Prävention

Communities That Care und Präventionskette: Zwei Wege zur integrierten kommunalen Prävention im wissenschaftlichen Vergleich

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Inhaltsverzeichnis
  1. Auf einen Blick: fünf Kernthesen
  2. Einleitung
  3. Begriffliche und theoretische Verortung
  4. Communities That Care (CTC)
  5. Die Präventionskette
  6. Vergleich entlang von neun Dimensionen
  7. Übertragbarkeit und Adaption
  8. Synthese: Komplementär statt konkurrierend
  9. Was eine Kommune morgen tun kann: eine Praxis-Box
  10. Limitationen und Forschungsbedarf
  11. Schlussfolgerungen
  12. Literaturverzeichnis

Auf einen Blick: fünf Kernthesen

  1. Verwandte Wurzeln, gleiches Ziel. Communities That Care (CTC) und Präventionskette stammen aus der gleichen sozialreformerischen Familie der gemeindebasierten Präventionsforschung; CTC entstand an der School of Social Work der University of Washington (Catalano & Hawkins, 1996; Fagan et al., 2019), die Präventionskette in der deutschen Sozialmedizin und Sozialarbeit (Holz, 2021; Richter-Kornweitz et al., 2023).
  2. CTC ist gut belegt, aber spezifisch wirksam. Die Community Youth Development Study zeigt eindeutige Effekte auf den verzögerten Erstkonsum von Substanzen und den Einstieg in Delinquenz, jedoch nicht durchgängig auf aktuelle Prävalenzen in der späten Adoleszenz (Hawkins et al., 2009, 2014). Internationale Replikationen sind gemischt: Australien stützt die Befunde (Toumbourou et al., 2019; Abimanyi-Ochom et al., 2024), die Niederlande nicht (Jonkman et al., 2015).
  3. Die Präventionskette ist konzeptionell reich, summativ schwach belegt. Die deutsche Tradition hat mit Lebenslagenansatz, Sozialraumorientierung, Salutogenese und Lebensweltansatz ein dichtes Begriffsnetz aufgebaut (Hartung, 2020; Holz, 2021), aber bisher keine kontrollierte Wirksamkeitsstudie auf Kohortenebene vorgelegt. Das Argument der „Komplexität" ist als Abwehrgrund nicht haltbar (McGill et al., 2020).
  4. In der deutschen Praxis rücken CTC und Präventionskette zusammen. Beide sind kommunale Steuerungssysteme, die ressortübergreifende Akteursnetzwerke an gemeinsamen Daten ausrichten (Walter et al., 2023). Die Grüne Liste Prävention (Brender et al., 2024) ist beiden Ansätzen zugänglich.
  5. Hybride Wege sind anschlussfähig – und politisch bereits angelegt. Frühe Hilfen, Präventionsgesetz 2015 und „Kein Kind zurücklassen!"/Kommunale Präventionsketten NRW liefern den Rahmen, in dem datenbasierte Steuerung à la CTC und lebenslauforientierte Präventionsketten zusammenwachsen können (Gehne & Schräpler, 2020; Petermann et al., 2019; Thyen, 2024).

Einleitung

Stellen Sie sich eine kreisangehörige Stadt mit 60 000 Einwohnern vor. Im Jugendhilfeausschuss diskutieren die Fraktionen über steigende Fallzahlen in der Erziehungsberatung, die Schule meldet zunehmende emotional-soziale Auffälligkeiten, das Gesundheitsamt sieht eine wachsende Lücke zwischen kinder- und jugendpsychiatrischen Bedarfen und Versorgungsangeboten, ein freier Träger fragt nach Anschlussfinanzierung für ein bewährtes Elternprogramm. Jeder Sektor sieht ein Stück des Problems, niemand das Ganze. Genau für solche Situationen wurden in den letzten dreißig Jahren in den USA und in Deutschland zwei integrierte kommunale Präventionsstrategien entwickelt – Communities That Care und die Präventionskette. Dieser Artikel fragt: Was unterscheidet sie, was verbindet sie, und was lässt sich aus ihrem Vergleich für die kommunale Praxis lernen?

Substanzkonsum, Delinquenz, psychische Belastungen und Bildungsabbrüche bei Kindern und Jugendlichen sind keine isolierten Probleme einzelner junger Menschen, sondern Ergebnisse vielfach verschränkter individueller, familiärer, schulischer und sozialräumlicher Bedingungen (Hoebel & Müters, 2024; Westenhöfer et al., 2021). Folgerichtig hat sich seit den 1990er Jahren international wie in Deutschland die Einsicht durchgesetzt, dass kommunale Prävention dann am ehesten wirkt, wenn sie nicht aus Einzelangeboten besteht, sondern als integrierte, ressortübergreifende und langfristig angelegte Gesamtstrategie organisiert wird (Hawkins et al., 2002; Richter-Kornweitz et al., 2023).

Im deutschsprachigen Diskurs koexistieren zwei Konzepte für eine solche integrierte kommunale Strategie: das ursprünglich US-amerikanische Communities That Care (CTC; Fagan et al., 2019; Hawkins et al., 2002) und die in Deutschland entwickelte Präventionskette (Holz, 2021; Richter-Kornweitz et al., 2023). Beide adressieren das gleiche normative Ziel – ein gesundes und gelingendes Aufwachsen für alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – und beide setzen auf strukturierte Vernetzung kommunaler Akteure. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich in theoretischer Fundierung, Vorgehen und insbesondere im Stand der empirischen Wirksamkeitsprüfung.

Der vorliegende Text aktualisiert und vertieft eine erste Version dieses Vergleichs, die 2024 als Magazinbeitrag der Finder Akademie erschien. Methodische Eckpunkte des Vorgehens sind im Anhang dokumentiert.


Begriffliche und theoretische Verortung

Was heißt „integrierte kommunale Prävention"?

Eine integrierte kommunale Präventionsstrategie lässt sich als koordinierter, mehrstufiger und langfristig verankerter Ansatz auf Gemeindeebene definieren, der

  • mehrere Sektoren (Verwaltung, Jugendhilfe, Schule, Gesundheit, Polizei, Stadtplanung) systematisch verbindet,
  • mehrere Ebenen anspricht (Individuum, Familie, Lebenswelt bzw. Setting, Sozialraum),
  • über den Lebenslauf hinweg Unterstützungs-, Förder- und Schutzangebote koordiniert,
  • universelle und zielgruppenspezifische Maßnahmen kombiniert,
  • und kontinuierlich an lokale Bedarfe und Strukturen angepasst wird (Hartung, 2020; Holz, 2021; Richter-Kornweitz et al., 2023).

Sowohl CTC als auch die Präventionskette teilen dieses normative Grundverständnis. Die Differenz beginnt jedoch dort, wo zu klären ist, welches Wissen die Strategie steuern soll.

Verwandte Traditionen, unterschiedliche methodische Reife

Wer CTC und Präventionskette gegenüberstellt, vergleicht nicht zwei wesensfremde Welten, sondern zwei Zweige derselben Idee: dass Gesundheit und gelingendes Aufwachsen gesellschaftlich hergestellt werden und dass die öffentliche Hand dafür Verantwortung trägt. Diese Idee hat in beiden Ländern eine lange, bemerkenswert parallele Geschichte.

Zwei Wurzeln, ein Reformgedanke. In Deutschland forderten schon Mitte des 19. Jahrhunderts Salomon Neumann und Rudolf Virchow eine Sozialmedizin, die gesundheitliche Ungleichheit empirisch sichtbar macht und politisch beantwortet (vgl. Dragano, 2022). Diese Linie zieht sich über die Sozialhygiene der Weimarer Republik bis in die heutige soziallagenbezogene Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts; Thomas Lampert hat sie in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer „genaue[n] Kartographie der sozialen Determinanten der Gesundheit in Deutschland nach der Jahrtausendwende" verdichtet (Dragano, 2022). Aktuelle Auswertungen bestätigen den ausgeprägten sozialen Gradienten der Kindergesundheit (Hoebel & Müters, 2024). In dieser Tradition steht auch die Präventionskette: ein kommunalpolitisches Antwortmodell auf eine empirisch gut belegte Ungleichheit (Holz, 2021). Auf der anderen Seite des Atlantiks entwickelte sich aus der bevölkerungsmedizinischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts (Lemuel Shattuck, John Snow) und der nach 1945 etablierten Sozialepidemiologie ab den 1980er Jahren die Prevention Science. Catalano und Hawkins (1996) verbanden Kontroll-, Lern- und Assoziationstheorien zu einem Risiko-Schutz-Modell adoleszenten Problemverhaltens und übersetzten es in ein kommunales Steuerungssystem – CTC (Hawkins et al., 2002).

Geistige und disziplinäre Verwandtschaft. Beide Traditionen teilen drei Grundüberzeugungen: Gesundheitliche und biografische Chancen sind sozial verteilt; diese Verteilung ist nicht naturgegeben, sondern beeinflussbar; kommunale Strukturen sind ein zentraler Hebel. Anders als das Etikett „Prevention Science" suggeriert, ist CTC zudem disziplinär kein epidemiologisches Spezialprodukt, sondern entstand an der School of Social Work der University of Washington und ist damit unmittelbar in der US-amerikanischen Sozialarbeitsforschung verankert (Catalano & Hawkins, 1996; Fagan et al., 2019). Beide Ansätze sind Mitglieder derselben internationalen Familie kommunaler, sozialarbeitsbasierter Präventionsforschung.

Die methodische Differenz. Geteilt wird das Ziel, nicht der Reifegrad der Wirksamkeitsprüfung. Die US-Tradition hat einen klaren Vorsprung, weil sie ihre Hypothesen tatsächlich getestet hat: Die Community Youth Development Study mit 24 randomisierten Kommunen, einer 92,5 % über acht Jahre gehaltenen Kohorte und replizierten Vermittlungsanalysen (Hawkins et al., 2009, 2012, 2014; Brown et al., 2013) ist eine Leistung, der auf deutscher Seite bislang nichts Vergleichbares gegenübersteht. Das ist kein Ausdruck kultureller Überlegenheit, sondern Folge konsequenter methodischer Investition. Die deutsche Präventionskette muss ihre konzeptionelle Eigenständigkeit nicht aufgeben, um daraus zu lernen. Sie sollte experimentelle Wirksamkeitsforschung als legitimen und letztlich notwendigen Bestandteil ihres eigenen Selbstverständnisses anerkennen. Umgekehrt ist die deutsche Tradition mit Lebenslagenansatz, Sozialraumorientierung und Lebensweltlogik für die US-Forschung anschlussfähig: Sie liefert die Sprache, in der sich Wirksamkeit auf vielfältige Lebenswirklichkeiten übersetzen lässt.

Theoretische Anker im Vergleich

Social Development Model und Social Development Strategy (CTC)

CTC ruht auf zwei aufeinander bezogenen Modellen:

  • Das Social Development Model (SDM) von Catalano und Hawkins (1996) integriert Kontrolltheorie, soziale Lerntheorie und Theorie differentieller Assoziation zu einem entwicklungspsychologischen Erklärungsmodell. Kernannahme: Prosoziales Verhalten entwickelt sich, wenn junge Menschen in Familie, Schule und Gemeinwesen Gelegenheiten zu sinnvoller Beteiligung erhalten, Fähigkeiten zu deren Wahrnehmung erwerben und für ihre Beteiligung Anerkennung erfahren. Aus dieser Trias entsteht Bindung an prosoziale Bezugspersonen und Institutionen, was wiederum Übernahme prosozialer Normen begünstigt. Dieselbe Mechanik kann jedoch in problembehafteten Kontexten antisoziale Bindung und Normübernahme erzeugen.
  • Die Social Development Strategy (SDS) ist die explizite Anwendungsstrategie des SDM für Praktiker und Steuerungsgremien. Sie übersetzt das Modell in eine Handlungsanleitung: Schaffe in jedem Lebensbereich Gelegenheiten für prosoziale Beteiligung, vermittle die nötigen Fähigkeiten, gib zeitnahe und faire Anerkennung und stütze dies durch klare, gesundheitsförderliche Erwartungen und tragfähige Beziehungen (vgl. Hawkins et al., 2002; Fagan et al., 2019). Die SDS ist damit das Bindeglied zwischen abstraktem Modell und konkreter Begleitung kommunaler Bündnisse.

Salutogenese, soziale Determinanten und Lebenslagenansatz (Präventionskette)

Die Präventionskette ist nicht aus einer einzelnen Theorie abgeleitet, sondern integriert mehrere Bezugsrahmen (Hartung, 2020; Holz, 2021; Richter-Kornweitz et al., 2023):

  • Salutogenese nach Antonovsky (1979, biographisch eingeordnet bei Sagy, 2016) verschiebt den Blick vom Krankheits- zum Gesundheitsentstehungsprozess und betont das Kohärenzgefühl (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit) als zentrale Gesundheitsressource.
  • Soziale Determinanten von Gesundheit im Sinne von Dahlgren und Whitehead (1991) sowie Marmot und Wilkinson (2006) verweisen auf die Schichtung gesundheitlicher Chancen entlang von Einkommen, Bildung, Wohn- und Arbeitsbedingungen – mit umfangreicher empirischer Bestätigung auch für Deutschland (Hoebel & Müters, 2024).
  • Der Lebenslagenansatz (Klocke & Hurrelmann, 1998) beschreibt soziale Situationen mehrdimensional (materiell, kulturell, sozial, gesundheitlich, partizipativ) und bildet die Grundlage der bundesdeutschen Kinderarmutsforschung, an die die Präventionskette unmittelbar anschließt (Holz, 2021).
  • Hinzu kommt der Settingansatz der WHO und die Lebensweltorientierung der Sozialen Arbeit als handlungsleitende Prinzipien.

Diese theoretische Polyphonie ist konzeptionelle Stärke und methodische Schwäche zugleich: Sie erlaubt anschlussfähige Übersetzung in unterschiedliche kommunale Kontexte, erschwert aber eine geschlossene Wirkungstheorie und damit auch deren Prüfung.

Eine Bemerkung zur Komplexität

In der deutschen Diskussion über kommunale Präventionsstrategien wird gelegentlich argumentiert, komplexe Mehrebenen-Interventionen ließen sich grundsätzlich nicht mit kontrollierten Studiendesigns evaluieren. Diese Position verdient eine sachliche Antwort. Erstens: Genau eine vergleichbar komplexe Intervention – eine kommunale, mehrjährige, ressort- und akteursübergreifende Strategie – wurde in der CYDS mit einem gemeinde-randomisierten Design, einer Längsschnittkohorte und replizierten Vermittlungsanalysen ausgewertet (Hawkins et al., 2009, 2014). Zweitens: Die internationale Methodenliteratur hat in den vergangenen 20 Jahren eine ganze Klasse von Verfahren entwickelt, mit denen sich komplexe öffentliche Gesundheitsinterventionen evaluieren lassen – vom MRC-Rahmen für komplexe Interventionen über realistische Evaluation bis zu systemischen Prozessevaluationen mit qualitativen Methoden (McGill et al., 2020). Komplexität ist also kein methodologisches Schicksal, sondern eine Anforderung an Studiendesign und Mittelausstattung. Wo das Argument der Unevaluierbarkeit zur grundsätzlichen Position wird, dient es weniger der wissenschaftlichen Erkenntnis als dem Schutz vor empirischer Prüfung. Eine selbstbewusste Präventionsketten-Tradition kann sich diese Schutzbehauptung sparen.


Communities That Care (CTC)

Entstehung und Verbreitung

CTC wurde Ende der 1980er Jahre von J. David Hawkins und Richard F. Catalano am Social Development Research Group der University of Washington (Seattle) entwickelt; die Forschungsgruppe ist an der dortigen School of Social Work angesiedelt und damit disziplinär ein Spross der amerikanischen Sozialarbeitsforschung (Hawkins et al., 2002). In den USA wurde CTC Mitte der 1990er Jahre durch das Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention (OJJDP) flächig ausgerollt; bis Anfang der 2000er Jahre arbeiteten mehrere Hundert US‑Kommunen mit dem System (Hawkins et al., 2002).

Internationale Adaptionen folgten zügig: In den Niederlanden wurde CTC Ende der 1990er Jahre durch Josine Junger‑Tas eingeführt und in einer quasi‑experimentellen Studie in fünf Quartieren evaluiert (Steketee et al., 2013). In Australien wird CTC seit 2001 in Victoria umgesetzt; eine Längsschnittauswertung über vier Koalitionen in fünf Modellkommunen zeigte gegenüber 104 Vergleichskommunen deutlichere Rückgänge des lebenslangen Konsums von Alkohol, Tabak und Cannabis sowie antisozialen Verhaltens bei Jugendlichen (Toumbourou et al., 2019); spätere Auswertungen dokumentieren Effekte auf Jugendkriminalität (Rowland et al., 2022) und auf unfallbedingte Klinikaufenthalte bei Kindern und Jugendlichen (Berecki-Gisolf et al., 2020) sowie eine Kosten‑Nutzen‑Bilanz von rund AUD 2,60 Rückfluss pro investiertem Dollar (Abimanyi-Ochom et al., 2024). Adaptionen liegen darüber hinaus für Großbritannien, Kanada, Kroatien und Kolumbien vor (Fagan et al., 2019).

In Deutschland wird CTC seit 2009 federführend vom Landespräventionsrat Niedersachsen begleitet (zur ausführlichen Implementierung siehe Abschnitt „Implementierung in Deutschland").

Vorgehen

In der aktuellen deutschen Adaption (Groeger-Roth, 2025) gliedert sich der CTC-Zyklus in fünf Phasen (in der ursprünglichen US-Version teilweise in sechs Schritte differenziert):

  1. Bereitschaft herstellen. Politischer Beschluss fassen, Schlüsselpersonen einbinden, kommunale Verantwortlichkeit klären.
  2. Bündnis aufbauen. Lenkungsgruppe und thematische Arbeitsgruppen aus Verwaltung, Jugendhilfe, Schule, Gesundheit, Polizei und Zivilgesellschaft etablieren.
  3. Risiko- und Schutzfaktorenprofil erstellen. Datengestützte Bedarfsermittlung, zentral durch die CTC-Schülerbefragung mit geprüften Skalen zu Risiko- und Schutzfaktoren in den Lebensbereichen Gemeinde, Schule, Familie sowie Gleichaltrige und Person (Soellner et al., 2018, 2023).
  4. Aktionsplan entwickeln. Priorisierung weniger zentraler Risiko- und Schutzfaktoren, Auswahl wirkungsgeprüfter Programme – in Deutschland über die Grüne Liste Prävention des Landespräventionsrates Niedersachsen (Bremer et al., 2024; siehe Abschnitt „Implementierung in Deutschland").
  5. Umsetzen und auswerten. Programme mit Treuekontrolle einführen, Schülerbefragung regelmäßig wiederholen, Plan im Zwei- bis Fünf-Jahres-Zyklus anpassen.

Charakteristisch ist die enge Verzahnung von Datenerhebung, Programmauswahl und Evaluation in einem geschlossenen Steuerungskreislauf.

Evidenzlage: Die Community Youth Development Study

CTC ist eines der am besten untersuchten kommunalen Präventionssysteme weltweit. Die zentrale Evidenz stammt aus der Community Youth Development Study (CYDS), einer gemeinde-randomisierten Studie in 24 Kleinstädten in sieben US-Bundesstaaten (Colorado, Illinois, Kansas, Maine, Oregon, Utah, Washington). Innerhalb der Bundesstaaten wurden die Kommunen paarweise zugeordnet und per Losverfahren der Interventions- oder Kontrollbedingung zugewiesen (Hawkins et al., 2009, 2012). Eine Längsschnittkohorte von 4 407 Fünftklässlern wurde von 2004 bis 2011 jährlich befragt; die Stichprobenbindung lag bis Klasse 12 bei 92,5 % (Hawkins et al., 2014).

Die wichtigsten Befunde lassen sich differenziert berichten:

  • Frühphase (bis Klasse 8): Bereits in den Klassen 5 bis 7 zeigten sich Effekte auf Zielrisikofaktoren und auf den Einstieg in delinquentes Verhalten (Hawkins et al., 2008). Inzidenz des Erstkonsums von Alkohol, Zigaretten, rauchlosem Tabak sowie der Einstieg in delinquentes Verhalten waren in CTC-Gemeinden signifikant niedriger als in Kontrollgemeinden. Auch 30-Tage-Prävalenzen einzelner Substanzen und delinquentes Verhalten im letzten Jahr waren in Klasse 8 reduziert (Hawkins et al., 2009).
  • Mittlere Phase (bis Klasse 10, ein Jahr nach Studienende): Zielrisikofaktoren stiegen in CTC-Gemeinden langsamer an als in Kontrollgemeinden, blieben in Klasse 10 signifikant niedriger; aktuelle Zigarettenprävalenz und Vorjahresdelinquenz/-gewalt waren reduziert (Hawkins et al., 2012).
  • Späte Adoleszenz (Klasse 12, drei Jahre nach Studienende): Die Befunde verschoben sich. Schüler in CTC-Gemeinden waren signifikant häufiger lebenslang abstinent: jegliche Drogen RR = 1,32 (95 % KI [1,06; 1,63]); Alkohol RR = 1,31 [1,09; 1,58]; Zigaretten RR = 1,13 [1,01; 1,27]; Delinquenz RR = 1,18 [1,03; 1,26]; und seltener je gewalttätig (RR = 0,86 [0,76; 0,98]). Bei den Vorjahres- und Vor-Monats-Prävalenzen aktuellen Konsums oder Verhaltens fanden sich dagegen keine bedeutsamen Unterschiede mehr (Hawkins et al., 2014). CTC verschiebt also den Einstieg dauerhaft, gleicht aber nicht zwangsläufig das Niveau in der späten Adoleszenz aus.

Weitere Befunde aus der CYDS:

  • Wirkmechanismus. Die Gemeindeeffekte werden vollständig durch die Übernahme eines wissenschaftsgestützten Präventionsansatzes vermittelt (Brown et al., 2013), eine empirische Stützung der hinterlegten Wirkungslogik.
  • Langfristige Systemtransformation. Auch 4,5 Jahre nach Implementierungsbeginn berichteten kommunale Schlüsselakteure in CTC-Gemeinden eine signifikant höhere Adoption des wissenschaftsbasierten Ansatzes als in Kontrollgemeinden (Brown et al., 2011); 6 Jahre nach Beginn waren die kommunalen Normen gegen jugendlichen Substanzgebrauch dauerhaft stärker geprägt (Rhew et al., 2013).
  • Geschlechtsdifferenzielle Effekte. Im Alter von 19 Jahren zeigten sich Lebenszeit-Effekte deutlicher bei jungen Männern, weniger bei jungen Frauen (Oesterle et al., 2015).
  • Schutzfaktoren. Effekte auf Schutzfaktoren waren in Klasse 8 in den Lebensbereichen Gemeinde, Schule und Gleichaltrige bzw. Person nachweisbar, im Familienbereich nicht (Kim et al., 2014). In Klasse 10 – ein Jahr nach Studienende – waren übergreifende Effekte über alle Bereiche nicht mehr durchgängig sichtbar; differenzielle Effekte nach Geschlecht und Ausgangsrisiko blieben bestehen (Kim et al., 2015).
  • Dauerhaftigkeit der Strukturen. Zwanzig Monate nach Studienende existierten 11 von 12 CTC-Bündnissen weiter und erfüllten deutlich mehr Verfahrensanforderungen als die Kontrollbündnisse (Gloppen et al., 2012). Auch eineinhalb Jahre nach Auslaufen der Studienförderung war die Adoption eines wissenschaftsgestützten Präventionsansatzes in CTC-Gemeinden signifikant höher als in den Kontrollgemeinden (Rhew et al., 2013).
  • Langfristökonomie und neue Endpunkte. Eine Kosten-Nutzen-Analyse im Alter von 23 Jahren wurde 2021 vorgelegt (Kuklinski et al., 2021); eine 2023 publizierte Auswertung dokumentierte zudem einen Effekt auf das Mitführen von Handfeuerwaffen im Jugendalter (Rowhani-Rahbar et al., 2023).

Zusammenfassung der Evidenzlage. CTC erfüllt höchste Standards der Präventionsforschung: gemeinde-randomisierte Studie, lange Beobachtungsdauer, hohe Stichprobenbindung, geprüfte Skalen, replizierte Vermittlungsanalysen. Die Wirkung ist jedoch spezifisch: stark auf den verzögerten oder verhinderten Erstkonsum von Substanzen und den Einstieg in Delinquenz, weniger eindeutig auf aktuelle Prävalenzen in der späten Adoleszenz, und nur in einzelnen Lebensbereichen auf Schutzfaktoren. Auch die Übertragbarkeit ist durch den Untersuchungskontext begrenzt: US-Kleinstädte mit höchstens 50 000 Einwohnern, ländliche und vorstädtische Strukturen. Aussagen über die Wirksamkeit in deutschen Großstädten lassen sich aus der CYDS nicht unmittelbar ableiten.

Internationale Replikation: ein gemischtes Bild. Die Evidenz aus den Adaptionsländern stützt diese kontextsensible Lesart. In Australien ließen sich auf Trendebene robuste Verbesserungen nachweisen (Toumbourou et al., 2019; Rowland et al., 2022; Abimanyi-Ochom et al., 2024). In der niederländischen Outcome-Studie hingegen, quasi-experimentell in fünf Quartieren angelegt, ließen sich die in den USA gemessenen Effekte auf jugendliches Problemverhalten nicht replizieren; die Autoren führen dies vor allem auf Designgrenzen zurück (Jonkman et al., 2015), während die deutlich kleinere niederländische Liste damals geprüfter und im Land verfügbarer Programme als zusätzliche Restriktion der Implementation beschrieben wird (Steketee et al., 2013). Auf der Ebene der Risiko- und Schutzfaktoren zeigte sich dagegen, dass dieselben Wirkfaktoren in beiden Ländern jugendliches Problemverhalten vorhersagen (Oesterle et al., 2012). Damit ist die Diagnoselogik übertragbar; die Wirksamkeit der konkreten Programmauswahl muss länderspezifisch nachgewiesen werden.

Implementierung in Deutschland

In Deutschland liegt der Schwerpunkt der CTC-Adaption in Niedersachsen. Nach einer Machbarkeitsstudie wird CTC dort seit 2013 vom Landespräventionsrat regelhaft implementiert; seit 2015 wurden in mehreren Wellen Schülerbefragungen durchgeführt (Soellner et al., 2016, 2018, 2023; Walter et al., 2023). Diese Befragungen erlauben kommunale Risiko- und Schutzfaktorenprofile mit derselben Skalenstruktur wie das US-Original und können von kommunalen Steuerungsgruppen für Priorisierung und Evaluation genutzt werden. Eine kompakte deutsche Verfahrensbeschreibung in fünf Phasen liegt mit Groeger-Roth (2025) inzwischen auch in einer Fachzeitschrift vor; Walter, Groeger-Roth und Röding (2023) haben im Bundesgesundheitsblatt eine ausführliche, peer-reviewed Darstellung des CTC-Systems für Deutschland publiziert. Die Kosteneffektivität wird derzeit in einer deutschen Replikationsstudie überprüft (Walter et al., 2023).

Die Grüne Liste Prävention: das deutsche Evidenzregister

Eine zentrale Voraussetzung für CTC in Deutschland ist die Grüne Liste Prävention – ein 2011 vom Landespräventionsrat Niedersachsen aufgebautes und gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover gepflegtes Online-Register evidenzbasierter Präventionsprogramme (www.gruene-liste-praevention.de; Bremer et al., 2024). Sie ist kostenlos, frei zugänglich und führt aktuell rund 102 Programme zur Förderung der psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, geordnet in drei Evidenzstufen (Brender et al., 2024). Die thematischen Schwerpunkte der gelisteten Programme sind Gewalt einschließlich Mobbing (63,7 %), Sucht (46,1 %) und psychische Gesundheit (35,3 %); Ernährung und Bewegung sind bisher unterrepräsentiert (4,9 %), werden aber gerade ausgebaut (Brender et al., 2024). Über 88 % der Programme erfüllen die Förderkriterien der gesetzlichen Krankenkassen nach § 20a SGB V (Brender et al., 2024); das Memorandum der BZgA zu evidenzbasierter Prävention führt die Grüne Liste als zentrale „Best-evidence"-Datenbank (Walter et al., 2023). Damit verbindet sie zwei deutsche Logiken: die kassenfinanzierte Setting-Prävention nach Präventionsgesetz und die kommunale Prävention im Sinne der Präventionskette.

Das Präventionsgesetz ist damit auch für CTC ein struktureller Anker, nicht nur für die Präventionskette. Weil die im CTC-Aktionsplan ausgewählten Programme zu mehr als 88 % die Förderkriterien nach § 20a SGB V erfüllen, erschließt der CTC-Zyklus den Kommunen denselben Finanzierungsweg über die gesetzlichen Krankenkassen, der in der Präventionsketten-Diskussion oft als spezifisches Merkmal des deutschen Ansatzes herausgestellt wird. Die Anschlussfähigkeit an Präventionsgesetz und Landesrahmenvereinbarungen gilt damit für beide Strategien gleichermaßen.

CTC ist mehr als die Summe seiner Programme. Die in der CYDS gemessenen Effekte stammen überwiegend aus der konkreten Umsetzung wirkungsgeprüfter Einzelmaßnahmen für 10- bis 14-Jährige (Hawkins et al., 2014). Daraus wird mitunter geschlossen, CTC sei im Kern eine schulbezogene Programmlogik. Diese Lesart greift zu kurz: CTC ist in seinem Selbstverständnis ein kommunales Koordinations- und Steuerungssystem (Fagan et al., 2019; Hawkins et al., 2002). Eisenberg und Raghavan (2024) bringen es in einer Garten-Analogie auf den Punkt: Einzelne Programme seien wie Saatgut, CTC dagegen wie der Boden, ohne den die Saat nicht aufgeht. In der deutschen Praxis wird CTC genau in diesem Sinn genutzt: Die Schülerbefragung liefert ein gemeinsames Lagebild, an dem Jugendhilfe, Schule, Gesundheitsamt, Polizei, freie Trägerschaft und kommunale Politik ihre jeweilige Arbeit ausrichten – über Ressortgrenzen hinweg, mit der gleichen Datenbasis und einem geteilten Sprachraum (Groeger-Roth, 2025; Soellner et al., 2023). Damit rückt CTC in der deutschen Umsetzung funktional sehr nahe an die Präventionskette heran: Beide bringen kommunale Akteursstrukturen zusammen, beide wollen Lücken in der Förderkette schließen, beide arbeiten mit Daten. Der Unterschied liegt weniger im Was als im Wie systematisch.

Belastbare deutsche Wirksamkeitsstudien im Sinne einer randomisierten kontrollierten Untersuchung liegen bislang nicht vor. Die deutsche Umsetzungsforschung dokumentiert Bereitschaft, Bündnisbildung und Datenrückmeldung, ist aber noch nicht in der Lage, ursächliche Aussagen über Effekte auf jugendliches Verhalten in deutschen Kontexten zu treffen.


Die Präventionskette

Entstehung im Kontext der deutschen Tradition

Die Präventionskette ist ein originär deutsches Konzept, das seit Mitte der 2000er Jahre vor allem aus drei Strängen gewachsen ist:

  1. der bundesdeutschen Kinderarmutsforschung, namentlich aus der AWO-ISS-Studie und dem Werk von Holz und Mitschke (2018);
  2. der kommunalen Sozialpolitik und insbesondere dem Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen!" (KeKiz), an dem sich ab 2012 zunächst 18 Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen beteiligten und das ab 2017 um 22 weitere Kommunen erweitert und in „Kommunale Präventionsketten Nordrhein-Westfalen" umbenannt wurde (Gehne & Schräpler, 2020; Schöttle et al., 2023);
  3. der wissensvermittelnden Arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit, die mit dem Werkbuch Präventionskette (Richter-Kornweitz & Utermark, 2013) einen praxisnahen Leitfaden vorlegten.

Die Präventionskette setzt damit unmittelbar an der lebensweltorientierten und sozialraumorientierten Tradition der deutschen Sozialen Arbeit an (vgl. Hartung, 2020).

Drei strukturelle Anker

Erstens das Präventionsgesetz von 2015 (Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention; §§ 20ff. SGB V). Es verpflichtet die gesetzlichen Krankenkassen, in Lebenswelten – Kommune, Schule, Kita, Hochschule, Betrieb – partizipativ und ressourcenorientiert tätig zu werden, mit dem ausdrücklichen Ziel der Verminderung sozial und geschlechtsbedingt ungleicher Gesundheitschancen (Rosenbrock & Geene, 2023). Die Umsetzung erfolgt über Landesrahmenvereinbarungen, die jedoch von Bundesland zu Bundesland in Verbindlichkeit und Konkretion unterschiedlich ausfallen (Böhm & Klinnert, 2018). Aus dieser Logik heraus hat das GKV-Bündnis für Gesundheit die Datenbank „Wissen für gesunde Lebenswelten" entwickelt, die systematische Übersichtsarbeiten für die kommunale Praxis bereitstellt (Alayli et al., 2021).

Zweitens die Frühen Hilfen. Das ab 2006/2007 vom Bundesministerium initiierte Aktionsprogramm wurde 2012 mit dem Bundeskinderschutzgesetz und ab 2018 dauerhaft über die Bundesstiftung Frühe Hilfen verankert (Thyen, 2024; Weigl & Haas, 2024). Frühe Hilfen richten sich an Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr, insbesondere in psychosozial belasteten Lebenslagen. Sie verbinden Gesundheits- und Jugendhilfesektor und werden – in der Lesart von Paul (2023) – als „Blaupause für die Umsetzung des Health-in-all-Policies-Ansatzes und die Überwindung des Präventionsdilemmas" verstanden. Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in gemeinsamer Trägerschaft von BZgA und Deutschem Jugendinstitut (DJI) sorgt für fachlich-wissenschaftliche Begleitung; das ZuFa-Monitoring liefert Daten zur intersektoralen Kooperation (Renner et al., 2018). Die Frühen Hilfen sind häufig der erste Baustein einer kommunalen Präventionskette und mit ihr inhaltlich eng verzahnt (Thyen & Simon, 2020).

Drittens die freie Wohlfahrtspflege. Ohne Caritas, Diakonie, AWO, Paritätischen Wohlfahrtsverband, DRK und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland läuft in der deutschen Realität keine Präventionskette. Diese sechs Spitzenverbände beschäftigten 2018 zusammen rund zwei Millionen Menschen, allein Diakonie und Caritas jeweils mehr als eine halbe Million; rund 400 000 davon arbeiten in der Kinder- und Jugendhilfe (Rauschenbach et al., 2021). Im Subsidiaritätsprinzip des SGB VIII steht die freie Wohlfahrtspflege gleichberechtigt neben den öffentlichen Trägern und übernimmt einen Großteil der konkreten Leistungserbringung in Kindertagesbetreuung, Jugendhilfe und Familienunterstützung. Eine Präventionskette in Deutschland zu konzipieren, ohne die freien Träger als gleichberechtigte Mitgestalter zu denken, ist praktisch unmöglich.

Konzeptioneller Kern

Richter-Kornweitz et al. (2023) definieren die Präventionskette als „integrierte kommunale Gesamtstrategie zur Gesundheitsförderung und Prävention", die alle relevanten Akteure aus Gesundheit, Bildung, Sozialwesen und Stadtentwicklung verbindet, um „lückenlose Förder- und Unterstützungsstrukturen über alle Altersphasen und Übergänge hinweg" zu schaffen. Bräunling (2025) betont, dass die Präventionskette in Deutschland seit etwa 15 Jahren das Leitbild einer ressortübergreifenden, kommunal verbindlich geplanten Strategie zur Bewältigung gesundheitlicher Folgen von Kinder- und Familienarmut darstellt.

Charakteristisch sind vier Prinzipien:

  • Lebenslaufperspektive von der Schwangerschaft bis zum Übergang ins Erwerbsleben,
  • Sozialraumorientierung (Bedarfe vor Ort, kleinräumige Sozialberichterstattung),
  • Übergangssicherung zwischen Lebensphasen und Institutionen (z. B. Kita-Schule, Schule-Beruf),
  • Beteiligung von Kindern, Jugendlichen, Familien und Fachkräften.

Holz (2021) hebt zusätzlich hervor, dass Präventionsketten als Element öffentlicher Verantwortung zu verstehen sind und einen strukturellen Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheit leisten sollen.

Vorgehen der Präventionskette

Im Unterschied zu CTC kennt die Präventionskette kein normiertes Phasenmodell. Das Werkbuch (Richter-Kornweitz & Utermark, 2013) und spätere Praxisleitfäden beschreiben jedoch typische Bausteine, die sich in den dokumentierten Praxisbeispielen München-Freiham (Schöttle et al., 2023; Voß et al., 2022) und Jena (Alff, 2024) wiederfinden:

  1. politischer Beschluss und Mandat,
  2. Einrichtung einer hauptamtlichen Koordinierungsstelle,
  3. Aufbau einer ressortübergreifenden Steuerungsgruppe,
  4. Bestandsaufnahme vorhandener Angebote und kleinräumige Sozialraumanalyse,
  5. Identifikation von Lücken und Übergangsbrüchen,
  6. Vernetzung der Angebote entlang der Altersphasen,
  7. Sicherung von Übergängen zwischen Lebensphasen und Institutionen,
  8. kontinuierliche Beteiligung, Monitoring und Fortschreibung.

Daten werden – etwa über das von Gehne und Schräpler (2020) skizzierte Konzept eines kommunalen Präventionsmonitorings – zunehmend systematisch genutzt, ohne dass dies bisher den geschlossenen Datenkreislauf von CTC erreicht.

Evidenzlage der Präventionskette

Die empirische Forschung zu Präventionsketten ist – verglichen mit der CYDS – jung und überwiegend qualitativ-prozessevaluativ:

  • München-Freiham. Die Präventionskette wurde mit qualitativen Interviews und Sozialer Netzwerkanalyse zur referatsübergreifenden Steuerung untersucht (Schöttle et al., 2023) sowie mit qualitativen Interviews und Fokusgruppen zu Gelingensbedingungen in einem Neubaugebiet (Voß et al., 2022). Beide Studien identifizieren übereinstimmend ausreichende personelle Ressourcen, Rückhalt in Politik und Verwaltungsspitze, zentrale Netzwerkkoordination und transparente Kommunikation als Erfolgsfaktoren – und administrative Verwaltungsbarrieren als wesentliches Hindernis. Im Fall Freiham kam die spezifische Herausforderung hinzu, in einem Neubaugebiet bedarfsorientierte Strukturen aufzubauen, in dem zunächst nur wenige Bewohner lebten.
  • Jena. Alff (2024) beschreibt die Rolle des Gesundheitsamts beim Aufbau der Jenaer Präventionskette als zentralen Baustein einer integrierten Gesamtstrategie; das Gesundheitsamt fungiert dort als Brücke zwischen Versorgungsstrukturen und sozialräumlicher Prävention.
  • „Kein Kind zurücklassen!" / Kommunale Präventionsketten Nordrhein-Westfalen. Das größte deutsche Modellvorhaben (zunächst 18, später 40 Modellkommunen) wurde von 2013 bis 2018 wissenschaftlich begleitet, federführend durch das Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum (Gehne & Schräpler, 2020). Petermann, Strohmeier und Yaltzis (2019, 2020) entwickelten im Rahmen dieser Begleitforschung das Monitoring-Instrument „Wie geht's dir? UWE" (Umwelt, Wohlbefinden, Entwicklung), eine Adaption des kanadischen Middle Years Development Instrument. UWE erfasst die subjektive Sicht der Schülerschaft in Klassen 7 und 9 auf ihre Lebensbedingungen in Familie, Schule und Wohnumgebung und liefert kleinräumige, institutionenscharfe Daten – eine Lücke, die die amtliche Statistik bislang nicht schließt. Eingesetzt wurde UWE pilothaft in Herne, einer der ärmsten Kommunen des Ruhrgebiets, mit dem Ziel, segregationsbedingte Entwicklungsbenachteiligungen sichtbar zu machen und kommunale Akteure zu vernetzen. Eine summative kausale Wirksamkeitsaussage zu KeKiz auf Kinder-Outcomes liegt jedoch auch hier nicht vor.
  • Kommunales Präventionsmonitoring. Gehne und Schräpler (2020) zeigen darüber hinaus, wie integriertes Sozialraum- und Bildungsmonitoring konzeptionell an die Präventionskette anschlussfähig wird, und benennen die zentralen Voraussetzungen: konsistente kleinräumige Datenbasis, institutionelle Verbindlichkeit, kontinuierliche Pflege.

Was bisher fehlt, ist eine zusammenfassende, kontrollierte oder gar randomisierte Wirksamkeitsstudie auf Kohortenebene, die ursächliche Aussagen über Effekte der Präventionskette auf Kindergesundheit, Bildungswege oder Substanzkonsum zulässt. Dies ist nicht in erster Linie ein Defizit der Präventionsketten selbst, sondern eine Folge ihres pluralen, lokal angepassten Aufbaus (siehe Abschnitt „Limitationen und Forschungsbedarf") und der gegenüber den USA traditionell schwächer ausgebauten Förderlinien für große kontrollierte Studien in der deutschen Sozialforschung.


Vergleich entlang von neun Dimensionen

Dimension Communities That Care Präventionskette
1. Wissenschaftstradition Bevölkerungsmedizinische und Prevention-Science-Linie; konsequente experimentelle Wirksamkeitsprüfung als Anspruch Sozialmedizinisch-sozialpädagogische Linie (Neumann/Virchow bis Lampert); konzeptionell breit, summative Wirksamkeitsforschung bislang Lücke
2. Theoretische Fundierung Eine geschlossene Theorie: Social Development Model + Social Development Strategy (Catalano & Hawkins, 1996) Mehrere integrierte Ansätze: Salutogenese, soziale Determinanten, Lebenslagen, Settingansatz, Sozialraumorientierung (Hartung, 2020; Holz, 2021)
3. Vorgehen Standardisierter 5-Phasen-Zyklus (Groeger-Roth, 2025) Bausteinmodell ohne normiertes Verfahren; lokal angepasst (Richter-Kornweitz & Utermark, 2013)
4. Datennutzung Validierte CTC-Schülerbefragung als Pflichtelement; geschlossener Datenkreislauf (Soellner et al., 2018, 2023) Bestandsaufnahme + zunehmend kommunales Präventionsmonitoring (Gehne & Schräpler, 2020); kein Pflichtinstrument
5. Programmauswahl Aus kuratierter Datenbank evidenzbasierter Programme; in Deutschland: Grüne Liste Prävention (Bremer et al., 2024) Bestehende lokale Angebote werden ressort- und altersübergreifend vernetzt; eigene Evidenzhierarchie nicht zentral
6. Wirksamkeitsnachweis Gemeinde-randomisierte Studie (CYDS) mit Effekten auf Inzidenz und lebenslange Abstinenz, jedoch nicht durchgängig auf aktuelle Prävalenz (Hawkins et al., 2014); Vermittlungswirkung empirisch gestützt (Brown et al., 2013) Bislang überwiegend Prozessevaluationen und Sozialnetzwerkanalysen einzelner Standorte (Schöttle et al., 2023; Voß et al., 2022)
7. Lebenslaufperspektive Geburt bis junges Erwachsenenalter; Schwerpunkt 10–14 Jahre Schwangerschaft bis Berufseinstieg; expliziter Fokus auf Übergänge
8. Teilhabe- und Wirkungsbegriff Fokus auf Risiko- und Schutzfaktoren für Problemverhalten; bevölkerungsbezogene Endpunkte Breiter: Gesundheit, Bildung, materielle und soziokulturelle Teilhabe (Holz, 2021)
9. Armutssensibilität Universeller Ansatz, der Stigmatisierung vermeidet; einkommensbezogene Wirkungen nicht primär Explizite Schwerpunktsetzung auf Kinder in Armutslagen als Adressaten (Holz, 2021; Bräunling, 2025)

Diese neun Dimensionen sind nicht hierarchisch zu lesen, sie sind aber auch nicht beliebig austauschbar. Dimension 1, die Wissenschaftstradition, prägt die übrigen acht. Wer aus der präventionswissenschaftlichen Linie kommt, wird die geschlossene Verfahrensökonomie von CTC schätzen; wer aus der sozialmedizinisch-sozialpädagogischen Linie kommt, wird die Anschlussfähigkeit der Präventionskette an deutsche Lebenswirklichkeiten und Trägerstrukturen schätzen. Beides hat gute Gründe. Nur eine der beiden Linien hat ihre Annahmen jedoch bisher in einer gemeinde-randomisierten Untersuchung überprüft. Wer das anerkennt, vermeidet zwei spiegelbildliche Fehler: das US-Modell als kulturfremde Programmlogik abzuwerten und das deutsche Modell vor jeder methodischen Selbstprüfung in Schutz zu nehmen.


Übertragbarkeit und Adaption

Die Übertragung von CTC nach Deutschland steht vor mehreren Herausforderungen, die in der internationalen Implementationsforschung dokumentiert sind (Eisenberg & Raghavan, 2024; Fagan et al., 2019; Groeger-Roth, 2025):

  • Strukturelle Unterschiede. Die kommunale Selbstverwaltung in Deutschland, der dichte freie Trägermarkt der Jugendhilfe und die föderale Bildungslandschaft erfordern andere Koalitionsdesigns als das US-Modell mit seiner stark schul- und ehrenamtsbasierten Community-Tradition.
  • Programmverfügbarkeit. Nicht alle US-Programme der CTC-Liste sind in Deutschland verfügbar oder kulturell übertragbar; die Grüne Liste Prävention schließt diese Lücke nur teilweise.
  • Datenrechtliche Rahmenbedingungen. CTC-Schülerbefragungen erfordern in Deutschland je nach Bundesland aufwändige Genehmigungs- und Einwilligungsverfahren, die in den USA so nicht bestehen.
  • Skalierung. Die CYDS wurde in Kleinstädten ≤ 50 000 Einwohnern evaluiert; für deutsche Großstädte und Metropolregionen liegen keine belastbaren Wirksamkeitsdaten vor (Hawkins et al., 2014).
  • Migrationsgeprägte Lebenswirklichkeiten. In vielen deutschen Stadtteilen sprechen Familien zu Hause keine oder nur teilweise Deutsch; sozioökonomische Benachteiligung und Migrationserfahrung überlagern sich, wobei Kinder mit niedrigem familiären sozioökonomischem Status ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten tragen (Hoebel & Müters, 2024). Sowohl CTC-Schülerbefragungen als auch UWE müssen mehrsprachig konzipiert und niedrigschwellig durchgeführt werden, um nicht systematisch jene Familien zu unterrepräsentieren, die der Ansatz eigentlich erreichen soll. Das ist machbar, aber kein Nebenaspekt.
  • Kostenfrage. Belastbare deutsche Cost-Benefit-Analysen zu CTC oder Präventionsketten liegen bisher nicht vor. Internationale Schätzungen sind ermutigend: Abimanyi-Ochom et al. (2024) berichten für die australische CTC-Implementierung eine Kosten-Nutzen-Bilanz von rund AUD 2,60 Rückfluss pro investiertem Dollar, vor allem über vermiedene Kriminalitäts- und Gewaltkosten. Für die deutsche Präventionskette ist die Wirtschaftlichkeitsfrage konzeptionell schwerer zu fassen, weil die Strategie auf Strukturaufbau und nicht auf einzelne Programme zielt; das deutsche CTC-Replikationsprojekt soll diese Lücke teilweise schließen (Walter et al., 2023).

Umgekehrt ist die Präventionskette so eng an deutsche Verwaltungs-, Trägerschafts- und Sozialgesetzbuchstrukturen gebunden, dass sie nicht ohne weiteres als „Exportprodukt" in andere Wohlfahrtsstaatsregime taugt. Sie ist tief in die föderale, kommunal getragene und durch Subsidiarität geprägte Architektur der deutschen Sozialpolitik eingebunden.


Synthese: Komplementär statt konkurrierend

Beide Ansätze gehören zur internationalen Familie der gemeindebasierten Präventionsforschung in sozialarbeiterisch-sozialpädagogischer Tradition (Catalano & Hawkins, 1996; Fagan et al., 2019; Holz, 2021; Steketee et al., 2013; Toumbourou et al., 2019). Sie unterscheiden sich nicht in der Disziplin, sondern in der Konsequenz, mit der sie ihre eigenen Annahmen empirisch überprüft haben. In der deutschen Präventionsketten-Diskussion wird diese Prüfung gelegentlich mit dem Hinweis auf Komplexität verschoben – ein Argument, das die internationale Methodenliteratur längst entkräftet hat (McGill et al., 2020) und das die CYDS empirisch widerlegt (Hawkins et al., 2014). Wo beide Seiten dies anerkennen, wird die Konfrontation in der deutschen Diskussion zum Scheingefecht. Eine Synthese lässt sich dann auf fünf Ebenen formulieren:

  1. Datenkreislauf integrieren. Die in Niedersachsen erprobte CTC-Schülerbefragung kann auch in Präventionsketten als systematisches Risiko- und Schutzfaktorenprofil dienen, ohne dass damit der gesamte CTC-Zyklus übernommen werden muss (vgl. Soellner et al., 2023; Gehne & Schräpler, 2020).
  2. Programmauswahl evidenzinformiert ergänzen. Die Grüne Liste Prävention steht auch Präventionsketten zur Verfügung; sie bedeutet keine Verpflichtung zur Programmlogik, sondern eine zusätzliche Entscheidungshilfe.
  3. Breiten Teilhabebegriff der Präventionskette in CTC-Kontexte einspeisen. CTC zielt vor allem auf Problemverhalten; eine Erweiterung um Bildungs- und Teilhabewirkungen, wie im Lebenslagenansatz angelegt, würde der Vielschichtigkeit des „gesunden Aufwachsens" besser entsprechen (Holz, 2021).
  4. Lebenswelt- und Sozialraumorientierung in CTC stärken. Insbesondere für die Implementation in deutschen Großstädten kann die Sozialraumlogik der Präventionskette helfen, CTC-Koalitionen jenseits der einzelnen Schule strukturell zu verankern.
  5. Gemeinsamer Auswertungsrahmen. Statt entweder kontrollierte Studie oder Prozessevaluation: ein gestufter Auswertungsrahmen, der Kontext-, Umsetzungs-, Vermittlungs- und Wirkungsindikatoren miteinander verbindet und so für beide Ansätze anschlussfähig wird (vgl. Voß et al., 2022).

Wann welcher Ansatz primär passt, lässt sich heuristisch differenzieren:

  • CTC bietet sich an, wenn eine Kommune einen geschlossenen, datengetriebenen Steuerungskreislauf aufbauen will, ein klares Ziel im Bereich Substanzkonsum/Delinquenz/Risikoverhalten verfolgt und die Ressourcen für regelmäßige Schülerbefragungen sowie für eine längerfristige Koalitions-Begleitung mitbringt.
  • Präventionsketten bieten sich an, wenn eine Kommune eine breite, lebenslauforientierte Infrastrukturpolitik für Kinder und Familien aufbauen will, an bestehende Trägerlandschaften und Frühe Hilfen anknüpft und einen Schwerpunkt auf armutsbetroffene Familien und Übergangssicherung legen will.
  • Hybride Lösungen sind nicht nur möglich, sondern in Niedersachsen bereits Praxis: CTC liefert Datenkreislauf und Programmlogik, die Präventionskette den Sozialraum- und Lebenslaufrahmen.

Was eine Kommune morgen tun kann: eine Praxis-Box

Die folgenden Schritte sind nicht als Verfahren gedacht, sondern als pragmatische Einstiegsoptionen für Kommunen, die eine integrierte Präventionsstrategie aufbauen oder weiterentwickeln wollen. Sie sind sortiert nach Ausgangslage.

Wenn Sie noch ganz am Anfang stehen

  1. Klären Sie das politische Mandat. Ein Beschluss von Kreistag oder Stadtrat schafft die Voraussetzung, dass Verwaltungsspitzen Ressourcen bereitstellen. Beide Ansätze setzen voraus, dass die kommunale Politik die Steuerungsverantwortung übernimmt (Voß et al., 2022; Walter et al., 2023).
  2. Schauen Sie in die Frühen Hilfen. Wenn ein NZFH-Netzwerk bereits besteht, ist es der natürliche erste Baustein einer Präventionskette und liefert eine bestehende Akteursrunde, mit der weitergedacht werden kann (Renner et al., 2018; Thyen, 2024).
  3. Stellen Sie eine hauptamtliche Koordinierungsstelle ein. Beide Ansätze scheitern in der Praxis am häufigsten daran, dass Koordination ehrenamtlich oder „nebenbei" laufen soll (Schöttle et al., 2023).

Wenn Sie bereits eine Akteursrunde haben

  1. Erheben Sie eine Datenbasis. Die CTC-Jugendbefragung (Soellner et al., 2023) liefert ein international bewährtes Instrument; das ZEFIR-Instrument UWE (Petermann et al., 2019, 2020) ist die deutsche Adaption für integrierende Stadtentwicklung. Beide Instrumente sind anschlussfähig an bestehende Sozialraumberichte.
  2. Schauen Sie in die Grüne Liste Prävention. Über 100 evidenzbasierte Programme sind dort kostenfrei recherchierbar; über 88 % sind nach §20a SGB V förderfähig (Brender et al., 2024) – was die Finanzierung über die gesetzlichen Krankenkassen ermöglicht.
  3. Beziehen Sie die freie Wohlfahrtspflege ein. Caritas, Diakonie, AWO, Paritätischer, DRK und ZWST sind als Träger die zentralen Umsetzungspartner; ohne sie fehlt die Verbindung zur Lebenswirklichkeit der Familien (Rauschenbach et al., 2021).

Wenn Sie eine Präventionskette betreiben und sie schärfen wollen

  1. Ergänzen Sie systematische Datenrückmeldung. Eine periodische Jugendbefragung (CTC oder UWE) gibt der Kette einen Steuerungskreislauf, ohne ihre lebenslauf- und sozialraumorientierte Logik aufzugeben (Gehne & Schräpler, 2020).
  2. Nutzen Sie die Grüne Liste Prävention als ergänzende Entscheidungshilfe – auch ohne den vollständigen CTC-Zyklus übernehmen zu müssen.
  3. Definieren Sie wenige messbare Wirkungsindikatoren und planen Sie die Auswertung von Anfang an mit ein (McGill et al., 2020).

Wenn Sie CTC implementieren wollen

  1. Nehmen Sie Kontakt zum Landespräventionsrat Niedersachsen auf – Schulungen, Materialien und der Zugang zur deutschen CTC-Infrastruktur laufen dort zusammen (Groeger-Roth, 2025; Walter et al., 2023).
  2. Rechnen Sie mit einem Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren bis zur ersten vollständigen Zyklusrunde, einer mehrjährigen externen Begleitung und kontinuierlicher Schulung der Bündnismitglieder. Ohne Letzteres droht die Adoption nach Förderende abzubrechen.

Wenn Sie auf eine vielfältige Stadtgesellschaft schauen

  1. Planen Sie die Jugendbefragungen mehrsprachig und niedrigschwellig. Die Erreichbarkeit migrationsgeprägter Familien ist in beiden Ansätzen ein eigener methodischer und sozialräumlicher Anspruch und sollte nicht erst im Implementierungsschritt mitgedacht werden (vgl. Hoebel & Müters, 2024).

Limitationen und Forschungsbedarf

Bei aller Wertschätzung der vorhandenen Evidenz sind die Grenzen klar zu benennen:

  • Die CYDS ist methodisch stark, aber kontextgebunden (US-Kleinstädte; Schwerpunkt auf Substanz- und Delinquenzendpunkten) und zeigt keine durchgängigen Effekte auf aktuelle Prävalenz oder familiäre Schutzfaktoren (Hawkins et al., 2014; Kim et al., 2014).
  • Die internationale Replikation ist gemischt: positive Trendbefunde aus Australien (Toumbourou et al., 2019; Rowland et al., 2022; Abimanyi-Ochom et al., 2024) stehen einer fehlenden Wirkung in der niederländischen Outcome-Studie gegenüber (Jonkman et al., 2015) – was die Bedeutung passender, lokal verfügbarer Programme unterstreicht.
  • Die Dauerhaftigkeit der CTC-Effekte hängt stark an fortlaufender Schulung und Förderung (Rhew et al., 2013).
  • Für die deutsche Präventionskette fehlen kontrollierte Wirksamkeitsstudien; die vorliegende Evidenz ist überwiegend qualitativ-prozessevaluativ und einzelfallbasiert.
  • Beide Ansätze stehen vor einer gemeinsamen Methodenanforderung, die aber lösbar ist: Komplexe kommunale Interventionen lassen sich evaluieren, wenn die nötige Investition in gestufte Designs (Kontextanalyse, Umsetzungsforschung, Vermittlungsanalyse, Wirkungsmessung) tatsächlich getätigt wird (McGill et al., 2020). Die CYDS zeigt, was möglich ist, wenn diese Investition geleistet wird (Hawkins et al., 2009, 2014).

Forschungsbedarf besteht insbesondere bei

  • der Wirksamkeit von CTC in deutschen Großstädten und in vielfältig zusammengesetzten Stadtteilen,
  • summativen Effekten der Präventionskette auf Kohortenebene über mindestens eine Lebensphase hinweg,
  • der gemeinsamen Wirkung beider Ansätze in hybriden Designs (z. B. CTC-Datenkreislauf in einem präventionskettenartigen Rahmen),
  • der ökonomischen Bewertung kommunaler Präventionsstrategien jenseits einzelner Programme.

Schlussfolgerungen

Communities That Care und Präventionsketten sind keine konkurrierenden Marken, sondern zwei verwandte Antworten auf dieselbe Frage: Wie bekommt eine Kommune die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, so geordnet, dass alle eine faire Chance haben? Beide Antworten stehen in einer Tradition, die seit dem 19. Jahrhundert auf der Verbindung von Sozialreform und empirisch fundierter Gesundheitspolitik beruht (Dragano, 2022). Sie unterscheiden sich nicht im Ziel, sondern in der Konsequenz, mit der sie die eigene Wirksamkeit überprüft haben.

Für die kommunale Praxis heißt das: Niemand muss sich entscheiden. Eine Kommune kann den Daten- und Programmkreislauf von CTC nutzen, ohne ihre lebenslauf- und sozialraumorientierte Logik aufzugeben – und sie kann eine Präventionskette aufbauen, ohne auf systematische Wirksamkeitsprüfung zu verzichten. Die hybride Lösung ist die anspruchsvollste, aber auch die ehrlichste. Für die Wissenschaft heißt das: Die deutsche Präventionsforschung kann von der US-amerikanischen Methodendisziplin lernen, ohne ihre konzeptionelle Eigenständigkeit zu verlieren. Größere, kontrollierte Studien zu Präventionsketten kosten Geld und Geduld – sie wären der entscheidende nächste Schritt, um aus einem starken Konzept eine belegte Wirklichkeit zu machen.

Die Messlatte für beide Ansätze ist am Ende dieselbe: dass ein Kind in einer benachteiligten Familie in einem strukturschwachen Stadtteil tatsächlich bessere Chancen hat – auf Gesundheit, auf Bildung, auf Teilhabe, auf eine Zukunft, die ihm jemand zutraut.


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