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Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Dieser Blogeintrag ist der zweite Teil, welcher sich mit dem Thema Umgangsregeln befasst. Er richtet sich spezifisch an Erwachsene und Eltern, die nicht wissen, wie sie mit ihren Kindern über Alkohol und andere Drogen reden können. Der erste Teil richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht wissen, wie sie mit ihren Eltern über Alkohol und andere Drogen sprechen können.

Nicht über das Thema Alkohol und andere Drogen zu reden ist keine Lösung und hilft niemandem. Wie kann also ein angemessener Umgang mit dem Thema Drogen und Rausch aussehen? Einer, der nicht gedankenlos und verharmlosend ist, aber ebenfalls nicht von Bevormundung, Entmündigung und Kontrollexzessen geprägt ist?

Eltern möchten, dass es ihren Kindern gut geht. Das gilt in aller Regel auch für Eltern, die selbst suchtkrank sind. Kinder und Jugendliche dagegen möchten etwas erleben, eigene Erfahrungen machen, oft eben auch intensive oder extreme, sie möchten Spaß haben und sich ausprobieren, in die Welt hineinwachsen. Eltern sorgen sich. Jugendliche sind risikobereit. Aber manchmal ist es auch umgekehrt. In beiden Fällen hat unsere Kultur leider einen chronisch verkrampften Umgang mit Rausch und Rauschmitteln.

Unsere Empfehlung lautet wenig überraschend: Redet miteinander! Hört zu, äußert eure Ängste und Bedürfnisse und erkennt die des anderen an. Stellt gemeinsam Regeln auf. Haltet sie ein. Und seid euch bewusst, dass es immer Konflikte geben wird, wenn die Bedürfnisse und Sorgen des anderen – oder auch die Gesetze – nicht ernst genommen und ignoriert werden.

 

Vertrauen – die unverzichtbare Grundlage

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter zu früh oder zu viel Alkohol trinkt oder andere Drogen nimmt oder sogar ein Suchtproblem hat, sollten Sie mit ihm oder ihr reden. Wichtig ist dabei, schon vorher eine vertrauensvolle Basis für ein Gespräch zu schaffen. Verdächtigungen sind ebenso kontraproduktiv wie moralische Vorwürfe oder entwertende Kritik. Gespräche sind nur auf Augenhöhe zielführend. Zeigen Sie, dass Sie Vertrauen in Ihren Sohn oder Ihre Tochter haben (oder dieses Vertrauen wiedergewinnen möchten) und dass Ihr Kind Ihnen vertrauen kann. Hören Sie zu, nehmen Sie die Argumente Ihres Kindes ernst und versuchen Sie, dessen Gründe für den Substanzkonsum zu begreifen. Vorschnelle Verdächtigungen oder Kritik transportieren oft auch Botschaften wie »Du bist nicht okay« oder »Dir kann ich nicht vertrauen« oder »Du hast keine Ahnung, ich weiß besser, was gut für dich ist«. Auch heimliches Durchsuchen des Zimmers drückt vor allem Misstrauen aus. Das schafft keine gute Basis für vertrauensvolle Gespräche, egal ob sich Ihre Sorgen als unbegründet herausstellen sollten oder nicht. Und – möglichst keine Aussprache in emotional aufgeladenen Konfliktsituationen suchen, sondern versuchen, eine besonnene, gute Atmosphäre zu schaffen, bevor Sie in die Auseinandersetzung einsteigen.

Informiert über Drogen sprechen

Gerade zum Thema Alkohol und Drogen gibt es sehr viel Un- oder Halbwissen. Macht Cannabis abhängig? Ist man sofort süchtig, wenn man einmal Kokain oder Crystal probiert? Ist es wirklich gesund, täglich ein Glas Wein zu trinken? Ist Alkohol harmloser als Cannabis? Um mit Jugendlichen auf Augenhöhe über deren Konsum und Drogen allgemein reden zu können, ist es wichtig, selbst informiert zu sein. Jugendliche merken schnell, wenn ihr Gegenüber weniger weiß als sie selbst. Natürlich können Sie kaum über alle Drogen informiert sein; es gibt niemanden, der das ist. Müssen Sie aber auch nicht. Suchen Sie, vielleicht sogar gemeinsam mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, nach brauchbaren Informationen. Jemanden zu kennen, der Alkoholiker ist oder eine Heroinabhängigkeit hinter sich hat, ist für erfolgreiche Gespräche über den Drogenkonsum Ihrer Kinder nicht zwangsläufig nützlich. Denn die Erfahrungen aus Ihrem Bekanntenkreis lassen sich nicht zwingend auf das Erleben Ihrer Kinder übertragen.

Folgende Grundaussagen des britischen Drogenexperten David Nutt, ursprünglich als Hinweise an junge Menschen gedacht, sind ein guter Ausgangspunkt für Gespräche zwischen Eltern und ihren Kindern:

  • Alkohol und Tabak sind Drogen, es gibt keinen sicheren Konsum.
  • Alle Drogen haben angenehme Effekte. Deshalb unterschätzt man oft die Risiken.
  • Fang niemals an, Drogen zu spritzen, denn das ist die gefährlichste Art des Konsums überhaupt.
  • Halte dich auch von Lösungsmitteln fern. Inhalieren tötet jede Woche einen Menschen.
  • Trink niemals Alkohol, wenn du andere Drogen konsumierst. Dabei können neue Substanzen im Körper entstehen, die noch viel schädlicher sind.
  • Selbst wenn wir mit der Kriminalisierung von Drogen nicht einverstanden sind: Ein Eintrag im Strafregister kann dein Leben ruinieren.
  • Finde zuverlässige Quellen für Informationen.
  • Wer Drogen verteufelt, lügt – genauso wie jeder lügt, der Drogen glorifiziert oder verharmlost.
  • Wann immer du Drogen nimmst, sei dir im Klaren darüber, warum. Das gilt auch für Alkohol und Zigaretten.
  • Wenn du Probleme mit Drogen bekommst, hol dir so schnell wie möglich Hilfe. Auch bei uns Eltern. Wir bestrafen dich nicht, sondern sind für dich da.
  • Wenn du mit Drogen experimentierst: Sorge dafür, dass deine Abenteuer keine Folgen für die Schule haben. Nimm niemals Drogen mit dorthin und konsumiere auch keine auf dem Schulgelände. Deine Experimente sollten auch nicht verhindern, dass du deine Hausaufgaben machst oder nüchtern am Unterricht teilnimmst.

Interesse am anderen zeigen!

Jugendliche streben nach Unabhängigkeit von den Eltern. Das ist grundsätzlich gut und wichtig. Häufig wirken sie dabei verschlossen und blocken neugierige Fragen der Eltern ab. Aber auch wenn sie nicht den Eindruck erwecken, ist es dennoch wichtig für sie, dass man Interesse an ihrem Leben zeigt: Mit wem trifft er oder sie sich? Wie verbringen sie ihre Zeit? Wenn Grenzen überschritten werden, ist es wichtig, nicht darüber hinwegzusehen. Auch mit der vielleicht unangenehmen und unerwünschten Konfrontation bei Fehlverhalten signalisieren Sie: »Ich interessiere mich für dich!« oder auch »Ich mache mir Sorgen um dich«. Vorwürfe und Vorhaltungen allerdings treiben den anderen eher in die Defensive und tragen meist nicht zu einer Lösung bei. Jugendliche haben jedes Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden.

Provokationen

Beim Streben nach Unabhängigkeit gehört es für junge Erwachsene häufig dazu, Autoritäten (und ganz besonders die Eltern) herauszufordern und zu provozieren. Das hat einerseits die Funktion, Grenzen auszutesten, andererseits ist es auch ein Zeichen von Identitätssuche durch Abgrenzung von den Erwartungen und Überzeugungen der Eltern. Letztlich erleichtern Jugendliche ihren Eltern so auch das Loslassen: Wenn Sie gelegentlich vor Ihren unzugänglichen und schwierigen Kindern kapitulieren, kann das manchmal durchaus etwas Gutes haben. Mitunter wird so der in dieser Altersphase anstehende Ablöseprozess erleichtert. Mit Desinteresse sollte das allerdings nicht verwechselt werden: Auch, wenn pubertierende Jugendliche häufig verschlossen wirken, so brauchen sie dennoch die Gewissheit, dass sie jederzeit um Hilfe bitten können.

Vorbild sein

Wie Jugendliche mit Alkohol und anderen Drogen umgehen, hängt auch davon ab, wie im Elternhaus damit umgegangen wird. Nicht nur, aber auch. Und dazu gehört auch der Umgang mit Medikamenten und Drogen, angefangen bei der Kopfschmerztablette über Beruhigungsmittel bis hin zu Alkohol und Zigaretten. Wer sich selbst nicht erlaubt, krank, erschöpft oder überfordert zu sein und jede Störung mit Medikamenten bekämpft, um möglichst belastbar und funktionstüchtig im Beruf und Alltag zu sein, sollte darüber nachdenken, welches Beispiel für den Umgang mit eigenen Schwächen, aber eben auch mit Substanzen er abgibt.

Das bedeutet nicht, dass Jugendliche das Verhalten der Eltern grundsätzlich imitieren. Das ist nur ein mögliches Muster. Auch das Gegenteil ist möglich: Wenn Sie selbst gar keinen Alkohol trinken oder verantwortlich damit umgehen, kann es zur jugendtypischen Ablösung vom Elternhaus gehören, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Sie vorleben. Dennoch bleiben Sie als Erwachsene mit Ihrem eigenen Verhalten immer auch zu einem großen Teil Vorbild für Jugendliche. Deshalb ist es wichtig, auch seinen eigenen Umgang mit Substanzen zu überprüfen – wenn Sie selbst starker Raucher sind, ohne zwei Feierabendbier nicht ins Bett finden oder sich bei jedem Fest betrinken, sollten Sie das zumindest offen ansprechen, wenn Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn über deren Cannabis- oder Ecstasy-Konsum reden wollen.

Das gilt natürlich in besonderem Maße, wenn Sie selbst ein Suchtproblem haben. Dann sind Ihre Kinder tatsächlich gefährdeter als andere. Reden Sie mit Ihren Kindern darüber. Zeigen Sie Ihre Schwächen, dann fällt es den Jugendlichen leichter, Sie zu verstehen. Und verschanzen Sie sich nicht im Käfig Ihrer Kleinfamilie. Ziehen Sie andere Erwachsene oder professionelle Berater dazu, wenn es nicht so läuft, wie Sie es sich wünschen. Oder wenn Ihre Kinder offenkundig unter Ihrer Sucht leiden.

 

Erwischt

Geduld, Klarheit und Vertrauen sind wichtig. Wir alle lernen manchmal, indem wir wiederholt gegen Mauern rennen. Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter Grenzen überschritten oder Regeln nicht eingehalten hat, zum Beispiel in der Schule oder zu Hause kifft, obwohl Sie es anders vereinbart haben, seien Sie konsequent, aber nicht drakonisch. Ihr Gegenüber sollte spüren, wenn Sie enttäuscht sind oder sich nicht ernst genommen fühlen. Zum Beispiel ist einigen Jugendlichen tatsächlich geholfen, wenn sie die Schule wechseln können – ein Schulverweis dagegen nützt ihnen in aller Regel nicht. Sagen Sie Ihren Kindern, wenn Sie das Vertrauen verlieren oder verloren haben. Holen Sie sich Unterstützung, auch professionelle. Sie müssen und sollten solche Probleme nicht verheimlichen – Substanzkonsum in der Familie ist keine Schande, kein Resultat elterlichen Versagens und verbreiteter, als Sie denken. Setzen Sie auf Offenheit und aktive Problemlösung. Schweigen ist keine Lösung.

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Notfallhilfe beim Drogenkonsum – Was tun, wenn es brennt? Teil 1

Wenn eine fremde Person, ein Freund oder eine Freundin vor unseren Augen zusammenbricht oder am ganzen Körper zuckend im eigenen Erbrochenen liegt, kann man schon mal in Panik geraten. Aber so etwas geschieht immer wieder, an jedem Wochenende, in einem Club, auf einem Festival oder auf einer Party. Umso wichtiger, in so einer Situation die Ruhe zu bewahren. Zu wissen, was bei einer Überdosierung, einem Kreislaufkollaps oder Ähnlichem zu tun ist, kann Leben retten – das von Fremden und das von Freunden. Grundsätzlich gilt: Besser zu früh den Arzt rufen als zu spät! Aber was tun, bis Hilfe kommt?

Dieser Blogeintrag ist kein Ersatz für einen Erste-Hilfe-Kurs! Er soll einfache Grundregeln und Fertigkeiten vermitteln, die bei medizinischen Notfällen mit Drogen von Nutzen sein können.

Drogen können ihrer Wirkung nach grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: aufputschende (Upper) und beruhigende Substanzen (Downer). Bei Halluzinogenen können sowohl anregende als auch beruhigende Wirkungen auftreten. Die eine Drogengruppe aktiviert also Geist und Körper, die andere macht eher schläfrig und benommen, das heißt, bei aufputschenden Substanzen steht die körperliche und geistige Übererregung im Vordergrund, bei beruhigenden die Dämpfung. Das wiederum bedeutet, dass Überdosierungen abhängig von der Substanz unterschiedliche Folgen haben und unterschiedliche Hilfsmaßnahmen erfordern können.

Werden Substanzen gemischt oder parallel konsumiert, wird das Ergebnis sehr schwer berechenbar. Gleichartige Drogen verstärken sich in ihren Nebenwirkungen, verschiedenartige Drogen sind in ihrem Zusammenspiel überhaupt nicht vorhersehbar. Ein fast schon alltägliches Beispiel ist die Mischung von Wodka mit Energydrinks: Das durch den Energydrink ausgelöste Gefühl der Klarheit und Wachheit bei gleichzeitig verringerter Urteilskraft und eingeschränkten geistigen Fähigkeiten, verursacht durch den hochprozentigen Alkohol, ist eine explosive Mischung und kann zu Unfällen, schweren Ausfallerscheinungen und Überdosierung führen. Zumal der angenehme, den Alkohol überlagernde Geschmack des Energydrinks unter Umständen zum Konsum größerer Mengen verführt.

Upper, die den Körper und den Geist aufputschen, sind beispielsweise Ecstasy, Kokain, Amphetamine wie Crystal Meth oder Speed, aber auch Ritalin, Koffein und Ephedrin. Ein ähnlicher Effekt kann aber auch durch die in dieser Hinsicht allerdings weniger gefährlichen Substanzen LSD und Psilocybin verursacht werden. Diese Substanzgruppen unterscheiden sich aber in ihren Wirkungen: Amphetamine verursachen in der Regel keine »Visuals« (tagtraumähnliche Imaginationen), Halluzinationen oder Sinnestäuschungen wie LSD oder Psilocybin, dafür manchmal ein Gefühl der Unverwundbarkeit, gesteigerte Wachheit und körperlichen Antrieb. Gemeinsam ist diesen Stoffen die angeregte oder überdrehte Aktivierung von entweder Körper oder Geist oder beidem. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Kreislaufkollaps. Das betrifft gesundheitlich vorbelastete Personen natürlich noch stärker.

Downer, die Körper und Geist eher dämpfen, sind Alkohol, Cannabis oder Opiate, zum Beispiel Heroin oder Codein. Die Hauptgefahr bei einer Überdosis mit diesen Substanzen ist eine Bewusstlosigkeit und darauffolgende Verstopfung der Atemwege, zum Beispiel durch die Zunge, Schleim oder Erbrochenes. Auch das Aussetzen der Schutzreflexe, wie zum Beispiel des Hustenreflexes, kann dazu beitragen: Der Hustenreflex sorgt dafür, dass Erbrochenes wieder aus der Lunge entfernt wird. Wenn die konsumierende Person ihre Spucke oder ihr Erbrochenes nicht aushusten kann, droht Erstickung. Bei manchen Substanzen, vor allem den Opiaten, kann eine Überdosierung auch zu einer lebensgefährlichen Herabsetzung der Atemfrequenz bis zum Atemstillstand führen. Dann ist es notwendig, die jeweilige Person dazu zu bringen, wieder selbständig zu atmen.

Regeln für Notfallhelfer

Im Umgang mit einer hilflosen Person gelten folgende Hinweise:

  • Bring dich selbst nicht in Gefahr: Ist der Ort sicher? Vorsicht im Straßenverkehr oder in einer Menschenmenge. Wenn Scherben, Nadeln oder Ähnliches herumliegen, zuvor zur Seite schieben.
  • Wichtig ist es, ruhig zu bleiben! Du bist der Helfer, nicht der Patient.
  • Auch wenn du die hilflose Person kennen solltest, stelle dich mit Namen vor, erkläre, was du als Nächstes tust, und konzentriere dich auf das Notwendige. Ein Notfall ist nicht der Zeitpunkt für Schuldzuweisungen oder einen Vortrag über Fehlverhalten.
  • Hab keine Angst, etwas Falsches zu tun. Jemand braucht deine Hilfe, und Nichtstun könnte das Leben eines Menschen kosten. Das sieht auch das Gesetz so.
  • Finde heraus, welche Substanzen die betroffene Person in welcher Menge konsumiert hat.
  • Im Zweifel Unterstützung rufen. Viele Situationen erfordern professionelle Hilfe. Wenn eine Person bewusstlos ist, keinen oder kaum noch Puls hat und auch auf starke körperliche Reize wie Kneifen nicht mehr reagiert, muss unbedingt ein Notarzt gerufen werden. Die 112 ist die kostenlose europaweite Notrufnummer, die von jedem Telefon aus durchgestellt wird, auch von einem Mobiltelefon ohne Guthaben oder einem, das mit PIN gesperrt ist. Am Telefon so genau wie möglich die Symptome schildern. Bei Drogenunfällen gilt »Hilfe vor Strafe«: Menschen zu retten ist wichtiger, als Drogenkonsum zu ahnden.

 

 

Bei bewusstlosen Personen

  • Den Betroffenen auf den Rücken drehen und bei leicht in den Nacken gelegtem Kopf dessen Atmung überprüfen. Bei selbständig atmenden Personen:
  • In stabile Seitenlage bringen, dadurch Atemwege sichern.
  • Für Frischluftzufuhr sorgen, aber Auskühlung oder Überhitzung verhindern.
  • Nichts in den Mund stecken, auch keine Flüssigkeiten einflößen.
  • Muss sich die Person erbrechen, nichts dagegen tun – was raus ist, kann keinen Schaden mehr anrichten. Erbrochenes darf nicht im Mund oder im Rachen bleiben.
  • Die stabile Seitenlageist der Klassiker unter den Rettungsmaßnahmen. Jeder, der die Führerscheinprüfung hinter sich hat, sollte zumindest schon davon gehört haben. Auch wenn die meisten Fahrschüler möglicherweise dazu neigen, diese Lektion als lästige Pflichtübung auszusitzen und zügig wieder zu vergessen, kann die Kenntnis und Anwendung der stabilen Seitenlage auch bei Drogenunfällen und jeder Art von Kreislaufkollaps Leben retten. Die stabile Seitenlage soll sicherstellen, dass der Bewusstlose nicht an seinem Erbrochenen oder Blut erstickt. Deshalb muss unbedingt die Mundhöhle des Verunglückten kontrolliert und Erbrochenes oder Schleim, notfalls auch ausgeschlagene Zähne, entfernt werden.

 

Bei nicht atmenden Personen:

Einen starken Schmerzreiz setzen, zum Beispiel den Bewusstlosen in den Arm kneifen. Sollte das keinen Effekt haben, direkt mit der Herzdruckmassage beginnen, diese so lange fortsetzen, bis die Person wieder selbständig atmet oder andere Lebenszeichen von sich gibt wie Husten oder gezielte Bewegungen, dann in stabiler Seitenlage lagern. Bei nicht atmenden, bewusstlosen Personen ist es immer gerechtfertigt einen Notarzt zu rufen. Wie bereits oben erwähnt gilt in solchen Situationen immer »Hilfe vor Strafe«.

 

Dies ist der erste von zwei Teilen, welcher sich mit dem Thema Notfallhilfe beim Drogenkonsum beschäftigt. In diesem Teil geht es spezifisch um medizinische erste Hilfe in Notfällen. Im zweiten Teil geht es um die Hilfe für Personen mit schlechten Trips, stark erregtem Zustand oder aggressivem Verhalten.

Dieser Blogeintrag ist ein Auszug aus dem Buch „High Sein – Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle. „High Sein“ ist ein Buch, welches nicht bevormunden, sondern informieren will.

Manche Menschen bewältigen den Alltag komplett ohne Drogen, manche schaffen es nur mit einem Feierabendbier ihren Arbeitsalltag zu verdauen. Einige brauchen psychoaktive Substanzen um am Wochenende zu feiern, andere nehmen diese nur vereinzelt und zu besonderen Anlässen. Was unterscheidet diese unterschiedlichen Arten von Menschen? Ein zentrales Konzept des Lebenskompetenz- und Suchtpräventionsprogramms Rebound sind die unterschiedlichen Risiko- und Motivtypen. Wie gehen Menschen mit Risiken um, und warum konsumieren sie psychoaktive Substanzen?

Ein Überlick

Es gibt zahlreiche Gründe, Drogen zu nehmen, gute und weniger gute. Die einen trinken Alkohol, weil es Spaß macht. Oder weil es schmeckt. Die anderen, weil sie dann lockerer sind oder es ihnen leichter fällt, Mädchen anzusprechen. Manche, weil sie dazugehören wollen. Der eine oder andere braucht Alkohol oder Cannabis, um sein Leben zu bewältigen und nicht unter seinen Problemen zusammenzubrechen. Oder weil das Leben ohne Drogen langweilig und öde erscheint. Wieder andere trinken oder kiffen gar nicht, weil sie sich auch ohne Rausch gut fühlen und einen klaren Kopf behalten wollen, um ihre Ideen und Projekte zu verwirklichen. »Was treibt uns an?« lautet eine zentrale Frage bei der Beschäftigung mit Drogen. Wozu das Ganze? Was lässt die einen trinken, die anderen kiffen, und wieso lassen wieder andere ganz die Finger von Drogen? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Ob der Umgang mit Drogen das Beste oder das Schlechteste zum Vorschein bringt, ist abhängig von zahlreichen Faktoren: von Motiven, also dem »Wozu«, vom sozialen Umfeld und den Ideen, durch die ein Mensch beeinflusst wird. Außerdem spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Und es kommt darauf an, wie das Gehirn eines Menschen sich im Laufe seiner Lebensgeschichte entwickelt hat und sein Verhalten steuert. Nicht jede Konsumentscheidung ist eine bewusste Entscheidung, oft werden wir von Gewohnheiten oder Impulsen beeinflusst. Die meisten Menschen trinken morgens einen Kaffee, ohne sich die Motive dafür bewusst zu machen. Sicher, alles andere wäre auch anstrengend und bei dem geringen Risiko, dem man sich mit der Droge Kaffee aussetzt, auch unnötig. Der Morgenkaffee ist ein Ritual, mit dem die allermeisten Menschen hervorragend leben können. Bei anderen Ritualen, wie dem Feierabendbier oder dem Entspannungsjoint, kann es dagegen ratsam sein, ab und zu seine Gründe zu hinterfragen.

Unterschiedliche Motive für den Konsum psychoaktiver Substanzen

In einem Langzeitforschungsprojekt an der Universität Heidelberg wurden aus Interviews mit 318 Jugendlichen verschiedene Motive beim Umgang mit psychoaktiven Substanzen herausgearbeitet – die Suche nach Gruppenzugehörigkeit und Identität, Auflehnung, Hedonismus, Neugier oder Problembewältigung sind einige Beispiele. Niemand ist auf ein einziges Motiv festgelegt. Jeder Mensch hat von jedem der hier beschriebenen Motive Anteile in sich. Wichtig ist, welche sich im Laufe der Zeit durchsetzen und unsere Entscheidungen und unser Handeln bestimmen. Außerdem unterscheiden und verändern sich die Motive für den Drogenkonsum häufig, wenn jemand zum ersten Mal trinkt oder kifft oder wenn er schon erfahren darin ist.

Die Motivtypen bezeichnen ein Spektrum, in dem wir uns bewegen. So lange, bis wir unseren eigenen Weg gefunden haben und die eigene Persönlichkeit gefestigt ist. So kann beispielsweise aus jemandem, der mit 14 extrem neugierig war und alles ausprobieren wollte, im Laufe der Zeit jemand werden, der sich und anderen Grenzen setzt – weil die eigene Erfahrung ihn genau das gelehrt hat.

Außerdem können sich die Motive verändern, wenn sich die Lebensumstände verändern, ein Umzug, ein Schulwechsel, eine Trennung, ein neuer Partner oder neue Freunde können auch den Blick auf und den Umgang mit Drogen verändern. Auch kann ein Motiv zu unterschiedlichen Reaktionen führen: Wer sich an Älteren oder Vorbildern orientiert oder sich an eine soziale Gruppe anpassen möchte, nimmt, abhängig von diesen Vorbildern oder Gruppen, die gleichen Drogen wie diese oder eben keine, wenn diese keine nehmen. Auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene spielt eine große Rolle.

Natürlich sind einige dieser Motive riskanter als andere. Wer nur dann Spaß haben kann, wenn er besoffen ist, asphaltiert sich eine breite Straße geradewegs in Richtung Sucht. Genauso ungünstig ist es, Probleme wie Einsamkeit, Beziehungsstress oder Überforderung in der Schule dauerhaft wegzukiffen oder mit anderen Substanzen zu bekämpfen. Zugegeben, kurzfristig stellt sich ein wunderbares Gefühl von Entspannung ein, man fühlt sich wie in Watte gepackt, der Stress ist angenehm heruntergedimmt. Langfristig löst die Flucht in den Drogenrausch allerdings keine Probleme, auf Dauer verstärkt es sie eher oder schafft neue.

Aber auch hier spielen Häufigkeit und Dosis eine große Rolle: Gelegentlich nach einem anstrengenden Tag in der Schule zur Entspannung einen Joint zu rauchen oder den Trennungsschmerz ein oder zwei Nächte lang mit Alkohol oder anderen Drogen zu bekämpfen muss nicht zwangsläufig zu Problemen führen, im Gegenteil, es kann sogar hilfreich und entlastend sein. Zumindest wenn es nicht die einzige Lösungsstrategie darstellt und nicht dauernd wiederholt werden muss. Grundsätzlich kommt es darauf an, dass Konsumenten sich selbst kritisch beobachten und darauf achten, dass sie über den Substanzkonsum hinaus über möglichst viele andere Strategien verfügen, ihre Freizeit zu genießen und Probleme zu bewältigen.

Unterschiedliche Risikotypen

Eng mit den Motivtypen verbunden sind die Risikotypen: Eine gute Risikoeinschätzung ist die Voraussetzung für einen langfristig positiven Konsum – und manchmal sogar die Voraussetzung dafür, den Drogengebrauch zu überleben. Aber Risikoeinschätzung ist schwierig und komplex. Risiko ist keine klare, objektive Größe, wie hoch oder niedrig jemandem ein Risiko erscheint, wird stark von dessen Erfahrungen, aber auch von den eigenen Überzeugungen und denen anderer Menschen beeinflusst. Diese subjektive Seite des Umgangs mit Risiko nennt man Risikowahrnehmung. Sie wird nicht nur von gesellschaftlichen Normen und Vorurteilen beeinflusst, sondern auch durch unsere Biologie. Einige Menschen zeigten bei Hirnscans in bestimmten Gehirnregionen, die mit Erregung und Verhaltensverstärkung verknüpft sind, stärkere Reaktionen auf Reize. Diese Menschen, die den Nervenkitzel und die Aufregung suchen, nennt man Sensation Seeker oder umgangssprachlich auch Adrenalinjunkies. Sie neigen dazu, größere Risiken einzugehen als andere. Sie suchen Stimulierung, also Extremerfahrungen, die neu oder besonders intensiv sind. Dazu gehören neben sexuellen Erfahrungen und Extremsport auch Glücksspiel und Drogen. Die Frage nach dem eigenen Risikotyp ist ein weiterer Baustein eines gelungenen Umgangs mit Drogen. Wie bei den Motivtypen ist auch hier die Zuordnung nicht immer ganz eindeutig, viele von uns vereinen unterschiedliche Anteile, wobei auch hier wichtig ist einzuschätzen, welcher Anteil prägend ist und unser Handeln bestimmt. Auch das Risikoverhalten kann sich verändern.

Welcher Risikotyp bin ich?

Der Risikosucher ist neugierig und manchmal impulsiv, er sucht den Nervenkitzel.

Der Risikovermeider ist vorsichtig und geht Gefahren aus dem Weg.

Der Risikokontrollierer wägt ab, beschäftigt sich mit den Gefahren, bevor er eine Entscheidung trifft.

Der Risikoverursacher bringt vor allem andere in Gefahr.

Wozu nehme ich Drogen?

Hedonismus versus Problembewältigung – Der Spaßtyp und der Selbstbehandler: Spaß zu haben und seine Freizeit aufregender gestalten zu wollen, ist das am häufigsten genannte Motiv für den Konsum von Alkohol oder anderen Drogen. Aber auch Trinken oder Kiffen zur Bewältigung oder Verdrängung von Problemen ist weit verbreitet.

Grenzen setzen versus Grenzen überschreiten – Der Kontrollierer und der Grenzgänger: Dem einen ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen und die Kontrolle zu bewahren. Der andere geht bewusst über seine Grenzen hinaus, um neue und intensive Erfahrungen zu machen.

Dazugehören wollen versus seine Freiheit suchen – Der Szenetyp und der Unabhängige: Der eine trinkt oder kifft, um dazuzugehören und so zu sein wie die Älteren, Cooleren oder andere Vorbilder. Der andere sucht nach Individualität und Unabhängigkeit, das kann sowohl durch Verzicht auf Drogen als auch durch den Konsum geschehen.

Vorsicht versus Neugier – Der Abstinente und der Probiertyp: Der eine lehnt Drogenerfahrungen ab, um sich zu schützen, der andere ist neugierig und möchte diese Erfahrungen machen, bevor er sich grundsätzlich für oder gegen den Konsum entscheidet.

Auflehnung versus Anpassung – Der Rebell und der Mitläufer: Was verboten ist, ist besonders reizvoll – die einen nehmen Drogen, um gezielt Regeln und Gesetze, Vorschriften und Erwartungen in Frage zu stellen und zu unterlaufen. Die anderen passen sich den Normen und Konsumgewohnheiten der Mehrheit an.

In der letzten Kursleiter-Weiterbildung des Jahres wurden 11 Personen aus vier Schulen weitergebildet. Im Rahmen der Kursleiter-Weiterbildung lernten Lehrerinnen und Lehrer sowie Sozialpädagogen aus der schulbezogenen Sozialarbeit, den evidenzbasierten Kurs zukünftig …