Die digitale Transformation hat die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen grundlegend verändert. Der umfassende OECD-Bericht „How's Life for Children in the Digital Age?" (OECD, 2025) bietet eine evidenzbasierte Analyse dieser Veränderungen und ihrer Auswirkungen auf das kindliche Wohlbefinden. Für Fachkräfte in der Prävention und Gesundheitsförderung liefert die Studie Erkenntnisse, die in die Entwicklung wirksamer Interventionsstrategien eingehen sollten.
Die digitale Durchdringung des Kinderalltags
Die Zahlen der OECD-Studie verdeutlichen, wie selbstverständlich digitale Medien im Leben junger Menschen geworden sind. Bereits im Alter von zehn Jahren besitzen durchschnittlich 70 Prozent der Kinder in OECD-Ländern ein eigenes Smartphone, wobei die Spanne von 29 Prozent in der Türkei bis zu über 90 Prozent in den nordischen Ländern reicht (OECD, 2025). Bei den 15-Jährigen liegt der Anteil der Smartphone-Besitzenden bei 98 Prozent. Diese nahezu universelle Verfügbarkeit digitaler Endgeräte prägt den Alltag junger Menschen in einem historisch neuen Ausmaß.
Aufschlussreich sind die Daten zur Nutzungsintensität. In fast allen OECD-Ländern verbringt mindestens die Hälfte der 15-Jährigen 30 oder mehr Stunden pro Woche mit digitalen Geräten. Eine Minderheit, zwischen 10 Prozent in Japan und 43 Prozent in Italien und Lettland, nutzt digitale Medien mehr als 60 Stunden wöchentlich (OECD, 2025). Diese Nutzungsmuster überschreiten die von Gesundheitsorganisationen empfohlenen Grenzwerte und werfen Fragen für die präventive Arbeit auf.
Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Smartphone-Besitz, 15-Jährige | 98 Prozent |
| Smartphone-Besitz, 10-Jährige | 70 Prozent |
| 15-Jährige mit mehr als 30 Stunden wöchentlicher Nutzung | mindestens 50 Prozent |
| Jugendliche mit Cybermobbing-Erfahrung (11 bis 15 Jahre) | rund 16 Prozent |
| Anzeichen problematischer Social-Media-Nutzung (11 bis 15 Jahre) | rund 10 Prozent |
| Nutzung digitaler Ressourcen zum Lernen (15-Jährige) | 84 Prozent |
Quelle: OECD (2025), How's Life for Children in the Digital Age?
Das Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken
Die OECD-Studie zeichnet ein differenziertes Bild der digitalen Medienwelt, das sowohl Potenziale als auch Risiken umfasst. Auf der Habenseite stehen Lernmöglichkeiten: 84 Prozent der 15-Jährigen nutzen digitale Ressourcen mindestens zwei Stunden wöchentlich für Lernaktivitäten außerhalb der Schule. Dabei zeigen sich sozioökonomische Unterschiede, Jugendliche aus privilegierten Verhältnissen nutzen digitale Medien zwölf Prozentpunkte häufiger für Bildungszwecke als ihre weniger privilegierten Altersgenossen (OECD, 2025).
Digitale Medien fördern auch kreative Ausdrucksformen. Etwa 70 Prozent der Jugendlichen erstellen oder bearbeiten eigene digitale Inhalte wie Bilder, Videos oder Musik. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund nutzen diese Möglichkeiten (76 Prozent gegenüber 68 Prozent bei einheimischen Jugendlichen), was auf das Potenzial digitaler Medien für kulturellen Ausdruck und Identitätsbildung hinweist (OECD, 2025).
Die sozialen Aspekte digitaler Mediennutzung sind ebenfalls bedeutsam. Durchschnittlich 40 Prozent der 11- bis 15-Jährigen in OECD-Ländern pflegen regelmäßigen Kontakt zu Freundinnen und Freunden, die sie ausschließlich online kennengelernt haben. Diese Online-Freundschaften können für sozial isolierte Jugendliche eine Ressource darstellen und das Gefühl von Verbundenheit stärken (OECD, 2025).
Die Schattenseiten der Digitalisierung
Die Studie identifiziert vier Hauptkategorien digitaler Risiken, strukturiert nach dem etablierten 4C-Modell: Content (Inhalt), Contact (Kontakt), Conduct (Verhalten) und Consumer (Verbraucher).
Bei den Inhaltsrisiken zeigt sich, dass über ein Drittel der 15-Jährigen (36 Prozent) angibt, durch altersunangemessene Online-Inhalte belastet worden zu sein. Noch höher liegt der Anteil bei diskriminierenden Inhalten, 53 Prozent der Jugendlichen berichten über entsprechende negative Erfahrungen. Mädchen sind in beiden Bereichen signifikant häufiger betroffen als Jungen (OECD, 2025). Die Exposition gegenüber Falschinformationen stellt ein weiteres Problem dar: 28 Prozent der 15-Jährigen vergleichen keine verschiedenen Quellen, wenn sie online nach Informationen suchen, wobei Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien mit 35 Prozent besonders gefährdet sind.
Kontaktrisiken manifestieren sich besonders deutlich im Phänomen des Cybermobbings. Die Cybermobbing-Raten sind zwischen 2017 und 2022 in nahezu allen OECD-Ländern gestiegen, im Durchschnitt um mehr als 25 Prozent. Aktuell berichten etwa 16 Prozent der 11- bis 15-Jährigen über Cybermobbing-Erfahrungen in den letzten Monaten. Mädchen und Jugendliche aus Einelternfamilien sind in den meisten Ländern häufiger betroffen (OECD, 2025). Bereits im Grundschulalter zeigen sich diese Probleme, etwa 5 Prozent der 10-Jährigen berichten über Cybermobbing-Erfahrungen; Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status sind doppelt so häufig betroffen.
Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass digitale Mediennutzung alle Bereiche der kindlichen Entwicklung beeinflusst: körperliche Gesundheit, kognitive Entwicklung und psychisches Wohlbefinden.
Im Bereich der körperlichen Gesundheit sind die Zusammenhänge zwischen exzessiver Bildschirmzeit und verschiedenen Gesundheitsproblemen dokumentiert. Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen beeinträchtigt sowohl Schlafdauer als auch Schlafqualität. Der zugrundeliegende Mechanismus umfasst mehrere Faktoren: Die Exposition gegenüber blauem Licht hemmt die Melatoninproduktion, die psychologische Stimulation durch digitale Inhalte verzögert das Einschlafen, und die Bildschirmzeit verdrängt die für erholsamen Schlaf notwendige Zeit (OECD, 2025).
Die Auswirkungen auf das Körpergewicht sind ebenfalls bedeutsam. Eine in der OECD-Studie zitierte Metaanalyse zeigt, dass Kinder, die zwei oder mehr Stunden täglich vor Bildschirmen verbringen, ein um 67 Prozent erhöhtes Risiko für Übergewicht oder Adipositas aufweisen (Fang et al., 2019, zitiert nach OECD, 2025). Dieser Zusammenhang wird durch mehrere Mechanismen vermittelt: Bildschirmzeit ersetzt körperliche Aktivität, fördert ungesundes Essverhalten und erhöht die Exposition gegenüber Werbung für ungesunde Lebensmittel.
Die kognitive Entwicklung wird ebenfalls beeinflusst, wobei die Effekte stark vom Alter und der Art der Nutzung abhängen. In der frühen Kindheit kann passive Bildschirmexposition die Sprachentwicklung verzögern. Die Studie zeigt, dass die negativen Auswirkungen besonders ausgeprägt sind, wenn Bildschirme während der Mahlzeiten laufen, der Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten ist hier mehr als zehnmal stärker als bei einer einstündigen Erhöhung der täglichen Bildschirmzeit (Yang et al., 2023, zitiert nach OECD, 2025). Dies wird damit erklärt, dass Hintergrundmedien die für die Sprachentwicklung entscheidenden Eltern-Kind-Interaktionen stören.
Psychisches Wohlbefinden und problematische Nutzungsmuster
Ein zentraler Befund betrifft die Entwicklung problematischer Nutzungsmuster. Der Begriff „problematische Nutzung" bezeichnet eine Form der Mediennutzung, die negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die sozialen Beziehungen und die Alltagsbewältigung hat. Die Studie verwendet validierte Screening-Instrumente wie die Social Media Disorder Scale, um diese Phänomene zu erfassen.
Die Daten zeigen, dass etwa 10 Prozent der 11- bis 15-Jährigen Anzeichen problematischer Social-Media-Nutzung aufweisen, wobei dieser Anteil von unter 7 Prozent im Jahr 2017/18 auf 10 Prozent im Jahr 2021/22 gestiegen ist. Mädchen (12 Prozent) sind häufiger betroffen als Jungen (8 Prozent), und Jugendliche mit Migrationshintergrund (14 Prozent) sowie aus Einelternfamilien (12 Prozent) zeigen höhere Raten als ihre Altersgenossen (OECD, 2025).
Die Studie identifiziert verschiedene Symptome problematischer Nutzung. Etwa 46 Prozent der Social-Media-nutzenden Jugendlichen berichten, dass sie diese Plattformen oft nutzen, um negativen Gefühlen zu entkommen. Rund 16 Prozent der 11-Jährigen und 20 Prozent der 15-Jährigen geben an, regelmäßig andere Aktivitäten wie Hobbys oder Sport zu vernachlässigen, weil sie Social Media nutzen wollen. Etwa 17 Prozent der 15-Jährigen fühlen sich mindestens die Hälfte der Zeit ängstlich oder nervös, wenn sie ihre digitalen Geräte nicht bei sich haben (OECD, 2025).
Ein weiterer Befund betrifft die ständige Erreichbarkeit: Etwa 35 Prozent der Jugendlichen berichten, fast ständig online mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu sein. Diese „Hyperconnectivity" steigt mit dem Alter, von 29 Prozent bei 11-Jährigen auf 38 Prozent bei 15-Jährigen, und ist bei Mädchen (38 Prozent) häufiger als bei Jungen (31 Prozent) (OECD, 2025).
Vulnerable Gruppen und Risikofaktoren
Die Studie identifiziert mehrere Faktoren, die Kinder und Jugendliche besonders vulnerabel für negative Auswirkungen digitaler Mediennutzung machen. Diese Vulnerabilitätsfaktoren entstammen häufig dem Offline-Kontext und zeigen, dass digitale Risiken oft bestehende Ungleichheiten widerspiegeln und verstärken.
Familiäre Belastungsfaktoren spielen eine zentrale Rolle. Jugendliche aus dysfunktionalen Familienverhältnissen, gekennzeichnet durch elterliche Konflikte, Vernachlässigung oder autoritäre Erziehungsstile, zeigen ein erhöhtes Risiko für problematische Internetnutzung. Die digitale Welt kann für diese Jugendlichen eine Fluchtmöglichkeit darstellen, wobei diese Bewältigungsstrategie langfristig oft zu weiteren Problemen führt (OECD, 2025).
Sozioökonomische Benachteiligung ist ein weiterer Risikofaktor. Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status nutzen digitale Medien seltener für Bildungszwecke, haben ein signifikant höheres Risiko für exzessive Videospielnutzung und können seltener Privatsphäre-Einstellungen anpassen. Sie lassen auch häufiger Benachrichtigungen beim Schlafengehen aktiviert (54 Prozent gegenüber 39 Prozent bei privilegierten Altersgenossen) (OECD, 2025).
Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich konsistent über verschiedene Bereiche. Mädchen nutzen häufiger Social Media intensiv und berichten öfter über Belastungen durch unangemessene Inhalte oder Hassrede. Jungen zeigen häufiger riskante digitale Verhaltensweisen: Sie verbringen mehr Zeit mit Videospielen, lassen häufiger Benachrichtigungen beim Schlafengehen aktiviert, beteiligen sich öfter an Cybermobbing und teilen häufiger ungeprüfte Informationen online (OECD, 2025).
Implikationen für die Präventionsarbeit
Die Erkenntnisse haben weitreichende Konsequenzen für die präventive Arbeit. Die Studie betont die Notwendigkeit eines „Whole-of-Society"-Ansatzes, der alle relevanten Akteure einbezieht. Dieser ganzheitliche Ansatz erkennt an, dass die Verantwortung für ein sicheres und förderliches digitales Umfeld nicht allein bei Kindern und ihren Familien liegen kann, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt.
Für Präventionsfachkräfte bedeutet dies konkret, interdisziplinäre Kooperationen zu stärken. Die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen, Bildungseinrichtungen, Sozialarbeit und Technologieanbietern ist entscheidend, um die Herausforderungen der digitalen Welt angemessen zu adressieren. Dabei sollten Präventionsprogramme die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen berücksichtigen.
Die Studie zeigt, dass universelle Präventionsansätze durch zielgruppenspezifische Interventionen ergänzt werden müssen. Für Mädchen sollten Programme entwickelt werden, die sich auf den gesunden Umgang mit Social Media, Körperbildthemen und Online-Beziehungen konzentrieren. Für Jungen sind Interventionen wichtig, die problematisches Gaming adressieren und prosoziales Online-Verhalten fördern. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien benötigen zusätzliche Unterstützung beim Erwerb digitaler Kompetenzen und beim Zugang zu bildungsförderlichen digitalen Ressourcen.
Ein zentraler Baustein effektiver Prävention ist die Förderung digitaler Kompetenz. Die Studie zeigt Defizite in diesem Bereich: Nur etwa die Hälfte der 15-Jährigen kann Datenschutzeinstellungen problemlos anpassen, und 28 Prozent vergleichen keine Quellen bei der Online-Recherche. Präventionsprogramme sollten daher praktische Fähigkeiten vermitteln, etwa das kritische Bewerten von Online-Informationen, das sichere Verwalten persönlicher Daten und das Erkennen manipulativer Design-Elemente in digitalen Anwendungen.
Die Rolle der Eltern und Erziehungsberechtigten
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Elternarbeit in der digitalen Prävention. Dabei zeigt sich, dass viele Eltern sich überfordert fühlen und Unterstützung benötigen. Die Studie empfiehlt, Eltern nicht nur als Kontrollinstanz zu sehen, sondern als Partner in der digitalen Erziehung zu stärken.
Effektive Elternarbeit sollte über simple Zeitbeschränkungen hinausgehen. Die Forschung zeigt, dass Regeln bezüglich der Inhalte effektiver sind als reine Zeitlimits. Strenge Zeitbeschränkungen können zu Trotzreaktionen führen, während eine Diskussion über angemessene Inhalte und gemeinsame Mediennutzung positive Effekte hat. Die Studie empfiehlt die Entwicklung von Familienmediennutzungsplänen, die alle Familienmitglieder einbeziehen und auch die Mediennutzung der Eltern thematisieren (OECD, 2025).
Besonders wichtig ist die elterliche Begleitung bei jüngeren Kindern. Interaktive Nutzung digitaler Medien gemeinsam mit Erwachsenen kann positive Effekte auf die Sprachentwicklung haben, während passive, unbegleitete Nutzung negative Auswirkungen hat. Präventionsprogramme sollten Eltern konkrete Strategien vermitteln, wie sie digitale Medien gemeinsam mit ihren Kindern nutzen und dabei Lernprozesse unterstützen können.
Strukturelle Präventionsansätze
Neben individuumszentrierten Ansätzen betont die Studie die Bedeutung struktureller Maßnahmen. Die Gestaltung digitaler Dienste und Plattformen spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden von Kindern. Viele der identifizierten Probleme entstehen durch Design-Entscheidungen, die auf maximale Nutzerbindung ausgerichtet sind.
Die Studie fordert „Digital Safety by Design", die Integration von Sicherheitsaspekten bereits in der Entwicklungsphase digitaler Produkte. Dies umfasst altersgerechte Voreinstellungen, transparente Datenverarbeitung, effektive Meldemechanismen für problematische Inhalte und die Vermeidung manipulativer Design-Elemente wie endloses Scrollen oder variable Belohnungssysteme, die suchtähnliche Nutzungsmuster fördern können (OECD, 2025).
Für die Präventionsarbeit bedeutet dies, auch auf politischer Ebene aktiv zu werden. Die Studie zeigt, dass in Europa nur etwa ein Drittel der Länder über nationale Aktionspläne für Kinder in der digitalen Umgebung verfügt. Präventionsfachkräfte sollten sich für die Entwicklung und Umsetzung solcher Pläne einsetzen und dabei ihre Expertise einbringen.
Vier Säulen für eine bessere digitale Zukunft
Die OECD-Studie fasst ihre Handlungsempfehlungen in vier Säulen zusammen.
- Regulierung. Effektive rechtliche Rahmenbedingungen und kinderfreundliches Design digitaler Dienste.
- Bildung. Schulen und Lehrkräfte vermitteln digitale Kompetenzen und sicheren Umgang.
- Familie. Unterstützung für Eltern beim gemeinsamen Management der digitalen Mediennutzung.
- Partizipation. Einbeziehung der Perspektiven und Erfahrungen von Kindern in die Politikgestaltung.
Neue Herausforderungen durch KI und Virtual Reality
Die Studie widmet sich auch den aufkommenden Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Virtual Reality. Diese Technologien bieten neue Chancen, bergen aber auch spezifische Risiken. KI kann personalisierte Lernerfahrungen ermöglichen und bei der Früherkennung von Entwicklungsproblemen helfen. Gleichzeitig verstärken KI-gesteuerte Empfehlungsalgorithmen das Risiko problematischer Nutzungsmuster und können Kinder gezielt manipulativen Inhalten aussetzen.
VR-Technologien versprechen immersive Lernerfahrungen und therapeutische Anwendungen, etwa in der Schmerzbehandlung. Die Studie warnt jedoch vor Risiken wie Motion Sickness, Augenbelastung und der Gefahr, dass jüngere Kinder Schwierigkeiten haben, virtuelle und reale Erfahrungen zu unterscheiden. Präventionsprogramme müssen sich auf diese neuen Technologien einstellen und entsprechende Kompetenzen vermitteln (OECD, 2025).
Monitoring und Evaluation
Ein wichtiger Aspekt der Studie ist die Betonung verbesserter Datenerhebung und Monitoring-Systeme. Die Studie identifiziert Datenlücken, insbesondere bezüglich jüngerer Kinder und positiver Aspekte digitaler Mediennutzung. Für die Präventionsarbeit bedeutet dies, eigene Evaluationsinstrumente zu entwickeln und zur Verbesserung der Datenlage beizutragen.
Die Studie empfiehlt die Nutzung verschiedener Datenquellen: Befragungen von Kindern und Jugendlichen, Einbeziehung der Perspektiven von Eltern und Fachkräften, Nutzung digitaler Verhaltensdaten unter Wahrung des Datenschutzes und longitudinale Studien zur Erfassung von Entwicklungsverläufen. Präventionsprogramme sollten von Anfang an mit robusten Evaluationsdesigns geplant werden, um zur Evidenzbasis beizutragen.
Fazit
Die OECD-Studie liefert ein umfassendes und differenziertes Bild der digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Die zentrale Botschaft ist klar: Digitale Medien sind weder grundsätzlich gut noch schlecht für Kinder. Ihre Auswirkungen hängen von vielen Faktoren ab, von der Art und Intensität der Nutzung, vom Alter des Kindes, vom familiären und sozialen Kontext sowie von individuellen Vulnerabilitäten. Präventionsarbeit muss diese Komplexität anerkennen und differenzierte Ansätze entwickeln.
Die Studie zeigt auch, dass digitale Ungleichheiten bestehende soziale Ungleichheiten verstärken können. Kinder aus benachteiligten Verhältnissen sind häufiger digitalen Risiken ausgesetzt und können seltener von den Chancen digitaler Medien profitieren. Präventionsarbeit hat hier eine ausgleichende Funktion.
Erfolgreiche Prävention im digitalen Zeitalter erfordert neue Kompetenzen und Kooperationsformen. Fachkräfte müssen sich kontinuierlich weiterbilden, interdisziplinär zusammenarbeiten und flexibel auf technologische Entwicklungen reagieren. So können wir Kinder dabei unterstützen, die Chancen der digitalen Welt zu nutzen und gleichzeitig vor ihren Risiken zu schützen.
Die digitale Transformation ist unumkehrbar, und Kinder wachsen selbstverständlich in einer digitalisierten Welt auf. Aufgabe der Präventionsfachkräfte ist es, sie dabei zu begleiten, zu schützen und zu befähigen, für ein gesundes Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft.
Literatur
OECD (2025). How's Life for Children in the Digital Age? OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/0854b900-en
Hinweis: Alle weiteren im Text erwähnten Studien werden in der OECD-Publikation zitiert und können dort im Detail nachgelesen werden.