Sex und Drogen – Vom Zusammenspiel zweier Tabuthemen

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Aphrodisiaka

Die schönste Nebensache der Welt, Sex, spielt auch beim Thema Drogenkonsum eine große Rolle. Mit welchen Substanzen wird sexuelle Lust gesteigert, mit welchen wird sie vermindert? Warum ist man „high“ während man Sex hat?

Die Motive und Ziele beim Einsatz von Aphrodisiaka, psychoaktive Substanzen, die die sexuelle Lust steigern, sind vielfältig. Es kann darum gehen, erotische Schwingungen überhaupt zu spüren oder eine erotische Begegnung aufzuladen und zu steigern. Es kann um Abwechslung gehen oder den Weg aus einer Beziehungskrise. Manche Menschen versuchen, mit Hilfe dieser Substanzen innere Grenzen, Schranken und Verbote zu überwinden. Bei Liebestränken und Liebesdrogen geht es darum, mit einer Substanz Liebe, Lust und Leidenschaft anzufachen, ungetrübte Geilheit zu erzeugen oder Grenzüberschreitung zu ermöglichen.

„Ich habe nicht mit ihm als Menschen geschlafen, sondern mit seinem geilen Körper. […] Auf Speed war es völlig anders – wir konnten wirklich alles andere um uns herum komplett vergessen. Wir haben Sachen kaputt gevögelt, die uns im Weg lagen, und einfach mal beim Sex die komplette Küche auseinandergenommen.“ – Elena, 20

„In Verbindung mit Kiff fällt es mir leichter, mich fallen zu lassen, mein Denken auszuschalten, Zeit und Raum zu vergessen, ganz im Augenblick zu sein. Ein Zustand, der für guten Sex wichtig ist, denke ich.“ – Nina, 23

Warum nehmen Leute Drogen beim Sex?

Wie die unterschiedlichen Substanzen den Sex beeinflussen, hängt natürlich auch stark von den beteiligten Personen, ihrer Absicht und dem Umfeld ab, in dem sie Sex haben. Für einige Menschen ist Alkohol oder eine der anderen Substanzen ein Hilfsmittel, den Kopf auszuschalten und ihren Körper zu spüren. Es gibt Paare, die mit Hilfe von Cannabis ihr zum Stillstand gekommenes Sexleben wieder auf Touren gebracht haben. Viele psychoaktive Substanzen wirken allerdings generell als Katalysator innerer Regungen, insbesondere die Psychedelika wie LSD und Psilocybin. Sie intensivieren vorhandene Gefühle und lassen unterdrückte Gedanken frei fließen. Das kann aber auch bedeuten, dass zerstörerische Energie freigesetzt wird, wie suizidale Gedanken und Aggressivität gegen andere, was sich in der sexuellen Begegnung als Selbstverletzung und Brutalität gegen den Sexpartner niederschlagen kann. Auch deshalb sollte niemand mit diesen Mitteln leichtfertig umgehen.

Manchen Usern geht es darum, Gefühle von Schuld oder Scham zu betäuben, bevorzugt mit Alkohol, Speed oder Kokain. Betäuben ist selten eine gute Idee. Vor allem nicht auf Dauer. Wer sich menschlich weiterentwickeln will, wer Selbstliebe lernen, eine zerstörerische Familiengeschichte oder Missbrauchserfahrungen verarbeiten will, wird das nicht durch Betäubung mit psychoaktiven Substanzen schaffen. Schon gar nicht in Verbindung mit Sexualität.

 

„Trotzdem hat mir betrunkener Sex irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Im Gegenteil: Das Ganze war ziemlich unbefriedigend, emotional, aber auch sexuell.“ Nina, 23

 

„Es fühlte sich irgendwie falsch an, obwohl ich es doch unbedingt wollte und betrunken doch sonst alles viel mehr Spaß machte. Aber das Gelöste, Heitere war weg.“ – Anke, 22

 

 

Ach ja, dann gibt es natürlich auch noch Viagra. Es ist keine psychoaktive Droge, sondern ein Potenzmittel, dessen Preis in den letzten Jahren stark gesunken und das über das Internet auch ohne Rezept zugänglich ist. Der Wirkstoff ist Sildenafil, es hilft bei Durchblutungsstörungen, die oft auch in Kombination mit psychischen Problemen auftreten, wirkt aber nicht bei Nervenverletzungen oder Hormonstörungen. Generell ist es eine gute Idee, vor der Einnahme einen Arzt aufzusuchen. Dort kann man sich nicht nur über Nebenwirkungen aufklären, sondern sich bei dauerhaften Erektionsstörungen auch auf organische Ursachen untersuchen lassen.

 

Am Ende muss jede/r selber darüber entscheiden, ob und wie man Sex unter Einfluss von psychoaktiven Substanzen hat. Wichtig dabei sind die Differenzierung und das Bewusstmachen der Eigenschaften der verschiedenen Substanzen. Wenn dies passiert, Set und Setting bewusst ausgewählt werden und beide Partner gegenseitig aufeinander achten, so kann Sex unter Einfluss psychoaktiver Substanzen zu einem Feuerwerk an Emotionen führen. Genau genommen bedeutet das – Fußballfans müssen jetzt ganz tapfer sein –, dass Drogen wohl in Wahrheit die zweitschönste Nebensache der Welt sind. Schließlich lassen sie sich so wunderbar mit der schönsten verbinden.

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