Programm · Weiterbildung

Radikalisierung ist kein Ereignis. Sie ist ein Entwicklungspfad – und Prävention hat auf jedem Schritt einen Ansatzpunkt.

Qualifizierung für Fach- und Führungskräfte in Schule, Jugendhilfe und Kommune. Grundlage ist das entwicklungsorientierte Präventionsmodell der Arbeitsgruppe Beelmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena). Für Teilnehmende aus Niedersachsen kostenfrei, finanziert durch den Landespräventionsrat Niedersachsen; Teilnahme aus anderen Bundesländern auf Anfrage.

Zielgruppe
Fachkräfte · Führungskräfte · Schulleitung, …
Dauer
16 Stunden Fachkräfte · 2 Tage Führung
Format
Präsenz und Online
Teilnahmegebühr
kostenfrei für NDS · sonst auf Anfrage
Für wen

PROXI qualifiziert zwei Ebenen parallel: die Fachkräfte, die mit jungen Menschen in Schule und Jugendhilfe arbeiten, und die Führungsebene, die Präventionsstrategien trägt, Kooperationen bahnt und Fördermittel steuert.

  1. Fachkräfte in der direkten Arbeit

    Fachkräfte-Linie · 1 Präsenztag + 4 Online-Module · 16 Stunden · 0 €/Person

    Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Fachkräfte der Jugendhilfe, Mitarbeitende in Erziehungsberatung, frühen Hilfen, Beratungsstellen und kommunaler Präventionsarbeit. Sie lernen, Radikalisierungsdynamiken als Entwicklungsphänomen zu lesen und an den vier Proximalprozessen anzusetzen, bevor ideologische Bindung einsetzt.

  2. Führungsebene und strategische Steuerung

    Führungskräfte-Linie · 2 Präsenztage in Hannover oder vor Ort · 0 €/Person

    Schulleitungen, Jugendamtsleitungen, Amtsleitungen im kommunalen Sicherheits- und Präventionsbereich, Trägerleitungen, Fachaufsicht. Sie lernen, das entwicklungsorientierte Modell in Organisationsentwicklung, Kooperationsstrukturen und Fördermittelvergabe zu übersetzen.

Radikalisierung entsteht nicht in dem Moment, in dem eine Person sich einer Ideologie zuwendet. Sie entsteht über Jahre aus Entwicklungsprozessen, die in Schule, Familie und Jugendhilfe alltäglich sichtbar sind.
sinngemäß nach Beelmann, Lutterbach, Rickert & Sterba (2021) – Entwicklungsorientierte Radikalisierungsprävention
Abgrenzung · Das PROXI-Profil

Was PROXI nicht ist.

  1. Keine Ideologie-Schulung. PROXI arbeitet nicht mit Kategorisierungen nach Rechts-, Links- oder islamistischem Extremismus. Der Entwicklungsansatz ist ideologieübergreifend, weil er an den psychologischen Mechanismen ansetzt, die allen Radikalisierungen gemein sind.
  2. Keine Deradikalisierungsarbeit. PROXI ist präventiv ausgerichtet, also zeitlich vor der ideologischen Bindung. Für Ausstiegs- und Fallarbeit verweisen wir auf Violence Prevention Network, BAG RelEx und die Landeskoordinierungsstellen.
  3. Keine Frühwarn- oder Meldepflicht-Schulung. Ziel ist pädagogische Handlungskompetenz, nicht das Erkennen oder Kategorisieren junger Menschen als Risikoträger.
Das Modell

Radikalisierung entsteht in drei Ebenen.

Das entwicklungsorientierte Präventionsmodell unterscheidet drei ineinandergreifende Ebenen. Auf der distalen Ebene wirken klassische Risiko- und Schutzfaktoren. Auf der proximalen Ebene verdichten sich diese zu vier Entwicklungsprozessen, die für sich genommen noch keine Radikalisierung sind – in Kombination aber die entscheidende Brücke zur ideologischen Bindung bilden. Die dritte Ebene beschreibt die Ausbildung extremistischer Einstellungen und Handlungen.

  1. Distale Ebene

    Risiko- und Schutzfaktoren

    Rahmenbedingungen der Entwicklung in Familie, Peer-Gruppe, Schule und Gesellschaft. Sie wirken über Jahre und sind selten spezifisch für Radikalisierung.

    • Familie
    • Peers
    • Schule
    • Gesellschaft
    • Biografische Übergänge
    • Diskriminierung
  2. Proximale Ebene

    Vier Proximalprozesse

    Entwicklungsprozesse, deren gemeinsames Auftreten die ideologische Bindung wahrscheinlich macht. Sie sind der Hebel von Prävention.

  3. Extremismusebene

    Einstellungen und Handlungen

    Ablehnung von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit; im Handlungsbereich von Hasspraktiken bis zu politischer Gewalt.

    • Überlegenheitsnarrative
    • Bedrohungsszenarien
    • Verschwörungsglaube
    • Gruppenabwertung
    • Hasshandlungen
    • Politische Gewalt

Quelle: Beelmann, A., Lutterbach, S., Rickert, M. & Sterba, L. S. (2021); Beelmann, A., Hercher, J., Lutterbach, S. & Sterba, L. S. (2024). LPR Niedersachsen.

Register · Die vier Proximalprozesse

Woran Prävention ansetzt.

Jeder der vier Prozesse ist für sich genommen noch keine Radikalisierung. Erst ihr gemeinsames Auftreten verdichtet sich zur ideologischen Bindung. Klicken Sie auf einen Prozess, um Definition, Präventions-Leitlinien und evidenzbewertete Ansätze aus dem Praxishandbuch 2024 zu öffnen.

  1. Dissozialität

    Schwierigkeiten im Umgang mit sozialen Regeln und Normen; häufig sichtbar als Aggression, Gewalt oder Regelverletzung.

    Definition

    Einstellungen und Verhaltensweisen, die auf Schwierigkeiten im Umgang mit sozialen Regeln und Normen hindeuten und die insbesondere bei Verhaltensproblemen wie Aggression, Gewalt und Kriminalität zu beobachten sind. Defizite in der Sozialentwicklung gelten als bedeutsamer Risikofaktor politischer Gewalt.

    Leitlinien der Prävention
    • Stärkung des sozialen Lernens, einschließlich der Vermittlung sozialer Regeln.
    • Konsistente Reaktion auf Regelverstöße und Verhinderung devianter Gruppenbildung.
    • Gezielte Unterstützung von Hoch-Risiko-Gruppen.
    Bewährte Präventionsansätze
    1. Elterntrainingsprogramme

      ★★★★

      Eltern, v. a. Kinder bis 12 Jahre

      Triple P, Incredible Years, EFFEKT, Eltern-AG u. a. Meta-analytisch bestätigte Wirkung auf Erziehungskompetenzen und dissoziales Verhalten (Beelmann, Arnold & Hercher, 2023).

    2. Soziale Trainingsprogramme

      ★★★★

      ab Vorschulalter

      Papilio, Fairplayer, Denk-Wege, Verhaltenstraining in der Grundschule u. a. Meta-analytisch bestätigt (Beelmann & Lösel, 2021).

    3. Frühe Familienhilfe / Frühförderung

      ★★★☆

      Familien mit Kindern 0–6 Jahre

      Intensive Begleitung in Risikokonstellationen (e:du, Pro Kind, Babylotse, Nurse-Family Partnership). Internationale Langzeitbefunde; deutsche Evaluationen punktuell.

    Beelmann et al. (2024), Praxisempfehlungen, S. 5, 21, 23–38.

  2. Vorurteile und Intoleranz

    Einstellungen und Verhaltensweisen, die Personen abwerten oder soziale Gruppen entwerten – beispielsweise gegenüber Geflüchteten oder Migrantinnen und Migranten.

    Definition

    Vorurteile und Intoleranz beschreiben Einstellungen und Verhaltensweisen, die auf die Abwertung von Personen oder die mangelnde Anerkennung sozialer Gruppen ausgerichtet sind. Sie werden sozial weitergegeben und verdichten sich in Feindbildern, Gruppenabwertung und Lagerbildung.

    Leitlinien der Prävention
    • Positives Erleben von Diversität, inklusive positiver Kontakterfahrungen und intergruppaler Freundschaften.
    • Keine übermäßige Identifikation mit und einseitige Bewertung von sozialen Kategorien (Nationalität, Ethnie, Geschlecht).
    • Förderung von Fertigkeiten, die Vorurteilen entgegenstehen: Empathie, Perspektivenübernahme, Wertevermittlung.
    Bewährte Präventionsansätze
    1. Kontaktprogramme

      ★★★★

      alle Altersgruppen

      Integrative Schulen und Klassen, Schüleraustausch, Begegnungsformate. Direkter Kontakt wirksamer als indirekter; meta-analytisch breit bestätigt. Negative Kontakterfahrungen vermeiden.

    2. Sozial-kognitive Trainings zur Vorurteilsprävention

      ★★★☆

      bis Jugendalter

      PARTS (Universität Jena): Empathie, Perspektivenübernahme, multiple Klassifikation, Wertevermittlung. Kurz-, mittel- und langfristige Wirkungen.

    3. Diversitäts-, Multikulturelle und Anti-Bias-Trainings

      ★★☆☆

      ab Adoleszenz

      Fit für kulturelle Vielfalt, Eine Welt der Vielfalt. Rollenspiele, Selbstreflexion eigener Stereotype. Wirksamkeit in Einzelstudien belegt.

    Beelmann et al. (2024), Praxisempfehlungen, S. 5, 21, 41–60.

  3. Identitätsprobleme

    Unsicherheit über Zugehörigkeit, Selbstwert und Bedeutung – vor allem in biografischen Übergangsphasen.

    Definition

    Identitätsprobleme betreffen Fragen wie „Wer bin ich?" oder „Wer möchte ich werden?" und hängen eng mit dem menschlichen Bedürfnis nach Anerkennung und Bedeutung zusammen. Sie treten verstärkt im Jugendalter auf, weil dies eine sensible Phase der Identitätsentwicklung ist. Der subjektiv empfundene Mangel an Anerkennung reicht – er muss nicht objektiv vorliegen.

    Leitlinien der Prävention
    • Zeit und Raum für eine reflektierte Identitätskonstruktion junger Menschen.
    • Schaffung von Zugehörigkeit und Bestätigung, ohne Ablehnungs- und Diskriminierungserfahrungen ohne Bewältigungslernen.
    • Verhindern einer einseitigen, unflexiblen und rein übernommenen sozialen Identitätskonstruktion.
    Bewährte Präventionsansätze
    1. Selbstwert-Programme und Empowerment-Ansätze

      ★★☆☆

      Grundschule bis Adoleszenz

      Selbstwert stärken – Gesundheit fördern (Grüne Liste, Stufe 1). Direkt: Selbstwertinterventionen. Indirekt: Kompetenzerwerb und Identitätsquellen.

    2. Selbst-Affirmationsübungen

      ★★☆☆

      Adoleszenz, junge Erwachsene

      Values-Affirmation-Task: Exploration, Gewichtung, schriftliche Reflexion identitätsstärkender Aspekte. Kurz- bis längerfristige Wirkungen bei regelmäßiger Anwendung.

    3. Outdoor- und sportpädagogische Angebote

      ★★☆☆

      ab Grundschulalter

      Erlebnisorientierte Aktivitäten mit pädagogischer Rahmung. Gute Wirkungen bei geringem Selbstwert; wettbewerbsorientierte Formate können kontraproduktiv sein.

    4. Kulturorientierte Freizeitaktivitäten

      ★☆☆☆

      entwicklungsangemessen alle

      Begleitete Theater-, Musik- oder Tanzprojekte mit gemeinsamer Zielstellung und Safe Space. Anekdotische Evidenz, systematische Studien stehen aus.

    Beelmann et al. (2024), Praxisempfehlungen, S. 5f., 21, 61–80.

  4. Extremistische Narrative und Ideologien

    Erklärungsangebote und Gruppenlogiken, die Vorurteile und radikale Handlungen rationalisieren und den Übergang zum Extremismus vollziehen.

    Definition

    Der eigentliche Übergang zum Extremismus wird durch die Aneignung extremistischer Narrative und Ideologien vollzogen. Sie dienen der Rationalisierung und Rechtfertigung von Vorurteilen, radikalen Einstellungen und Handlungen – etwa in Überlegenheitsnarrativen, konstruierten Bedrohungsszenarien und Verschwörungsglauben. In Kombination mit den anderen Proximalprozessen führen sie unmittelbar zur Ablehnung von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.

    Leitlinien der Prävention
    • Übernahme altersgerechter und individuell angepasster Verantwortlichkeiten für die Gemeinschaft.
    • Vermittlung universeller (Fairness, Gerechtigkeit, Gleichheit) und politischer Werte (Demokratie, Menschenrechte) durch Sozialisationsagenten.
    • Nicht-technischer Umgang mit digitalen Medien und ihren Problemen.
    Bewährte Präventionsansätze
    1. Service-Learning-Programme

      ★★★☆

      Grundschule bis junge Erwachsene

      Altersgerechte Verantwortungsübernahme, Mentoring, Charaktererziehung. Meta-analytisch bestätigt; im deutschen Sprachraum wenig systematisch evaluiert.

    2. Politische Bildung / Demokratiepädagogik

      ★★☆☆

      ab Grundschulalter

      Klassenrat, Jugendparlament, Auseinandersetzung mit Diktaturen. Viele positive Praxisberichte; systematische Wirkstudien im deutschen Sprachraum fehlen.

    3. Trainings der Medienkompetenz

      ★★☆☆

      ab ca. 12 Jahren

      CONTRA, HateLess, LOVE-Storm, Medienhelden. Kritische Bewertung digitaler Inhalte, digitale Zivilcourage; Medienhelden mit bestätigter Wirksamkeit (Grüne Liste Stufe 3).

    4. Argumentationstrainings und Counter Narratives

      ★★☆☆

      Jugendliche und Erwachsene

      Strategien gegen Parolen (nach Hufer); Entwicklung positiver Gegenbotschaften. Qualitätsstandards formuliert, gesonderte Evaluation noch nicht breit vorliegend.

    5. Digital Citizenship Education

      ★★☆☆

      ab ca. 14 Jahren

      Politische Bildung übertragen in den digitalen Raum. Evaluationsbefunde bislang aus Großbritannien (Reynolds, 2017); deutsche Studien stehen aus.

    Beelmann et al. (2024), Praxisempfehlungen, S. 6, 21, 81–110.

★☆☆☆ theoretisch · anekdotisch ★★☆☆ einzelne Nachweise ★★★☆ gesicherte Wirkung ★★★★ meta-analytisch bestätigt

Empfehlungs-Finder

Den passenden Ansatz für meinen Kontext finden.

Drei Filter führen Sie zu den Ansätzen des Praxishandbuchs, die für Ihren Kontext am besten belegt sind: welcher Proximalprozess adressiert werden soll, in welcher Altersgruppe Sie arbeiten, in welchem Setting Sie verankert sind. Die Karten sind keine Empfehlungsautomatik, sondern eine navigable Leseoberfläche für das Praxishandbuch – jede Karte trägt Evidenzbewertung und Quelle.

Proximalprozess
Altersgruppe
Setting / Anwender
16 Ansätze im Praxishandbuch insgesamt
  1. Dissozialität★★★★

    Elterntrainingsprogramme

    ausgebildete Elterntrainerinnen und -trainer unterschiedlicher Professionen

    BeispieleTriple P, Incredible Years, PEP, EFFEKT, Eltern-AG, STEP

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Stärkung der Erziehungs- und Beziehungskompetenz; Reduktion emotionaler Probleme und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder; Prävention von Gewalt gegenüber Kindern. Meta-analytisch bestätigt (Beelmann, Arnold & Hercher, 2023).

    Praxishandbuch 2024, S. 9, 29–33.

  2. Dissozialität★★★★

    Soziale Trainingsprogramme

    Akteure unterschiedlicher Professionen, teils spezielle Ausbildung nötig

    BeispielePapilio, Fairplayer, Denk-Wege, EFFEKT, IPSY, Balu und Du

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen; Prävention von Verhaltensproblemen. Meta-analytisch bestätigt (Beelmann & Lösel, 2021).

    Praxishandbuch 2024, S. 9, 34–40.

  3. Dissozialität★★★☆

    Frühe Familienhilfe / Frühförderung

    Einrichtungen der Familienhilfe, Hebammen, Kinderärztinnen und -ärzte

    BeispielePro Kind, e:du, Babylotse, Steep, Welcome; international: Nurse-Family Partnership, Perry Preschool

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Allgemeine Entwicklungsförderung in Risikokonstellationen; Vermeidung von Vernachlässigung. US-Langzeitbefunde bis ins Erwachsenenalter (Olds, 2010; Schweinhart et al., 2005).

    Praxishandbuch 2024, S. 8, 24–28.

  4. Vorurteile★★★★

    Kontaktprogramme

    Akteure unterschiedlicher Professionen, auch ohne spezielle Ausbildung

    Beispieleintegrative Schulen und Klassen, Schüleraustausch, Kulturfeste, Begegnungsformate

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Prävention von Vorurteilen, intergruppaler Empathie und Wissen. Direkter Kontakt wirksamer als indirekter; negative Kontakterfahrungen vermeiden. Meta-analytisch breit bestätigt.

    Praxishandbuch 2024, S. 10, 47–53.

  5. Vorurteile★★★☆

    Sozial-kognitive Vorurteilstrainings

    ausgebildete Trainerinnen und Trainer unterschiedlicher Professionen

    BeispielePARTS (Universität Jena) – Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Förderung von Empathie, Perspektivenübernahme, multipler Klassifikation und Wertevermittlung. Kurz-, mittel- und langfristige Wirkungen nachgewiesen.

    Praxishandbuch 2024, S. 10, 42–46.

  6. Vorurteile★★☆☆

    Diversitäts-, Multikulturelle und Anti-Bias-Trainings

    interkulturell ausgebildete Trainerinnen und Trainer

    BeispieleFit für kulturelle Vielfalt, Eine Welt der Vielfalt

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Prävention von Fremdenfeindlichkeit; Umgang mit eigenen Stereotypen. Wirksamkeit in Einzelstudien belegt; Fit für kulturelle Vielfalt auf Stufe 2 der Grünen Liste.

    Praxishandbuch 2024, S. 11, 54–60.

  7. Identität★★☆☆

    Selbstwert- und Empowerment-Programme

    Akteure unterschiedlicher Professionen

    BeispieleSelbstwert stärken – Gesundheit fördern (Krause et al.)

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Selbstwertstärkung über Wertschätzung des Selbst, Selbstwirksamkeit und soziale Einbindung. Sehr gute Wirksamkeit bei gering ausgeprägtem Selbstwert; Kontraindikation bei unrealistisch hohem Selbstwert.

    Praxishandbuch 2024, S. 13, 73–76.

  8. Identität★★☆☆

    Selbst-Affirmationsübungen

    Akteure unterschiedlicher Professionen

    BeispieleValues-Affirmation-Task (schriftliche Exploration identitätsstärkender Aspekte)

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Kurzzeitige Wirkung auf das Selbstkonzept bestätigt; längerfristige Effekte (Schulleistungen, Verhalten) bei regelmäßiger Anwendung. Nur als Ergänzung zu umfangreichen Maßnahmen gedacht.

    Praxishandbuch 2024, S. 12, 66–72.

  9. Identität★★☆☆

    Outdoor- und sportpädagogische Angebote

    Akteure mit Erfahrung im Sport- und Outdoor-Bereich

    BeispieleOutdoor-Projekte (z. B. Zurechtfinden im unbekannten Gelände), Bouldern, begleitete Sportformate

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Positive Wirkungen auf das Selbstkonzept bei geringem Selbstwert. Wettbewerbsorientierte Formate können kontraproduktiv sein (Verlierer-Effekte).

    Praxishandbuch 2024, S. 12, 62–65.

  10. Identität★☆☆☆

    Kulturorientierte Freizeitaktivitäten

    Akteure mit teils spezieller Ausbildung (z. B. Theaterpädagogik)

    BeispieleTheater-, Musik- oder Tanzprojekte mit gemeinsamer Zielstellung

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Positive Identitätsentwicklung über Erfahrung neuer Identitätsaspekte und sozialer Verbundenheit. Anekdotische Evidenz; systematische Studien stehen aus.

    Praxishandbuch 2024, S. 14, 77–80.

  11. Narrative★★★☆

    Service-Learning-Programme

    professionelle Akteure unterschiedlicher Professionen

    BeispieleMentoring-Programme, Charaktererziehung, Engagement-Projekte

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Altersgerechte Verantwortungsübernahme, ziviles Engagement und humanistische Werteorientierung. Meta-analytisch bestätigt (Celio, Durlak & Dymnicki, 2011).

    Praxishandbuch 2024, S. 15, 86–91.

  12. Narrative★★☆☆

    Politische Bildung / Demokratiepädagogik

    politische Bildnerinnen und Bildner unterschiedlicher Professionen

    BeispieleKlassenrat, Jugendparlament, Auseinandersetzung mit Diktaturen, Exkursionen

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Vermittlung politischen Wissens und Zuwachs an Verständnis demokratischer Prozesse. Viele positive Praxisberichte; systematische Wirkstudien im deutschen Sprachraum fehlen.

    Praxishandbuch 2024, S. 15, 82–85.

  13. Narrative★★☆☆

    Trainings der Medienkompetenz

    ausgebildete Medientrainerinnen und -trainer, zivilgesellschaftliche Initiativen

    BeispieleCONTRA, HateLess, LOVE-Storm, Medienhelden

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Kritische Auseinandersetzung mit digitalen Inhalten, digitale Zivilcourage, Umgang mit Hassbotschaften. Medienhelden mit bestätigter Wirksamkeit (Grüne Liste Stufe 3).

    Praxishandbuch 2024, S. 16, 92–97.

  14. Narrative★★☆☆

    Argumentationstrainings und Counter Narratives

    politische Bildnerinnen und Bildner unterschiedlicher Professionen

    BeispieleArgumentationstraining gegen Stammtischparolen (Hufer), CONTRA Einheit 3

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Zivilcourage, Umgang mit ideologischen Narrativen und vorurteilsgeleiteten Positionen; Entwicklung positiver Gegenbotschaften. Qualitätsstandards formuliert; breite Evaluation ausstehend.

    Praxishandbuch 2024, S. 17, 98–102.

  15. Narrative★★☆☆

    Digital Citizenship Education

    politische Bildnerinnen und Bildner unterschiedlicher Professionen

    BeispieleLOVE-Storm (inhaltlich assoziiert)

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien, ziviles Engagement im Netz, Resilienz gegenüber Hass und Extremismus. Evaluationsbefunde bislang aus Großbritannien (Reynolds, 2017).

    Praxishandbuch 2024, S. 18, 108–110.

  16. Vorurteile★★☆☆

    Interkulturelle Erwachsenenbildung

    ausgebildete Trainerinnen und Trainer mit interkultureller Qualifikation

    BeispieleEine Welt der Vielfalt (Erwachsenenformate), Verwaltungs-Diversitätstrainings

    Wirkmechanismen und Evidenzlage

    Prävention von Diskriminierung und Förderung kultureller Offenheit in Regeldiensten und Verwaltung. Wirksamkeit in einer Reihe von Studien belegt; wenige systematische Untersuchungen im deutschen Sprachraum.

    Praxishandbuch 2024, S. 11, 54–60.

Datenbasis: Beelmann, A., Hercher, J., Lutterbach, S. & Sterba, L. S. (2024). Praxisempfehlungen Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention. 1. überarb. Fassung, LPR Niedersachsen. Die Kategorien „Altersgruppe" und „Setting" sind redaktionelle Konsolidierungen der im Handbuch je Ansatz genannten Ziel- und Anwendergruppen.

Historie

Vom Forschungsgutachten zur Praxisqualifizierung.

  1. Beelmann · LPR

    Erstes Gutachten

    Andreas Beelmann legt mit „Grundlagen einer entwicklungsorientierten Prävention des Rechtsextremismus" das theoretische Fundament. Veröffentlicht durch den Landespräventionsrat Niedersachsen.

  2. Gutachten II

    Entwicklungsmodell in heutiger Form

    Beelmann, Lutterbach, Rickert und Sterba veröffentlichen „Entwicklungsorientierte Radikalisierungsprävention: Was man tun kann und sollte". Das Modell mit den vier Proximalfaktoren erhält seine heute gültige Form.

  3. Beelmann et al.

    Praxishandbuch

    Der LPR Niedersachsen veröffentlicht die „Praxisempfehlungen Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention" – 16 Präventionsansätze entlang der vier Proximalprozesse, systematisch nach Evidenzlage bewertet.

  4. FINDER e.V.

    PROXI startet

    FINDER baut die Qualifizierung auf: Fachkräfte-Linie im Blended-Format, Führungslinie als kompaktes Zwei-Tages-Format. Für Teilnehmende aus Niedersachsen kostenfrei (finanziert durch den LPR Niedersachsen); Anfragen aus anderen Bundesländern im Einzelfall.

Wissenschaftliche Grundlage

Die gesamte Qualifizierung ruht auf der Arbeit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Andreas Beelmann am Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Drei Dokumente tragen das inhaltliche Fundament:

  • Beelmann, A. (2017). Grundlagen einer entwicklungsorientierten Prävention des Rechtsextremismus. LPR Niedersachsen.
  • Beelmann, A., Lutterbach, S., Rickert, M. & Sterba, L. S. (2021). Entwicklungsorientierte Radikalisierungsprävention: Was man tun kann und sollte. LPR Niedersachsen.
  • Beelmann, A., Hercher, J., Lutterbach, S. & Sterba, L. S. (2024). Praxisempfehlungen Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention. 1. überarb. Fassung, LPR Niedersachsen.

Die Zitationen im Register der Proximalprozesse und im Empfehlungs-Finder verweisen konsistent auf diese Quellen. PROXI übersetzt die wissenschaftliche Vorlage in eine didaktisch tragfähige Qualifizierung, ergänzt sie aber nicht eigenmächtig um Inhalte.

Rollenverhältnis transparent. FINDER ist nicht Kooperationspartner der Arbeitsgruppe Beelmann. Die Inhalte stammen aus den oben genannten Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe für den Landespräventionsrat Niedersachsen. FINDER wurde vom Landespräventionsrat Niedersachsen mit der Qualifizierung beauftragt und bringt das Praxishandbuch in eine vermittelbare Form für Fach- und Führungskräfte.

Netzwerk und Einbettung

PROXI ist in ein Netzwerk von rund 33 Akteuren der Radikalisierungsprävention eingebunden, mit einem regionalen Schwerpunkt in Niedersachsen und überregionaler Anschlussfähigkeit. Die Qualifizierung ist so gebaut, dass sie sich an bestehende Strukturen andockt, statt eine parallele Infrastruktur zu erzeugen.

  • Niedersachsen (Schwerpunktregion): Landespräventionsrat, kommunale Präventionsräte, Träger der Jugendhilfe, Schulsozialarbeits-Netzwerke, Fach- und Beratungsstellen der Polizei und der kommunalen Sozialarbeit.
  • Überregional: Fachstellen für Demokratieförderung und Extremismusprävention, Träger der außerschulischen Jugendbildung, Beratungsnetzwerke gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Einrichtungen der stationären und ambulanten Jugendhilfe.
Manual · PDF

Praxishandbuch „Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention"

Beelmann, Hercher, Lutterbach, Sterba · 1. überarbeitete Fassung 2024 · LPR Niedersachsen

Die autoritative Grundlage der PROXI-Qualifizierung. 16 Präventionsansätze entlang der vier Proximalprozesse, jeweils mit theoretischem Hintergrund, Wirkmechanismen und Evaluationsstand.

Fragen und Antworten

Häufig geklärt.

Zugang und Voraussetzungen 2
  1. Ist PROXI für Quereinsteigende geeignet?

    Ja. Die Fachkräfte-Linie setzt keine präventionsfachliche Vorqualifikation voraus. Wer aus Pädagogik, Sozialer Arbeit, Schule, Verwaltung oder Jugendhilfe kommt, kann direkt einsteigen.

  2. Brauche ich eigene Erfahrung mit radikalisierten Jugendlichen?

    Nein, ausdrücklich nicht. PROXI ist für den präventiven Kontext gedacht – zeitlich vor der ideologischen Bindung. Bei akuter Fallarbeit mit bereits radikalisierten Jugendlichen verweisen wir gerne an spezialisierte Ausstiegsberatungen (Violence Prevention Network, BAG RelEx, Landeskoordinierungsstellen).

Abgrenzung 2
  1. Worin unterscheidet sich PROXI von klassischer Extremismusprävention?

    Klassische Extremismusprävention setzt an, wenn Symbole, Sprache oder Handlungen einer Szene zugeordnet werden können. Der Entwicklungsansatz verschiebt den Blick früher, an die Entwicklungsprozesse, die Radikalisierung wahrscheinlich machen – lange bevor eine Ideologie-Etikettierung greift. PROXI arbeitet deshalb nicht mit den Kategorien Rechts-, Links- oder islamistischer Extremismus, sondern mit den psychologischen Mechanismen, die allen Radikalisierungsprozessen gemein sind.

  2. Wie verbindet sich PROXI mit laufender Präventionsarbeit?

    Sehr gut. Der Entwicklungsansatz lässt sich mit Schul-Curricula (Unplugged, REBOUND), schulischer Organisationsentwicklung (Schools That Care) und kommunalen Präventionsstrategien (Communities That Care) verschränken. Das Transfer-Modul in der Fachkräfte-Linie ordnet bestehende Programme in das Modell ein.

Wissenschaftliche Grundlage 1
  1. Wer steht wissenschaftlich hinter PROXI?

    Prof. Dr. Andreas Beelmann (Institut für Psychologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena) hat das entwicklungsorientierte Präventionsmodell entwickelt. Die Arbeitsgruppe Beelmann mit Judith Hercher, Dr. Sebastian Lutterbach und Laura Sophia Sterba hat das Praxishandbuch 2024 für den Landespräventionsrat Niedersachsen verfasst. FINDER ist nicht Kooperationspartner der Arbeitsgruppe Beelmann, sondern wurde vom Landespräventionsrat Niedersachsen mit der Qualifizierung beauftragt – die Inhalte des Praxishandbuchs werden in PROXI didaktisch umgesetzt.

Kosten und Anerkennung 2
  1. Kostet PROXI etwas?

    Für Teilnehmende aus Niedersachsen ist die Qualifizierung kostenfrei – finanziert durch den Landespräventionsrat Niedersachsen. Teilnehmende aus anderen Bundesländern können auf Anfrage dazukommen; die Konditionen dafür klären wir im Einzelfall, abhängig von Durchgang und Kapazität.

  2. Wird PROXI als Lehrkräftefortbildung anerkannt?

    Die Anerkennung richtet sich nach Landesrecht. Auf Anfrage klären wir die Anerkennung mit dem jeweiligen Bundesland; auch die Förderfähigkeit im Rahmen des Bildungsurlaubs ist regional zu prüfen.

Termine

Kommende Durchgänge.

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Literatur zum Programm

Forschungsstand und Belege.

Nachfolgend eine Auswahl peer-reviewter Arbeiten und zentraler Referenzdokumente zum Programm – nicht von FINDER verfasst, aber Grundlage unserer Umsetzung in Deutschland.

  1. 2024

    Beelmann, A.

    Praxisempfehlungen Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention. Beschreibung und Bewertung von Maßnahmen der entwicklungsorientierten Prävention

    Friedrich-Schiller-Universität Jena / Praxishandbuch

  2. 2023

    Beelmann, A., & Lutterbach, S.

    Special Issue Editorial: Political Socialization as Desiderata of Developmental Psychology

    International Journal of Developmental Science · DOI 10.3233/dev-230351

  3. 2022

    Beelmann, A.

    Radikalisierung als Problem der Sozialentwicklung: Bedingungen und Präventionsmöglichkeiten

    Springer Fachmedien Wiesbaden (Buchkapitel) · DOI 10.1007/978-3-658-35564-7_8

  4. 2022

    Lutterbach, S., & Beelmann, A.

    Religionsunterricht als Schutz vor Radikalisierung?

    transcript Verlag (Buchkapitel) · DOI 10.14361/9783839457801-011

  5. 2021

    Beelmann, A.

    Concept of and approaches toward a developmental prevention of radicalization

    Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform · DOI 10.1515/mks-2021-0130

  6. 2021

    Beelmann, A., & Lutterbach, S.

    Developmental Prevention of Prejudice: Conceptual Issues, Evidence-Based Designing, and Outcome Results

    Review of General Psychology · DOI 10.1177/10892680211056314

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Mandy Tuxhorn, M.Sc. Anmeldung, Termine vor Ort und Fragen zur Durchführung. Im Dialogfenster finden Sie E-Mail, Telefon und einen 15-Minuten-Termin.

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  2. Wissenschaftliche Grundlage
  3. Netzwerk und Einbettung
  4. Fragen und Antworten
  5. Kommende Durchgänge
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