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Wie rede Ich über Drogen? Teil 2 für Erwachsene und Eltern

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Dieser Blogeintrag ist der zweite Teil, welcher sich mit dem Thema Umgangsregeln befasst. Er richtet sich spezifisch an Erwachsene und Eltern, die nicht wissen, wie sie mit ihren Kindern über Alkohol und andere Drogen reden können. Der erste Teil richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht wissen, wie sie mit ihren Eltern über Alkohol und andere Drogen sprechen können.

Nicht über das Thema Alkohol und andere Drogen zu reden ist keine Lösung und hilft niemandem. Wie kann also ein angemessener Umgang mit dem Thema Drogen und Rausch aussehen? Einer, der nicht gedankenlos und verharmlosend ist, aber ebenfalls nicht von Bevormundung, Entmündigung und Kontrollexzessen geprägt ist?

Eltern möchten, dass es ihren Kindern gut geht. Das gilt in aller Regel auch für Eltern, die selbst suchtkrank sind. Kinder und Jugendliche dagegen möchten etwas erleben, eigene Erfahrungen machen, oft eben auch intensive oder extreme, sie möchten Spaß haben und sich ausprobieren, in die Welt hineinwachsen. Eltern sorgen sich. Jugendliche sind risikobereit. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. In beiden Fällen hat unsere Kultur leider einen chronisch verkrampften Umgang mit Rausch und Rauschmitteln.

Unsere Empfehlung lautet wenig überraschend: Redet miteinander! Hört zu, äußert eure Ängste und Bedürfnisse und erkennt die des anderen an. Stellt gemeinsam Regeln auf. Haltet sie ein. Und seid euch bewusst, dass es immer Konflikte geben wird, wenn die Bedürfnisse und Sorgen des anderen – oder auch die Gesetze – nicht ernst genommen und ignoriert werden.

 

Vertrauen – die unverzichtbare Grundlage

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter zu früh oder zu viel Alkohol trinkt oder andere Drogen nimmt oder sogar ein Suchtproblem hat, sollten Sie mit ihm oder ihr reden. Wichtig ist dabei, schon vorher eine vertrauensvolle Basis für ein Gespräch zu schaffen. Verdächtigungen sind ebenso kontraproduktiv wie moralische Vorwürfe oder entwertende Kritik. Gespräche sind nur auf Augenhöhe zielführend. Zeigen Sie, dass Sie Vertrauen in Ihren Sohn oder Ihre Tochter haben (oder dieses Vertrauen wiedergewinnen möchten) und dass Ihr Kind Ihnen vertrauen kann. Hören Sie zu, nehmen Sie die Argumente Ihres Kindes ernst und versuchen Sie, dessen Gründe für den Substanzkonsum zu begreifen. Vorschnelle Verdächtigungen oder Kritik transportieren oft auch Botschaften wie »Du bist nicht okay« oder »Dir kann ich nicht vertrauen« oder »Du hast keine Ahnung, ich weiß besser, was gut für dich ist«. Auch heimliches Durchsuchen des Zimmers drückt vor allem Misstrauen aus. Das schafft keine gute Basis für vertrauensvolle Gespräche, egal ob sich Ihre Sorgen als unbegründet herausstellen sollten oder nicht. Und – möglichst keine Aussprache in emotional aufgeladenen Konfliktsituationen suchen, sondern versuchen, eine besonnene, gute Atmosphäre zu schaffen, bevor Sie in die Auseinandersetzung einsteigen.

Informiert über Drogen sprechen

Gerade zum Thema Alkohol und Drogen gibt es sehr viel Un- oder Halbwissen. Macht Cannabis abhängig? Ist man sofort süchtig, wenn man einmal Kokain oder Crystal probiert? Ist es wirklich gesund, täglich ein Glas Wein zu trinken? Ist Alkohol harmloser als Cannabis? Um mit Jugendlichen auf Augenhöhe über deren Konsum und Drogen allgemein reden zu können, ist es wichtig, selbst informiert zu sein. Jugendliche merken schnell, wenn ihr Gegenüber weniger weiß als sie selbst. Natürlich können Sie kaum über alle Drogen informiert sein; es gibt niemanden, der das ist. Müssen Sie aber auch nicht. Suchen Sie, vielleicht sogar gemeinsam mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, nach brauchbaren Informationen. Jemanden zu kennen, der Alkoholiker ist oder eine Heroinabhängigkeit hinter sich hat, ist für erfolgreiche Gespräche über den Drogenkonsum Ihrer Kinder nicht zwangsläufig nützlich. Denn die Erfahrungen aus Ihrem Bekanntenkreis lassen sich nicht zwingend auf das Erleben Ihrer Kinder übertragen.

Folgende Grundaussagen des britischen Drogenexperten David Nutt, ursprünglich als Hinweise an junge Menschen gedacht, sind ein guter Ausgangspunkt für Gespräche zwischen Eltern und ihren Kindern:

  • Alkohol und Tabak sind Drogen, es gibt keinen sicheren Konsum.
  • Alle Drogen haben angenehme Effekte. Deshalb unterschätzt man oft die Risiken.
  • Fang niemals an, Drogen zu spritzen, denn das ist die gefährlichste Art des Konsums überhaupt.
  • Halte dich auch von Lösungsmitteln fern. Inhalieren tötet jede Woche einen Menschen.
  • Trink niemals Alkohol, wenn du andere Drogen konsumierst. Dabei können neue Substanzen im Körper entstehen, die noch viel schädlicher sind.
  • Selbst wenn wir mit der Kriminalisierung von Drogen nicht einverstanden sind: Ein Eintrag im Strafregister kann dein Leben ruinieren.
  • Finde zuverlässige Quellen für Informationen.
  • Wer Drogen verteufelt, lügt – genauso wie jeder lügt, der Drogen glorifiziert oder verharmlost.
  • Wann immer du Drogen nimmst, sei dir im Klaren darüber, warum. Das gilt auch für Alkohol und Zigaretten.
  • Wenn du Probleme mit Drogen bekommst, hol dir so schnell wie möglich Hilfe. Auch bei uns Eltern. Wir bestrafen dich nicht, sondern sind für dich da.
  • Wenn du mit Drogen experimentierst: Sorge dafür, dass deine Abenteuer keine Folgen für die Schule haben. Nimm niemals Drogen mit dorthin und konsumiere auch keine auf dem Schulgelände. Deine Experimente sollten auch nicht verhindern, dass du deine Hausaufgaben machst oder nüchtern am Unterricht teilnimmst.

Interesse am anderen zeigen!

Jugendliche streben nach Unabhängigkeit von den Eltern. Das ist grundsätzlich gut und wichtig. Häufig wirken sie dabei verschlossen und blocken neugierige Fragen der Eltern ab. Aber auch wenn sie nicht den Eindruck erwecken, ist es dennoch wichtig für sie, dass man Interesse an ihrem Leben zeigt: Mit wem trifft er oder sie sich? Wie verbringen sie ihre Zeit? Wenn Grenzen überschritten werden, ist es wichtig, nicht darüber hinwegzusehen. Auch mit der vielleicht unangenehmen und unerwünschten Konfrontation bei Fehlverhalten signalisieren Sie: »Ich interessiere mich für dich!« oder auch »Ich mache mir Sorgen um dich«. Vorwürfe und Vorhaltungen allerdings treiben den anderen eher in die Defensive und tragen meist nicht zu einer Lösung bei. Jugendliche haben jedes Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden.

Provokationen

Beim Streben nach Unabhängigkeit gehört es für junge Erwachsene häufig dazu, Autoritäten (und ganz besonders die Eltern) herauszufordern und zu provozieren. Das hat einerseits die Funktion, Grenzen auszutesten, andererseits ist es auch ein Zeichen von Identitätssuche durch Abgrenzung von den Erwartungen und Überzeugungen der Eltern. Letztlich erleichtern Jugendliche ihren Eltern so auch das Loslassen: Wenn Sie gelegentlich vor Ihren unzugänglichen und schwierigen Kindern kapitulieren, kann das manchmal durchaus etwas Gutes haben. Mitunter wird so der in dieser Altersphase anstehende Ablöseprozess erleichtert. Mit Desinteresse sollte das allerdings nicht verwechselt werden: Auch, wenn pubertierende Jugendliche häufig verschlossen wirken, so brauchen sie dennoch die Gewissheit, dass sie jederzeit um Hilfe bitten können.

Vorbild sein

Wie Jugendliche mit Alkohol und anderen Drogen umgehen, hängt auch davon ab, wie im Elternhaus damit umgegangen wird. Nicht nur, aber auch. Und dazu gehört auch der Umgang mit Medikamenten und Drogen, angefangen bei der Kopfschmerztablette über Beruhigungsmittel bis hin zu Alkohol und Zigaretten. Wer sich selbst nicht erlaubt, krank, erschöpft oder überfordert zu sein und jede Störung mit Medikamenten bekämpft, um möglichst belastbar und funktionstüchtig im Beruf und Alltag zu sein, sollte darüber nachdenken, welches Beispiel für den Umgang mit eigenen Schwächen, aber eben auch mit Substanzen er abgibt.

Das bedeutet nicht, dass Jugendliche das Verhalten der Eltern grundsätzlich imitieren. Das ist nur ein mögliches Muster. Auch das Gegenteil ist möglich: Wenn Sie selbst gar keinen Alkohol trinken oder verantwortlich damit umgehen, kann es zur jugendtypischen Ablösung vom Elternhaus gehören, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Sie vorleben. Dennoch bleiben Sie als Erwachsene mit Ihrem eigenen Verhalten immer auch zu einem großen Teil Vorbild für Jugendliche. Deshalb ist es wichtig, auch seinen eigenen Umgang mit Substanzen zu überprüfen – wenn Sie selbst starker Raucher sind, ohne zwei Feierabendbier nicht ins Bett finden oder sich bei jedem Fest betrinken, sollten Sie das zumindest offen ansprechen, wenn Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn über deren Cannabis- oder Ecstasy-Konsum reden wollen.

Das gilt natürlich in besonderem Maße, wenn Sie selbst ein Suchtproblem haben. Dann sind Ihre Kinder tatsächlich gefährdeter als andere. Reden Sie mit Ihren Kindern darüber. Zeigen Sie Ihre Schwächen, dann fällt es den Jugendlichen leichter, Sie zu verstehen. Und verschanzen Sie sich nicht im Käfig Ihrer Kleinfamilie. Ziehen Sie andere Erwachsene oder professionelle Berater dazu, wenn es nicht so läuft, wie Sie es sich wünschen. Oder wenn Ihre Kinder offenkundig unter Ihrer Sucht leiden.

 

Erwischt

Geduld, Klarheit und Vertrauen sind wichtig. Wir alle lernen manchmal, indem wir wiederholt gegen Mauern rennen. Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter Grenzen überschritten oder Regeln nicht eingehalten hat, zum Beispiel in der Schule oder zu Hause kifft, obwohl Sie es anders vereinbart haben, seien Sie konsequent, aber nicht drakonisch. Ihr Gegenüber sollte spüren, wenn Sie enttäuscht sind oder sich nicht ernst genommen fühlen. Zum Beispiel ist einigen Jugendlichen tatsächlich geholfen, wenn sie die Schule wechseln können – ein Schulverweis dagegen nützt ihnen in aller Regel nicht. Sagen Sie Ihren Kindern, wenn Sie das Vertrauen verlieren oder verloren haben. Holen Sie sich Unterstützung, auch professionelle. Sie müssen und sollten solche Probleme nicht verheimlichen – Substanzkonsum in der Familie ist keine Schande, kein Resultat elterlichen Versagens und verbreiteter, als Sie denken. Setzen Sie auf Offenheit und aktive Problemlösung. Schweigen ist keine Lösung.

Wie rede Ich über Drogen? Teil 1 für Jugendliche und junge Erwachsene

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Dieser Blogeintrag ist der erste Teil, welches sich mit dem Thema Umgangsregeln befasst. Er richtet sich spezifisch an Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht wissen, wie sie mit ihren Eltern über Alkohol und andere Drogen reden können. Der zweite Teil richtet sich an Eltern, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Kind über Alkohol und andere Drogen sprechen können.

Nicht über das Thema Alkohol und andere Drogen zu reden ist keine Lösung und hilft niemandem. Wie kann also ein angemessener Umgang mit dem Thema Drogen und Rausch aussehen? Einer, der nicht gedankenlos und verharmlosend ist, aber ebenfalls nicht von Bevormundung, Entmündigung und Kontrollexzessen geprägt ist?

Eltern möchten, dass es ihren Kindern gut geht. Das gilt in aller Regel auch für Eltern, die selbst suchtkrank sind. Kinder und Jugendliche dagegen möchten etwas erleben, eigene Erfahrungen machen, oft eben auch intensive oder extreme, sie möchten Spaß haben und sich ausprobieren, in die Welt hineinwachsen. Eltern sorgen sich. Jugendliche sind risikobereit. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. In beiden Fällen hat unsere Kultur leider einen chronisch verkrampften Umgang mit Rausch und Rauschmitteln.

Unsere Empfehlung lautet wenig überraschend: Redet miteinander! Hört zu, äußert eure Ängste und Bedürfnisse und erkennt die des anderen an. Stellt gemeinsam Regeln auf. Haltet sie ein. Und seid euch bewusst, dass es immer Konflikte geben wird, wenn die Bedürfnisse und Sorgen des anderen – oder auch die Gesetze – nicht ernst genommen und ignoriert werden.

Vertrauen – die unverzichtbare Grundlage

Wenn du Drogen nimmst, werden sich Eltern, Verwandte, Lehrer und Freunde früher oder später Sorgen machen und Fragen stellen. Vielleicht wollen sie dich beraten oder unterstützen, vielleicht auch kontrollieren und bevormunden. Letzteres fühlt sich oft mies an, verletzend und herabsetzend. Trotzdem solltest du erst einmal davon ausgehen, dass sie das aus Sorge und Hilflosigkeit tun, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Situation angemessen umgehen sollen. Suche von dir aus das Gespräch, schildere ihnen, wie du dich fühlst, was du denkst. Bevor ihr über brisante Themen wie Alkohol oder andere Drogen redet, mache dir und ihnen klar, was du dir von diesem Gespräch erwartest. Das setzt natürlich voraus, dass du dir selbst darüber im Klaren bist, zu welchem Zweck du Substanzen nimmst. Weißt du das nicht, werden die anderen das schnell merken. Das ist natürlich keine gute Gesprächsgrundlage – und auch keine gute Grundlage für den Drogenkonsum. Auch wenn du wie jeder andere auch davon überzeugt bist, selbst am besten zu wissen, was gut oder schlecht für dich ist, und Entscheidungen aufgrund eigener Erfahrungen treffen möchtest, ist es durchaus von Vorteil, anderen zuzuhören. Möglicherweise verfügen Ältere tatsächlich über Wissen und Erfahrungen, die dir noch fehlen, einfach wegen des Altersvorsprungs.

Wenn allerdings trotz mehrfacher ernsthafter Gesprächsversuche kein Vertrauen entsteht, solltest du ihnen das sagen. Und dir andere erwachsene Gesprächspartner suchen, denen du vertrauen kannst. Vielleicht lässt sich ja auch ein gemeinsames Gespräch mit deinen Eltern und jemandem, dem du vertraust, arrangieren?

 

Informiert über Drogen sprechen

Gib deinen Eltern Informationen an die Hand – eine Internetadresse. Belehre sie nicht, sondern lass sie ihre eigenen Schlüsse ziehen. Und überprüfe deinen Informationsstand – was weißt du wirklich? Aus welchen Quellen stammt dein Wissen? Bevor du anderen Unwissenheit vorwirfst, schließe deine eigenen Wissenslücken und setze dich auch mit unterschiedlichen Standpunkten auseinander. Kennst du jemanden, der langfristig problemlos mit Cannabis umgeht, und jemanden, der das nicht geschafft hat? Wo liegen die Unterschiede?

 

Interesse am anderen zeigen

Du willst in Ruhe gelassen werden? Dann suche den Kontakt zu deinen Eltern, statt dich abzuschotten. Vorwärtsverteidigung ist die beste Strategie. Zeige Interesse an ihrer Sorge, versuche, dich verständlich zu machen und sie zu verstehen. Eltern sind im Grunde auch nur älter gewordene Jugendliche. Solange du nicht volljährig bist oder solange du im Haus deiner Eltern wohnst und sie dein Leben finanzieren, haben sie das Recht, Regeln für euer Zusammenleben einzufordern, natürlich auf respektvolle Art und Weise. Im Idealfall natürlich solche Regeln, die ihr gemeinsam aufgestellt habt.

Provokationen

Tief durchatmen und kurz nachdenken, bevor du provozierst oder einen Streit anzettelst. Geht nicht? Doch, wenn du es immer wieder ernsthaft versuchst! Mach dir klar, dass es deinen Eltern womöglich genauso schwerfällt, Ruhe zu bewahren. Sie provozieren dich? Fordere Respekt ein. Respekt einfordern kann allerdings nur, wer seinerseits respektvoll mit dem anderen umgeht. Grundsätzlich geht es dir und allen Beteiligten besser, wenn ihr das mit dem Vertrauen und Respekt hinbekommt.

 

Vorbild Sein

Zeige deinen Eltern, dass du dir über deinen Substanzgebrauch Gedanken machst und dich um einen gesunden Umgang mit Alkohol, Cannabis oder anderen Drogen bemühst. Wie sollen sie das einschätzen können, wenn du nicht mit ihnen redest? Wenn Eltern auf Vermutungen oder Andeutungen von anderen angewiesen sind, entwickeln sie logischerweise oft übertriebene Ängste. Rede mit ihnen über konkrete Risiken und Nebenwirkungen, über positive und negative Erfahrungen in deinem Umfeld. Und höre dir die Erfahrungen deiner Eltern oder ihrer Freunde an. Wir lernen alle aus Beispielen. Allerdings hören wir leider meist nur von negativen Fällen, weil Menschen, die einen positiven Umgang mit Rauschmitteln haben, oft nicht darüber reden. Ein Grund mehr, auch positive Erfahrungen mit deinen Eltern zu teilen! Falls umgekehrt deine Eltern Probleme mit Alkohol haben, sei eben du ihnen ein Vorbild. Suche Unterstützung, wenn es Probleme gibt. Es ist nicht deine Aufgabe, deine Eltern zu therapieren. Viele Kinder versuchen genau das und scheitern regelmäßig daran. Niemand muss ein Alkohol- oder Drogenproblem verheimlichen und sich vor Scham verstecken oder die Eltern schützen. Allen ist am besten damit gedient, wenn das Problem aktiv und zeitnah angegangen wird.

Zu Hause konsumieren

Du wohnst bei deinen Eltern und möchtest deine Freunde einladen, einige Biere trinken oder eine Party feiern? Rede vorher mit deinen Eltern darüber und kläre mit ihnen, was für sie okay ist und was nicht. Vereinbare gemeinsam mit ihnen Regeln und schreibt diese vor einer Party auf – dann gibt es hinterher keinen Streit über die genaue Formulierung. Solange du von deinen Eltern abhängig bist und bei ihnen wohnst, solltest du Rücksicht auf ihre Wünsche und Regeln nehmen. Das ist auch in deinem Interesse und vereinfacht das Zusammenleben. Du möchtest zu Hause Cannabis oder andere illegale Substanzen konsumieren? Das ist für die meisten Eltern ein schwieriges Thema, ganz besonders, wenn du noch nicht volljährig bist. Wenn du nicht auf den Konsum verzichten willst, dann vereinbare mit deinen Eltern nachvollziehbare Regeln zu Ort und Häufigkeit und so weiter. Regeln, an die du dich dann allerdings halten musst. Gib deinen Eltern die Chance, sich in ihrem Tempo zu verändern und deine Situation verstehen zu lernen. Sind sie dazu nicht bereit oder in der Lage, dann bleibt dir die Möglichkeit, dir deine eigene Lebenswelt und Rückzugsräume zu schaffen – außerhalb der Wohnung deiner Eltern. Egal ob du zu Hause kiffen, trinken oder Pillen nehmen darfst oder nicht: Tue nichts, was deinen Eltern ernsthafte Schwierigkeiten mit der Polizei einbrocken könnte. Wer aus seinem Kinderzimmer heraus dealt, im Gartenschuppen Crystal Meth zusammenbrauen möchte oder einfach nur das MDMA für die nächsten Monate in seinem Schreibtisch lagert, bricht geltendes Recht, und das kann auch negative Folgen für die Erziehungsberechtigten haben.

Schule und Drogen

Irgendwann wird die Schule langweilig, nervig, belastend, zu anstrengend. Für jeden. Da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass der Unterricht bekifft besser zu ertragen wäre. Vielleicht ist das tatsächlich so. Wahrscheinlich schafft das aber mehr Probleme, als es löst. Die Schule ist nach unserer Auffassung nicht der richtige Raum für Rausch. Außerdem sind in dieser Umgebung überhaupt nur ziemlich eingeschränkte Highs möglich. Viele haben wohl schon in einer Freistunde oder in der großen Pause eine Flasche Bier getrunken. Ist das okay? Jein. Schadet es? Erst mal nicht. Aber so etwas häufig zu tun ist eine schlechte Idee. Wer die positiven Seiten von Rausch entdecken will und einen kontrollierten Umgang mit Rauschmitteln anstrebt, sollte lernen, die richtige Zeit, den richtigen Ort und die richtige Substanz zu wählen. Die Schule ist definitiv nicht der richtige Ort. Zum einen ist es kaum möglich, während des Unterrichts seinen Rausch zu genießen, Störungen sind vorprogrammiert. Außerdem schädigt man sich selbst, wenn man zugedröhnt dem Unterricht nicht folgen kann und schlechte Noten, Sitzenbleiben oder sogar einen Schulverweis riskiert. Breit sein im Unterricht mag ganz spaßig sein, aber es ist den Ärger nicht wert – auch wenn es sicher bei einigen Mitschülern Eindruck macht, wenn man in der Schule kifft oder dealt.

Viele Schulleiter, Lehrer und Eltern, so scheint es, haben keine Ahnung von Drogen. Wenn du diesen Eindruck von deinen Eltern und deinen Lehrern hast, dann versuche, das zu ändern, indem du dich informierst und dein Wissen weitergibst, eben auch in der Schule.

Deine Schule geht unfair und mit übertriebenen Strafen gegen Schüler vor, die über die Stränge schlagen? Dann erkundige dich nach der Suchtmittelvereinbarung an deiner Schule und sorge zusammen mit der Schülermitverwaltung dafür, dass sie umgesetzt wird. Eine Suchtmittelvereinbarung schützt nämlich auch Schüler vor Lehrern, Eltern und Schulleitern, die vielleicht keine Ahnung oder Angst vor dem Thema Drogen haben.

 

Erwischt

Betrunken oder bekifft auf dem Moped von einer Polizeistreife aufgegriffen worden? Dauerbekifft im Unterricht die Versetzung nicht geschafft? Wegen Dealens von der Schule geflogen? Nach einer Partynacht auf Kokain oder Amphetamin eine wichtige Prüfung verhauen? Auf einer Uni-Fete mit einem Tütchen Ecstasy-Pillen aufgeflogen? Dumm gelaufen. Oder eine gute Gelegenheit, deine Einstellung, deine Ziele und deinen Konsum zu hinterfragen. Klar, man kann sich auch hinter Trotz und Gleichgültigkeit verschanzen, aber das bringt einen langfristig nicht weiter. Sicher, manchmal braucht es Zeit, bis man sich über seine Ziele und den besten Weg, sie zu verwirklichen, im Klaren ist: einige Runden im Hamsterrad. Aber wir sind der Meinung, dass Highs dann eine tolle Sache sind, wenn sie dich weiterbringen und deine Möglichkeiten erweitern. Ein Schulverweis tut das nicht. Und ein Eintrag im Strafregister erst recht nicht. So ein Eintrag schränkt sowohl die Wahl der Studienfächer als auch die Berufswahl ein. Ein Jura- oder Medizinstudium ist dann nicht mehr möglich, auch zahlreiche Berufe, unter anderem im sozialen Bereich, bleiben verschlossen. Wozu also so weitermachen und dieses Risiko eingehen? Die Wand, gegen die du geknallt bist, hat dir etwas mitzuteilen. Hör ihr zu!

Was tun wenn es brennt – Wie helfe Ich? Teil 2

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Notfallhilfe beim Drogenkonsum – Was tun, wenn es brennt? Teil 2

 

Wenn eine fremde Person, ein Freund oder eine Freundin vor unseren Augen zusammenbricht oder am ganzen Körper zuckend im eigenen Erbrochenen liegt, kann man schon mal in Panik geraten. Aber so etwas geschieht immer wieder, an jedem Wochenende, in einem Club, auf einem Festival oder auf einer Party. Umso wichtiger, in so einer Situation die Ruhe zu bewahren. Zu wissen, was bei einer Überdosierung, einem Kreislaufkollaps oder Ähnlichem zu tun ist, kann Leben retten – das von Fremden und das von Freunden. Grundsätzlich gilt: Besser zu früh den Arzt rufen als zu spät! Aber was tun, bis Hilfe kommt?

Dieser Blogeintrag ist kein Ersatz für einen Erste-Hilfe-Kurs! Er soll einfache Grundregeln und Fertigkeiten vermitteln, die bei medizinischen Notfällen mit Drogen von Nutzen sein können.

Drogen können ihrer Wirkung nach grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: aufputschende (Upper) und beruhigende Substanzen (Downer). Bei Halluzinogenen können sowohl anregende als auch beruhigende Wirkungen auftreten. Die eine Drogengruppe aktiviert also Geist und Körper, die andere macht eher schläfrig und benommen, das heißt, bei aufputschenden Substanzen steht die körperliche und geistige Übererregung im Vordergrund, bei beruhigenden die Dämpfung. Das wiederum bedeutet, dass Überdosierungen abhängig von der Substanz unterschiedliche Folgen haben und unterschiedliche Hilfsmaßnahmen erfordern können.

Werden Substanzen gemischt oder parallel konsumiert, wird das Ergebnis sehr schwer berechenbar. Gleichartige Drogen verstärken sich in ihren Nebenwirkungen, verschiedenartige Drogen sind in ihrem Zusammenspiel überhaupt nicht vorhersehbar. Ein fast schon alltägliches Beispiel ist die Mischung von Wodka mit Energydrinks: Das durch den Energydrink ausgelöste Gefühl der Klarheit und Wachheit bei gleichzeitig verringerter Urteilskraft und eingeschränkten geistigen Fähigkeiten, verursacht durch den hochprozentigen Alkohol, ist eine explosive Mischung und kann zu Unfällen, schweren Ausfallerscheinungen und Überdosierung führen. Zumal der angenehme, den Alkohol überlagernde Geschmack des Energydrinks unter Umständen zum Konsum größerer Mengen verführt.

Upper, die den Körper und den Geist aufputschen, sind beispielsweise Ecstasy, Kokain, Amphetamine wie Crystal Meth oder Speed, aber auch Ritalin, Koffein und Ephedrin. Ein ähnlicher Effekt kann aber auch durch die in dieser Hinsicht allerdings weniger gefährlichen Substanzen LSD und Psilocybin verursacht werden. Diese Substanzgruppen unterscheiden sich aber in ihren Wirkungen: Amphetamine verursachen in der Regel keine »Visuals« (tagtraumähnliche Imaginationen), Halluzinationen oder Sinnestäuschungen wie LSD oder Psilocybin, dafür manchmal ein Gefühl der Unverwundbarkeit, gesteigerte Wachheit und körperlichen Antrieb. Gemeinsam ist diesen Stoffen die angeregte oder überdrehte Aktivierung von entweder Körper oder Geist oder beidem. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Kreislaufkollaps. Das betrifft gesundheitlich vorbelastete Personen natürlich noch stärker.

Downer, die Körper und Geist eher dämpfen, sind Alkohol, Cannabis oder Opiate, zum Beispiel Heroin oder Codein. Die Hauptgefahr bei einer Überdosis mit diesen Substanzen ist eine Bewusstlosigkeit und darauffolgende Verstopfung der Atemwege, zum Beispiel durch die Zunge, Schleim oder Erbrochenes. Auch das Aussetzen der Schutzreflexe, wie zum Beispiel des Hustenreflexes, kann dazu beitragen: Der Hustenreflex sorgt dafür, dass Erbrochenes wieder aus der Lunge entfernt wird. Wenn die konsumierende Person ihre Spucke oder ihr Erbrochenes nicht aushusten kann, droht Erstickung. Bei manchen Substanzen, vor allem den Opiaten, kann eine Überdosierung auch zu einer lebensgefährlichen Herabsetzung der Atemfrequenz bis zum Atemstillstand führen. Dann ist es notwendig, die jeweilige Person dazu zu bringen, wieder selbständig zu atmen.

 

Bei schlechten Trips

  • Wenn Personen orientierungslos und panisch sind, unter starken Angstzuständen leiden (Horrortrip) oder offensichtlich mit der Wirkung der Substanz überfordert sind: Gib dem Betroffenen das Gefühl von Geborgenheit und ziehe, wenn möglich, bekannte, vertraute Personen hinzu.
  • Oft verlieren die Betroffenen die Orientierung und das Zeitgefühl: Sage der Person immer wieder, wie viel Zeit vergangen ist und wo sie sich befindet; sage ihr auch, wer du bist.
  • Bleibe bei der Person und bringe sie – wenn möglich – an einen ruhigen Ort und halte sie warm. Falls sie überhitzt ist, kühle sie.
  • Rede beruhigend mit der betroffenen Person, versuche, ihre Gedanken in positive Bahnen zu lenken, sage ihr, dass ihr Zustand vorübergehen und sie sich bald wieder gut fühlen wird.
  • Warme Getränke wie Tee oder Wasser sind gut (falls die Person nicht überhitzt!), Kaffee oder Energizer wegen möglicher Wechselwirkungen meiden.
  • Falls die Person sehr schnell atmet, also hyperventiliert, atme ihr hörbar ruhige Atemzüge vor oder gib Atemanweisungen: »Jetzt einatmen – und ausatmen.« Falls das nicht hilft, eine Papiertüte vor den Mund halten, in die derjenige atmen kann. Diese nach einigen Atemzügen kurz wieder entfernen.
  • Auch hier gilt: Du musst niemandem etwas beweisen. Wenn du Angst hast oder dich überfordert fühlst, hole Hilfe. Tu nichts, womit du dich nicht wohlfühlst.

Bei wachen und/​oder stark erregten Personen

  • Ein wacher Patient darf und soll alkoholfreie Flüssigkeiten trinken. Sehr oft ist ein Flüssigkeitsmangel der Grund für den Zusammenbruch. Ist der Puls sehr langsam, rast oder ist nur schwach tastbar, lege die Person hin, wenn sie das toleriert, und lagere ihre Beine hoch.
  • Bei Panikreaktionen: Nicht hektisch werden, mit dem Patienten reden und ihn beruhigen (»Talking down«).
  • Wenn die Person durchdreht, wäge ab, ob sie dir gefährlich werden kann. Deine Sicherheit geht immer vor. Vermeide Körpereinsatz, um die Situation nicht eskalieren zu lassen, »Talking down« ist die beste Option.
  • Bringe die Person an einen ruhigen Ort, suche Freunde oder eine andere Bezugsperson. Es muss immer jemand bei dem Patienten bleiben, um ihn zu beruhigen und zu überwachen. Gerade bei stark alkoholisierten Personen ist es nicht immer eindeutig, ob Hilfe gerufen werden muss oder nicht. Im Zweifelsfall sollte immer ein Notarzt gerufen werden.

 

Dies ist der zweite Teil, welcher sich mit dem Thema Notfallhilfe beim Drogenkonsum beschäftigt. In diesem Teil geht es spezifisch um Hilfe für Personen mit schlechten Trips, stark erregtem Zustand oder aggressivem Verhalten. Im ersten Teil geht es um medizinische Notfallhilfe beim Drogenkonsum.

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Warum Menschen anders mit Drogen umgehen – Unterschiedliche Risiko- und Motivtypen

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Manche Menschen bewältigen den Alltag komplett ohne Drogen, manche schaffen es nur mit einem Feierabendbier ihren Arbeitsalltag zu verdauen. Einige brauchen psychoaktive Substanzen um am Wochenende zu feiern, andere nehmen diese nur vereinzelt und zu besonderen Anlässen. Was unterscheidet diese unterschiedlichen Arten von Menschen? Ein zentrales Konzept des Lebenskompetenz- und Suchtpräventionsprogramms Rebound sind die unterschiedlichen Risiko- und Motivtypen. Wie gehen Menschen mit Risiken um, und warum konsumieren sie psychoaktive Substanzen?

Ein Überlick

Es gibt zahlreiche Gründe, Drogen zu nehmen, gute und weniger gute. Die einen trinken Alkohol, weil es Spaß macht. Oder weil es schmeckt. Die anderen, weil sie dann lockerer sind oder es ihnen leichter fällt, Mädchen anzusprechen. Manche, weil sie dazugehören wollen. Der eine oder andere braucht Alkohol oder Cannabis, um sein Leben zu bewältigen und nicht unter seinen Problemen zusammenzubrechen. Oder weil das Leben ohne Drogen langweilig und öde erscheint. Wieder andere trinken oder kiffen gar nicht, weil sie sich auch ohne Rausch gut fühlen und einen klaren Kopf behalten wollen, um ihre Ideen und Projekte zu verwirklichen. »Was treibt uns an?« lautet eine zentrale Frage bei der Beschäftigung mit Drogen. Wozu das Ganze? Was lässt die einen trinken, die anderen kiffen, und wieso lassen wieder andere ganz die Finger von Drogen? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Ob der Umgang mit Drogen das Beste oder das Schlechteste zum Vorschein bringt, ist abhängig von zahlreichen Faktoren: von Motiven, also dem »Wozu«, vom sozialen Umfeld und den Ideen, durch die ein Mensch beeinflusst wird. Außerdem spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Und es kommt darauf an, wie das Gehirn eines Menschen sich im Laufe seiner Lebensgeschichte entwickelt hat und sein Verhalten steuert. Nicht jede Konsumentscheidung ist eine bewusste Entscheidung, oft werden wir von Gewohnheiten oder Impulsen beeinflusst. Die meisten Menschen trinken morgens einen Kaffee, ohne sich die Motive dafür bewusst zu machen. Sicher, alles andere wäre auch anstrengend und bei dem geringen Risiko, dem man sich mit der Droge Kaffee aussetzt, auch unnötig. Der Morgenkaffee ist ein Ritual, mit dem die allermeisten Menschen hervorragend leben können. Bei anderen Ritualen, wie dem Feierabendbier oder dem Entspannungsjoint, kann es dagegen ratsam sein, ab und zu seine Gründe zu hinterfragen.

Unterschiedliche Motive für den Konsum psychoaktiver Substanzen

In einem Langzeitforschungsprojekt an der Universität Heidelberg wurden aus Interviews mit 318 Jugendlichen verschiedene Motive beim Umgang mit psychoaktiven Substanzen herausgearbeitet – die Suche nach Gruppenzugehörigkeit und Identität, Auflehnung, Hedonismus, Neugier oder Problembewältigung sind einige Beispiele. Niemand ist auf ein einziges Motiv festgelegt. Jeder Mensch hat von jedem der hier beschriebenen Motive Anteile in sich. Wichtig ist, welche sich im Laufe der Zeit durchsetzen und unsere Entscheidungen und unser Handeln bestimmen. Außerdem unterscheiden und verändern sich die Motive für den Drogenkonsum häufig, wenn jemand zum ersten Mal trinkt oder kifft oder wenn er schon erfahren darin ist.

Die Motivtypen bezeichnen ein Spektrum, in dem wir uns bewegen. So lange, bis wir unseren eigenen Weg gefunden haben und die eigene Persönlichkeit gefestigt ist. So kann beispielsweise aus jemandem, der mit 14 extrem neugierig war und alles ausprobieren wollte, im Laufe der Zeit jemand werden, der sich und anderen Grenzen setzt – weil die eigene Erfahrung ihn genau das gelehrt hat.

Außerdem können sich die Motive verändern, wenn sich die Lebensumstände verändern, ein Umzug, ein Schulwechsel, eine Trennung, ein neuer Partner oder neue Freunde können auch den Blick auf und den Umgang mit Drogen verändern. Auch kann ein Motiv zu unterschiedlichen Reaktionen führen: Wer sich an Älteren oder Vorbildern orientiert oder sich an eine soziale Gruppe anpassen möchte, nimmt, abhängig von diesen Vorbildern oder Gruppen, die gleichen Drogen wie diese oder eben keine, wenn diese keine nehmen. Auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene spielt eine große Rolle.

Natürlich sind einige dieser Motive riskanter als andere. Wer nur dann Spaß haben kann, wenn er besoffen ist, asphaltiert sich eine breite Straße geradewegs in Richtung Sucht. Genauso ungünstig ist es, Probleme wie Einsamkeit, Beziehungsstress oder Überforderung in der Schule dauerhaft wegzukiffen oder mit anderen Substanzen zu bekämpfen. Zugegeben, kurzfristig stellt sich ein wunderbares Gefühl von Entspannung ein, man fühlt sich wie in Watte gepackt, der Stress ist angenehm heruntergedimmt. Langfristig löst die Flucht in den Drogenrausch allerdings keine Probleme, auf Dauer verstärkt es sie eher oder schafft neue.

Aber auch hier spielen Häufigkeit und Dosis eine große Rolle: Gelegentlich nach einem anstrengenden Tag in der Schule zur Entspannung einen Joint zu rauchen oder den Trennungsschmerz ein oder zwei Nächte lang mit Alkohol oder anderen Drogen zu bekämpfen muss nicht zwangsläufig zu Problemen führen, im Gegenteil, es kann sogar hilfreich und entlastend sein. Zumindest wenn es nicht die einzige Lösungsstrategie darstellt und nicht dauernd wiederholt werden muss. Grundsätzlich kommt es darauf an, dass Konsumenten sich selbst kritisch beobachten und darauf achten, dass sie über den Substanzkonsum hinaus über möglichst viele andere Strategien verfügen, ihre Freizeit zu genießen und Probleme zu bewältigen.

Unterschiedliche Risikotypen

Eng mit den Motivtypen verbunden sind die Risikotypen: Eine gute Risikoeinschätzung ist die Voraussetzung für einen langfristig positiven Konsum – und manchmal sogar die Voraussetzung dafür, den Drogengebrauch zu überleben. Aber Risikoeinschätzung ist schwierig und komplex. Risiko ist keine klare, objektive Größe, wie hoch oder niedrig jemandem ein Risiko erscheint, wird stark von dessen Erfahrungen, aber auch von den eigenen Überzeugungen und denen anderer Menschen beeinflusst. Diese subjektive Seite des Umgangs mit Risiko nennt man Risikowahrnehmung. Sie wird nicht nur von gesellschaftlichen Normen und Vorurteilen beeinflusst, sondern auch durch unsere Biologie. Einige Menschen zeigten bei Hirnscans in bestimmten Gehirnregionen, die mit Erregung und Verhaltensverstärkung verknüpft sind, stärkere Reaktionen auf Reize. Diese Menschen, die den Nervenkitzel und die Aufregung suchen, nennt man Sensation Seeker oder umgangssprachlich auch Adrenalinjunkies. Sie neigen dazu, größere Risiken einzugehen als andere. Sie suchen Stimulierung, also Extremerfahrungen, die neu oder besonders intensiv sind. Dazu gehören neben sexuellen Erfahrungen und Extremsport auch Glücksspiel und Drogen. Die Frage nach dem eigenen Risikotyp ist ein weiterer Baustein eines gelungenen Umgangs mit Drogen. Wie bei den Motivtypen ist auch hier die Zuordnung nicht immer ganz eindeutig, viele von uns vereinen unterschiedliche Anteile, wobei auch hier wichtig ist einzuschätzen, welcher Anteil prägend ist und unser Handeln bestimmt. Auch das Risikoverhalten kann sich verändern.

Welcher Risikotyp bin ich?

Der Risikosucher ist neugierig und manchmal impulsiv, er sucht den Nervenkitzel.

Der Risikovermeider ist vorsichtig und geht Gefahren aus dem Weg.

Der Risikokontrollierer wägt ab, beschäftigt sich mit den Gefahren, bevor er eine Entscheidung trifft.

Der Risikoverursacher bringt vor allem andere in Gefahr.

Wozu nehme ich Drogen?

Hedonismus versus Problembewältigung – Der Spaßtyp und der Selbstbehandler: Spaß zu haben und seine Freizeit aufregender gestalten zu wollen, ist das am häufigsten genannte Motiv für den Konsum von Alkohol oder anderen Drogen. Aber auch Trinken oder Kiffen zur Bewältigung oder Verdrängung von Problemen ist weit verbreitet.

Grenzen setzen versus Grenzen überschreiten – Der Kontrollierer und der Grenzgänger: Dem einen ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen und die Kontrolle zu bewahren. Der andere geht bewusst über seine Grenzen hinaus, um neue und intensive Erfahrungen zu machen.

Dazugehören wollen versus seine Freiheit suchen – Der Szenetyp und der Unabhängige: Der eine trinkt oder kifft, um dazuzugehören und so zu sein wie die Älteren, Cooleren oder andere Vorbilder. Der andere sucht nach Individualität und Unabhängigkeit, das kann sowohl durch Verzicht auf Drogen als auch durch den Konsum geschehen.

Vorsicht versus Neugier – Der Abstinente und der Probiertyp: Der eine lehnt Drogenerfahrungen ab, um sich zu schützen, der andere ist neugierig und möchte diese Erfahrungen machen, bevor er sich grundsätzlich für oder gegen den Konsum entscheidet.

Auflehnung versus Anpassung – Der Rebell und der Mitläufer: Was verboten ist, ist besonders reizvoll – die einen nehmen Drogen, um gezielt Regeln und Gesetze, Vorschriften und Erwartungen in Frage zu stellen und zu unterlaufen. Die anderen passen sich den Normen und Konsumgewohnheiten der Mehrheit an.

Das letzte Mal Drogen nehmen – Ein Neuanfang

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Das war’s. Es reicht. Aus. Ich mach das nicht wieder, ich mag nicht mehr, das war definitiv das letzte High. Das letzte Bier, der letzte Joint, die letzte Zigarette, die letzte Nase Speed, die letzte Linie Meth, die letzte Ecstasy-Pille, der letzte LSD-, Psilocybin-Trip oder die letzte Tasse Kaffee. Vielleicht auch die letzte Begegnung mit all diesen Substanzen. Was muss geschehen, damit jemand eine solche Abschiedserklärung verfasst? Und welche Voraussetzungen braucht es, um den endgültigen Abschied auch wirklich durchzuziehen?

Warum es Sinn macht aufzuhören

Das letzte Mal kann die Folge von großem Glück oder großem Unglück sein – einer Begegnung mit einem besonderen Menschen, eines schweren Unfalls, bei dem man selbst oder andere zu Schaden gekommen sind, eines lebensverändernden Ereignisses oder eines langwierigen, ermüdenden Kampfes mit sich selbst. Manchmal verändern sich auch schlicht die Interessen, wenn man älter wird und sich das Leben verändert. Drogen können, wie vieles andere auch, in einer bestimmten Lebensphase eine wichtige Rolle spielen und in einer anderen diese Bedeutung verlieren. Man hat das High in vielen seiner Facetten zur Genüge ausgekostet. Es reicht. Punkt. Aus.

Lebensverändernde Situationen jeder Art können plötzlich oder allmählich eintreten. Eine Schwangerschaft zum Beispiel kann den Blick auf das Leben und das eigene Handeln und nicht zuletzt die Risikoeinschätzung radikal verändern.

Das letzte Mal ist nicht unvermeidlich oder in jedem Fall notwendig. Das letzte Mal ist keine moralische Notwendigkeit, keine zwingende Konsequenz; manche Menschen kiffen, trinken oder trippen bis ins hohe Alter und sind damit glücklich, zufrieden und gesund. Aber die Sache kann sich eben auch anders entwickeln, mit einer – oder allen – Drogen aufzuhören kann naheliegend oder notwendig sein; hilfreich oder nützlich für Beruf, Studium und Alltag.

Manchmal ist es auch eine verantwortliche Entscheidung, mit der Risiken für einen selbst oder geliebte Menschen minimiert oder Schäden vermieden werden. In manchen Fällen ist das letzte Mal allerdings bittere Notwendigkeit, purer Selbstschutz oder eben auch die letzte Abzweigung vor oder nach der Katastrophe.

Durchkommen und neu anfangen

Oft geht dem letzten Mal ein langwieriger Kampf voraus, eine Höllenfahrt zwischen Lust und Frust, getrieben von dem wiederholten verzweifelten Versuch, das eine, das große High noch einmal zu erleben – oft auch wider besseres Wissen. Oder dem Bemühen, Schmerz, Enttäuschung oder Angst zu betäuben und besser ertragen zu können, eine belastende Erinnerung zum Schweigen zu bringen oder einen Verlust zu überwinden. Solche Prozesse können Jahre oder Jahrzehnte dauern; ein Kampf, der nicht selten von körperlicher Abhängigkeit begleitet wird, die auch die schillerndsten Highs allmählich in grottenfinstere Downs verwandelt.

In solchen Fällen ist das letzte Mal fast unvermeidlich. Das Ringen darum, der Kampf gegen die Sucht, hat alle Züge eines Dramas: gute Absichten, böse – meist innere – Widersacher, dramatische Ereignisse, extreme Gefühle, Menschen, die sich abwenden, andere, die ihre Hilfe anbieten oder aufzwingen wollen.

Der Begriff Sucht stammt sprachwissenschaftlich nicht von suchen, sondern von siechen, also von krank sein. Aber natürlich spielt das Suchen nach Glück, Identität, Heimat, Freiheit und die Sehnsucht nach der Verringerung des Leidens oder der Schmerzen dabei eine entscheidende Rolle.

Die Höllenfahrt in die Sucht kann man durch kluge und bewusste Entscheidungen vermeiden. Dazu braucht es allerdings eine realistische Vorstellung davon, wie ein glückliches Leben, eine Zukunft aussehen kann und soll, und die Bereitschaft, hin und wieder über den Tellerrand des Hier und Jetzt hinauszusehen. Der Wunsch nach dem letzten Mal kann entstehen, wenn die Highs schal geworden sind und uns mehr wegnehmen, als sie uns geben; wenn ihre Gleichförmigkeit langweilt, sie uns zu viel Kraft kosten, uns aufhalten und im Weg stehen.

Im Zusammenhang mit Drogengebrauch können neben der Endstation Sucht auch zahlreiche Unfälle geschehen, manche mehr, andere weniger dramatisch. Das eine ist mehr, das andere weniger wahrscheinlich, natürlich. Das Unfallrisiko kann man durch Sorgfalt, Planung und Wissen minimieren, aber leider nicht völlig ausschließen.

Über den Konsum hinauswachsen

Ganz nebenbei geschieht auf dem langen Weg zum letzten Mal etwas sehr Banales, aber doch Entscheidendes: Man wird älter. Das hat unterschiedliche Konsequenzen – andere sehen einen mit neuen Augen, sie siezen einen und erwarten, dass man Verantwortung für das eigene Leben übernimmt. Auch der eigene Körper verändert sich. In der Regel schwindet auch die Risikolust, wenn man älter wird. Manche entwickeln das Bedürfnis nach einer dauerhaften Partnerschaft, einem eigenen Nest und geregelten Tagesabläufen und Strukturen. Sicher, das ist nicht bei jeder, nicht bei jedem so. Aber es geschieht doch relativ häufig. Das bedeutet nicht unbedingt einen vollständigen Abschied vom Substanzkonsum, aber meist führt es dazu, dass sich der Gebrauch verändert – die Häufigkeit, die Menge, die Gelegenheiten.

Aber auch wenn der Entschluss aufzuhören feststeht, gibt es meist nicht nur ein letztes Mal, sondern einige letzte Male: Rückfälle sind, vor allem für jemanden, der süchtig ist, auf diesem Weg die Regel, nicht die Ausnahme. Viele Menschen erleben solche Rückschläge und Motivationstiefs – sie zweifeln an ihrer Entscheidung, fühlen sich nicht imstande, sie umzusetzen, oder haben dem Craving noch nichts entgegenzusetzen. Meist ereignet sich der Rückfall in den ersten drei bis vier Monaten nach dem vermeintlich letzten Mal. Rückfälle bedeuten nicht, dass alle Bemühungen, endlich aufzuhören, scheitern. Wie die Suchtentwicklung ist auch der Ausstieg aus der Sucht ein manchmal langwieriger Prozess, ein Rückfall kann Teil davon sein. Für ein wirklich letztes Mal müssen eben die richtigen inneren und äußeren Bedingungen zusammenkommen. Und das braucht manchmal Zeit und häufig auch Unterstützung.

Es gibt bei allen bekannten Substanzen die Möglichkeit des Selbstentzugs – das bedeutet, dass es manchen Abhängigen unter mehr oder weniger großen Mühen ohne professionelle Hilfe gelingt, mit den Drogen aufzuhören. Aber je nach Substanz und Grad der körperlichen Abhängigkeit kann ein sogenannter »kalter Entzug«, also ohne medizinische Unterstützung, lebensgefährlich sein. Und alleine, ohne Unterstützung, schafft ein Süchtiger den Ausstieg häufig nicht. Neben professionellen Therapeuten können auch Freunde, der Partner oder die Partnerin und die Familie Unterstützung geben.

Selbst wenn der vollständige Ausstieg zunächst nicht funktioniert, ist weniger zu nehmen schon ein Erfolg. Klar, für einen Süchtigen ist es ideal, wenn es ihm gelingt, auf seine Droge komplett zu verzichten. Aber weniger zu konsumieren ist auf jeden Fall eine Verbesserung. Immer.

Viele Mediziner behaupten, wer einmal abhängig war, der bleibe ein Leben lang gefährdet. Das ist nicht nur der veraltete, spaßbefreite Versuch, Menschen zu schocken und vom Drogengebrauch abzuschrecken. Die moderne Hirnforschung gibt Hinweise darauf, dass für ehemals Süchtige auch nach längerer Abstinenz die Gefahr, neue oder alte Abhängigkeiten zu entwickeln, höher ist. Neurowissenschaftliche Experimente zeigen, dass Gehirne von Menschen, die früher exzessiv konsumiert haben, noch viele Jahre später stärkere Reaktionen auf Substanzen aufweisen als die einer normalen Vergleichsgruppe. Aber nicht alle ehemaligen Abhängigen teilen diese Haltung. Für manche ist es im Gegenteil auch wichtig, sich nicht auf diesen Teil ihres Lebens zu reduzieren und darin gefangen zu bleiben, sondern ein neues Bild von sich selbst zu entwickeln, in dem die Sucht nicht das bestimmende Element ist.

Eine Beschäftigung mit dem letzten Mal ist aber nicht nur für Menschen von Bedeutung, die schlechte Erfahrungen mit Drogen gemacht haben, sondern auch ein interessantes Gedankenspiel für alle.

Mein letztes Mal

  1. Welche Rolle spielen Alkohol, Cannabis und Co. heute in eurem Leben? Hat sich euer Leben durch die Substanzen verändert? Wenn ja, in welcher Weise, zum Negativen oder Positiven?
  2. Habt ihr eine Vorstellung davon, wie lange ihr mit diesen Highs leben möchtet? Zwei Monate, zwei Jahre oder ein ganzes Leben? Falls ihr eine sehr schädliche Substanz konsumiert: Wie viele Jahre eures Lebens seid ihr bereit herzugeben?
  3. Fragt euch, was geschehen müsste, damit die Highs, die ihr mit Substanzen erlebt, unwichtig und nebensächlich erscheinen.
  4. Stellt euch vor, ihr wäret 99 Jahre alt und hättet ein aufregendes, glückliches und erfülltes Leben gelebt. Welches Ereignis und welche Umstände hätten euch zum Entschluss bringen können, eine bestimmte Substanz zum letzten Mal zu nehmen?

Das Ungewisse überwunden – Das zweite Mal Drogen nehmen entscheidet die Richtung

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Wie gehen wir mit Drogenkonsum um?

Jetzt wird es ernst: Es geht darum herauszufinden, welche Droge, welches High zu einem passt – schließlich möchten wohl die wenigsten ihre Persönlichkeit so verändern, dass sie zur Droge passt. Das zweite High steht für Sehnsucht nach Wiederholung, für Ankommen, Genießen, vielleicht auch für eine Bestätigung des Selbstbilds und Wiedersehensfreude, aber es kann auch für Unbelehrbarkeit, Dummheit, Manipulierbarkeit und Gedankenlosigkeit stehen. Beim zweiten Mal werden die ersten Weichen für den weiteren Drogengebrauch gestellt, es ist oft der Beginn einer Kette von zahlreichen Wiederholungen und bestimmt, wie diese weiteren Male aussehen werden. Beim zweiten Mal entscheidet sich, ob das Drogennehmen zur gewohnheitsmäßigen, gedankenlosen Routine wird oder ob jedem weiteren Mal eine bewusste Entscheidung vorausgeht, die das High zu etwas Besonderem macht.

Gewohnheiten sind so eine Sache. Oft begleiten sie uns über lange Strecken unseres Lebens, im Guten wie im Schlechten. Sie können hilfreich sein und unser Leben erleichtern, sie können uns Halt geben und Teil unserer Identität sein. Aber sie können auch Ausdruck unserer Faulheit, Angst oder Beschränktheit sein und uns daran hindern, weiterzugehen, zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Häufig sind Gewohnheiten, die eine Zeitlang gut und hilfreich waren, irgendwann überholt und passen nicht mehr in eine neue Lebenssituation.

Gerade im Umgang mit Highs ist es wichtig, seine Gewohnheiten zu kennen und immer wieder zu überprüfen. Das zweite Mal kann die Basis dafür legen, denn beim zweiten Mal kann man all die Entscheidungen bewusst treffen, die beim ersten Mal noch eher theoretisch oder impulsiv waren.

Das zweite Mal eignet sich für die ersten Experimente und weiterführende Entscheidungen. Man kann dieselbe Droge noch einmal nehmen und überprüfen, ob sie wieder ähnlich wirkt. Oder ob sich die Wirkung verändert, wenn man die Dosis oder auch die Situation verändert, an einem anderen Ort mit anderen Freunden oder vielleicht alleine konsumiert. Das zweite Mal kann auch der Moment sein, sich gegen die Droge und gegen dieses zweite Mal zu entscheiden.

Das ist die bewusste Seite des zweiten Mal. Aber wir alle treffen unsere Entscheidungen nicht immer nur frei oder bewusst. Es gibt einen Schatten, der auf jedem von uns, auf all unseren Entscheidungen liegt – unsere Biologie, das bedeutet: unsere Gene und eben unsere unbewussten Gewohnheiten.

Routinen, Rituale und Rhythmus

Gewohnheiten haben viel mit Zeit zu tun. Es braucht Zeit, bis sie sich herausbilden, es braucht Zeit, sie zu verändern. Aber es braucht vor allem auch Zeit, bis einem die Wirkung von Alkohol, Tabak oder Cannabis vertraut ist. Bis man in der Lage ist, sich durch Drogengebrauch und Rausch zu navigieren, weil man weiß, wie man selbst unter dem Einfluss der Substanz funktioniert. Diese Zeit sollte man sich geben und es nicht überstürzen mit dem dritten, vierten oder fünften Mal. Die Sache mit der Zeit hat natürlich auch ihre Tücken – bei Tabak beispielsweise geschieht es häufig, dass man die Chance, seine Entscheidung zu korrigieren, verstreichen lässt. Weil in dem Moment, in dem man mit der Substanz vertraut ist, der Zug Richtung Nikotinsucht schon abgefahren ist. Aber grundsätzlich gilt: Experimentieren, ohne die Kontrolle zu verlieren und süchtig zu werden, ist durchaus möglich, wenn man überlegt an die Sache herangeht. Dabei ist es wichtig, sich selbst zu kennen und zu beobachten: Wie reagiere ich auf Alkohol oder Cannabis? Macht mir der Cannabis-Rausch Spaß, oder ängstigt er mich? Wie unangenehm ist mir das Kratzen im Hals?

Das alles führt zu der wichtigen Frage, wie wir grundsätzlich mit angenehmen Zuständen oder Tätigkeiten, die uns Spaß machen, umgehen. Die einen zelebrieren solche intensiven, aufregenden Erlebnisse als etwas Besonderes, Außergewöhnliches, das nicht alltäglich ist und es auch nicht sein soll, andere wollen es ständig wiederholen und so häufig wie möglich erleben. Das zweite High ist deshalb auch eine Übung in Selbstwahrnehmung: Wie funktioniert Gier, Verlangen oder Lust und Genuss bei mir? Und, auch das ist wichtig, wie ist das bei meinen Freunden oder in der Familie? Wir können auch durch Beobachten lernen: Muss man beispielsweise überhaupt Alkohol ausprobieren, wenn der große Bruder ständig besoffen und deshalb von der Schule geflogen ist? Oder reizt uns gerade das?

Das zweite Mal, der Moment, bevor die Routine einsetzt, ist der erste Wendepunkt, an dem wir entscheiden, wie es mit uns und den Drogen weitergeht. Ob sie unser Leben bereichern oder belasten. Ob wir den Rausch genießen, oder ob es geistlose, genussarme Wiederholung wird. Auch hier gilt: Abwechslung vermindert die Langeweile. Aber auch Rituale, also bewusst gewählte Abläufe und Strukturen, sind besser als stumpfe Gewohnheiten.

Bei den Highs bedeutet dieses Wiederholen einen Verlust an Spannung, neuen Impulsen und Neugier. Das Ergebnis ist dann: Langeweile, sinnentleerte Zeitverschwendung und ein gesteigertes Risiko, das eigene Gehirn auf Sucht zu trainieren. Immer wieder auf eine bestimmte Art oder in einer bestimmten Gruppe zu trinken oder zu kiffen, die einen langfristig doch eher fertigmacht, lähmt und nimmt einem Entwicklungschancen – warum sollte man das tun?

Wir denken, dass es wichtig ist, von Zeit zu Zeit Rauscherfahrungen zu machen. Dass muss nicht unbedingt mit Hilfe von Drogen geschehen, es gibt auch andere Wege, einen Rausch zu erleben – Sport, Sex, durchtanzte Nächte, sich verlieben, Musik machen, malen, in Computerspielwelten eintauchen, shoppen und vieles mehr. Sogar bei der Arbeit kann man in Rauschzustände geraten, beim Schreiben einer Hausarbeit etwa. Aber Drogen sind eben auch eine Möglichkeit dafür, eine effektive sogar. Wichtig ist, sich einen Spielraum für freie, unabhängige Entscheidungen zu bewahren.

Hier einige Hinweise, wie es gelingen kann, funktionierende Routinen zu entwickeln, die nicht einengen und Raum für neue Impulse lassen – die eigene Frequenz kann natürlich etwas höher oder auch etwas niedriger sein.

Tipps für den Umgang mit Rausch und Routine

  1. Beschränke Kiffen und Trinken auf einen klar definierten Zeitraum, zum Beispiel das Wochenende, niemals während der Schule oder der Arbeit. Wer selten konsumiert, gewinnt, wer häufig konsumiert, verliert.
  2. Trink ruhig alle paar Monate ein wenig über den Durst, um zu spüren, wo deine Grenzen liegen – das ist natürlich keine Aufforderung, dich abzuschießen!
  3. Verbringe einmal im Jahr einige Tage voller Ekstase und berauschter Lebendigkeit, zum Beispiel auf einem Festival – das geht auch ohne Drogen! –, und genieße danach wieder voller neuer Energie deinen Alltagsrhythmus.
  4. Verbringe einige Tage oder Wochen im Jahr in bewusster Nüchternheit und verzichte auf alle Stoffe, die deine Stimmung und dein Bewusstsein verändern. Nur so kannst du lernen, welche Bedeutung sie für dich haben.