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Sex, Drugs and Rock’n’Roll in einer Berliner Schule: Erfahrungen als Kursassistentin bei der Durchführung von REBOUND Teil 1/3

Dieser Erfahrungsbericht wird in drei Teilen auf dem FINDER Blog publiziert. Man gelangt über die Links des Inhaltsverzeichnisses zu den entsprechenden Unterkapiteln.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vor der Durchführung des Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage
  2. Schülerverhalten
  3. Entwicklungen der Stimmung im Kursverlauf
  4. Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge
  5. Schlüsselsituationen: Was hat den Kursverlauf positiv beeinflusst?
  6. Meine Rolle als Praktikantin und Kursassistentin bei REBOUND

 

1.  Vor der Durchführung des REBOUND-Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage

 

Vom 11.07.2017 bis 14.07.2017 habe ich an einer Berliner Schule die Umsetzung des Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm REBOUND als Kursassistentin begleitet. Tatsächlich war ich so in das lokale REBOUND-Team eingebettet, dass ich teilweise die Rolle einer Kursleiterin übernehmen konnte – im Team mit den REBOUND-Lehrern der Schule.

Derzeit wirke ich, im Rahmen meines Praxissemesters, bei der FINDER Akademie für Prävention und erfahrungsbasiertes Lernen, in verschiedene Bereiche der Drogen- und Präventionsforschung mit. In diesem Rahmen habe ich an der REBOUND Kursleiter-Weiterbildung teilgenommen, habe dort einen Einblick in das Programm bekommen, die Grundhaltung und Intention, sowie den Aufbau von REBOUND kennengelernt.

Da mich der lösungsorientierte und positive Ansatz von REBOUND überzeugt hat, wollte ich das, in der Weiterbildung Gelernte, auch gerne in der Praxis ausprobieren und anwenden. Ich habe die Chance bekommen, an einer Schule im Bezirk Steglitz-Zehlendorf an der Umsetzung von REBOUND mitzuwirken und konnte viele spannende Erfahrungen sammeln.

Gemeinsam mit fünf weiteren Kursleitern wollte ich mich an das Projekt wagen, den REBOUND Kurs an dieser Schule das erste Mal durchzuführen. Unter den an der Schule arbeitenden Kursleitern sind zwei Sozialpädagogen und drei Lehrer/Innen. Alle wurden im Laufe der letzten zwölf Monate vor Start dieses Kurses in einer viertägigen Weiterbildung der FINDER Akademie geschult. Geplant war, REBOUND in fünf Blockveranstaltungen innerhalb einer Woche durchzuführen. Unsere Zielgruppe war eine der 9ten Klassen dieser Schule, mit 26 Schülerinnen und Schülern. Thematisch orientierten wir uns an dem REBOUND 1.0 Curriculum und planten, die Woche so zu gestalten, wie es dieses vorsieht.

In der Woche der Umsetzung, sind wir als Kursleiter erwartungsgemäß an manche Grenzen gestoßen und mussten ungeplanten Situationen gerecht werden. Im Kursverlauf sind wichtige Schlüsselsituationen entstandenen, sowie eindeutige Entwicklungen im Kursgeschehen und dem Verhalten der Teilnehmer zu beobachten gewesen. Diese Erfahrungen möchte ich gerne mit allen teilen, die sich für das REBOUND Programm interessieren: dafür wie ein Kurs ablaufen kann, wie dieser von unseren Schülern angenommen wurde und was wir im Team der REBOUNDer bei der nächsten Durchführung anders machen würden.

 

2.  Schülerverhalten im REBOUND-Kurs

Die Schüler der Klasse, in der wir REBOUND durchgeführt haben, waren zwischen 15 und 16 Jahre alt. Zu Beginn waren viele noch zurückhaltend und abwartend, nur Einzelne haben bereits am ersten Tag Persönliches von sich preisgegeben. Ich habe den Großteil der Klasse als sozial und aufmerksam wahrgenommen. Wie fast jede große Gruppe, war auch diese sehr heterogen. Diversitäten bezüglich Interessen, Charaktere, Geschlecht aber auch des Entwicklungsstands stellten uns Kursleiter vor verschiedene Herausforderungen. In meinem bereits veröffentlichten Blogeintrag Eine Botschaft- Acht Empfänger kann man etwas über die Eigenarten, das Verhalten und Kommunikationsweisen verschiedener Schüler-Typen nachlesen. Auch in diesem Kurs konnte ich verschiedene Charaktere und Schüler-Typen beobachten, sowie deren Reaktion auf das Kursangebot.

Größtenteils wurde REBOUND von der Klasse gut angenommen. Die meisten Teilnehmer waren neugierig und interessiert, sie waren bereit, Experimente einzugehen, sind unvoreingenommen und offen an neue Situationen herangegangen.

Drei Schülerinnen stellten uns anfangs vor Probleme, da sie sich dem Kurs und uns als Kursleiter/innen komplett verweigerten, sich weder auf Methoden noch auf Gespräche einließen. Sie fielen deutlich provokant auf. Wir hatten also die Befürchtung, dass sie die Grundstimmung im Kurs negativ beeinflussen würden.

Eine weitere – über die Woche unauffällige – Schülerin konnte sich ebenfalls nicht auf die verschiedenen Inhalte einlassen und keinen Selbstbezug herstellen. Vor allem bei der Ideenentwicklung der REBOUND-Projektarbeit fiel auf, dass sie sich den Kursinhalten nicht öffnete. Im Rahmen des 16-stündigen Kurses haben die SchülerInnen in Gruppen Gelegenheit, ein eigenes künstlerisches Projekt zu gestalten. Meist wählen die Schüler Themen aus ihrer eigenen Lebenswelt, mit denen Sie sich beschäftigen. Sie jedoch konnte keinen Bezugspunkt zu ihrem Leben feststellen und wollte mit allem nichts zu tun haben.

Dieser vier Schülerinnen kann ich dem Schüler-Typus der „Desillusionierten“ zuordnen. Diese „lehnen Methoden und Inhalt des sozialen Lernens ab, weil sie keinen positiven Bezug zu Kursthemen, Kursleiter oder Schule als Ganzes entwickeln“ (LINK).

Eine weitere sehr unauffällige Schülerin ließ sich durch das Verhalten der „desillusionierten“ Freundin beeinflussen. Sie fiel in den Gesprächen im Kursverlauf nicht negativ auf, war zurückhaltend und äußerte kaum eine eigene Meinung. Bei der Ideenentwicklung für die Projektarbeit war zu bemerken, dass sie sich an die Meinung und das Verhalten der bereits beschriebenen „desillusionierten“ Schülerin anpasste. Wenn man sie direkt ansprach und nach ihrer Meinung fragte, antwortete sie zum Teil gar nicht, ließ die Freundin für sich sprechen oder gab uns Antworten wie: „So halt“ oder „keine Ahnung“. Diese Schülerin zeichnete sich im Gegensatz zu der Freundin als weniger autonom ab und ist in unserer Schüler-Typologie eher dem Typus der „Mitläufer“ zuzuordnen.

Ein weiterer Schüler, kannte REBOUND bereits aus seiner vorherigen Schule. Er war dementsprechend nicht immer aufmerksam bei der Sache. Oft verwickelte er Mitschüler in Gespräche und brachte so Unruhe in die Stunden. Diesen Schüler kann ich dem Schüler-Typus des „Rebellen“ zuordnen. Für ihn stand das Thema Autonomie über dem des Kursinhalts. Er fiel unter die Beschreibung der „unaufmerksamen Störenfriede“ und hat immer wieder die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler auf sich gezogen.

Die „Meinungsführer“ der Klasse waren sehr am Kursgeschehen interessiert und haben den Kurs durch wertvolle Beiträge vorangebracht. Bei den Jungen war ein Meinungsführer deutlich zu identifizieren. Er war meistens aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt und forderte die Klasse des Öfteren zur Ruhe und Aufmerksamkeit auf. Oft stand er in Interaktion mit uns Kursleiter/innen und zeichnete sich durch wertvolle Selbstoffenbarungen aus. Auf Seiten der Mädchen hat sich niemand als deutliche Meinungsführerin abgehoben, jedoch waren zwei bis drei Mädchen oft involviert, haben ihre Meinungen unabhängig von jener der anderen geäußert und standen in positiver Interaktion mit Mitschülern und Kursleiter/innen.

Ein Schüler, der die Woche über sonst eher unauffällig war, hat eine sehr wichtige Schlüsselsituation kreiert. Er kann dem Schüler-Typus der „Authentischen“ zugeordnet werden. Dies sind „Schüler, denen es gelingt ihre Erfahrungen im Umgang mit den Kursthemen persönlich und affektnah anzusprechen (Selbstbezug auszudrücken). Sie haben die Chance, auch für andere bedeutsame Momente zu kreieren.“ (LINK)

Dieser Schüler zeichnete sich durch eine höhere Autonomie aus, als die meisten anderen der Klasse. Er war bei den Mitschülern beliebt, hat aber nicht so gewirkt, als suche er nach der Anerkennung der Mitschüler oder Kursteilnehmer. Seine Stellungnahme beim Thema Cannabis war, mit einer den Kursinhalt unterstützenden Botschaft, ein sehr wertvoller Beitrag.

Im Verlauf der Woche, konnten wir eine deutlich positive Entwicklung der Verhaltensweisen der Schüler aber auch der Grundstimmung erkennen. Wir konnten manche Schwierigkeiten lösen, die im Zusammenhang mit den hier beschriebenen Schüler-Typologien standen und hätten im Rückblick bei manchen Interaktionsproblemen früher aktiv eingreifen müssen.

Hier sind acht verschiedene Schüler-Typen bildlich dargestellt, von denen ich einige auch unter den Teilnehmern des REBOUND Kurses identifizieren konnte. Diese sind in meinem Blog Eine Botschaft – Acht Empfänger genauer beschrieben.

3.  Entwicklung der Stimmung im REBOUND-Kursverlauf

 

Am ersten Tag waren viele Schüler noch passiv, abwartend aber interessiert. Im Verlauf der Kurstage, konnten immer mehr Schüler den im Programm so entscheidenden Selbstbezug herstellen und von persönlichen Erlebnissen und Geschichten berichten. Dies hat den Kursverlauf äußerst positiv beeinflusst, da sich eine vertrauensvolle Umgebung entwickelt hat. Diese Umgebung hat Raum für weitere persönlich Erzählungen geschaffen, bei denen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer großen Mut bewiesen haben, sich der ganzen Klasse zu öffnen.

Dies war sehr wichtig, da die Schüler sich gegenseitig zum Nachdenken anregten, Erlebnisse erzählt werden konnten, die sonst nicht vor der Klasse preisgegeben worden wären und bei den Schülern dadurch eine größere Bereitschaft entstanden ist, sich auf Kursinhalte einzulassen und diese auf das eigene Leben zu beziehen.

Es war zu spüren, dass der REBOUND Kurs im Verlauf des zweiten Tags von der Klasse angenommen worden war und bei fast allen, die noch anfänglich zu spürende Skepsis, Offenheit und Neugierde gewichen war.

Ich würde diese positive Entwicklung den sehr interaktiv ausgelegten REBOUND Methoden zuschreiben. Die Schüler wurden durch diese angeregt, miteinander in Austausch zu kommen. Die Themen der Filmarbeit sind realitätsnah, daher fiel den Schülern der Bezug zum eigenen Leben nicht schwer und lieferten die Grundlage, Persönliches zu berichten. Die Methoden im Themenblock „Stärken“ haben dazu geführt, dass die Schüler positives Feedback bekommen und sich angenommen gefühlt habe.

Die Grundlage, für die positive Entwicklung des Kurses war so geschaffen und wurde durch den hohen Selbstbezug unterstützt. Welche Situationen hierbei eine wichtige Rolle spielten, wird im Abschnitt Schlüsselsituationen: Was hat den Kurs positiv beeinflusst? genauer beschrieben.

 

Lesen Sie weiter in Teil 2/3

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