EUPC · European Prevention Curriculum
Programm · Weiterbildung

EUPC – Europäisches Präventionscurriculum

Die EU-harmonisierte Qualifikation für Entscheidungs-, Führungs- und Förderverantwortliche in der Prävention. Seit 2019 über 3.300 Teilnehmende in rund einem Viertel der EU-Mitgliedstaaten (EUDA-Register, Stand 2024). In Deutschland koordiniert von FINDER.

Zielgruppe
Führungskräfte · Entscheidungsträger · Verwaltung
Dauer
2–5 Tage
Format
Präsenz und Online
Teilnahmegebühr
295–395 € · p. P.
Für wen

Das Curriculum ist ausdrücklich nicht für die Arbeit am Klassenverband oder in der Familie gedacht. Es befähigt die Ebene, die Bedarf feststellt, Fördermittel vergibt und über die Einführung von Programmen entscheidet.

  1. Entscheidungstragende in Ämtern und Behörden

    Fach- und Führungspersonal in Gesundheits-, Jugend-, Sozial- und Bildungsverwaltung, Landespräventionsräten, Ministerien. Bewilligt, vergibt und steuert Präventionsaufträge.

  2. Führungsverantwortliche bei freien Trägern und in Einrichtungen

    Leitung von Trägern, Einrichtungen der Jugendhilfe, Suchthilfe und Schulsozialarbeit. Trifft Auswahl- und Qualitätsentscheidungen über das eigene Portfolio.

  3. Förderverantwortliche in Stiftungen und Krankenkassen

    Fachreferentinnen und Fachreferenten in Stiftungen, Förderprogrammen, gesetzlichen Krankenkassen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Bewerten Projektanträge, steuern Schwerpunkte und beraten Auftraggebende.

Wer Fachkräfte an der Front qualifizieren will, muss zuerst die Ebenen darüber mit qualifizieren. Sonst bleibt gute Präventionspraxis blockiert durch Vorgesetzte, die sie nicht einordnen können.
frei nach Zili Sloboda, Mitbegründerin des Universal Prevention Curriculum
Historie

Unser Beitrag zum EUPC.

  1. Konsortialpartner

    UPC-Adapt

    FINDER war als deutscher Konsortialpartner im EU-Projekt beteiligt, das das nordamerikanische Universal Prevention Curriculum in einen europäischen Rahmen übersetzte.

  2. Mitwirkende

    EUDA-Manual erscheint

    Der 170-seitige Handbuchband „European Prevention Curriculum" wird im Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union publiziert. FINDER ist deutscher Durchführungspartner.

  3. Projektbeitrag

    Frontline Politeia

    FINDER arbeitet an einer multiprofessionellen Adaption des EUPC für Fachkräfte an den Schnittstellen Schule, Jugendhilfe und Sicherheitsbehörden mit.

  4. EU-weite Einführung

    EUDA-Mandat greift

    Mit der Verordnung 2023/1322 verpflichtet die EU die EUDA in Lissabon auf die EU-weite Förderung des EUPC.

Didaktik

Wie wir im EUPC unterrichten.

Die Trainermanuale zum Basis- und Vertiefungsmodul sind ausdrücklich anti-vorlesungshaft angelegt. Jede Unterrichtseinheit kombiniert kurze Impulsvorträge mit kooperativen Methoden. Das Ziel ist nicht, Wissen zu transferieren, sondern zu üben, wie Entscheidungsgrundlagen im eigenen Alltag aussehen.

  1. Think-Pair-Share

    Eigene Position notieren, mit Sitznachbarn abgleichen, im Plenum vorstellen. Übt, eine evidenzbasierte Argumentation unter Zeitdruck zu formulieren.

    Einsatz im EUPC

    Basismodul, Tag 1: Jede:r notiert eine tatsächlich anstehende Entscheidung aus der eigenen Rolle, etwa eine Bewilligung, eine Portfolio-Auswahl oder eine Neuausschreibung. Im Paar wird geprüft, auf welcher Evidenzstufe diese Entscheidung heute ruht und welche Begriffe sie im Zweifel belastbarer machen.

  2. Gallery Walk

    Materialstationen im Raum, Kleingruppen rotieren. Übt den schnellen fachlichen Zugriff auf unterschiedliche Evidenzquellen.

    Einsatz im EUPC

    Basismodul, Tag 1: Drei Präventionsregister (Grüne Liste Prävention, Blueprints, Xchange der EUDA) stehen als Stationen. Kleingruppen identifizieren für einen vorgegebenen Auftragskontext in fünfzehn Minuten drei Kandidatenprogramme und notieren die Fragen, die vor einer Beauftragung an die Anbieter zu stellen sind.

  3. Strukturierte Diskussion

    Moderierte Fragestrecke in Paaren und im Plenum. Übt, Konzepte zu ordnen und begründet zu vertreten.

    Einsatz im EUPC

    Vertiefungsmodul, Tag Interessenvertretung: Moderierte Fragen zu einem Ausschreibungskonflikt – wie argumentiert man im Haushaltsausschuss für die teurere, evidenzbasierte Intervention gegen eine politisch beliebte, nicht evaluierte Alternative, und welche Kennzahlen überzeugen das Entscheidungsgremium?

  4. Silent Conversation

    Gruppenarbeit in Schweigen, Poster als einziges Kommunikationsmedium. Gibt leiseren Teilnehmenden Raum und trennt Inhalt von Wortmacht.

    Einsatz im EUPC

    Vertiefungsmodul, Tag Umsetzung: Zwei evidenzbasierte Programme mit ähnlicher Wirkrichtung liegen als Kurzprofil aus. Kleingruppen tragen schweigend Umsetzungsrisiken zusammen – Modelltreue, Personalkapazität, Finanzierungsverlässlichkeit – und in einer zweiten Runde die Gegenmaßnahmen. Ergebnis: eine schnelle Risiko-Landkarte für die Beauftragung.

  5. Gruppenarbeit mit Postern

    Kleingruppen bearbeiten ein konkretes Präventionsbeispiel und präsentieren als Kurzvortrag. Übt, Argumentationen transferfähig zu machen.

    Einsatz im EUPC

    Vertiefungsmodul, Tag Auswahlentscheidung: Vier Kleingruppen erhalten je eine Altersspanne und eine fiktive Fördersumme. In fünfzehn Minuten begründen sie den Vorzug einer evidenzbasierten Intervention gegenüber einer beliebten, nicht evaluierten Alternative – einschließlich der erwartbaren Einwände aus dem eigenen Kreis der Beteiligten.

  6. Freewriting

    Drei bis fünf Minuten ungefiltert schreiben. Bringt implizites Wissen an die Oberfläche und strukturiert die eigene Position.

    Einsatz im EUPC

    Vertiefungsmodul, Tagesauftakt: Drei Minuten ungefiltert auf die Frage, welche Entscheidung aus der eigenen Rolle man mit dem Stoff des Vortages heute anders treffen würde. Strukturiert die Übertragung des Gelernten in die eigene Entscheidungspraxis, bevor der neue Tag inhaltlich öffnet.

Aufbau

Zwei Module, fünf Tage im Detail.

Basismodul und Vertiefungsmodul als aufklappbare Übersicht. Jede Unterrichtseinheit mit Methode und Minutierung. Klicken Sie auf ein Modul, um den Tagesablauf zu öffnen.

Basismodul 2 Tage 295 €/Person

Einführung in evidenzbasierte Prävention

Gemeinsame Sprache, Evidenzbegriff und Settingansatz. Grundlage für jede weitere Spezialisierung.

  1. Tag 1 Grundlagen und Evidenzbasis
    • Einführung EUPC: Entstehungshintergrund, Weiterbildungsziele, Anwendungskontexte 90 min Think-Pair-Share + Gallery Walk
    • Epidemiologie, Substanzgebrauch und warum Prävention wichtig ist 90 min Impulsvortrag + Gruppenarbeit
    • Grundbegriffe der Prävention: Präventionsforschung, evidenzbasiertes Handeln, Best Practice 90 min Strukturierte Diskussion
    • International Standards on Drug Use Prevention (UNODC) 90 min Gallery Walk
  2. Tag 2 Settings und Strategien
    • Settingansatz: schulische, arbeitsplatzbezogene und familienbezogene Prävention 90 min Impulsvortrag + Gruppenarbeit
    • Verhältnisprävention und integrierte Strategien 90 min Silent Conversation
    • Effektive Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung der Prävention 90 min Strukturierte Diskussion
    • Monitoring und Evaluation 90 min Impulsvortrag + Gruppenarbeit
Vertiefungsmodul 3 Tage 395 €/Person

Anwendung in Familie, Schule, Arbeit und Kommune

Setting-spezifische Vertiefung, entwicklungspsychologische Grundlagen, Organisationsentwicklung und Interessenvertretung.

  1. Tag 3 Entwicklung, Familie, Schule
    • Entwicklungspsychologische Grundlagen und menschliche Entwicklung 90 min Impulsvortrag + Freies Schreiben
    • Familienbasierte Präventionsmaßnahmen 90 min Strukturierte Diskussion + Gruppenarbeit
    • Schule als Präventionsumfeld 90 min Silent Conversation
  2. Tag 4 Arbeitsplatz und Kommune
    • Substanzkonsum am Arbeitsplatz und Prävention 90 min Impulsvortrag + Diskussion
    • Gesundheitsförderliche Organisationsentwicklung 90 min Gruppenarbeit mit Postern
    • Kommunale Prävention 90 min Strukturierte Diskussion
  3. Tag 5 Verhältnisse, Medien, Interessenvertretung
    • Verhältnisprävention (Vertiefung) 90 min Impulsvortrag
    • Medien und Risikoverhaltensweisen 90 min Gallery Walk
    • Strategien zu Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung 90 min Strukturierte Diskussion
Qualität · EDPQS-Projektzyklus

Wie Präventionsprojekte von Anfang bis Ende getragen werden.

Der europäische Qualitätsstandardrahmen EDPQS ordnet Präventionsprojekte in acht Stufen, die jede Förderentscheidung begleiten. Vier Querschnittsthemen wirken durch alle Stufen hindurch. Das EUPC übt die Anwendung dieses Rahmens am konkreten Fall ein.

Stufe 011 / 8

Bedarfserhebung

Bevor eine Intervention im Detail geplant werden kann, werden Art und Umfang der Bedarfe sowie deren Ursachen und begünstigende Faktoren untersucht. So ist sichergestellt, dass die Intervention erforderlich ist und die richtigen Bedarfe und Zielgruppen adressiert.

Querschnittsthemen durch alle Stufen

Was Sie mitnehmen

  • Eine Entscheidungslogik, um evidenzbasierte von nicht-evidenten Präventionsansätzen zu unterscheiden, entlang der Drei Stufen der Prävention (universell, selektiv, indiziert).
  • Die -Werkzeuge für den Projektzyklus, von der Bedarfserhebung bis zur Dissemination.
  • Die als internationalen Bezugsrahmen, einsetzbar in Förder- und Bewilligungsverfahren.
  • Das -Modell und das als gemeinsame Sprache für die Programm- und Interventionsgestaltung.
  • Das Vokabular für die Fachkommunikation mit Forschung, Förderern und Politik.
  • Ein persönliches -Zertifikat im europäischen Referenzrahmen und Zugang zum europaweiten Fachnetzwerk.

Förderung und Varianten

Für die Durchführung als interne Schulung vor Ort in einer Verwaltung oder Einrichtung gelten gesonderte Konditionen, die wir im Dialog festlegen.

Neben der Standardversion „Psychoaktive Substanzen” führt FINDER drei Varianten: Gewalt- und Extremismusprävention für Polizei, Schulsozialarbeit, Jugendarbeit und kommunale Präventionsarbeit; eine multiprofessionelle Variante aus dem EU-Projekt Frontline Politeia (2022–2023) für Fachleute an den Schnittstellen Schule, Jugendhilfe und Sicherheitsbehörden; sowie PROXI für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich Schutz vor sexualisierter Gewalt. Bei PROXI bleibt das EUPC die didaktische Grundstruktur; die inhaltlichen Referenzdokumente stammen aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Andreas Beelmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena).

Manual · Interaktive Webausgabe

EUPC-Manual „Psychoaktive Substanzen"

3. Auflage 2021 · ISBN 978-3-949067-03-7 · CC BY-SA 4.0

Zehn Kapitel zu wissenschaftsbasierter Prävention online lesen – mit verlinkten Quellen und Querverweisen in das FINDER-Inhaltsnetz.

Fragen und Antworten

Häufig geklärt.

Zugang & Voraussetzung 2
  1. Ist das EUPC für Quereinsteigende geeignet?

    Ja. Das Basismodul setzt kein Präventions-Fachwissen voraus. Wer aus Verwaltung, Politik, Gesundheitspraxis oder Jugendhilfe kommt, kann direkt einsteigen. Eine Tätigkeit im Präventionskontext hilft, die Inhalte unmittelbar auf die eigene Praxis anzuwenden.

  2. Gibt es auch eine Online-Variante oder ein gemischtes Format?

    Ja. Die EUDA pflegt eine frei zugängliche Online-Einführung in das EUPC; die beiden FINDER-Module laufen in Deutschland überwiegend in Präsenz, können auf Anfrage aber als gemischtes Format mit vorbereitender Online-Phase gestaltet werden.

Inhalt & Methodik 1
  1. Wie läuft ein Schulungstag konkret ab?

    Ein Tag umfasst vier bis fünf Unterrichtseinheiten zu je 90 Minuten, jede Einheit kombiniert einen kurzen Impulsvortrag mit einer kooperativen Methode (Think-Pair-Share, Gallery Walk, strukturierte Diskussion, Silent Conversation, Gruppenarbeit mit Postern, Freies Schreiben). Pünktlichkeit ist Teil des Curriculum-Standards: Wer zu Beginn nicht da ist oder mehr als eine Unterrichtseinheit verpasst, kann kein Zertifikat erhalten.

Abgrenzung 1
  1. Worin unterscheidet sich das EUPC von Blueprints, Grüner Liste und WSIPP?

    Blueprints (USA), Grüne Liste Prävention (DE) und die Kosten-Nutzen-Analysen des Washington State Institute for Public Policy (WSIPP) sind Register beziehungsweise Bewertungen konkreter Programme. Das EUPC ist dagegen eine Qualifikation für die Personen, die solche Register lesen und einordnen müssen. Die Register bewerten das „Was", das EUPC übt das „Wie entscheide ich".

Zertifikat & Anerkennung 2
  1. Was passiert nach dem Zertifikat?

    Wer das EUPC absolviert hat, wird Teil eines europaweiten Fachnetzwerks, erhält Zugang zu regelmäßigen Update-Webinaren der EUDA und kann sich optional zur Trainerin oder zum Trainer des EUPC weiterqualifizieren.

  2. Wird das EUPC als Fortbildung anerkannt?

    Das EUPC-Zertifikat ist eine persönliche Qualifikation im europäischen Referenzrahmen, die von der EUDA in Lissabon getragen wird. Die Anerkennung als Lehrkräftefortbildung richtet sich nach Landesrecht und wird bei Bedarf mit dem jeweiligen Bundesland geklärt; wir unterstützen auf Anfrage.

Termine

Kommende Durchgänge.

Alle Termine ansehen →
Literatur zum Programm

Forschungsstand und Belege.

Nachfolgend eine Auswahl peer-reviewter Arbeiten und zentraler Referenzdokumente zum Programm – nicht von FINDER verfasst, aber Grundlage unserer Umsetzung in Deutschland.

  1. 2025

    Bafi, I., Georgoulopoulou, E., Kyriakidou, M., & Makaroni, S.

    EUPC Implementation in Greece

    Journal of Prevention, 46(5), 717–725 · DOI 10.1007/s10935-025-00851-0

  2. 2025

    Brotherhood, A., & Nobre-Sandoval, L. de A.

    How is the European Prevention Curriculum (EUPC) Implemented in Practice and What Lessons Have We Learnt so far? Introduction to the Special Issue

    Journal of Prevention, 46(5), 667–675 · DOI 10.1007/s10935-025-00877-4

  3. 2025

    Brotherhood, A., Brunner, L., Burkhart, G., Busch, M., Herrmann, G., Unterweger, N., Voit, V., & von Heyden, M.

    European Prevention Curriculum (EUPC) – Two Years of Pilot Implementation in Austria

    Journal of Prevention, 46(5), 735–745 · DOI 10.1007/s10935-025-00830-5

  4. 2025

    Donini, R., Musian, D., Piana, M., Salvini, S., & Zunino, A.

    The Long Way to Evidence-Based Prevention: the Experience of the ASAP-Training Project as a Milestone in the European Dissemination of the EUPC

    Journal of Prevention, 46(5), 677–685 · DOI 10.1007/s10935-025-00845-y

  5. 2025

    Ferić, M., Andreić, J.-L., Serdar Čerpnjak, K., & Belošević, M.

    European Prevention Curriculum (EUPC) for Decision, Opinion and Policy Makers: Implementation and Lessons Learnt in Croatia

    Journal of Prevention, 46(5), 687–694 · DOI 10.1007/s10935-025-00840-3

  6. 2025

    Gaist, B. J., Kyprianou, E., Matheou, M., & Efstratiou, G.

    European Prevention Curriculum (EUPC) Experiences in Cyprus

    Journal of Prevention, 46(5), 747–754 · DOI 10.1007/s10935-025-00857-8

Alle 16 Einträge zu diesem Programm ansehen →
Nächster Schritt Kontakt aufnehmen

Mandy Tuxhorn, M.Sc. Fragen zu Terminen, Durchführung vor Ort und Förderung. Im Dialogfenster finden Sie E-Mail, Telefon und einen 15-Minuten-Termin.

Verwandt

Auch relevant.

Auf dieser SeiteFür wen
  1. Für wen
  2. Was Sie mitnehmen
  3. Förderung und Varianten
  4. Fragen und Antworten
  5. Manual lesen
  6. Kommende Durchgänge
  7. Kontakt aufnehmen