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Sex, Drugs and Rock’n’Roll in einer Berliner Schule: Erfahrungen als Kursassistentin bei der Durchführung von REBOUND Teil 2/3

Dieser Erfahrungsbericht wird in drei Teilen auf dem FINDER Blog publiziert. Man gelangt über die Links des Inhaltsverzeichnisses zu den entsprechenden Unterkapiteln.

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Vor der Durchführung des Kurses an einer Berliner Schule: Ausgangslage
  2. Schülerverhalten
  3. Entwicklungen der Stimmung im Kursverlauf
  4. Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge
  5. Schlüsselsituationen: Was hat den Kursverlauf positiv beeinflusst?
  6. Meine Rolle als Praktikantin und Kursleiterin bei REBOUND

4.  Schwierigkeiten und Verbesserungsvorschläge

 

Im Laufe der Woche sind uns Kursleitenden einige Schwierigkeiten begegnet, manche haben wir erst spät bemerkt, wir mussten auf ungeplante Situationen reagieren oder spontan umplanen. Diese Situationen möchte ich im Folgenden beschreiben und mit Überlegungen ergänzen, wie wir diese hätten besser lösen oder schon vorbeugen können.

 

Personelle und organisatorische Schwierigkeiten

Wie bereits zu Beginn beschrieben, war der ursprüngliche Plan, REBOUND mit insgesamt sechs Kursleitern/innen durchzuführen. Noch vor Beginn des Kurses war klar, dass mindestens ein Lehrer weniger dabei sein würde, da dieser stundenplanerisch andersweit in der Schule gebraucht werden würde. Der Einsatz einer weiteren Lehrerin war krankheitsbedingt ebenfalls noch unklar.

Daher haben wir die Planung der Stunden für vier Kursleiter/innen vorgenommen und die verschiedenen Aufgaben und Methoden im Team verteilt. Am ersten Tag waren zunächst dann doch fünf Kursleiter/Innen anwesend, was im Nachhinein betrachtet fast zu viel war. Wenn wir den Kurs mit fünf verschiedenen Kursleitern/innen durchgeführt hätten, wären zwar nie alle gleichzeitig anwesend gewesen, allerdings hätte der ständige Wechsel das Gruppengefühl und das Vertrauen der Teilnehmer gegenüber uns Kursleitern vermutlich gemindert.

Am zweiten Tag ist dann ein weiterer Kursleiter krankheitsbedingt für den Rest der Woche ausgefallen. Aufgrund anderweitiger Termine waren auch die anderen Kursleiter/innen im Kursverlauf immer wieder einmal verhindert, was unsere vorherige Planung und Strukturierung der Tage hinfällig werden ließ.

Aufgrund der anfangs zahlreichen Kursleiter, die REBOUND umsetzen wollten, hatte uns ein klarer Sinn für Zuständigkeit gefehlt, sowie bei den meisten Kursleiter/Innen der Überblick über das gesamte REBOND Programm. Ins Gedächtnis zu rufen ist hier, dass dies die erste Umsetzung von REBOUND nach der Kursleiterweiterbildung war. Die Programmmacher gehen stets davon aus, dass Kursleiter mindestens drei Durchläufe absolvieren müssen, bevor sie wirklichen Überblick, persönliche Entspanntheit und Flexibilität im Einsatz des Materials gewinnen.

Im Großen und Ganzen hat sich unser Personal-Chaos nicht negativ auf den Kurs ausgewirkt. Es hat lediglich bei uns Kursleitern zu mehr Stress, spontanem Umplanen und durchgearbeiteten Pausen geführt. Das war an sich kein Problem, da wir spontan auf die Gegebenheiten reagieren konnten, lösungsorientiert vorgegangen sind und uns als Team immer schnell einigen konnten. Hilfreich war vor allem, dass sehr detailliert ausgearbeitete REBOUND Curriculum, an das wir uns in solchen Fällen gehalten haben.

Mein Fazit aus diesen Schwierigkeiten ist, dass es vermutlich sinnvoller ist, einen REBOUND-Kurs mit zwei bis drei festen Kursleitern zu planen, wenn denn überhaupt die Möglichkeit besteht, im Team zu unterrichten. Wenn eine klare Verantwortlichkeit besteht, erleichtert dies die Planung und Zuständigkeit. Zudem ist eine Entwicklung in Stimmung oder Verhalten der Teilnehmer besser zu beobachten, wenn die gleichen Kursleiter/innen die Klasse die gesamte Woche begleiten.

 

Inhaltliche Herausforderungen 

Eine weitere Herausforderung, die uns bei der Umsetzung aufgefallen ist, war das Vermitteln der MAGIC 7. Ich bin mir nicht sicher, ob die Schüler den Zusammenhang der MAGIC 7 und unseren anderen Themen verstanden haben.

Diesen sieben Aspekten, hätten wir mehr Zeit zukommen lassen müssen, um den Kursteilnehmern die Bedeutung bewusst zu machen. Wir haben zwar alle Methoden, die das Curriculum zur MAGIC 7 vorschlägt, durchgeführt, allerdings nicht oft genug bei anderen Methoden und Themen darauf verwiesen, dass es hier gerade indirekt um einen der MAGIC 7 Aspekte geht. Eventuell hätte es für unsere Klasse Sinn gemacht, die Schüler die MAGIC 7 selbst präsentieren zu lassen, da sie sich so konzentrierter mit dem Thema hätten beschäftigen müssen.Zusätzlich wäre es für uns Kursleiter/innen wichtig gewesen, diese Aspekte öfter bewusst im Kopf zu haben, um diese in passenden Situationen zu erwähnen und auf Zusammenhänge zu verweisen.

Mein Tipp an zukünftige Kursleiter ist, sich mit den MAGIC 7 Aspekten wirklich vertraut zu machen, so dass klar ist, worauf die einzelnen Methoden des Curriculums abzielen und wie eine Verbindung von MAGIC 7 Aspekten und anderen Themen hergestellt werden kann. Dies hängt natürlich mit dem oben erwähnten Überblick zusammen, der vermutlich erst mit der Lehrerfahrung in REBOUND wächst.

 

Herausforderungen aufgrund von Heterogenität der Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Schwierigkeiten, die aufgrund der Heterogenität der Klasse und verschiedenen Schüler-Typen entstanden, habe ich zum Teil schon im Abschnitt Schülerverhalten beschrieben.

Dies waren zum einen Schwierigkeiten, vor die uns die „desillusionierten Schülerinnen“ stellten, welche sich zunächst nicht auf die Inhalte des Kurses einlassen konnten. Diese drei Schülerinnen verweigerten sich am ersten Tag komplett. Sie arbeiteten bei keiner Gruppenarbeit mit, präsentierten keine Ergebnisse und gaben oft auch keine Antwort.Nachdem wir am ersten Tag versucht hatten, durch Argumentationen und positiven Zuspruch Zugang zu den Schülerinnen zu bekommen, wurden sie am zweiten Tag explizit zu mehr Kooperationsbereitschaft aufgefordert, auseinandergesetzt und in verschiedene Gruppen verteilt. Dies hatte den Effekt, dass sie von anderen, mehr motivierten Gruppenmitgliedern animiert wurden, bei Gruppenarbeiten mitzuarbeiten. Im Stundenverlauf fielen sie nicht mehr negativ auf, öffneten sich zwar nicht, aber der befürchtete negative Einfluss auf die anderen Kursteilnehmer blieb aus. Wir Kursleiter/innen bestärkten sie die kommenden Tage, gaben am Ende der Stunden in Einzelgesprächen positive Rückmeldung, und erklärten, dass wir sie als deutlich kooperationsbereiter wahrgenommen hatten.

Bei der Besprechung von Ideen für das REBOUND-Kursprojekt fielen uns zwei weitere Schülerinnen auf, die sich nicht mit den Kursthemen identifizieren konnten und die Themen ablehnten. Da sie sich im Verlauf der Woche als unauffällig und angepasst gezeigt hatten, war uns nicht aufgefallen, dass sie keinen Zugang zum Programm gefunden hatten.

Sie hatten keine Ideen für die Umsetzung eines Kursprojekts und wollten auch nicht verstehen, wieso sie überhaupt an einem Projekt arbeiten sollten. Unsere Unterstützung wollten sie nicht annehmen und lehnten alle Vorschläge ohne weitere Begründung ab. Bei der Projektpräsentation war eine der beiden nicht anwesend, sodass auch kein Ergebnis präsentiert wurde.Wir hätten früher bemerken müssen, dass diese zwei Schülerinnen nicht wirklich dabei waren und versuchen müssen diese mehr ins Kursgeschehen zu involvieren, um sie aus ihrer passiven Rolle zu locken.

Des Weiteren war eine der beiden weniger autonom und sehr auf die Meinung der Freundin fokussiert. Dies hat sie zusätzlich gehemmt, sich auf den Kurs einzulassen. Wir hätten zumindest diese Schülerin unterstützen können, indem wir sie einer anderen Gruppe zuteilen hätten können und so Einfluss der Freundin mindern. Zudem hätten wir die beiden nicht nur zu zweit ein Kursprojekt erarbeiten lassen dürfen, sondern sie auch für diesen Teil in zwei verschiedene größere Gruppen einteilen.

Ein Schüler, der während des Kurses oft störend aufgefallen ist, da er sich lieber mit Mitschülern unterhalten hat, als am Kurs teilzunehmen, stellte uns insoweit vor eine Schwierigkeit, dass wir ihn oft ermahnen oder zur Ruhe auffordern mussten. Da ihm der REBOUND Kurs schon bekannt war, hätten wir ihn viel öfter einbinden können, ihn direkt über Themen berichten lassen können, anstatt ihn aufzufordern nicht zu stören.

 

Schwierigkeit bei der Umsetzung der Projektarbeit  

Eine Schwierigkeit, die sich aufgrund der personellen Umplanungen ergab war, dass wir die Schüler am Tag der Projektentwicklung selbstständig arbeiten ließen und diese nicht in die Schule kommen mussten. Wir hatten die Projektarbeit an den Tagen zuvor gemeinsam vorbereitet und wollten die fertigen Projekte am letzten Tag gemeinsam anschauen und bewerten. Das Curriculum sieht eigentlich vor, dass die Kursleiter/innen die Projektentwicklung am Projekttag begleiten und für Rückfragen zur Verfügung stehen. Das Projekt soll von den Schülern noch am Projekttag fertiggestellt und abgegeben werden. Nach Absprache mit den Schülern und Eltern, haben wir beschlossen, dass die Schüler frei arbeiten dürften und das Projekt erst am kommenden Tag mitbringen müssten. Dies hat in den meisten Fällen auch geklappt, die Projekte wurden vorgestellt und von der Klasse und uns bewertet. Zwei Gruppen, unter diesen auch die zwei bereits erwähnten Mädchen, welche sich nicht auf die Projektarbeit einlassen wollten, konnten uns am letzten Tag kein Ergebnis vorstellen. In dieser, sowie in einer anderen Gruppe, war eine Person nicht anwesend, welche laut den Schülern den USB-Stick bzw. das Plakat mit der Projektarbeit in Besitz habe. In beiden Fällen forderten wir die Schüler auf, die Projektarbeit in der nächsten Woche bei den Klassenlehrern nachzureichen.

Dies hätten wir vermutlich verhindern können, wenn wir uns am Tag der Projektarbeit in der Schule zum Start und Abschluss der Entwicklung getroffen hätten. Abgesehen davon, hätten die Schüler weder unsere technische noch inhaltliche Unterstützung gebraucht, da sehr gute und sehenswerte Projekte entstanden sind.

Kritik der Schüler 

Kritik, die von den Schülern am Programm geäußert worden war, bezog sich hauptsächlich auf die Impulsspiele, welche wir häufig zu Beginn der Stunden als Wachmacher eingesetzt hatten. Die meisten Schüler fühlten sich während dieser Spiele nicht wirklich wohl oder empfanden die Situation als unangenehm. Ich kann diese Kritik gut nachvollziehen, allerdings würde ich auf Impulsspiele nicht verzichten. Nach längeren Pausen oder Abschnitten, in denen die Schüler eher eine passive Rolle einnehmen, wirken diese Spiele Kreislauf aktivierend und konzentrationsfördernd. Es kann Sinn machen, sich andere Spiele zu überlegen, die auflockern, den Schülern aber nicht als unnatürlich oder lächerlich vorkommen.

Wir hätten der Klasse teilweise mehr Verantwortung zukommen lassen und die Schüler Themen selbst erarbeiten und präsentieren lassen können. Das wäre bei einer so aktiven und interessierten Klasse durchaus möglich gewesen und hätte zu mehr selbstständigen Denken angeregt. Für den ersten REBOUND Durchlauf war es für uns einfacher, den Kurs so durchzuführen, wie das Curriculum es vorschlägt. Für zukünftige Durchläufe kann man das im Kopf behalten und Methoden teilweise mehr auf die Klasse zuschneiden.

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir zwar einige Schwierigkeiten hatten, diese aber nicht gravierend waren oder den Kurs wesentlich negativ beeinflusst haben. Dafür, dass es für uns alle das erste Mal war, das wir REBOUND durchführten, sind wir sehr zufrieden mit der Woche und dem Ergebnis. Diese Erfahrungen können wir für die nächste Durchführung nutzen und vielleicht dann das ein oder andere besser machen.

 

 

5.  Schlüsselsituationen: Was hat den REBOUND-Kursverlauf positiv beeinflusst?

 

Im Kursverlauf waren einige Schlüsselsituationen zu erkennen, die den Kursverlauf, die Grundstimmung der Klasse und so die Grundlage für Lernbereitschaft beeinflusst haben.

Als sehr positiv, habe ich die Filmarbeit wahrgenommen. Die Schüler waren interessiert bei der Sache, haben sich auf die Methoden eingelassen und wurden zum Nachdenken angeregt. Eine Schlüsselsituation habe ich nach dem Film „Testspiel“ wahrgenommen. Im Film geht es darum, dass ein paar Jungen auf einem Festival mit älteren Studierenden viel Alkohol trinken, zu Trinkspielen animiert werden und sichtbar über ihre Grenzen gehen. Ein Junge kollabiert, die Freunde drehen ihn auf den Rücken, nehmen ihm noch fürsorglich die Brille ab und fahren darauf hin zum Festivalgelände. Als sie zurückkommen, ist der Junge an seinem Erbrochenen erstickt. Diese Geschichte beruht, wie alle anderen REBOUND Filme, auf einer wahren Begebenheit.

Die Schüler waren nach dem Film sehr ruhig und haben Mitgefühl gezeigt. Sie empfanden diesen Film als „traurig und erschreckend“, weil ihnen bewusst wurde, dass so etwas jedem von ihnen passieren hätte können, wenn den Freunden nicht bewusst ist, wie in solch einer Situation gehandelt werden müsse. Nach der Filmbesprechung haben wir mit den Schülern die „Stabile Seitenlage“ geübt. Bei dieser Übung waren alle Schüler aktiv dabei. Auch diejenigen, die im bisherigen Kursverlauf nicht besonders motiviert wirkten oder Gruppenarbeiten verweigert hatten, haben bei dieser Übung mitgemacht. Alle Schüler haben sich in die verschiedenen Rollen, der Helfenden und der zu Rettenden, begeben und sich nach dieser Stunde sicherer gefühlt, jemandem in einer Notsituation helfen zu können, als zuvor.

 

Eine weitere Schlüsselsituation war in der „Lebenswegstunde I“ zu erkennen, in welcher normalerweise Mentoren-Gespräche in Kleingruppen stattfinden. Die Schüler können hier für gewöhnlich in Austausch mit Personen treten, die bereits bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigt haben und als positive Modelle aus ihrer Lebensgeschichte erzählen. Die Aufgabe der Schüler ist es anschließend Stärken der Mentoren zu erkennen, welche diesen in schwierigen Situationen geholfen haben und wie sich die Mentoren verschiedenen Herausforderungen gestellt haben. Da wir für diesen Tag keine Mentoren gewinnen konnten, haben wir mit biographischen Texten aus dem Aufklärungsbuch „High Sein“ (von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle) gearbeitet. Die Schüler waren von den Geschichten der Personen sehr beeindruckt und konnten nach dem Lesen jener Textauszüge, die schwierige Situationen und dramatische Lebensgeschichten erzählten, klar Stellung beziehen, dass sie nie in solche Situationen kommen wollen würden.

Anschließend wurden die Schüler dazu angeregt ihr persönliches Mentoren-Netzwerk zu erstellen. Hierbei sollen wichtige Personen im eigenen Leben erarbeitet werden, deren Stärken und was man von diesen Personen lernen könnte. In der anschließenden Besprechung öffneten sich einige Schüler der Klasse, erklärten, was ihnen wichtig sei und welche Personen in ihrem Leben eine bedeutsame Rolle spielten. Ein Mädchen zeigte sich äußerst mutig und erzählte vom Tod einer Freundin, welcher sie sehr belaste. Der Großteil der Klasse hatte bis zu diesem Zeitpunkt nichts von dem Ereignis gewusst und nahm diese Information betroffen auf. Trotz, oder gerade auf Grund dieser schwierigen Themen, war an diesem Tag eine andere Verbundenheit und ein tieferes Vertrauen in der Klasse zu spüren.

Als ebenfalls positive Situationen, habe ich die sehr interaktiven Tabak- und Cannabis-Präsentationen wahrgenommen. Die Schüler waren interessiert, haben Fragen gestellt und die Präsentationen durch eigene Erfahrungen ergänzt. Da auch einige von uns Kursleitern von persönlichen Erfahrungen berichtet haben, hat sich die vertrauensvolle Grundstimmung noch verstärkt und deutlich vom normalen Unterrichtsgeschehen unterschieden. Die persönliche Offenbarung war an dieser Stelle passend und hat den Schülern gezeigt, dass nicht nur sie sich öffnen, sondern auch wir ihnen vertrauen. In REBOUND wird Selbstoffenbarung der Kursleiter nach klaren Regeln und immer reflektiert eingesetzt.

Einige Schüler haben sehr offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Alkohol und Cannabis gesprochen, was den Austausch zu diesem Thema erleichtert hat. Eine wichtige Situation entstand in der Cannabisstunde, durch die Stellungnahme eines beliebten Schülers. Dieser hat den leichtsinnigen Umgang mit Cannabis kritisiert, dabei niemanden schlecht dargestellt, aber den Mitschülern eindrücklich „ins Gewissen geredet“. Er hat von einem ehemaligen Mitschüler berichtet, der allen Mitschülern bekannt war und der inzwischen große Probleme auf Grund seines Drogenkonsums bekommen habe. Zum einen benannte der berichtende Schüler den sozialen Abstieg seines Freundes. Dieser bekomme nichts mehr wirklich auf die Reihe und er habe sich vom Freundeskreis distanziert. Aber auch eine Veränderung seines Wesens sei zu beobachten gewesen. Dieser Junge habe anfangs auch nur ab und zu Cannabis konsumiert, bis dies immer regelmäßiger wurde und er, durch den Umgang mit Menschen aus seinem neuen konsumoffenen Freundeskreis, zu weiteren psychoaktiven Substanzen überging. Inzwischen sei dieser Junge abhängig, wisse selbst, dass er etwas ändern müsse, aber schaffe es momentan nicht aus eigener Kraft.

Der Schüler wendete sich nicht an uns KursleiterInnen sondern direkt an die Klasse. Er formulierte seinen Bericht nicht als reine Erzählung, sondern wollte mit seiner Botschaft die anderen zum Nachdenken animieren. Er forderte dazu auf, den Konsum nicht zu verharmlosen und sich bewusst zu machen, dass man sich durch verschiedene Risiken des Cannabiskonsums seine Zukunft verbauen kann.

Diese „Ansage“ war sehr deutlich und wurde daraufhin auch nicht weiter kommentiert oder von anderen entkräftet. Es war sehr wichtig, dass diese Risikoverdeutlichung aus Reihen der Schüler kam und mit einem Beispiel untermauert war, das allen Mitschülern bekannt war. So erschien die Botschaft nicht abstrakt sondern sehr realitätsnah.

Insgesamt würde ich die Mischung aus Lebenskompetenz-Training und Informationen über Alkohol und anderen Drogen als Grundlage werten, die einen so persönlichen Austausch ermöglicht hat. Da sich die Schüler in den ersten Stunden mit sich selbst, den eigenen Stärken und Einstellungen auseinandergesetzt haben, war ein stärkerer Selbstbezug beim Thema Alkohol und andere Drogen möglich.

Eine wichtige Voraussetzung war zudem, dass die Schüler sich gegenseitig vertraut haben und so ermutigt waren offen zu sprechen. Diese Offenheit wäre, meiner Meinung nach, nur schwer möglich gewesen, wenn die drei Schülerinnen, die zu Beginn durch sehr destruktives Verhalten auffielen, sich nicht doch auf den Kurs eingelassen hätten. Die anderen Schüler hätten vermutlich kaum sehr Persönliches preisgegeben, wenn sie das Gefühl gehabt hätten, das Erzählte würde in einer Kleingruppe kommentiert und lächerlich gemacht. Der methodisch klare Umgang mit solchen Schülern scheint mir eine Voraussetzung für das Gelingen des gesamten Kurses. Ebenfalls war wichtig, dass sich die Schüler vor Beginn des REBOUND-Kurses kannten und nicht für den Kurs neu zusammenkamen. Dadurch war bereits ein gewisses Vertrauen vorhanden, welches in dieser Woche noch deutlich ausgebaut wurde.

Hilfreich war zudem, die am ersten Tag erstellte Respekt-Vereinbarung, welche jeder Schüler unterschrieben hat. Zu den von uns vorgestellten Punkten:

  1. Jeder im Kurs ist eingeladen Erfahrungen mitzuteilen
  2. Niemand muss mitteilen was er oder sie nicht will
  3. Was im Kurs erzählt wird, soll nicht nach außen getragen werden

wurde in der ersten Stunde auf Wunsch der Schüler die Regel „Gesagtes bleibt unkommentiert und wird nicht bewertet“ hinzugefügt. Dies war eine sehr wertvolle Regel, auf die wir uns mehrfach berufen konnten und die von den Schülern so umgesetzt wurde.

Sehr positiv ist die eigene Projektarbeit bei den Schülern angekommen. Wenn die Zeit es zulässt, würde ich die Projektarbeit immer durchführen, da die Schüler hier Gelerntes in einem gemeinsamen Projekt vertiefen können. Sie können selbst kreativ werden und in einer Kleingruppe einen Film drehen, einen Cartoon erstellen, ein Plakat entwerfen oder ähnliches. Der Schwerpunkt soll hier auf dem Thema Alkohol und andere Drogen oder Stärken liegen.

Die Kursprojekte unserer Schüler waren thematisch sehr vielfältig und einfallsreich. Wir hatten sowohl Projekte zum Thema Stärken als auch zum Thema Alkohol und andere Drogen. Im Feedback der Schüler wurde deutlich, dass ihnen die Projektarbeit großen Spaß bereitet hat und fast alle Teilnehmer motiviert ein Projekt entworfen haben.

Insgesamt wurde REBOUND von der Klasse sehr positiv aufgenommen und als unterstützend bewertet. Alle Schüler sagten, etwas aus dem Kurs mitgenommen zu haben und die Woche über Spaß gehabt zu haben. Die Aussage eines Schülers „Das war die erste Projektwoche, bei der ich nicht nach einem Tag krank war“ ist wohl als deutlich positives Feedback zu verstehen.

 

Lesen Sie weiter in Teil 3/3

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