Struktur und Kultur
- Arbeitsplatzrichtlinien zum Umgang mit Substanzen.
- Suchtpräventive Schulungen für Führungskräfte und Beschäftigte.
- Stärkung sozialer Unterstützung im Kollegium.
Ein weiteres wichtiges Setting auf der Mikroebene ist die Schule. Wir beginnen mit einem Blick auf die Merkmale schulbasierter Präventionsmaßnahmen und deren Ziele, aber auch auf die Anwendung von Theorien in der Praxis. Bei der schulischen Prävention betonen wir die Wichtigkeit von Schülerbefragungen bei der Ausarbeitung eines Konzeptes. Als Beispiele für evidenzbasierte Programme im Kontext Schule stellen wir Ihnen Unplugged, Klasse 2000 und Lions-Quest vor.
Leider gibt es in Europa nicht viele bestehende Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz, und noch weniger sind evidenzbasiert. Wir hoffen, dass dieses Kapitel eine Inspiration sein kann, sich näher mit dem Thema Prävention am Arbeitsplatz zu beschäftigen. Dazu skizzieren wir die Merkmale arbeitsplatzbezogener Präventionsarbeit und diskutieren die Hindernisse, die auftreten können.
Für Kinder und Jugendliche sind die beiden wichtigsten Orte der Prävention die Familie und die Schule. Tatsächlich verbringen viele Kinder wahrscheinlich mehr Zeit in der Schule als mit einem oder beiden Elternteilen. Ein Vorteil des schulischen Kontextes ist, dass präventive Botschaften an alle Kinder (universelle Prävention) vermittelt werden können und nicht nur an diejenigen, die einer Hochrisikogruppe (selektive Prävention) oder einer vulnerablen Gruppe (indizierte Prävention) zugehören. Alle Kinder können von universellen Präventionsmaßnahmen in der Schule profitieren, insbesondere dann, wenn diese nicht nur risikospezifische, sondern auch entwicklungsfördernde Elemente beinhalten. Universelle Maßnahmen bergen zudem ein geringeres Stigmatisierungsrisiko, da Risikogruppen nicht erkennbar von der Klasse getrennt werden. Evaluationen haben darüber hinaus gezeigt, dass es sogar zu einer Verstärkung von Problemverhalten führen kann, wenn Jugendliche mit Risikoverhalten in einer separaten Gruppe zusammengeführt werden (z. B. Poulin, 2001) .
Schulen gibt es in verschiedensten Formen, Größen und Prägungen, aber in fast jedem Land haben Schulen die Aufgabe, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, voll integrierte Mitglieder ihrer Gesellschaft zu werden. Schulen und Bildung leisten jedoch viel mehr als das. In einem Bericht der Weltbank von 2007 (Hanushek & Wößmann, 2007) wurde durch Analysen von Bildungsdaten und Volkswirtschaften folgendes festgestellt: „Es gibt eindeutige Belege dafür, dass die kognitiven Fähigkeiten der Bevölkerung – und nicht nur der Schulerfolg – stark mit dem individuellen Einkommen, der Einkommensverteilung und dem Wirtschaftswachstum zusammenhängen”.
Kognitive Fähigkeiten sind in diesem Kontext wie folgt definiert:
Die Schule ist, wie die Familie, eine Umgebung auf der Mikroebene, die eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung wichtiger personaler und sozialer Kompetenzen sowie prosozialen Verhaltens spielt. Es gibt viele komplexe Interaktionen zwischen biologischen, persönlichen, sozialen und Umweltfaktoren, die das menschliche Verhalten formen und beeinflussen. Diese Interaktionen prägen die Werte, Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen und sind besonders wichtig für die körperliche, emotionale und soziale Entwicklung von der Kindheit bis zur Adoleszenz und von der Adoleszenz bis zum Erwachsenenalter. Die Schule kann beeinflussen, ob Kinder und Jugendliche positive oder negative Verhaltensweisen als akzeptabel oder inakzeptabel wahrnehmen. Daher können schulische Präventionsmaßnahmen das Risiko für bestimmte Problemverhaltensweisen und insbesondere den Substanzgebrauch beeinflussen.
Ein übergreifend bedeutsames Ziel schulischer Prävention ist es, ein positives Schulklima zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Grundsätzlich wird zwischen verhaltenspräventiven und verhältnispräventiven Maßnahmen unterschieden, wobei verhaltenspräventive Maßnahmen stets einen Verhältnisbezug aufweisen sollten.
Die Präventionsforschung zeigt, etwa für gewalt- oder suchtpräventive Programme, dass diese auch einen positiven Einfluss auf die schulische Leistung und den Absentismus haben (Gasper, 2011) . Sich für schulische Prävention zu engagieren, bedeutet also bis zu einem gewissen Grad, sich von der Fixierung auf einzelne Präventionsziele zu verabschieden und stattdessen schullaufbahnumfassend, kompetenzorientiert und themenübergreifend zu planen.
| Intervention | Zielebene | Wirksamkeitsindikator |
|---|---|---|
| Lebenskompetenzförderung und sozialer Einfluss | Universell und selektiv Allgemeinbevölkerung und Risikogruppen |
gut belegt |
| Schulpolitik und Kultur | Universell Allgemeinbevölkerung |
ausreichend belegt |
| Auseinandersetzung mit individueller psychologischer Vulnerabilität | Indiziert Gefährdete Einzelpersonen |
ausreichend belegt |
Lesehilfe: drei Punkte = gut belegt, zwei Punkte = ausreichend belegt. Quelle: EUPC-Manual, Tabelle 12.
Die Annahme, dass Schulen bereitwillig dem Vorschlag zur Einführung eines umfassenden Präventionsprogramms zustimmen, ist naiv. Es ist daher wichtig, vorab zu klären, inwieweit die Schule bereits ein Präventionskonzept hat und ob die Organisation die Voraussetzungen erfüllt, um sich erfolgreich „auf den Weg zu machen” (Greenberg, 2005) . Einige Schlüsselfragen, die es hier zu beachten gilt, lauten:
Es ist wichtig, dass ein entscheidungskompetentes Projektteam sowie eine Steuerungsgruppe (z.B. bestehend aus Schulleitung und Gesamtlehrerkonferenz) existieren, damit die Nachhaltigkeit sichergestellt werden kann (Sloboda, 2014; Wandersman, 2008) . Die Einführung von Maßnahmen der Prävention, Gesundheits- und Entwicklungsförderung ist stets ein Schulentwicklungsprozess und aktualisiert deshalb wichtige Fragen, die die Organisation als Ganzes betreffen.
Welche Vision hat die Schule? Wie ist ihr Selbstverständnis in Bezug auf ihren Bildungsauftrag?
Eine wertvolle Strukturhilfe für die verschiedenen Schritte von der Bedarfserhebung hin zur Auswahl von Maßnahmen, deren Implementation und Evaluation kann der für die Schule angepasste Prozess von Communities That Care oder auch der Projektzyklus der EDPQS sein.
So wie in allen anderen Settings ist auch in der Schule entscheidend, dass Präventionsmaßnahmen auf einem genauen Verständnis vom Entwicklungsstand der Zielgruppe gründen (Ginsburg, 1982; UNODC International Standards, 2013) .
Die Kultusministerkonferenz (2012) empfiehlt, dass schulische Gesundheitsförderung und Prävention:
Generell soll darauf geachtet werden, dass schulische Gesundheitsförderung und Prävention:
Daten über das Ausmaß problematischer Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen sowie die zugrunde liegenden Risiko- und Schutzfaktoren sind hilfreich, um den Bedarf einzuschätzen und darauf basierend Priorisierungsentscheidungen zu treffen.
Art und Umfang der notwendigen Präventionsmaßnahmen lassen sich anhand von Daten belastbar begründen und gegenüber beteiligten Akteuren vertreten. Das Präventionsgesetz knüpft zudem die finanzielle Förderung von Maßnahmen an einen systematischen Bedarfserhebungsprozess, weshalb die bisher eher wenig verbreitete Praxis zukünftig an Bedeutung gewinnen wird.
Wertvolle Einsichten liefern sowohl große Kinder- und Jugendstudien (z. B. die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, KiGGS, des RKI oder die HBSC-Studie der WHO) als auch Studien, die spezifische Phänomene fokussieren, etwa Substanzkonsum, Mediennutzung oder Gewalterfahrung (z. B. ESPAD, JIM-Studie).
Genauere Aussagen lassen sich nur treffen, wenn die Schülerschaft und die Lehrkräfte direkt befragt werden. Sowohl die Gesetzlichen Krankenversicherungen als auch Communities That Care stellen hierfür standardisierte Erhebungsinstrumente bereit. Der Aufwand für Vor- und Nachbereitung ist hierbei jedoch erhöht.
Nicht in jedem Fall ist eine aktive Bedarfserhebung notwendig. Die Kultusministerkonferenz und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen definieren neben der problemunspezifischen Förderung von Lebenskompetenzen mehrere Handlungsfelder schulischer Prävention, die Orientierung bieten:
The 2015 ESPAD Report
Results from the European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs
Der Bericht stellt die Ergebnisse des sechsten Erhebungswellen-Zyklus des europäischen ESPAD-Projekts und der Datenerhebung 2015 zum 20. Jahrestag des Projekts vor.
Erfasst wurden Informationen von rund 96.000 Schülerinnen und Schülern aus 35 europäischen Ländern; rund 600.000 Lernende bildeten die Ausgangskohorte.
Eckdaten der Erhebung
Quelle: http://www.espad.org/ – sinngemäße Übertragung der Strukturangaben des ESPAD-Berichts 2015.
Kognitions- und Lerntheorien sowie die Theorie des geplanten Verhaltens lassen sich auf schulbasierte Präventionsmaßnahmen anwenden. Als Lebenswelt, in der sowohl die Schülerschaft als auch die Lehrkräfte die meiste Zeit ihres Tages verbringen, geht es in der Schule nicht nur um das Lernen. Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen spielen als Multiplikatoren von Präventionsmaßnahmen und als Vorbilder für positives Verhalten eine entscheidende Rolle. Die zwei Hauptelemente wirksamer Prävention im Setting Schule sind verhaltenspräventive Programme und Schulentwicklung (u. a. Verhältnisprävention, Regeln, Schulklima). In diesem Kapitel befassen wir uns vorwiegend mit schulischen Präventionsprogrammen. Schulentwicklung und Schulklima werden als Aspekte von Verhältnisprävention in Kapitel 7 näher beleuchtet.
Präventionsprogramme basieren in der Regel auf einem schriftlichen Manual, das durchzuführende Übungen und Inhalte spezifiziert, die von fortgebildeten Multiplikatoren innerhalb der Schule als Teil des Lehrplans umgesetzt werden. Mit Regeln sind schriftliche Vereinbarungen gemeint, die den Umgang mit Problemverhaltensweisen an der Schule festlegen (z. B. schulische Suchtmittelvereinbarung). Schulklima ist als der subjektive Eindruck definiert, der aus der Wahrnehmung der Qualität der sozialen Beziehungen in der Schule, der Teilhabe- und Mitbestimmungsmöglichkeiten, des Zustands des Gebäudes usw. entsteht. Es spiegelt folglich Normen, Ziele, Werte, Lehr- und Lernmethoden sowie Organisationsstrukturen wider.
In Tabelle 8 haben wir für Sie die durch Evaluationsstudien identifizierten allgemeinen Merkmale wirksamer und unwirksamer schulischer Präventionsprogramme zusammengefasst, die in Abhängigkeit vom Endpunkt (z. B. Substanzkonsum, Gewalt) weiter konkretisiert werden können.
Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt vieler schulischer Präventionsprogramme ist die Aussagekraft hinsichtlich der Beständigkeit der erzielten Wirkung. Viele Präventionsmaßnahmen konnten unmittelbar nach ihrem Abschluss positive Wirkungen nachweisen. Die Effekte waren zumeist geringer, wenn die Evaluation erst ein Jahr nach Abschluss der Intervention durchgeführt wurde. Für die Auswahl von Programmen bedeutet dies, dass solche bevorzugt werden sollten, die in ihrer Evaluation langfristige Effekte nachweisen konnten (z. B. durch Messwiederholung einige Jahre nach Interventionsende). Unabhängig davon gibt es dennoch gute Argumente für den Einsatz von Programmen, die nur kurzfristige Programmwirkungen nachweisen konnten. In manchen Bereichen (z. B. Substanzkonsum) kann die Verzögerung des Konsumbeginns in einer kritischen Lebensphase entscheidend sein. Auch wurde bisher noch wenig beforscht, wie sich schulische Rahmenkonzepte auswirken, die mehrere Programme über die Schullaufbahn hinweg vorsehen. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Einsatz mehrerer aufeinander abgestimmter Programme mit kurzfristigem Wirksamkeitsnachweis eine nachhaltigere Wirkung entfaltet als die einmalige Durchführung einer Maßnahme mit langfristiger Evaluationsstudie.
Nicht nur im Setting Schule gilt deshalb, dass statt einzelner Maßnahmen stets langfristige und umfassende Konzepte angestrebt werden sollten, die Verhaltens- und Verhältnisbezug aufweisen (vgl. EDPQS Kapitel 3).
| Wirksam | Unwirksam |
|---|---|
| Umsetzung und Struktur | |
| ✓ Interaktive Methoden Stark strukturierte Unterrichtsstunden und Gruppenarbeit, einem Lehrplan folgend |
✗ Didaktische Methoden wie Vorträge Unstrukturierte, spontane Diskussionen; Vertrauen auf Urteilsvermögen und Intuition von Lehrkräften |
| ✓ Durchführung durch geschulte Kursleiterinnen und Kursleiter | ✗ Schwache Evidenz für „Peers" (z.B. Gleichaltrige) und nicht von Erwachsenen durchgeführte Präventionsprogramme |
| ✓ Hohe Intensität 10 bis 15 wöchentliche Einheiten |
✗ Jegliche Formen von Einzelveranstaltungen |
| ✓ Programme mit mehreren Komponenten | ✗ Schwache Evidenz für „Booster"-Sitzungen in den Jahren nach einer Intervention |
| ✗ Poster und Broschüren | |
| Inhalt | |
| ✓ Entscheidungs-, Kommunikations- und Problemlösungskompetenz | ✗ Reine Vermittlung von Faktenwissen |
| ✓ Peer-Beziehungen sowie Förderung personaler und sozialer Kompetenzen | ✗ Vorträge von Betroffenen |
| ✓ Selbstwirksamkeit und Durchsetzungsvermögen | ✗ Ausschließliche Steigerung des Selbstwertgefühls |
| ✓ Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen den Substanzmissbrauch | ✗ Stichprobenartige Drogentests |
| ✓ Verstärkung substanzkritischer Normen und Haltungen; bildungsbezogene Unterstützungsangebote | ✗ Abschreckungstaktiken, die die Gefahren des Substanzgebrauchs übertreiben oder falsch darstellen und oft im Widerspruch zu den Erfahrungen der Schülerschaft stehen |
Quelle: EUPC-Manual, Tabelle 13.
Die folgenden Präventionsprogramme entstammen der Grünen Liste Prävention. Wir stellen diese lediglich als Anregung für Ihre eigene Suche nach einer geeigneten Intervention in Ihrem Kontext vor.
„Unplugged” ist ein schulbasiertes Programm, das Komponenten umfasst, die auf kritisches Denken, Entscheidungsfindung, Problemlösung, kreatives Denken, wirksame Kommunikation, zwischenmenschliche Beziehungen, Selbstbewusstsein, Empathie, den Umgang mit Emotionen und Stress, normative Überzeugungen sowie Wissen über gesundheitsschädigende Auswirkungen psychoaktiver Substanzen fokussieren. Der Lehrplan besteht aus zwölf einstündigen Einheiten, die einmal pro Woche von den Klassenlehrkräften unterrichtet werden, die zuvor einen 2,5-tägigen Lehrgang besucht haben.
Klasse2000 fördert mit erlebnis- und handlungsorientierten Methoden sowie sozialem Lernen die positive Einstellung der Kinder zur Gesundheit und vermittelt Wissen über den Körper. Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung sind ebenso wichtige Bausteine wie soziale Kompetenzen, der Umgang mit Gefühlen und Stress, Strategien zur Problem- und Konfliktlösung und der kritische Umgang mit Tabak und Alkohol. Themen sind Atmung, Entspannung und Bewegung, gesunde Ernährung, der Umgang mit Problemen und negativen Gefühlen, die gewaltfreie Lösung von Konflikten, die Gefahren von Tabak und Alkohol sowie Rollenspiele, etwa zum Neinsagen bei Gruppendruck. Das Unterrichtskonzept wird laufend aktualisiert und verbessert (z. B. Anpassung für Förderschulen). Pro Schuljahr halten die externen Klasse2000-Gesundheitsförderinnen und -förderer zwei bis drei weitere Unterrichtseinheiten, in denen sie wichtige Impulse setzen und neue Themen einführen. An diese Unterrichtseinheiten schließen sich jeweils mehrere von den Lehrkräften gestaltete Unterrichtsstunden an, um das Thema zu vertiefen und zu festigen. Klasse2000 legt großen Wert auf die Einbindung und Information der Eltern1.
„Erwachsen werden” umfasst in sieben Kapiteln ein Curriculum „Soziales Lernen”, das Kindern und Jugendlichen für ihr Selbstverständnis, ihr Verhalten und ihre Werteorientierung nachhaltige Hilfen anbietet. Jedes Kapitel ist einem Schwerpunktthema gewidmet und zielt auf die Vermittlung und das Training grundlegender Lebenskompetenzen:
Meine Klasse: Fragen zur eigenen Person: Wer bin ich? Wer sind die anderen? Wie gehen wir miteinander um? Welche Bedeutung hat die Gruppe und wie beeinflusst sie mich? (Grundlage für eine offene, vertrauensvolle und konstruktive Lernatmosphäre und die Arbeit mit den weiteren Programmkapiteln)
Stärkung des Selbstvertrauens: Was ist Selbstvertrauen? Worauf gründet es sich? Wie kann ich mein eigenes oder auch das anderer stärken? Sich der eigenen Fähigkeiten und Stärken bewusst werden, diese einsetzen, so Verantwortung übernehmen und dafür Anerkennung bekommen, fördert das Selbstvertrauen.
Mit Gefühlen umgehen: Eigene Gefühle wahr- und ernstnehmen, sie akzeptieren, ausdrücken und als etwas begreifen, das bei der Entwicklung der Persönlichkeit hilft, dazu auch Umgang mit belastenden Situationen.
Die Beziehungen zu Freundinnen und Freunden: Wie kann man echte Freundschaften aufbauen, weiterentwickeln und aufrechterhalten? Welchen Einfluss hat die Clique? Wie hält man Gruppendruck stand? Wie lassen sich Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte in einer Freundschaft konstruktiv lösen? Wie geht man gut mit Enttäuschungen und mit einem Verlust um?
Mein Zuhause: Welche Erwartungen und Wünsche haben Jugendliche an ihr Zuhause, was empfinden sie als enttäuschend, konfliktträchtig? Beziehungen innerhalb der eigenen und in anderen Familien reflektieren und Schritte zur Verbesserung der Beziehungen oder zur Lösung von Konflikten probieren.
Ich entscheide für mich selbst: Verantwortung für eigene Entscheidungen u. a. bei den Themen Lebensstil, Umgang mit dem eigenen Körper und berufliche Zukunft. Werbung und Medien werden kritisch hinterfragt. Zusätzlich werden die im Anhang des Lehrkräftehandbuchs enthaltenen Informationen über Sucht, Suchtmittel und Suchtverhalten aufgegriffen.
Ich weiß, was ich will: Kinder und Jugendliche haben Träume und Hoffnungen, was sie in ihrem Leben erreichen möchten. Sie müssen lernen, sich Ziele zu setzen und sich auf den Weg dorthin zu machen2.
Der „Arbeitsplatz” oder die Arbeitsumgebung ist der physische Ort, an dem Menschen arbeiten. In vielen Industrienationen ist der Arbeitsplatz eine der Schlüsselinstitutionen innerhalb einer Gesellschaft, da ein bedeutender Anteil der Erwachsenen erwerbstätig ist und sich in einem Arbeitssetting aufhält. Darüber hinaus treiben Arbeit und Arbeitsbedingungen die Wirtschaft an und fördern das Wirtschaftswachstum. Substanzgebrauchsstörungen sind besonders in Branchen von großer Bedeutung, in denen es um Sicherheitsfragen geht oder in denen individuelle Leistungsmängel erhebliche Auswirkungen haben können. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Bau, Landwirtschaft, Verkehr, Energie, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Finanzdienstleistungen (EBDD, 2017b, S. 143) .
Die Arbeitswelt als Setting bietet den Arbeitnehmern zudem die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung und ist ein Ort für neue Erfahrungen sowie das erlernen von neuen Normen und Verhaltensweisen.
Da Erwachsene in der Regel einen erheblichen Teil ihres Tages am Arbeitsplatz verbringen, kann es enorme Auswirkungen auf deren Gesundheit und Wohlbefinden haben sowie auf die Anfälligkeit für Suchtprobleme, ob sie ihre Arbeit als lohnend und zufriedenstellend oder als zu stressig und demotiverend empfinden.
Frone (2013) unterscheidet auch zwischen Substanzgebrauch und -beeinträchtigung am Arbeitsplatz und in der Belegschaft.
Arbeitsplatzfaktoren können ein Klima fördern, das den Substanzgebrauch am Arbeitsplatz begünstigt. Dazu gehören drei Hauptfaktoren:
Der letzte Faktor bezieht sich auch auf die Arbeitsumgebungen, die den Gebrauch von Substanzen zur Leistungssteigerung, zur Bewältigung hoher Arbeitsbelastungen und strenger Zeitpläne fördern oder wenn Substanzen als integraler Bestandteil des Beziehungsaufbaus mit Kollegen und (potenziellen) Kunden betrachten werden.
Neben allgemeinen Risikofaktoren können arbeitsbezogene Stressfaktoren, wie ein hohes Maß an Arbeitsanforderungen, mangelnde Arbeitsplatzkontrolle und Arbeitsplatzunsicherheit, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Mitarbeiter Substanzen als Spannungs- und Stressabbautechniken eingesetzt, um die Arbeitssituation zu bewältigen. Es wird angenommen, dass eine häufigere Exposition gegenüber Arbeitsstressoren zu einem häufigeren und stärkeren Konsum von Substanzen führt, oft kurz vor, während oder unmittelbar nach einem Arbeitstag. Die meisten substanzbezogenen Probleme hängen jedoch mit dem Mitarbeiter als Privatperson zusammen, was bedeutet, dass der größte Teil des Substanzgebrauchs zwar außerhalb der Arbeit liegt, jedoch trotzdem negative Auswirkungen auf die Arbeitsleistung haben. Diese können sich in Fehlzeiten, Verspätungen, Arbeitsplatzverluste, Krankheiten und höheren medizinische Kosten äußern. Auch kann der Gebrauch von Substanzen am Arbeitsplatz zu einer Abnahme der Arbeitssicherheit, hohem arbeitsbedingtem Stress und einer geringeren Moral unter Mitarbeitern führen, die keine Substanzen am Arbeitsplatz gebrauchen.
Leider ist die Datenlage im Bereich des Substanzgebrauchs am Arbeitsplatz und seine Auswirkungen noch sehr lückenhaft. Allerdings sind illustrative Studien aus den Mitgliedstaaten nützlich. So wurde beispielsweise im Vereinigten Königreich geschätzt, dass der Alkoholgebrauch zu 11-17 Millionen verlorenen Arbeitstagen führt und jährlich 1,8 Milliarden Pfund kostet (Plant Work, 2006) .
Der Substanzgebrauch am Arbeitsplatz ist ein besonderes Anliegen in sicherheitskritischen Rollen, in denen die Mitarbeiter Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer (z.B. Piloten, Ärzte, Sicherheitstechniker) tragen und in denen Beeinträchtigungen durch Substanzen oder aus anderen Gründen schwerwiegende Folgen haben können. In Frankreich standen 15-20% der Arbeitsunfälle im französischen Eisenbahnsystem in direktem Zusammenhang mit dem schädlichen Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen (Ricordel & Wenzek, 2008) .
Ein Element der Bedarfsanalyse ist, zu verstehen, inwiefern der Arbeitsplatz bereit ist organisatorische Veränderungen anzustoßen oder die Bereitschaft zeigt, gesundheitsförderliche und/oder (sucht-)präventive Maßnahmen zu ergreifen. Es bestehen eine Reihe von Theorien, die entwickelt wurden, um organisatorische Veränderungen zu verstehen. Zum Beispiel betont die „Stage Theory”, dass es wichtig ist zu wissen, wo sich eine Organisation auf dem Weg organisatorischer Veränderungen befindet, bevor sie Präventionsrichtlinien und Interventionen umsetzt.
Die „Stage Theory” (Kaluzny & Hernandez, 1988) beschreibt vier Phasen, die Organisationen durchlaufen, bevor eine Veränderung oder Innovation angenommen und institutionalisiert wird.
Hinsichtlich der Prävention am Arbeitsplatz gibt es vier Aspekte zu beachten (Abbildung 24).
Struktur und Kultur
Niedrigschwellige Angebote
Individuelle Maßnahmen
Quelle: EUPC-Manual, Abbildung 24 – drei Präventionsebenen am Arbeitsplatz, flankiert durch Behandlung und Rückkehr zur Arbeit.
Universelle Prävention:
Selektive Prävention:
Indizierte Prävention:
Wenn es um Prävention am Arbeitsplatz geht, ist es wichtig auch Strategien und Interventionen zu bedenken, die eine Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Therapie und eine Wiedereingliederung in die Belegschaft sicherstellen. Obwohl es sich dabei formal nicht um Prävention handelt, beinhaltet dieses Curriculum die Therapie und Reintegration in die Arbeit sowie die Rückfallprävention als wesentliche Bestandteile eines umfassenden Ansatzes zum Substanzgebrauch am Arbeitsplatz. Ziel eines solchen ist nicht die Bestrafung, sondern die Prävention oder Verminderung des Substanzgebrauchs und, falls erforderlich, die Identifizierung von Konsumenten und Bereitstellung eines klaren Behandlungsweges sowie Reintegration in die Arbeitswelt. Nach der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz benötigen diese Arbeitskräfte fortlaufende Unterstützung, um einen Rückfall zu verhindern. Das EBDD-Portal enthält einen Abschnitt über die Prävention am Arbeitsplatz, der einen Überblick über empfohlene Ansätze bietet3. Auch hat die EBDD einen Leitfaden über Ansätze der beruflichen Wiedereingliederung publiziert, der die beruflichen Chancen von Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörungen verbessern soll und einen Abschnitt über Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz enthält4. Obwohl es als Reaktion auf die nationale Gesetzgebung entwickelt wurde, haben die USA ein sogenanntes Drug-Free Workplace-Toolkit veröffentlicht, das Leitlinien für die Entwicklung von Arbeitsplatzrichtlinien, Mitarbeiterschulungen, Managementschulungen, Unterstützungsprogramme für Mitarbeiter mit schwerwiegenderen Problemen und Drogentests enthält (siehe Abschnitt ‚Drogentests’ weiter unten für wichtige EU-Diskussionen zu diesem Thema).
Umfassende arbeitsplatzbezogene Präventionsmaßnahmen konzentrieren sich in der Regel auf drei Hauptziele: 1) Arbeitsumgebung, 2) soziale Interaktion/Peer Support (Unterstützung durch Kollegen) und 3) individueller Substanzgebrauch (siehe Abbildung 25). Das heißt die Richtlinien und Interventionen am Arbeitsplatz können sich auf die Änderung persönlicher, sozialer und verhältnisbezogener Faktoren konzentrieren, die die Wahrscheinlichkeit des Substanzgebrauchs beeinflussen. Die Komponenten eines umfassenden Präventionsansatzes sollten alle drei der nachstehend aufgeführten Ziele berücksichtigen:
Arbeitsumgebung:
Soziale Interaktion / Unterstützung durch Kollegen
Individueller Substanzgebrauch:
Trotz der zwingenden Gründe für die Einführung von Präventionsstrategien und -interventionen zögern viele Organisationen, derartige Maßnahmen umzusetzen. Während die Prävention anderer Gesundheits- und Sicherheitsfragen aktiv angegangen wird, wird substanzbezogene Prävention weiterhin oft ignoriert. Der Hauptgrund für dieser Zurückhaltung und die größte Hürde für die Umsetzung ist, das mit dem Substanzthema verbundene Stigma.
Organisationen zögern ebenso das Ausmaß des Substanzgebrauchs bei ihren Beschäftigten zu untersuchen, als auch Maßnahmen zu ergreifen, um das Problem anzugehen oder zu verhindern. In vielen Kulturen gelten Alkohol- und Substanzgebrauch als moralisch verwerflich bzw. werden in erster Linie als Rechtsfrage und nicht als Gesundheits- und Sicherheitsfrage behandelt.
Zu den weiteren Hindernisse für die Umsetzung gehören:
Drogentests existieren seit Jahrzehnten, vielerorts werden sie immer noch als umstritten angesehen. Für viele Organisationen, und auch Länder ist der Versuch, ein Gleichgewicht zwischen der Sicherheit der Arbeitnehmer und dem Schutz der Privatsphäre und Diskriminierungsbelangen herzustellen, ein vorrangiges Anliegen. Ein weiteres wesentliches Problem ist, dass Abbauprodukte von Substanzen lange nach dem Gebrauch in einer biologischen Probe verbleiben können (tatsächlich kann im Fall von Haaren die Droge monatelang in der Probe nachgewiesen werden). Drogentests können deshalb nicht als Nachweis für eine Störung verstanden werden. Vor der Entscheidung für die Implementierung eines Drogentest-Programms, sollten Organisationen die unzähligen rechtlichen Aspekte berücksichtigen, die von Land zu Land unterschiedlich sind.
Während Forschungen einige positive Effekte von Drogentests zeigen konnten, sind diese an und für sich keine Präventionsmaßnahme und sollten nur als Teil einer umfassenden Substanzpräventionsstrategie implementiert werden.
Richtlinien und Kultur
Kollegiale Unterstützung
Individuelle Ansätze
Verhältnis- und Verhaltensprävention integrieren
Quelle: EUPC-Manual, Abbildung 25 – umfassender Präventionsansatz am Arbeitsplatz auf drei Handlungsebenen.
3-year iatrogenic effects associated with aggregating high-risk adolescents in cognitive-behavioral preventive interventions
Applied Developmental Science, 5(4), 214–224
The role of education quality in economic growth
World Bank Policy Research Working Paper 4122
Revisiting the relationship between adolescent substance use and high school dropout
Journal of Substance Use Issues, 41(4), 587
The study of implementation in school-based preventive interventions: Theory, research, and practice
Center for Mental Health Services, Substance Abuse and Mental Health Services Administration, US Department of Health and Human Services, Washington, DC, 60
Implementation science and the effective delivery of evidence-based prevention
In Z. Sloboda & H. Petras (Eds.), Advances in Prevention Science: Defining Prevention Science (pp. 293–314). New York: Springer Publishing
Bridging the gap between prevention research and practice: The interactive systems framework for dissemination and implementation
American Journal of Community Psychology, 41(3–4), 171–181
Jean Piaget and Rudolf Steiner: Stages of child development and implications for pedagogy
The Teachers College Record, 84(2), 327–337
International Standards on Drug Use Prevention
Vienna, Austria: UNODC
Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2012
KMK, Berlin
Health and social responses to drug problems: A European guide
Luxembourg: Publications Office of the European Union
Alcohol and illicit drug use in the workforce and workplace
Washington, DC: American Psychological Association
Coming clean: Drug and alcohol testing in the workplace
World of Work: The Magazine of the ILO, 57, 33–36
Cannabis and safety of work. Evolution of its detection within the controls of narcotics since 2004 to the SNCF
Annales Pharmaceutiques Françaises, 66, 255–260
Organizational change and innovation
In S. Shortell & A. Kaluzny (Eds.), Health Care Management: A Text in Organizational Theory and Behavior (2nd ed., pp. 379–417). New York, NY: John Wiley
Integrativer Rahmen zur Planung von Verhaltensinterventionen, entwickelt von Michie, van Stralen und West (2011). Das Rad verbindet das COM-B-Modell als inneren Kern (Capability, Opportunity, Motivation) mit neun Interventionsfunktionen (z. B. Aufklärung, Training, Umgebungsumgestaltung) und sieben politischen Kategorien (z. B. Regulierung, Fiskalmaßnahmen). Im EUPC dient das Rad dazu, aus theoretischen Zielen konkrete Interventionsentscheidungen abzuleiten.
Blueprints for Healthy Youth Development, geführt vom Center for the Study and Prevention of Violence an der University of Colorado Boulder. Internationales Evidenzregister, das Programme nach strengen methodischen Kriterien als Promising, Model oder Model Plus einstuft.
Verhaltensmodell von Michie, van Stralen und West (2011), das das Auftreten eines Verhaltens auf drei interagierende Quellen zurückführt: Fähigkeit (Capability, physisch und psychologisch), Gelegenheit (Opportunity, sozial und physisch) und Motivation (reflektiv und automatisch). COM-B bildet den inneren Kern des Behaviour Change Wheel und wird im EUPC als gemeinsames Rahmenmodell für die Planung wirksamer Präventionsinterventionen eingesetzt.
Evidenzbasiertes Planungs- und Steuerungssystem für kommunale Prävention, entwickelt von David Hawkins und Richard Catalano (University of Washington). Fünfphasiger Zyklus von der Koalitionsbildung über Bedarfserhebung und Programmauswahl bis zur Wirkungsmessung.
Jährlicher Fachkongress für Kriminal- und Gewaltprävention mit rund 3.000 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Praxis und Politik. Zentrale Plattform für den Austausch zwischen Präventionsforschung und kommunaler Praxis, Mitherausgeber zahlreicher Standards und Gutachten.
European Drug Prevention Quality Standards, koordiniert von der EUDA und einem europäischen Konsortium. Definieren acht Qualitätsstandards entlang des gesamten Projektzyklus, von Bedarfserhebung bis Evaluation, und enthalten einen expliziten ethischen Rahmen.
Vom Rat der Europäischen Union am 18. Dezember 2020 angenommene Rahmensetzung für die Drogenpolitik der Mitgliedstaaten. Sie definiert drei Prioritätsbereiche (Angebotsreduktion, Nachfragereduktion, Querschnittsfragen) und macht Prävention und evidenzbasierte Qualitätsstandards zum operativen Schwerpunkt. Der konkretisierende EU-Aktionsplan 2021–2025 (ABl. C 272 vom 8.7.2021) benennt die EU-weite Förderung des Europäischen Präventionscurriculums als Aufgabe der EUDA, verpflichtet die Mitgliedstaaten aber nicht zur Zertifizierung einzelner Personen oder Organisationen – Teilnahme und Umsetzung bleiben freiwillig.
Verordnung (EU) 2023/1322 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Juni 2023 über die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) mit Sitz in Lissabon. Gültig ab dem 2. Juli 2024. Die Verordnung erweitert das Mandat der Vorgänger-Agentur EMCDDA ausdrücklich um Prävention, Frühintervention und Qualitätsstandards und verpflichtet die EUDA, das Europäische Präventionscurriculum (EUPC) in der gesamten EU zu fördern.
European Union Drugs Agency, seit dem 2. Juli 2024 Nachfolgerin der EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction) mit Sitz in Lissabon. Erweitertes Mandat, das ausdrücklich Prävention, Frühintervention und Qualitätsstandards einschließt.
European Prevention Curriculum, das standardisierte Fortbildungscurriculum der European Union Drugs Agency für Entscheidungstragende und Multiplikatoren in der Präventionsarbeit. Vermittelt evidenzbasierte Grundlagen nach den UNODC International Standards.
European Society for Prevention Research, europäische Fachgesellschaft für Präventionsforschung mit jährlicher wissenschaftlicher Tagung. Arbeitet eng mit der EUDA zusammen und begleitet Weiterentwicklung und Qualitätssicherung des European Prevention Curriculum.
Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20, 20a, 20b SGB V. Bindender Rahmen für die Förderung und Leistungserbringung der gesetzlichen Krankenkassen in Präventionslebenswelten.
Das deutsche Evidenzregister für Präventionsprogramme, gepflegt vom Landespräventionsrat Niedersachsen. Bewertet Programme nach standardisierten wissenschaftlichen Kriterien in drei Effektivitäts-Stufen: theoretisch gut begründet, wahrscheinlich wirksam, nachweislich wirksam.
Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule, Beschluss vom 15.11.2012. Rahmen für eine ganzheitliche, settingbezogene schulische Präventionsarbeit in den Ländern.
„Gesundheitsförderung und Prävention sind integrale Bestandteile von Schulentwicklung. Sie stellen keine Zusatzaufgaben der Schulen dar, sondern gehören zum Kern eines jeden Schulentwicklungsprozesses." (Abschnitt 1.2 Allgemeine Grundsätze)
Ressortübergreifendes Gremium beim Niedersächsischen Justizministerium, zuständig für die strategische Präventionsarbeit im Land und Herausgeber der Grünen Liste Prävention. Langjähriger Partner von FINDER bei der Verbreitung evidenzbasierter Programme in Deutschland.
Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG), in Kraft seit 25. Juli 2015. Verankert die settingbasierte Prävention in § 20a SGB V und verpflichtet die Sozialversicherungsträger zur Kooperation im Rahmen der Nationalen Präventionsstrategie.
„Ziel dieses Gesetzes ist es, Gesundheitsförderung und Prävention, insbesondere in den Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger, zu stärken."
Schulbezogene Adaption des Communities-That-Care-Ansatzes. Überträgt den datenbasierten Zyklus aus Bedarfserhebung, Priorisierung, evidenzbasierter Programmauswahl und Wirkungsmessung auf das Setting Einzelschule.
Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten. Rechtsgrundlage für settingbasierte Präventionsmaßnahmen in Kita, Schule, Kommune und Pflege.
„Die Krankenkasse erbringt Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten für in der Regel nicht gewerbsmäßig handelnde Einrichtungen und Organisationen (nichtbetriebliche Lebenswelten), insbesondere für Kindertageseinrichtungen, Schulen, Kommunen, Einrichtungen der Pflege."
Achtes Buch Sozialgesetzbuch, Kinder- und Jugendhilfe. Rechtsgrundlage für die Aufgaben der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Leistungen der Jugendsozialarbeit, des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes und der Hilfen zur Erziehung.
„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit." (§ 1 Abs. 1 SGB VIII)
Entwicklungstheoretisches Rahmenmodell von J. David Hawkins und Richard F. Catalano (Social Development Research Group, University of Washington). Beschreibt, wie prosoziales Verhalten entsteht: über Gelegenheiten zur Mitwirkung, Fertigkeiten für die Mitwirkung, Anerkennung für den Beitrag, daraus wachsende Bindung und gemeinsam getragene Überzeugungen. Grundlage von Communities That Care, Schools That Care und Einfach Wirksam.
Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz vom März 2026 zur Weiterentwicklung des Bildungssystems. Formuliert die systematische Erfassung von Wohlbefinden, datengestützte Entwicklungszyklen und sektorübergreifende Zusammenarbeit als verbindlichen Standard.
International Standards on Drug Use Prevention, 2. Auflage 2018, herausgegeben vom United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) in Wien gemeinsam mit der World Health Organization (WHO). Die Standards fassen die internationale Evidenzlage zur Suchtprävention aus über 200 systematischen Reviews und Metaanalysen zusammen, geordnet nach Lebensabschnitten (pränatal, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter) und nach Settings (Familie, Schule, Arbeitsplatz, Kommune, Gesundheitswesen). Sie nennen wirksame Interventionsformen (u.a. parenting skills programmes, life skills education in schools, brief intervention) ebenso wie unwirksame oder kontraproduktive Ansätze (u.a. rein informationsbasierte Kampagnen, Fear-Appeals). Die Standards bilden die inhaltliche Grundlage des EUPC.
Von der EU kofinanziertes Projekt (2015–2017, JUST-2015-AG-DRUG, Projektleitung HoGent, Belgien), das das Universal Prevention Curriculum (UPC, Applied Prevention Science International) in eine europäische Fassung adaptierte und daraus das European Prevention Curriculum (EUPC) ableitete. Neun Mitgliedstaaten waren beteiligt; FINDER Akademie war deutscher Konsortialpartner. Ergebnis: der 170-seitige EUDA-Manual „European Prevention Curriculum" (2019).
Washington State Institute for Public Policy, eine 1983 gegründete non-partisan Forschungseinrichtung der Washington State Legislature. Berechnet Nutzen-Kosten-Verhältnisse evidenzbasierter Programme, darunter Communities That Care (1:12,88 für die deutsche Übertragung).