbeitsplatz zu einer Abnahme der Arbeitssicherheit, hohem arbeitsbedingtem Stress und einer geringeren Moral unter Mitarbeitern führen, die keine Substanzen am Arbeitsplatz gebrauchen.
Leider ist die Datenlage im Bereich des Substanzgebrauchs am Arbeitsplatz und seine Auswirkungen noch sehr lückenhaft. Allerdings sind illustrative Studien aus den Mitgliedstaaten nützlich. So wurde beispielsweise im Vereinigten Königreich geschätzt, dass der Alkoholgebrauch zu 11-17 Millionen verlorenen Arbeitstagen führt und jährlich 1,8 Milliarden Pfund kostet (Plant Work, 2006) .
Der Substanzgebrauch am Arbeitsplatz ist ein besonderes Anliegen in sicherheitskritischen Rollen, in denen die Mitarbeiter Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer (z.B. Piloten, Ärzte, Sicherheitstechniker) tragen und in denen Beeinträchtigungen durch Substanzen oder aus anderen Gründen schwerwiegende Folgen haben können. In Frankreich standen 15-20% der Arbeitsunfälle im französischen Eisenbahnsystem in direktem Zusammenhang mit dem schädlichen Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen (Ricordel & Wenzek, 2008) .
Ein Element der Bedarfsanalyse ist, zu verstehen, inwiefern der Arbeitsplatz bereit ist organisatorische Veränderungen anzustoßen oder die Bereitschaft zeigt, gesundheitsförderliche und/oder (sucht-)präventive Maßnahmen zu ergreifen. Es bestehen eine Reihe von Theorien, die entwickelt wurden, um organisatorische Veränderungen zu verstehen. Zum Beispiel betont die „Stage Theory”, dass es wichtig ist zu wissen, wo sich eine Organisation auf dem Weg organisatorischer Veränderungen befindet, bevor sie Präventionsrichtlinien und Interventionen umsetzt.
Die „Stage Theory” (Kaluzny & Hernandez, 1988) beschreibt vier Phasen, die Organisationen durchlaufen, bevor eine Veränderung oder Innovation angenommen und institutionalisiert wird.
Hinsichtlich der Prävention am Arbeitsplatz gibt es vier Aspekte zu beachten (Abbildung 24).
Struktur und Kultur
Niedrigschwellige Angebote
Individuelle Maßnahmen
Quelle: EUPC-Manual, Abbildung 24 – drei Präventionsebenen am Arbeitsplatz, flankiert durch Behandlung und Rückkehr zur Arbeit.
Universelle Prävention:
Selektive Prävention:
Indizierte Prävention:
Wenn es um Prävention am Arbeitsplatz geht, ist es wichtig auch Strategien und Interventionen zu bedenken, die eine Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Therapie und eine Wiedereingliederung in die Belegschaft sicherstellen. Obwohl es sich dabei formal nicht um Prävention handelt, beinhaltet dieses Curriculum die Therapie und Reintegration in die Arbeit sowie die Rückfallprävention als wesentliche Bestandteile eines umfassenden Ansatzes zum Substanzgebrauch am Arbeitsplatz. Ziel eines solchen ist nicht die Bestrafung, sondern die Prävention oder Verminderung des Substanzgebrauchs und, falls erforderlich, die Identifizierung von Konsumenten und Bereitstellung eines klaren Behandlungsweges sowie Reintegration in die Arbeitswelt. Nach der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz benötigen diese Arbeitskräfte fortlaufende Unterstützung, um einen Rückfall zu verhindern. Das EBDD-Portal enthält einen Abschnitt über die Prävention am Arbeitsplatz, der einen Überblick über empfohlene Ansätze bietet3. Auch hat die EBDD einen Leitfaden über Ansätze der beruflichen Wiedereingliederung publiziert, der die beruflichen Chancen von Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörungen verbessern soll und einen Abschnitt über Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz enthält4. Obwohl es als Reaktion auf die nationale Gesetzgebung entwickelt wurde, haben die USA ein sogenanntes Drug-Free Workplace-Toolkit veröffentlicht, das Leitlinien für die Entwicklung von Arbeitsplatzrichtlinien, Mitarbeiterschulungen, Managementschulungen, Unterstützungsprogramme für Mitarbeiter mit schwerwiegenderen Problemen und Drogentests enthält (siehe Abschnitt ‚Drogentests’ weiter unten für wichtige EU-Diskussionen zu diesem Thema).
Umfassende arbeitsplatzbezogene Präventionsmaßnahmen konzentrieren sich in der Regel auf drei Hauptziele: 1) Arbeitsumgebung, 2) soziale Interaktion/Peer Support (Unterstützung durch Kollegen) und 3) individueller Substanzgebrauch (siehe Abbildung 25). Das heißt die Richtlinien und Interventionen am Arbeitsplatz können sich auf die Änderung persönlicher, sozialer und verhältnisbezogener Faktoren konzentrieren, die die Wahrscheinlichkeit des Substanzgebrauchs beeinflussen. Die Komponenten eines umfassenden Präventionsansatzes sollten alle drei der nachstehend aufgeführten Ziele berücksichtigen:
Arbeitsumgebung:
Soziale Interaktion / Unterstützung durch Kollegen
Individueller Substanzgebrauch:
Trotz der zwingenden Gründe für die Einführung von Präventionsstrategien und -interventionen zögern viele Organisationen, derartige Maßnahmen umzusetzen. Während die Prävention anderer Gesundheits- und Sicherheitsfragen aktiv angegangen wird, wird substanzbezogene Prävention weiterhin oft ignoriert. Der Hauptgrund für dieser Zurückhaltung und die größte Hürde für die Umsetzung ist, das mit dem Substanzthema verbundene Stigma.
Organisationen zögern ebenso das Ausmaß des Substanzgebrauchs bei ihren Beschäftigten zu untersuchen, als auch Maßnahmen zu ergreifen, um das Problem anzugehen oder zu verhindern. In vielen Kulturen gelten Alkohol- und Substanzgebrauch als moralisch verwerflich bzw. werden in erster Linie als Rechtsfrage und nicht als Gesundheits- und Sicherheitsfrage behandelt.
Zu den weiteren Hindernisse für die Umsetzung gehören:
Drogentests existieren seit Jahrzehnten, vielerorts werden sie immer noch als umstritten angesehen. Für viele Organisationen, und auch Länder ist der Versuch, ein Gleichgewicht zwischen der Sicherheit der Arbeitnehmer und dem Schutz der Privatsphäre und Diskriminierungsbelangen herzustellen, ein vorrangiges Anliegen. Ein weiteres wesentliches Problem ist, dass Abbauprodukte von Substanzen lange nach dem Gebrauch in einer biologischen Probe verbleiben können (tatsächlich kann im Fall von Haaren die Droge monatelang in der Probe nachgewiesen werden). Drogentests können deshalb nicht als Nachweis für eine Störung verstanden werden. Vor der Entscheidung für die Implementierung eines Drogentest-Programms, sollten Organisationen die unzähligen rechtlichen Aspekte berücksichtigen, die von Land zu Land unterschiedlich sind.
Während Forschungen einige positive Effekte von Drogentests zeigen konnten, sind diese an und für sich keine Präventionsmaßnahme und sollten nur als Teil einer umfassenden Substanzpräventionsstrategie implementiert werden.
Richtlinien und Kultur
Kollegiale Unterstützung
Individuelle Ansätze
Verhältnis- und Verhaltensprävention integrieren
Quelle: EUPC-Manual, Abbildung 25 – umfassender Präventionsansatz am Arbeitsplatz auf drei Handlungsebenen.
3-year iatrogenic effects associated with aggregating high-risk adolescents in cognitive-behavioral preventive interventions
Applied Developmental Science, 5(4), 214–224
The role of education quality in economic growth
World Bank Policy Research Working Paper 4122
Revisiting the relationship between adolescent substance use and high school dropout
Journal of Substance Use Issues, 41(4), 587
The study of implementation in school-based preventive interventions: Theory, research, and practice
Center for Mental Health Services, Substance Abuse and Mental Health Services Administration, US Department of Health and Human Services, Washington, DC, 60
Implementation science and the effective delivery of evidence-based prevention
In Z. Sloboda & H. Petras (Eds.), Advances in Prevention Science: Defining Prevention Science (pp. 293–314). New York: Springer Publishing
Bridging the gap between prevention research and practice: The interactive systems framework for dissemination and implementation
American Journal of Community Psychology, 41(3–4), 171–181
Jean Piaget and Rudolf Steiner: Stages of child development and implications for pedagogy
The Teachers College Record, 84(2), 327–337
International Standards on Drug Use Prevention
Vienna, Austria: UNODC
Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2012
KMK, Berlin
Health and social responses to drug problems: A European guide
Luxembourg: Publications Office of the European Union
Alcohol and illicit drug use in the workforce and workplace
Washington, DC: American Psychological Association
Coming clean: Drug and alcohol testing in the workplace
World of Work: The Magazine of the ILO, 57, 33–36
Cannabis and safety of work. Evolution of its detection within the controls of narcotics since 2004 to the SNCF
Annales Pharmaceutiques Françaises, 66, 255–260
Organizational change and innovation
In S. Shortell & A. Kaluzny (Eds.), Health Care Management: A Text in Organizational Theory and Behavior (2nd ed., pp. 379–417). New York, NY: John Wiley
Ordnungsraster für Online-Risiken von Kindern, das Livingstone und Stoilova 2021 für das CO:RE-Netzwerk aktualisiert haben. Es unterscheidet vier Rollen: Inhalt (Content), Kontakt (Contact), Verhalten (Conduct) und vertragliche Risiken (Contract), etwa Betrug und kommerzielle Ausbeutung, quer dazu liegen Risiken für Privatheit, Gesundheit und faire Behandlung.
Großangelegte US-Untersuchung von Felitti, Anda und Kollegen (1998), die belastende Kindheitserfahrungen wie Missbrauch und familiäre Dysfunktion mit späteren Erkrankungen verknüpfte. Sie zeigte einen dosisabhängigen Zusammenhang: Je mehr solcher Erfahrungen, desto höher das Risiko für viele führende Todesursachen im Erwachsenenalter.
Methodische Leitlinie dafür, wie eine andernorts bewährte Maßnahme begründet an einen neuen Kontext angepasst wird, ohne ihre Wirksamkeit zu verlieren. Sie führt durch die Schritte von der Bedarfs- und Passungsprüfung über die Anpassung der Inhalte bis zur erneuten Evaluation. Bezugspunkt für FINDER, wenn internationale Programme in deutsche Schul-, Kommunal- oder Jugendhilfe-Settings übertragen werden.
Verzerrung von Wirksamkeitsbefunden dadurch, dass die forschende Person einem geprüften Ansatz selbst verbunden ist. Münder und Kollegen zeigen in einer Übersicht von Reviews, dass diese Forscher-Allegiance über Studien hinweg systematisch mit höheren Effektschätzungen einhergeht. Das mahnt zur Vorsicht, wenn Programm-Evaluationen von den Programm-Entwicklern selbst stammen.
Von Bruce McEwen und Eliot Stellar geprägter Begriff für die kumulative Abnutzung des Körpers durch wiederholte oder dauerhafte Belastung. Die Systeme, die kurzfristig Anpassung sichern (Stresshormone, Herz-Kreislauf, Immunsystem), richten bei chronischer Aktivierung langfristig Schaden an. Das Modell verbindet frühe und anhaltende Belastung mit späterer Krankheitsanfälligkeit.
Abschlussdokument der internationalen Konferenz über primäre Gesundheitsversorgung, 1978 von der Weltgesundheitsorganisation in Alma-Ata verabschiedet. Sie benannte die primäre Gesundheitsversorgung als Schlüssel zum Ziel „Gesundheit für alle" und rückte Beteiligung, soziale Gerechtigkeit und gemeindenahe Versorgung in den Mittelpunkt.
Suchttheorie, die zwischen dem Verlangen (wanting) und dem Genusserleben (liking) unterscheidet. Bei wiederholtem Konsum kann das durch Reize ausgelöste Verlangen überschießen, auch wenn der Genuss nachlässt. Für die Prävention folgt daraus, dass kognitive Selbstwirksamkeit allein nicht genügt: Es braucht zusätzlich den geübten Umgang mit Auslösereizen und Affektregulation.
Acht-stufiges Modell, das Bürgerbeteiligung von Schein-Teilhabe bis zu echter Machtteilung ordnet. Sherry Arnstein unterschied 1969 Stufen der Nicht-Beteiligung (Manipulation, Therapie) von Stufen der Alibi-Beteiligung (Information, Konsultation) und der tatsächlichen Bürgermacht (Partnerschaft, delegierte Macht, Bürgerkontrolle).
Idee, dass Aufmerksamkeit in einer informationsreichen Welt zur knappen Ressource wird, um die Anbieter konkurrieren: ein Gedanke, der auf Herbert Simon zurückgeht und von Davenport und Beck sowie Georg Franck verbreitet wurde. Falkinger formt ihn zu einem ökonomischen Modell des Wettbewerbs um die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Empfänger.
Annahme, dass eine Richtigstellung den Glauben an die korrigierte Falschinformation noch verstärkt, statt ihn zu schwächen. Swire-Thompson, DeGutis und Lazer kommen in ihrer Übersicht zu dem Schluss, dass der Backfire-Effekt kein robustes empirisches Phänomen ist und sich auch unter günstigen Bedingungen kaum verlässlich nachweisen lässt (engl. backfire effect).
Integrativer Rahmen zur Planung von Verhaltensinterventionen, entwickelt von Michie, van Stralen und West (2011). Das Rad verbindet das COM-B-Modell als inneren Kern (Capability, Opportunity, Motivation) mit neun Interventionsfunktionen (z. B. Aufklärung, Training, Umgebungsumgestaltung) und sieben politischen Kategorien (z. B. Regulierung, Fiskalmaßnahmen). Im EUPC dient das Rad dazu, aus theoretischen Zielen konkrete Interventionsentscheidungen abzuleiten.
Repräsentative Befragung Erwerbstätiger in Deutschland, gemeinsam getragen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Erhoben werden Arbeitsanforderungen, Arbeitsbedingungen und der Erwerb beruflicher Qualifikationen; eine Welle umfasst rund 20.000 Befragte ab 15 Jahren.
Regressionsverfahren für eine Zielgröße mit nur zwei Ausprägungen, etwa Konsum ja oder nein. Es schätzt, wie sich die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses mit einer oder mehreren Einflussgrößen verändert, und drückt diese Zusammenhänge als Odds Ratios aus. Es ist das Standardwerkzeug, wenn die abhängige Variable kein Messwert, sondern ein Ja-Nein-Ereignis ist.
Verständnis von Gesundheit und Krankheit als Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren, statt einer rein körperlichen Betrachtung. George Engel begründet das Modell als Gegenentwurf zum biomedizinischen Reduktionismus und fordert, seelische und soziale Bedingungen systematisch in Diagnose und Behandlung einzubeziehen (engl. biopsychosocial model).
Blueprints for Healthy Youth Development, geführt vom Center for the Study and Prevention of Violence an der University of Colorado Boulder. Internationales Evidenzregister, das Programme nach strengen methodischen Kriterien als Promising, Model oder Model Plus einstuft.
Unbeabsichtigte Gegenwirkung einer Präventionsbotschaft, bei der die Zielgruppe das unerwünschte Verhalten danach stärker zeigt als zuvor. Die Evaluation der National Youth Anti-Drug Media Campaign von Hornik und Kollegen fand keine günstigen, aber Hinweise auf verzögert ungünstige Effekte: Mehr Kampagnenkontakt ging mit erhöhtem Interesse an Marihuana einher (engl. boomerang effect).
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Fachbehörde des Bundes für gesundheitliche Aufklärung und Prävention. Seit Februar 2025 firmiert sie als Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG); Aufträge, Verträge und gesetzliche Mandate bleiben dabei erhalten.
Internationales, gemeinnütziges Forschungsnetzwerk, das systematische Übersichtsarbeiten zu sozial-, bildungs- und kriminalpolitischen Fragen erstellt und in der Campbell Library bündelt. Sie überträgt das methodische Vorbild der Cochrane Collaboration auf die Sozialwissenschaften.
Von Amartya Sen und Martha Nussbaum geprägter theoretischer Rahmen, der den Wohlstand eines Menschen nicht an Gütern oder Einkommen misst, sondern an den realen Verwirklichungschancen (Capabilities): an dem, was eine Person tatsächlich tun und sein kann. Unterschieden werden die verwirklichten Tätigkeiten und Zustände (Functionings) von der Freiheit, zwischen ihnen zu wählen. Für die Prävention rückt der Ansatz die Bedingungen in den Blick, unter denen Menschen gesunde Entscheidungen überhaupt treffen können.
Collaborative for Academic, Social, and Emotional Learning, eine US-amerikanische gemeinnützige Organisation mit Sitz in Chicago. Sie bündelt Evidenz zum sozial-emotionalen Lernen (SEL), prägt das verbreitete Fünf-Kompetenzen-Rahmenmodell und unterstützt Schulen und Bildungssysteme bei dessen Umsetzung.
Consolidated Framework for Implementation Research, ein Ordnungsrahmen der Implementationsforschung. Er bündelt die Bedingungen gelingender Umsetzung in fünf Bereiche: Merkmale der Maßnahme, das äußere und das innere Umfeld, die beteiligten Personen und den Umsetzungsprozess selbst. Eines der meistgenutzten Determinantenmodelle des Feldes.
Variante der randomisierten kontrollierten Studie, bei der nicht einzelne Personen, sondern ganze Gruppen (Cluster wie Schulen, Schulklassen oder Kommunen) per Zufall auf Interventions- und Kontrollbedingung verteilt werden. Dieses Design ist im Präventionsfeld oft der einzig praktikable Weg, weil eine Maßnahme das gesamte Setting erreicht und sich einzelne Personen nicht sinnvoll trennen lassen. Beobachtungen innerhalb eines Clusters sind korreliert, weshalb die effektive Stichprobe kleiner ausfällt und die Auswertung dies berücksichtigen muss (engl. cluster randomised trial).
Internationales, gemeinnütziges und herstellerunabhängiges Forschungsnetzwerk, das seit 1993 systematische Übersichtsarbeiten zu Gesundheitsfragen erstellt und in der Cochrane Library bündelt. Cochrane-Reviews gelten als methodischer Maßstab der evidenzbasierten Medizin.
Verhaltensmodell von Michie, van Stralen und West (2011), das das Auftreten eines Verhaltens auf drei interagierende Quellen zurückführt: Fähigkeit (Capability, physisch und psychologisch), Gelegenheit (Opportunity, sozial und physisch) und Motivation (reflektiv und automatisch). COM-B bildet den inneren Kern des Behaviour Change Wheel und wird im EUPC als gemeinsames Rahmenmodell für die Planung wirksamer Präventionsinterventionen eingesetzt.
Evidenzbasiertes Planungs- und Steuerungssystem für kommunale Prävention, entwickelt von David Hawkins und Richard Catalano (University of Washington). Fünfphasiger Zyklus von der Koalitionsbildung über Bedarfserhebung und Programmauswahl bis zur Wirkungsmessung.
Neigung, Belege so zu suchen oder zu deuten, dass sie bestehende Überzeugungen, Erwartungen oder eine bereits gefasste Hypothese stützen. Der Bestätigungsfehler zeigt sich darin, dass widersprechende Hinweise weniger beachtet oder umgedeutet werden, oft ohne bewusste Absicht. Raymond Nickerson beschreibt ihn als eine der robustesten und folgenreichsten Verzerrungen menschlichen Schlussfolgerns, die in vielen praktischen Kontexten auftritt (engl. confirmation bias).
Unterscheidung aus der Implementationsforschung zwischen den Kernfunktionen einer Maßnahme, also den unverzichtbaren Wirkzwecken, und den Formen, also den konkreten Aktivitäten, mit denen diese Zwecke erfüllt werden. Die Formen dürfen an den lokalen Kontext angepasst werden, solange die Kernfunktionen erhalten bleiben. Das erlaubt Anpassung ohne Verlust der Wirksamkeit.
Gemeinde-randomisierte Studie in 24 US-Kleinstädten, die Communities That Care evaluierte. Acht Jahre nach Einführung und drei Jahre nach Auslaufen der Förderung blieben junge Menschen in den CTC-Kommunen häufiger abstinent von Substanzen und Delinquenz als die Kontrollgruppe; ein anhaltender Effekt auf die Initiierung von Problemverhalten.
Jährlicher Fachkongress für Kriminal- und Gewaltprävention mit rund 3.000 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Praxis und Politik. Zentrale Plattform für den Austausch zwischen Präventionsforschung und kommunaler Praxis, Mitherausgeber zahlreicher Standards und Gutachten.
Systematische Tendenz, dass Studien zu einer Intervention häufiger positive Wirkungen finden, wenn die Programmentwickler an ihnen beteiligt sind, als wenn unabhängige Gruppen sie durchführen. Die Methodenliteratur diskutiert das Phänomen vor allem als Forscherverbundenheit (researcher allegiance) in der Psychotherapieforschung; es mahnt zur unabhängigen Replikation von Wirksamkeitsbefunden.
Prozess, in dem sich Jugendliche in der Gruppe wechselseitig in abweichendem Verhalten bestärken: Anerkennung für Regelbruch, gemeinsames Erzählen von Grenzüberschreitungen. Dishion und Tipsord ordnen es als zentralen Mechanismus der Ansteckung unter Gleichaltrigen ein, der gerade Programme unterläuft, die belastete Jugendliche bündeln.
Modell von Everett Rogers, das beschreibt, wie sich eine Neuerung über die Zeit durch ein soziales System ausbreitet: über frühe Anwender hin zur breiten Mehrheit. Greenhalgh und Kollegen übertrugen die Theorie in einer systematischen Übersichtsarbeit auf Versorgungsorganisationen und benennen die Faktoren, die Verbreitung und dauerhafte Verankerung begünstigen.
Verordnung (EU) 2022/2065 über digitale Dienste, in Kraft seit 2022 und seit Februar 2024 vollständig anwendbar. Sie schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für Vermittlungsdienste wie soziale Netzwerke und Plattformen, mit Pflichten zu Meldeverfahren für illegale Inhalte, Transparenz und besonderen Auflagen für sehr große Plattformen.
Von Jürgen Habermas begründeter Ansatz der Moralphilosophie, nach dem eine Norm nur gültig ist, wenn ihr alle Betroffenen als Teilnehmer eines vernünftigen Diskurses zustimmen könnten. An die Stelle einsamer Prüfung tritt die zwanglose Verständigung unter Argumenten. Für partizipative Prävention begründet das, warum Betroffene an Entscheidungen über sie zu beteiligen sind.
Die Fähigkeit, Wissen über psychoaktive Substanzen zu finden, kritisch zu bewerten und auf eigene Entscheidungen anzuwenden, als spezifische Ausprägung der Gesundheitskompetenz. Ein neurowissenschaftlich fundiertes, schadensminderndes Schulprogramm (Illicit Project) zeigte in randomisiert-kontrollierten Studien, dass sich Drogenkompetenz wirksam und messbar vermitteln lässt.
Entwicklungsneurowissenschaftliches Modell, das jugendliches Risikoverhalten auf eine Reifungsasymmetrie zurückführt: Ein früh ausreifendes Belohnungs- und Anreizsystem trifft auf eine erst langsam reifende kognitive Kontrolle. Anreizsuche und Selbstregulation sind dabei weitgehend unabhängige Prozesse, die getrennt gefördert werden müssen. Das erklärt, warum Selbststeuerung gerade im Jugendalter störanfällig ist.
Modell der Implementationsforschung, das dauerhafte Wirksamkeit nicht als starres Festhalten an der Ursprungsform versteht, sondern als fortlaufende Passung von Maßnahme, Umsetzungsumfeld und größerem Kontext. Statt Abweichungen vom Ursprungsmanual als Verfall zu deuten, sieht der Rahmen kontinuierliche Anpassung als Voraussetzung dafür, dass ein Programm über die Zeit lebendig und passgenau bleibt.
European Drug Prevention Quality Standards, koordiniert von der EUDA und einem europäischen Konsortium. Definieren acht Qualitätsstandards entlang des gesamten Projektzyklus, von Bedarfserhebung bis Evaluation, und enthalten einen expliziten ethischen Rahmen.
Deutsches Präventionsprogramm von Friedrich Lösel und Kollegen; das Akronym steht für Entwicklungsförderung in Familien mit Eltern- und Kindertraining. Es verbindet ein Elterntraining mit einem sozialen Kompetenztraining für Kinder im Vorschul- und frühen Grundschulalter, um Problemen des Sozialverhaltens vorzubeugen. Erwünschte Wirkungen zeigten sich vor allem in den Einschätzungen von Fachkräften, weniger in den Berichten der Mütter.
Standardisiertes Maß für die Größe eines Effekts, unabhängig von der Stichprobengröße. Anders als ein p-Wert sagt es, wie stark eine Wirkung praktisch ins Gewicht fällt. Gängige Kennzahlen sind Cohens d und das korrigierte Hedges' g; die verbreitete Orientierung d ≈ 0,2 (klein), 0,5 (mittel), 0,8 (groß) ist nach Cohen bewusst grob und nicht starr zu deuten.
Von Nancy Krieger in die Epidemiologie eingeführter Begriff: Menschen verkörpern biologisch die materiellen und sozialen Bedingungen, in denen sie leben. Erfahrungen wie Armut, Diskriminierung oder Schadstoffbelastung schreiben sich in den Körper ein und werden so messbar als gesundheitliche Ungleichheit. Embodiment verbindet gesellschaftliche Verhältnisse mit biologischen Prozessen.
Prozess, durch den Menschen und Gemeinschaften Kontrolle über die für sie wichtigen Belange gewinnen. Julian Rappaport stellte 1987 Empowerment als Leitidee der Gemeindepsychologie dem defizitorientierten Versorgungsdenken gegenüber und verband Befähigung mit Rechten, Teilhabe und der Stärkung vorhandener Kompetenzen.
Gestaltung des Kontextes, in dem Menschen wählen: Reihenfolge der Optionen, Voreinstellungen, Art der Information. Münscher, Vetter und Scheuerle ordnen die verstreuten Techniken in einer Systematik nach den Ansatzpunkten Information, Struktur und Unterstützung der Entscheidung und schaffen so einen prüfbaren Rahmen für die Gestaltung.
Phasenmodell der Implementationsforschung, das die Einführung einer Maßnahme in vier Abschnitte gliedert: Sondierung (Exploration), Vorbereitung (Adoption/Preparation), Umsetzung (Implementation) und Verstetigung (Sustainment). Es richtet den Blick darauf, dass jede Phase eigene Voraussetzungen und Hürden im äußeren wie inneren Kontext hat.
Vom Rat der Europäischen Union am 18. Dezember 2020 angenommene Rahmensetzung für die Drogenpolitik der Mitgliedstaaten. Sie definiert drei Prioritätsbereiche (Angebotsreduktion, Nachfragereduktion, Querschnittsfragen) und macht Prävention und evidenzbasierte Qualitätsstandards zum operativen Schwerpunkt. Der konkretisierende EU-Aktionsplan 2021–2025 (ABl. C 272 vom 8.7.2021) benennt die EU-weite Förderung des Europäischen Präventionscurriculums als Aufgabe der EUDA, verpflichtet die Mitgliedstaaten aber nicht zur Zertifizierung einzelner Personen oder Organisationen – Teilnahme und Umsetzung bleiben freiwillig.
Verordnung (EU) 2023/1322 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Juni 2023 über die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) mit Sitz in Lissabon. Gültig ab dem 2. Juli 2024. Die Verordnung erweitert das Mandat der Vorgänger-Agentur EMCDDA ausdrücklich um Prävention, Frühintervention und Qualitätsstandards und verpflichtet die EUDA, das Europäische Präventionscurriculum (EUPC) in der gesamten EU zu fördern.
European Union Drugs Agency, seit dem 2. Juli 2024 Nachfolgerin der EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction) mit Sitz in Lissabon. Erweitertes Mandat, das ausdrücklich Prävention, Frühintervention und Qualitätsstandards einschließt.
European Prevention Curriculum, das standardisierte Fortbildungscurriculum der European Union Drugs Agency für Entscheidungstragende und Multiplikatoren in der Präventionsarbeit. Vermittelt evidenzbasierte Grundlagen nach den UNODC International Standards.
European Society for Prevention Research, europäische Fachgesellschaft für Präventionsforschung mit jährlicher wissenschaftlicher Tagung. Arbeitet eng mit der EUDA zusammen und begleitet Weiterentwicklung und Qualitätssicherung des European Prevention Curriculum.
Ansatz, der den gewissenhaften und überlegten Gebrauch der jeweils besten verfügbaren externen Evidenz bei Entscheidungen über die Versorgung in den Mittelpunkt stellt. In der klassischen Formulierung verbindet evidenzbasierte Medizin drei Quellen: die beste externe Evidenz aus systematischer Forschung, die klinische Erfahrung der Behandelnden und die Präferenzen der Patienten. Keine der drei Quellen reicht allein; die Forschungsevidenz informiert die Entscheidung, ersetzt das fachliche Urteil aber nicht (engl. evidence based medicine, EBM).
Berichtsraster der Implementationsforschung, das systematisch erfasst, wie eine evidenzbasierte Maßnahme im Feld angepasst wurde: was geändert wurde, wann und durch wen, geplant oder reaktiv, und ob die Kernelemente erhalten blieben. FRAME macht Anpassungen nachvollziehbar dokumentierbar und unterscheidet wirksamkeitserhaltende von wirksamkeitsgefährdenden Abweichungen.
Lokale und regionale Unterstützungssysteme für Familien mit Kindern in den ersten Lebensjahren, koordiniert vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Sie verbinden Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe präventiv und werden vom NZFH mit Fachinformationen und Praxismaterial fachlich begleitet.
In der Schweiz vom Bundesamt für Gesundheit geprägter Ansatz (F+F), der erste Anzeichen ungünstiger Entwicklungen möglichst früh wahrnimmt und Betroffene in ihrer gesunden Entwicklung und sozialen Integration unterstützt. Er setzt auf Unterstützung statt Sanktion und greift in Settings wie Schule, Betrieb und Gemeinde. F+F verbindet Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung.
Von Bruce Link und Jo Phelan formulierte These, dass soziale Bedingungen wie sozioökonomischer Status grundlegende Ursachen von Krankheit sind. Solche Bedingungen wirken über flexible Ressourcen (Wissen, Geld, Macht, Ansehen, soziale Netzwerke), mit denen sich gesundheitliche Risiken vermeiden lassen, und behalten ihren Einfluss selbst dann, wenn einzelne Risikofaktoren oder Krankheitsmechanismen sich ändern. Daraus folgt, dass Maßnahmen an den vermittelnden Risiken die Ungleichheit nur begrenzt verringern, solange die zugrunde liegenden sozialen Bedingungen fortbestehen.
Botschaft, die durch Hervorrufen von Angst zu einer Schutzhandlung bewegen soll, etwa Abschreckung vor Substanzkonsum. Die Metaanalyse von Tannenbaum und Kollegen zeigt im Mittel positive Effekte auf Einstellungen, Absichten und Verhalten, jedoch stark abhängig von Begleitbedingungen wie hoher Selbstwirksamkeit und konkreten Handlungsempfehlungen (engl. fear appeal).
Zusammenhang zwischen genetischer Veranlagung und Umweltbedingungen, der entsteht, weil Gene mitbestimmen, welche Umwelten eine Person erlebt oder hervorruft. Bei der evokativen Gen-Umwelt-Korrelation reagieren etwa Eltern auf das vererbte Temperament ihres Kindes. Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen, dass ein Teil der beobachteten Erziehungs-Verhaltens-Zusammenhänge auf solche geteilten genetischen Einflüsse zurückgeht.
Von der WHO geprägter Ganztagsansatz (Health Promoting School), der Gesundheit nicht auf einzelne Unterrichtsstunden begrenzt, sondern Lehrplan, Schulumfeld und Einbezug von Familie und Gemeinde verbindet. Ein Cochrane-Review von Langford und Kollegen fand Belege für Effekte etwa auf Body-Mass-Index, körperliche Aktivität und Tabakkonsum, bei begrenzter Evidenz für andere Endpunkte.
Persönliche Fähigkeiten, um Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für Entscheidungen im Alltag zu nutzen. Validierte Jugend-Instrumente wie HELMA bilden Zugang, Verstehen, Bewerten, Anwenden, Kommunikation und Selbstwirksamkeit ab und überlappen strukturell mit der Risikokompetenz. Sie liefern eine international anschlussfähige Messarchitektur.
Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20, 20a, 20b SGB V. Bindender Rahmen für die Förderung und Leistungserbringung der gesetzlichen Krankenkassen in Präventionslebenswelten.
System, um die Sicherheit wissenschaftlicher Evidenz und die Stärke daraus abgeleiteter Empfehlungen transparent zu bewerten. GRADE stuft die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für jedes Ergebnis in vier Kategorien ein (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig) und trennt diese Bewertung von der Frage, wie stark eine Empfehlung ausfallen sollte. Das Verfahren ist international weit verbreitet und wird unter anderem für Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten genutzt.
Von Barney Glaser und Anselm Strauss begründete qualitative Forschungsmethodologie, die Theorie nicht vorab setzt, sondern systematisch aus den Daten entwickelt. Über fortlaufendes Vergleichen und verdichtete Kategorien entsteht eine im Material verankerte Theorie. Chun Tie und Kollegen legen den Ablauf dar. In der Prävention rekonstruiert der Ansatz Wirkmechanismen aus der Praxis heraus.
Das deutsche Evidenzregister für Präventionsprogramme, gepflegt vom Landespräventionsrat Niedersachsen. Bewertet Programme nach standardisierten wissenschaftlichen Kriterien in drei Effektivitäts-Stufen: theoretisch gut begründet, wahrscheinlich wirksam, nachweislich wirksam.
Politikübergreifender Ansatz, der die gesundheitlichen Folgen von Entscheidungen in allen Ressorts systematisch mitberücksichtigt, etwa in Verkehr, Bildung, Wohnen oder Steuern. Die WHO verankerte das Prinzip 2013 im Helsinki Statement und versteht Gesundheit und gesundheitliche Chancengleichheit als ressortübergreifende Verantwortung der Regierung.
Modellannahme der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie, die den Menschen als ausschließlich ökonomisch handelndes Wesen fasst: vollständig informiert, eigeninteressiert und auf Nutzenmaximierung gerichtet. Das Modell dient der Analyse, gilt aber als stark reduzierte Darstellung des Verhaltens. In der Prävention markiert es die Grenze rein anreizgestützter Steuerung.
Begriffspaar von Chater und Loewenstein: Das i-frame (individual frame) fasst ein Problem als Sache des Einzelnen und setzt auf Wissen, Kompetenzen und Verhalten; das s-frame (system frame) setzt an Strukturen an: an Regeln, Institutionen, Regulierung und materiellen Lebensbedingungen. Ihre These lautet, dass eine Überbetonung individuumsbezogener Lösungen den Blick auf wirksamere strukturelle Reformen verstellt und sie sogar verdrängen kann.
Schaden, den eine wohlmeinende Maßnahme selbst verursacht. In der Prävention entstehen sie etwa, wenn risikobelastete Jugendliche in Gruppen zusammengefasst werden und sich gegenseitig in abweichendem Verhalten bestärken (deviancy training). Dishion, McCord und Poulin zeigten, dass solche Programme die Problembelastung erhöhen statt senken können.
Wissenschaftliche Disziplin, die untersucht, wie Forschungsbefunde und evidenzbasierte Maßnahmen verlässlich in die Versorgungspraxis gelangen und dort wirken. Sie fragt nicht, ob eine Maßnahme unter Idealbedingungen wirkt, sondern was ihre Übernahme, getreue Umsetzung und Verstetigung im Alltag fördert oder hemmt.
US-amerikanisches Elterntraining von Carolyn Webster-Stratton, das über Videomodelle und angeleitetes Üben positive Erziehungspraktiken und die Eltern-Kind-Interaktion stärkt; es wird zur Prävention wie zur Behandlung auffälligen Verhaltens eingesetzt. Eine unabhängige Meta-Analyse findet über alle Informanten einen Effekt von d = 0,27, größer bei bereits auffälligen Kindern.
Ansatz der psychologischen Immunisierung: Wer vorab eine abgeschwächte Form eines Falscharguments samt Widerlegung kennenlernt, wird gegen spätere Überzeugungsversuche widerstandsfähiger, ähnlich einer Impfung (Prebunking). In einer Studie mit rund 15.000 Teilnehmenden verbesserte sich nach einem solchen Training die Fähigkeit, Desinformation zu erkennen.
Die Wahrnehmung von Signalen aus dem eigenen Körperinneren, etwa Herzschlag, Anspannung oder Unruhe. Eine geringe interozeptive Genauigkeit hängt mit erhöhter Impulsivität und problematischem Konsum zusammen; interozeptives Training verbessert die Emotionsregulation.
Von Julian Tudor Hart formulierte Beobachtung: Die Verfügbarkeit guter medizinischer Versorgung verhält sich tendenziell umgekehrt zum Bedarf der versorgten Bevölkerung. Wo der Bedarf am größten ist, ist das Angebot am knappsten. Hart sah diesen Mechanismus dort am stärksten wirken, wo die Versorgung Marktkräften ausgesetzt ist.
Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule, Beschluss vom 15.11.2012. Rahmen für eine ganzheitliche, settingbezogene schulische Präventionsarbeit in den Ländern.
„Gesundheitsförderung und Prävention sind integrale Bestandteile von Schulentwicklung. Sie stellen keine Zusatzaufgaben der Schulen dar, sondern gehören zum Kern eines jeden Schulentwicklungsprozesses." (Abschnitt 1.2 Allgemeine Grundsätze)
Von Philippe Schmitter systematisiertes Modell der Interessenvermittlung, in dem wenige, nach Funktionsbereichen gegliederte Verbände vom Staat anerkannt werden und für ihren Bereich ein Vertretungsmonopol erhalten. Im Gegenzug binden sie ihre Mitglieder an ausgehandelte Beschlüsse. In Deutschland prägt dieses Muster die Selbstverwaltung der Sozialversicherung und die Trägerlandschaft der Prävention.
Soziologisch begründete Perspektive, die nach der konkreten Lebenslage von Menschen fragt: dem Zusammenspiel von ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen, unter denen sie tatsächlich leben. In der Gesundheitsförderung erlaubt der Ansatz, Maßnahmen passgenau auf die Lebenssituation einer Zielgruppe zuzuschneiden und vorhandene Ressourcen gezielt zu nutzen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit Sitz in Halle (Saale), 1652 gegründet und seit 2008 als deutsche Nationalakademie benannt. Sie berät Politik und Öffentlichkeit unabhängig und wissenschaftsbasiert zu gesellschaftlich relevanten Fragen, frei von wirtschaftlichen und politischen Interessen.
Ressortübergreifendes Gremium beim Niedersächsischen Justizministerium, zuständig für die strategische Präventionsarbeit im Land und Herausgeber der Grünen Liste Prävention. Langjähriger Partner von FINDER bei der Verbreitung evidenzbasierter Programme in Deutschland.
Analyseverfahren, das prüft, ob eine Maßnahme über einen vermittelnden Zwischenschritt wirkt: Der Effekt auf das Ziel läuft ganz oder teilweise über eine Mediatorvariable. Statt nur zu fragen, ob eine Maßnahme wirkt, klärt die Mediationsanalyse, warum und auf welchem Weg. In der Präventionsforschung dient sie dazu, die angenommenen Wirkmechanismen eines Programms empirisch zu überprüfen.
Von Peter Conrad geprägter soziologischer Begriff für den Prozess, in dem nicht-medizinische Probleme als Krankheit oder Störung gefasst und damit medizinischer Definition und Behandlung zugänglich gemacht werden. Conrad betont die Rolle dieses Vorgangs als Form sozialer Kontrolle. Für die Prävention markiert der Begriff die Grenze, jenseits derer alltägliche Verhaltensweisen vorschnell als behandlungsbedürftig gelten.
Statistisches Verfahren, das die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zur selben Fragestellung rechnerisch zu einem Gesamtbefund zusammenführt. Jede Studie geht gewichtet ein, meist nach Präzision; das Ergebnis ist eine zusammengefasste Effektstärke mit Konfidenzintervall. Stärke des Verfahrens: Es macht sichtbar, was sich über viele Studien hinweg bestätigt. Grenze: Die Synthese kann nur so gut sein wie die eingeschlossenen Studien.
Cluster-randomisierte Studie an 85 britischen Schulen, die schulbasiertes Achtsamkeitstraining mit dem üblichen Unterricht verglich. Sie fand nach einem Jahr keinen Vorteil des Trainings für die psychische Gesundheit Jugendlicher und mahnt, universelle Programme nicht allein wegen guter Annahme als wirksam zu behandeln.
Unterstützende Beziehungen zu nicht-elterlichen Erwachsenen, die im natürlichen Umfeld Jugendlicher entstehen, etwa zu Lehrkräften, Verwandten oder anderen bedeutsamen Bezugspersonen. Eine Meta-Analyse zeigt, dass nicht die bloße Anwesenheit, sondern Qualität und Dauer der Beziehung wirken. Bei früh belasteten Jugendlichen schützt vor allem langfristiges, verlässliches Mentoring, was die Bedeutung dauerhafter Beziehungen unterstreicht.
Anstoß, der das Verhalten über die Gestaltung der Entscheidungsarchitektur in eine Richtung lenkt, ohne Optionen zu verbieten oder finanzielle Anreize zu verändern (etwa eine Opt-out-Voreinstellung). Marteau und Kollegen prüfen kritisch, ob Nudging allein die Bevölkerungsgesundheit verbessern kann, und sehen die Evidenz dafür als bislang schwach an.
Von David Olds entwickeltes US-amerikanisches Hausbesuchsprogramm, in dem Pflegefachkräfte erstgebärende, sozial belastete Mütter von der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag des Kindes begleiten. Das Programm zählt zu den methodisch am besten untersuchten Frühpräventionsansätzen; randomisierte Langzeitstudien zeigen Wirkungen vor allem in belasteten Untergruppen.
Von Anthony Biglan und Kollegen geprägter Rahmenbegriff für Umwelten, die menschliche Entwicklung begünstigen. Eine fördernde Umwelt verstärkt prosoziales Verhalten, verringert schädliche Bedingungen, begrenzt Gelegenheiten für Problemverhalten und unterstützt das achtsame, flexible Verfolgen prosozialer Werte. Der Begriff bündelt Befunde aus Verhaltensforschung und Public Health zu einem bevölkerungsbezogenen Präventionsverständnis.
Maß für den Zusammenhang zwischen zwei Ja-Nein-Merkmalen, etwa zwischen einer Maßnahme und einem Ergebnis. Es vergleicht die Chance (das Verhältnis von Eintreten zu Nicht-Eintreten) in der einen Gruppe mit der in der anderen. Ein Wert von 1 bedeutet keinen Unterschied, Werte darüber oder darunter zeigen Richtung und Stärke. Das Odds Ratio ist das gängige Effektmaß in Fall-Kontroll-Studien und der logistischen Regression.
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eine 1961 gegründete zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Paris und 38 Mitgliedstaaten. Sie erhebt international vergleichbare Daten und erarbeitet Analysen und Empfehlungen zu Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialpolitik, unter anderem die PISA-Schulleistungsstudien.
Wirtschaftswissenschaftlicher Begriff für den entgangenen Nutzen der besten nicht gewählten Handlungsalternative. Wer eine Ressource für einen Zweck einsetzt, verzichtet auf den Ertrag, den sie an anderer Stelle gestiftet hätte. In der Prävention rückt das den Maßstab in den Blick, dass jede gebundene Stunde oder jeder Euro auch den Wert dessen umfasst, was damit nicht finanziert wurde.
Grunddokument der Gesundheitsförderung, 1986 von der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet. Sie verschob den Blick von der Krankheitsbekämpfung hin zur Stärkung gesundheitsförderlicher Lebenswelten und benannte Leitprinzipien wie Partizipation, Befähigung und eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik.
Ansatz, bei dem Gleichaltrige Präventionsbotschaften vermitteln, weil sie als glaubwürdig und lebensnah gelten. MacArthur und Kollegen fanden in ihrer Übersichtsarbeit Hinweise, dass peer-geleitete Programme Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum verringern können, ordnen die Evidenz aber als insgesamt begrenzt und von kleinen Studien geprägt ein.
Sozialwissenschaftliches Konzept, nach dem frühe Weichenstellungen sich über zunehmende Skalenerträge selbst verstärken. Paul Pierson überträgt diese ökonomische Logik auf die Politik: Bereits getroffene Festlegungen erhöhen die Kosten eines Kurswechsels, sodass eingeschlagene Wege schwer umkehrbar bleiben. Für Präventionssysteme erklärt das, warum Strukturen fortbestehen, obwohl die Evidenz dagegen spricht.
Erscheinen am Arbeitsplatz trotz Krankheit, oft verbunden mit verminderter Leistungsfähigkeit. Johns ordnet das Phänomen für die Organisationsforschung ein, klärt die verschiedenen Begriffsfassungen und zeigt, dass die so entstehenden Produktivitätsverluste die Kosten krankheitsbedingter Fehlzeiten übersteigen können.
Befund, dass Präventionsangebote gerade die Gruppen am seltensten erreichen, die sie am dringendsten benötigen: Sozial benachteiligte Gruppen nutzen freiwillige, niedrigschwellige Angebote seltener, während die Mittel- und Oberschicht stärker profitiert, sodass sich soziale Ungleichheit im Zugang zur Prävention fortsetzt. Der Begriff geht auf Ullrich Bauer (2005) zurück. Nicht zu verwechseln mit dem Präventionsparadox nach Geoffrey Rose, das einen anderen Sachverhalt meint.
Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG), in Kraft seit 25. Juli 2015. Verankert die settingbasierte Prävention in § 20a SGB V und verpflichtet die Sozialversicherungsträger zur Kooperation im Rahmen der Nationalen Präventionsstrategie.
„Ziel dieses Gesetzes ist es, Gesundheitsförderung und Prävention, insbesondere in den Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger, zu stärken."
Beobachtung von Geoffrey Rose: Eine Maßnahme, die der gesamten Bevölkerung kleinen Nutzen bringt, verhindert oft mehr Erkrankungen als eine, die wenigen Hochrisikopersonen großen Nutzen bringt. Denn die Masse der Fälle entsteht im großen mittleren Risikobereich, nicht an den wenigen Rändern. Das begründet bevölkerungsweite gegenüber rein zielgruppenbezogenen Strategien.
Grad, in dem eine Maßnahme so umgesetzt wird, wie ihr wirksames Original es vorsieht, gemessen an Inhalt, Häufigkeit, Dauer und Qualität der Umsetzung. Geringe Programmtreue ist ein Hauptgrund, warum Programme im Alltag schwächer wirken als in der ursprünglichen Studie.
Verfahren, das in Beobachtungsstudien ohne Randomisierung Teilnehmende mit ähnlicher Teilnahmewahrscheinlichkeit (dem Propensity Score) einander zuordnet. So werden vergleichbare Gruppen gebildet und der Einfluss bekannter Störgrößen rechnerisch ausgeglichen. Es nähert die Aussagekraft an ein Experiment an, kann aber nur Variablen ausgleichen, die tatsächlich erhoben wurden.
Von Michael Marmot geprägtes und von Carey, Crammond und De Leeuw ausgearbeitetes Prinzip: Maßnahmen sollen alle erreichen, aber in einer Intensität, die proportional zum jeweiligen Bedarf abgestuft ist. Reine Universalprogramme verfehlen sonst die am stärksten Belasteten, reine Zielgruppenprogramme stigmatisieren und greifen zu kurz. Das Prinzip verbindet beide Logiken.
Unangenehme Erregung, die entsteht, wenn Menschen ihre Handlungsfreiheit bedroht oder eingeschränkt sehen, und die als Motivation wirkt, diese Freiheit wiederherzustellen. Eindringliche Verbote oder Warnungen können dann das unerwünschte Verhalten gerade bestärken. Reaktanz erklärt, warum manche Präventionsbotschaften einen Bumerang-Effekt auslösen.
Verzerrung der publizierten Evidenz, die entsteht, wenn Studien mit positiven oder statistisch signifikanten Ergebnissen häufiger und schneller veröffentlicht werden als Studien ohne solchen Befund. Kay Dickersin zeigte, dass der wichtigste Risikofaktor für die Nichtveröffentlichung ein nicht signifikantes Resultat ist. Wer nur die publizierte Literatur sichtet, überschätzt dadurch leicht die Wirkung einer Maßnahme, weshalb systematische Übersichtsarbeiten gezielt nach unveröffentlichten Ergebnissen suchen (engl. publication bias).
Von Julian Le Grand geprägter Begriff für Arrangements, in denen der Staat soziale Leistungen über Wettbewerb zwischen Anbietern organisiert, ohne einen vollständigen Markt herzustellen. Anbieter konkurrieren um öffentlich finanzierte Aufträge, doch Nachfrage und Kaufkraft bleiben staatlich gesteuert. Das Modell prägt auch Teile der Präventionsfinanzierung in der Sozialpolitik.
Studiendesign, bei dem die Teilnehmenden per Zufall auf Interventions- und Kontrollgruppe verteilt werden. Die Zufallszuteilung sorgt dafür, dass sich beide Gruppen im Mittel nur durch die Intervention unterscheiden; Unterschiede im Ergebnis lassen sich dadurch kausal auf die Intervention zurückführen. Gilt als verlässlichstes Einzelstudien-Design für Wirksamkeitsfragen (engl. randomized controlled trial, RCT).
Rahmenmodell, um die Wirkung von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen über die reine Wirksamkeit hinaus zu bewerten. RE-AIM steht für fünf Dimensionen: Reichweite (Reach), Wirksamkeit (Effectiveness), Übernahme durch Einrichtungen (Adoption), Umsetzungstreue (Implementation) und Verstetigung (Maintenance). Der Ansatz richtet den Blick darauf, wie viele Personen eine Maßnahme tatsächlich erreicht und ob sie im Alltag dauerhaft Bestand hat, nicht nur auf den Effekt unter Studienbedingungen.
Von Ray Pawson und Nick Tilley entwickelter theoriegeleiteter Evaluationsansatz, der nicht nur fragt, ob eine Maßnahme wirkt, sondern für wen, unter welchen Umständen und wodurch. Im Mittelpunkt stehen Kontext-Mechanismus-Wirkungs-Konfigurationen. Marchal und Kollegen prüfen die empirische Anwendung im Gesundheitswesen. Für Prävention erklärt der Ansatz, warum dasselbe Programm in verschiedenen Settings unterschiedlich wirkt.
Die Fähigkeit eines Systems, sich nach Belastung erfolgreich anzupassen. Die entwicklungsorientierte Resilienzforschung versteht sie nicht als seltene Eigenschaft einzelner Personen, sondern als gewöhnliches Zusammenspiel schützender Prozesse in Person, Familie, Schule und Gemeinwesen.
Präventionswissenschaftliches Rahmenmodell: Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer ungünstigen Entwicklung, Schutzfaktoren mindern sie oder puffern Belastungen ab. Wirksame Prävention setzt gezielt an beiden an. Hawkins, Catalano und Miller ordneten die Faktoren über die Lebensbereiche Familie, Schule, Gleichaltrige und Gemeinwesen.
Ein in der Suchtprävention etabliertes Konstrukt für den mündigen, informierten und reflektierten Umgang mit Risiken, zuerst im Feld psychoaktiver Substanzen. Risiko gilt dabei als entwicklungsbezogene, erlernbare Lebenskompetenz; handlungsleitendes Realziel ist die Vermeidung längerfristigen Missbrauchs statt unrealistischer Totalabstinenz.
Gesundheitsökonomisches Phänomen, bei dem Anbieter in wettbewerblichen Versorgungsmärkten gezielt günstige Risiken anziehen und teure meiden, statt sich über Qualität zu behaupten. Van de Ven und Ellis zeigen, wie ohne wirksamen Risikostrukturausgleich Anreize entstehen, gesündere Versicherte zu bevorzugen. Übertragen auf Prävention droht, dass leichter erreichbare Gruppen bevorzugt und belastete Settings gemieden werden.
Langfristige Veränderung eines Gesundheits- oder Verhaltensindikators in einer Bevölkerung über Jahre oder Jahrzehnte, die unabhängig von einer einzelnen Maßnahme verläuft. Beispiel: ein bundesweit ohnehin sinkender Tabakkonsum. In der Evaluation ist der säkulare Trend wichtig, weil er sonst fälschlich einem Programm zugeschrieben würde; eine Kontrollgruppe trennt den Programmeffekt vom allgemeinen Trend.
Von Aaron Antonovsky begründete Perspektive, die nach den Quellen von Gesundheit fragt statt nach den Ursachen von Krankheit. Ihr Kern ist das Kohärenzgefühl: das Erleben, dass das eigene Leben verstehbar, handhabbar und sinnhaft ist. Ein höheres Kohärenzgefühl geht bei Jugendlichen mit besseren Bewältigungsstrategien und mit Nichtrauchen einher.
Ansatz, der die gesundheitlichen und sozialen Folgen riskanten Verhaltens verringern will, ohne Abstinenz zur Vorbedingung zu machen. Hawk und Kollegen beschreiben Leitprinzipien wie Humanismus, Pragmatismus und Autonomie, die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Schadensminimierung ergänzt Prävention und Behandlung, statt sie zu ersetzen.
Schulbezogene Adaption des Communities-That-Care-Ansatzes. Überträgt den datenbasierten Zyklus aus Bedarfserhebung, Priorisierung, evidenzbasierter Programmauswahl und Wirkungsmessung auf das Setting Einzelschule.
Das Erleben, in der Schul- und Klassengemeinschaft zugehörig, sicher und wertgeschätzt zu sein. Längsschnittstudien belegen Schulverbundenheit als Schutzfaktor gegen Substanzkonsum. Verbundenheit ist allerdings zweischneidig: Schul- und Familienverbundenheit wirken schützend, eine enge Bindung in konsumnahen Cliquen kann das Risiko erhöhen.
Form der Übersichtsarbeit, die ein Forschungsfeld sondiert: Sie kartiert Umfang, Art und Verteilung der vorhandenen Literatur, statt wie ein systematischer Review eine eng umrissene Wirksamkeitsfrage zu beantworten. Geeignet, um Wissenslücken und die Begriffsvielfalt eines Themas sichtbar zu machen.
Motivationstheorie von Ryan und Deci, die drei universelle psychologische Grundbedürfnisse beschreibt: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Werden sie erfüllt, fördert das Wohlbefinden und nachhaltige Verhaltensänderung; werden sie frustriert, steigt das Risiko für Belastung.
Die Überzeugung einer Person, ein angestrebtes Verhalten aus eigener Kraft umsetzen zu können. Sie ist ein zentraler Wirkfaktor von Verhaltensänderung und macht auch Risikokommunikation erst wirksam, wenn diese mit der Zusage gekoppelt ist, die empfohlene Handlung bewältigen zu können.
Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten. Rechtsgrundlage für settingbasierte Präventionsmaßnahmen in Kita, Schule, Kommune und Pflege.
„Die Krankenkasse erbringt Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten für in der Regel nicht gewerbsmäßig handelnde Einrichtungen und Organisationen (nichtbetriebliche Lebenswelten), insbesondere für Kindertageseinrichtungen, Schulen, Kommunen, Einrichtungen der Pflege."
Achtes Buch Sozialgesetzbuch, Kinder- und Jugendhilfe. Rechtsgrundlage für die Aufgaben der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Leistungen der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes und der Hilfen zur Erziehung.
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit." (§ 1 Abs. 1 SGB VIII)
Die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen leben und arbeiten, prägen ihre Gesundheit oft stärker als die medizinische Versorgung. Charakteristisch ist der soziale Gradient: Mit jeder Stufe nach unten in der sozialen Hierarchie sinkt die Gesundheit. Die Whitehall-Studien an britischen Beamten zeigten diesen Zusammenhang über alle Statusränge hinweg.
Entwicklungstheoretisches Rahmenmodell von J. David Hawkins und Richard F. Catalano (Social Development Research Group, University of Washington). Beschreibt, wie prosoziales Verhalten entsteht: über Gelegenheiten zur Mitwirkung, Fertigkeiten für die Mitwirkung, Anerkennung für den Beitrag, daraus wachsende Bindung und gemeinsam getragene Überzeugungen. Grundlage von Communities That Care, Schools That Care und Einfach Wirksam.
Entwicklungstheorie von Hawkins und Catalano, die Sozialkontroll- und soziale Lerntheorie verbindet. Sie erklärt, wie Bindung an prosoziale Bezugspersonen, anerkannte Beteiligung und belohntes Verhalten in Familie, Schule, Gleichaltrigengruppe und Gemeinwesen antisoziales Verhalten verhindern. Es ist die theoretische Grundlage von Communities That Care, nicht zu verwechseln mit der daraus abgeleiteten Sozialen Entwicklungsstrategie.
Rahmen, der Gesundheit und Verhalten auf mehreren ineinander geschachtelten Ebenen verortet: Individuum, Beziehungen, Organisation, Gemeinwesen und Politik. McLeroy und Kollegen übertrugen Bronfenbrenners ökologisches Denken auf die Gesundheitsförderung und begründen, warum wirksame Prävention an mehreren Ebenen zugleich ansetzt statt allein am einzelnen Verhalten.
Bund-Länder-Programm für Schulen in herausfordernder sozialer Lage, gestartet zum Schuljahr 2024/25 mit zehn Jahren Laufzeit. Bund und Länder investieren zusammen rund 20 Milliarden Euro, um an etwa 4000 Schulen Basiskompetenzen und Schulentwicklung zu stärken und die Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu lockern.
Neigung, am bestehenden Zustand festzuhalten und Veränderungen zu meiden, auch wenn eine Alternative objektiv vorteilhafter wäre. Samuelson und Zeckhauser belegen die Verzerrung in mehreren Entscheidungsexperimenten und führen sie unter anderem auf Verlustaversion und die Aufwertung der vorgefundenen Voreinstellung zurück (engl. status quo bias).
Bundesweite Stiftung mit Sitz in Bonn, die staatliche und nicht-staatliche Akteure der Kriminalprävention vernetzt. Sie bündelt wissenschaftliche Erkenntnisse und gute Praxis, fördert ressortübergreifende Zusammenarbeit und trägt Präventionswissen in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Familienbezogenes US-amerikanisches Präventionsprogramm, das Eltern- und Kindkompetenzen sowie die Familieninteraktion stärkt; es existiert in mehreren Altersvarianten. Die suchtpräventive Variante SFP 10-14 gilt in den USA als wirksam, ihre Übertragung in andere Hocheinkommensländer hat positive Effekte auf den Alkoholkonsum bislang nicht bestätigt. Die jüngere, auf kindliches Verhalten zielende Variante SFP 6-11 zeigte dagegen in ihrer französischen Adaption (PSFP) positive Effekte.
Neunstufiges Modell von Wright, von Unger und Block, das den Grad der Beteiligung sichtbar macht: von Instrumentalisierung und Anweisung über Information, Anhörung und Einbeziehung bis zu Mitbestimmung, teilweiser und schließlich vollständiger Entscheidungsmacht sowie Selbstorganisation. Es dient der Selbstreflexion und soll Scheinbeteiligung von echter Teilhabe unterscheiden.
Strukturprinzip der deutschen Sozial- und Wohlfahrtspflege: Aufgaben werden möglichst von der kleineren, bürgernäheren Einheit erfüllt, übergeordnete Träger greifen erst ein, wenn dies nicht gelingt. Daraus folgt der Vorrang freier (nicht-staatlicher) Träger vor staatlichen Angeboten, etwa in der Kinder- und Jugendhilfe.
Neigung, ein Vorhaben weiterzuführen, sobald bereits Geld, Zeit oder Mühe hineingeflossen sind, obwohl diese Aufwände nicht mehr rückholbar sind und für die rationale Entscheidung keine Rolle spielen sollten. Arkes und Blumer zeigen experimentell, dass schon getätigte Investitionen die Bereitschaft zum Festhalten systematisch erhöhen (engl. sunk cost effect).
Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz vom März 2026 zur Weiterentwicklung des Bildungssystems. Formuliert die systematische Erfassung von Wohlbefinden, datengestützte Entwicklungszyklen und sektorübergreifende Zusammenarbeit als verbindlichen Standard.
Erster völkerrechtlicher Vertrag unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation, 2003 von der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet und 2005 in Kraft getreten. Die evidenzbasierte Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten auf Mindeststandards der Tabakkontrolle, von Werbeverboten über Warnhinweise bis zur Besteuerung.
Zuschnitt einer Botschaft auf Merkmale der einzelnen Person, etwa Wissensstand, Motivation oder Risikolage, statt einer einheitlichen Ansprache für alle. Die Metaanalyse von Noar, Benac und Harris belegt, dass solche maßgeschneiderten gedruckten Gesundheitsbotschaften im Mittel wirksamer zur Verhaltensänderung beitragen als nicht zugeschnittene Materialien (engl. tailoring).
Modell zur Vorhersage von Verhalten, nach dem die Verhaltensabsicht aus der Einstellung zum Verhalten, der wahrgenommenen sozialen Norm und der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle hervorgeht. Ajzen erweitert damit die Theorie des überlegten Handelns um die Kontrollkomponente, die der Selbstwirksamkeit nahesteht (engl. theory of planned behavior).
Methode, die die angenommene Wirkungskette einer Maßnahme ausbuchstabiert: von den Aktivitäten über Zwischenschritte bis zur angestrebten Wirkung, samt der dahinterstehenden Annahmen und Vorbedingungen. Sie macht explizit, wie und warum eine Maßnahme wirken soll, und liefert so den Rahmen, an dem sich Entwicklung und Evaluation komplexer Programme ausrichten lassen.
Scheinbeteiligung: Betroffene werden formal eingebunden, ohne realen Einfluss auf Entscheidungen zu erhalten. Ocloo und Matthews beschreiben für die Patienten- und Öffentlichkeitsbeteiligung im Gesundheitswesen, wie Beteiligung oft auf den untersten Stufen verharrt und so Tokenismus statt geteilter Macht erzeugt. Der Begriff knüpft an Arnsteins Beteiligungsleiter an.
Schlüsselkonzept der Sozialen Arbeit nach Silvia Staub-Bernasconi: Neben dem Hilfe-Mandat (gegenüber den Adressaten) und dem Kontroll-Mandat (gegenüber Staat und Gesellschaft) tritt ein drittes, eigenständiges Mandat aus Profession und Menschenrechten. Dieses begründet, dass Fachkräfte sich an ethischen und fachlichen Standards orientieren und nicht allein an Auftraggeber-Interessen.
Mehrstufiges, ursprünglich australisches Elternprogramm von Matthew Sanders, das Erziehungskompetenzen über mehrere Intensitätsstufen stärkt, von breiter Information bis zur intensiven Beratung. Die Befundlage gilt als wirksam, ist aber heterogen: Studien unter Beteiligung der Entwickler finden größere Effekte als unabhängige Replikationen, weshalb die Methodenliteratur zur unabhängigen Prüfung mahnt.
International Standards on Drug Use Prevention, 2. Auflage 2018, herausgegeben vom United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) in Wien gemeinsam mit der World Health Organization (WHO). Die Standards fassen die internationale Evidenzlage zur Suchtprävention aus über 200 systematischen Reviews und Metaanalysen zusammen, geordnet nach Lebensabschnitten (pränatal, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter) und nach Settings (Familie, Schule, Arbeitsplatz, Kommune, Gesundheitswesen). Sie nennen wirksame Interventionsformen (u.a. parenting skills programmes, life skills education in schools, brief intervention) ebenso wie unwirksame oder kontraproduktive Ansätze (u.a. rein informationsbasierte Kampagnen, Fear-Appeals). Die Standards bilden die inhaltliche Grundlage des EUPC.
Von der EU kofinanziertes Projekt (2015–2017, JUST-2015-AG-DRUG, Projektleitung HoGent, Belgien), das das Universal Prevention Curriculum (UPC, Applied Prevention Science International) in eine europäische Fassung adaptierte und daraus das European Prevention Curriculum (EUPC) ableitete. Neun Mitgliedstaaten waren beteiligt; FINDER Akademie war deutscher Konsortialpartner. Ergebnis: der 170-seitige EUDA-Manual „European Prevention Curriculum" (2019).
Prävention, die an den Lebensbedingungen ansetzt statt am einzelnen Verhalten: Verfügbarkeit, Preise, Werbung, räumliche und rechtliche Rahmungen. Das Gegenstück, die Verhaltensprävention, zielt auf Wissen und Entscheidungen einzelner Personen. Beide bilden ein Kontinuum, wirksame Strategien verbinden sie.
Strömung der Kognitionswissenschaft, die dem Körper eine tragende Rolle für das Denken zuschreibt: Wahrnehmung, Bewegung und Umwelt formen kognitive Prozesse mit. Wilson ordnet die Debatte in sechs Lesarten, die sich in ihrer Stärke und empirischen Stützung unterscheiden, und trennt gut belegte von noch offenen Annahmen.
Methodischer Kern von REBOUND: Jugendliche deuten kurze Filmszenen zu Konsumsituationen, setzen sich zu den Figuren in Beziehung und arbeiten Ähnlichkeiten wie Unterschiede heraus. Die Filmarbeit verschränkt kognitive und emotionale Anteile und wirkt damit zugleich auf Reflektiertheit, Selbstbild und Klassengemeinschaft. Sie ist als didaktische Innovation in der REBOUND-Programmbeschreibung dokumentiert.
Stichproben aus westlichen, gebildeten, industrialisierten, reichen und demokratischen Gesellschaften (engl. Western, Educated, Industrialized, Rich, Democratic), auf denen ein Großteil der verhaltenswissenschaftlichen Forschung beruht. Henrich, Heine und Norenzayan zeigen, dass solche Stichproben oft untypisch sind und sich Befunde daraus nur eingeschränkt auf die gesamte Menschheit verallgemeinern lassen.
Washington State Institute for Public Policy, eine 1983 von der Washington State Legislature gegründete überparteiliche Forschungseinrichtung. Sie erstellt im Auftrag der Legislative systematische Nutzen-Kosten-Analysen staatlicher Programme und gilt international als eine der maßgeblichen Quellen für die ökonomische Bewertung evidenzbasierter Maßnahmen, auch in der Prävention.
Von Gerald Patterson und der Arbeitsgruppe des Oregon Social Learning Center beschriebener familiärer Lernmechanismus, in dem aversives Verhalten von Kind und Bezugsperson sich wechselseitig über negative Verstärkung einübt: Gibt die Bezugsperson nach einer Eskalation nach, wird sowohl das Nachgeben als auch das Eskalieren belohnt. Der Zwangsprozess gilt als ein zentraler Entwicklungspfad antisozialen Verhaltens.